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Technologie

Google rodet 250.000 Bäume in Finnland für Bau von Mega-Rechenzentrum

1 Kommentare 27. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Für die nächste Stufe der KI-Expansion lässt Google in Nordfinnland ganze Wälder verschwinden. Hunderte Hektar werden kahlgeschlagen, zehntausende Bäume fallen – und die Wölfe flüchten in die Siedlungen.

Die Behörden stoppten die Arbeiten vorläufig. Der Konzern entschuldigt sich. Das Bild bleibt: Der digitale Fortschritt frisst sich durch die Natur. Was in der finnischen Provinz Muhos passiert ist, ist ein Lehrstück überhybrider Arroganz globaler Tech-Monopole und wie willfährige Politik den Raubbau an der Natur hofiert. Laut The Guardian hat der US-Konzern rund 250.000 Bäume auf einer Fläche von 330 Hektar fällen lassen – ohne die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung abzuwarten. Anstelle eines Waldes: Schlamm, Fels, Wurzeln. Eine Wunde, die man vom Satelliten aus sieht.

Die Bilder erinnern an das, was wir von Konzernen kennen, die sich überall auf der Welt über Gesetze hinwegsetzen, solange niemand hinsieht. Egal ob in Finnland oder in Kronstorf in Oberösterreich – eine Umweltverträglichkeitsprüfung wird mit Hilfe willfähriger Politiker umgangen, denn allen ist klar, dass von Umweltverträglichkeit keine Rede mehr sein kann.

Die Wölfe kommen in die Dörfer

Doch es ist nicht nur die zerstörte Landschaft. Die Yle-Berichterstattung und der Guardian sagen übereinstimmend, dass die Vertreibung der Wildtiere fatale Folgen hat: Wölfe sind in menschliche Siedlungen eingedrungen, seit ihr Lebensraum abgeholzt wurde. Eine Dorfbewohnerin sagt es unmissverständlich: „Die Wölfe sind ins Dorf gekommen, weil alle Wildtiere den Wald verlassen haben.“

Dazu kommt braunes Wasser in Bächen, das von der gerodeten Fläche in die Oulujoki mündet. Der Mutterboden wurde gleich mit abgetragen – die Natur hat hier keine Chance, sich in absehbarer Zeit zu erholen.

Es ist ähnlich wie beim Bau von Windindustrien Anlagen in Wäldern. Die Bodenerosion ist enorm, wie in Studien dokumentiert Studie weist nach: Massive Waldschäden durch Windparks

Google schaltet auf „gutgläubig“ – und die Polizei ermittelt

Die finnische Aufsichtsbehörde LVV hat die Arbeiten an beiden Standorten – Muhos und Otanmäki/Kajaani – per Anordnung gestoppt. Die Polizei hat eine Voruntersuchung eingeleitet, ob ein Straftatbestand vorliegt. Insgesamt wurden über 530 Hektar Wald ohne fertige Umweltprüfung gerodet.

Googles Finnland-Chef Antti Järvinen sprach von „gutem Glauben“ und davon, dass man „zum besten Verständnis der Gesetzeslage gehandelt“ habe. Auf die Frage, welche Behörden denn informiert gewesen seien, wollte er keine Namen nennen. Man wolle „nicht öffentlich darüber debattieren“.

Und dann das, was die Sache noch übler macht: Der Bauinspektor der Gemeinde Muhos berichtet der Zeitung Helsingin Sanomat, Googles Anwälte hätten Druck auf ihn ausgeübt, die Genehmigungen für die Vorarbeiten zu erteilen. Järvinen bestreitet das – aber das Muster ist bekannt: Wenn ein Konzern mit Milliardeninvestitionen winkt, finden sich immer Beamte, die „beide Augen zudrücken“, wie es der SRF-Nordeuropa-Korrespondent formuliert.

Schon vor sieben Jahren hatte Google in Hamina Hunderttausende Bäume fällen lassen – und die Behörden ließen den Konzern damals gewähren, wegen der Milliardeninvestition.

145 Rechenzentren im kalten Finnland geplant

Finnland wirbt offiziell mit „stabilem Demokratiesystem“ und klarem Steuerrecht für Rechenzentren. 145 Projekte sind derzeit in Planung – Google, Meta, Microsoft als größte Investoren. Die Analyse von Yle zeigt: Google versprach 37.000 Arbeitsplätze und kündigte an, seinen Strom „gleich mitzubringen“ – inklusive Atomkraft-Deal mit Fortum.

Rechenzentren brauchen Platz, Strom und Kühlung. Nordische Länder mit kühlem Klima gelten als ideal. Was dabei unter den Tisch fällt, sind die konkreten ökologischen Kosten vor Ort – und die Frage, wem die Energie eigentlich gehört. Während Bürger auf Effizienz und Verzicht getrimmt werden, errichten Tech-Konzerne industrielle Anlagen, die ganze Landschaften umgestalten.

Der finnische Naturschutzverband spricht von „reiner Arroganz“. Schützenswerte Flächen seien gefällt worden. Weil die Rodung ohne die nötigen Genehmigungen erfolgte, darf das Holz nach Angaben von Umweltschützern nicht einmal an Verarbeitungsbetriebe verkauft werden.

Google ist kein Einzelfall. Die KI-Welle treibt einen globalen Boom an Rechenzentren. Die Umweltfolgen werden oft erst sichtbar, wenn der Wald bereits weg ist. In Finnland hat die Natur jetzt zumindest vorübergehend einen Stopp erzwungen. Ob das mehr als ein PR-Intermezzo bleibt, wird sich zeigen. Die Wölfe in den Dörfern sind jedenfalls ein deutliches Signal dafür, was passiert, wenn der Profit der US-tech-Konzeren alles andere zudeckt.

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1 Kommentar

  1. Peter Ruzsicska
    Antworten

    Elferfrage: Wer räumt den Dreck wohl wieder weg, wenn möglich?

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