Während die französischen Behörden wegen der anhaltenden Proteste und Demonstrationen offen über die Suspendierung von sozialen Netzwerken spekulieren, reagieren die Bürger mit einer massenhaften Flucht in eine App, die genau dafür gemacht scheint: BitChat.
Die von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey entwickelte Messenger-App, die ohne Internet und ohne Mobilfunknetz funktioniert, stieg binnen eines Tages auf Platz 1 der Social-Networking-Kategorie im französischen App Store und unter die Top 10 der kostenlosen Apps insgesamt. Ihr großes Plus: Sie ist weder vom netz noch dem Wohlwollen von Macron, Merz oder Leyen abhängig.
Innenminister Laurent Nuñez hatte am 21. Oktober vor dem Senat erklärt, soziale Netzwerke seien „zu einem echten Problem“ geworden und die Regierung habe die Möglichkeit, „die Nutzung der Netzwerke auszusetzen“. Er verwies auf ein Urteil des Conseil d’État vom April 2025, das eine solche Maßnahme unter „außergewöhnlichen Umständen“ und mit strengen Bedingungen grundsätzlich nicht ausschließe. Zuvor hatte Ex-Premier und Präsidentschaftskandidat Gabriel Attal am 19. Oktober auf RTL einen „temporären, gezielten Block“ in den von Unruhen betroffenen Gebieten gefordert, um den „Herden-Effekt“ zu stoppen.
Die App, die man nicht abschalten kann
BitChat funktioniert über Bluetooth Low Energy: Jedes Smartphone wird zum Relais, Nachrichten springen von Gerät zu Gerät (Reichweite pro Hop etwa 30 Meter). Private Nachrichten sind Ende-zu-Ende mit dem Noise-Protokoll verschlüsselt. Bei vorhandener Internetverbindung wechselt die App auf das dezentrale Nostr-Netzwerk. Es gibt keine Accounts, keine Telefonnummern, keine zentralen Server. Der Entwickler sammelt laut App-Store-Angaben keinerlei Daten. Zusätzlich verfügt die App über eine „Panic Wipe“-Funktion, die alle Daten löscht.
Genau diese Eigenschaften machen sie für Demonstranten attraktiv. Nach den Protesten gegen die Lebenshaltungskosten, bei denen laut Regierung mindestens 3.000 Geschäfte beschädigt oder geplündert und über 2.400 Personen festgenommen wurden, und angesichts einer stundenlangen Orange-Netzpanne am 21. Oktober multiplizierten sich die Aufrufe: „Installiert die App für die nächste Demo.“ Am 24. Oktober standen weitere Mobilisierungen an.
Sensor Tower zufolge lag BitChat in den vorangegangenen 90 Tagen kaum unter den Top 150 der kostenlosen Apps. Innerhalb eines Tages nach Nuñez’ Aussagen war sie Nummer 1 in ihrer Kategorie. Auf Android hatte sie bereits über eine Million Downloads. Jack Dorsey selbst kommentierte den französischen Boom lakonisch mit „bitchat 🇫🇷“.
Kontrolle versus Widerstand
Die französische Regierung hat zwar betont, es gebe derzeit keine konkreten Pläne für eine Abschaltung. Digitalministerin Anne Le Hénanff lud Discord, Meta, Google, Snapchat, TikTok und X zu einem Krisengespräch, um die Entfernung „gewaltverherrlichender“ Inhalte einzufordern. Die EU-Kommission verwies auf den Digital Services Act. Doch die bloße Debatte genügte, um das Vertrauen zu erschüttern.
BitChat ist nicht die erste App, die in Krisenzeiten boomed. Ähnliche Download-Wellen gab es in Uganda vor den Wahlen 2026, in China und Indien – wo die App bereits aus den Stores entfernt wurde. Die Schwäche bleibt der App Store selbst: Wer die App vorher nicht installiert hat, ist im Ernstfall machtlos.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wohin die Reise geht: Je stärker Staaten versuchen, die digitale Kommunikation in Krisenzeiten zu kontrollieren, desto stärker suchen Bürger nach dezentralen Alternativen, die sich dem staatlichen Zugriff entziehen. Die französische Führung diskutiert Netzabschaltungen, während die Bevölkerung sich bereits mit Tools wappnet, die genau das unmöglich machen sollen. Ob das ein Zeichen für eine reife Demokratie oder für wachsenden Kontrollverlust ist, mag jeder selbst beurteilen.
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12 Kommentare
Genausogut könnte man Mobilfunk verwenden. Aber es muss ja eine App sein, weil das Handy in den Händen der Nutzer festgewachsen ist.
BitChat? Also ich würde eher BitTorrent Nutzung maximieren, um soviel freien Quellcode wie möglich noch zu sichern, bevor das verunmöglicht wird… aber dafür ist ein SmartPhone eh völlig ungeeignet.
@„Nachrichten springen von Gerät zu Gerät (Reichweite pro Hop etwa 30 Meter).“
Also praktisch in Hörweite – genausogut könnte man laut rufen. Einmal mehr Distanz und die Kette ist unterbrochen.
Smartphones können mit der richtigen App auch über WLAN (tinyurl.com/3rt959yx) gekoppelt werden, wobei die Reichweite (tinyurl.com/45nfw9sx) viel grösser ist als über Bluetooth …
Update: Die ultimative Reichweitensteigerung mit LoRa & Co. (tinyurl.com/mr3fzu37) …
Stimmt. Dann hat man die Reichweite verdreifacht.
Ich würde Mobilfunk verwenden. Da ist die Reichweite noch höher, und die Geräte sind auch nicht so teuer
Eine interessante App.
Nicht kontrolliert, keine zentrale Stelle, die Leute sind selbst das Netzwerk, keine Datenerfassung(so hofft man), Panik Lösch-Modus.
Das schreit nach Regulierung, Verboten, Strafen, um die Kontrolle darüber und am Ende über die Herde zu erlangen.
Die „Proteste“ selbst, scheinen instrumentalisiert zu sein, für die Ziele und Zwecke der Besitzenden.
Ein wenig Frust dadrin wird auch mitschwimmen irgendwo.
Aber es war eigentlich klar zu was die Ausländer hier in Massen reingelassen wurden und werden. Ceuta war ja auch so ein Testlauf.
So geht Reichenherrschaft der Besitzenden, mittlerweile sollte man das Prinzip der Sicherung und Ausweitung der Macht ja verstanden haben, zumindest auf dieser Ebene, es gibt ja noch weitere Praktiken auf anderer Ebene..
Und wie immer bleibt die Systemfrage generell und die Logiken dieser Gesellschaftsstruktur, die man in uns permanent reindrückt als Normal und alternativlos.
Nur wir haben kein anderes Denken und alle die versuchen sich zu lösen und andere Systeme aufbauen, werden von den Systembetreibern sowieso idR. gewaltsam daran gehindert.
Aktuell geht es ja schon soweit, dass man für Meinungen abgeholt wird und sein Konto gesperrt bekommt, sobald man Reichweite erzeugt.. Nicht das die moderne Sklavenherde noch auf Ideen kommt…
die plünderungen und zerstörungen ist nur rechtsextreme lügenpropaganda, vom kreml finanziert
die kultivierten, bildungshungrigen nachkommen von geschwisterehen würden dies nie tun,
sie sind unendlich dankbar für die möglicheiten, die sie in ihren herkunftsländern nie hatten.
ich verstehe ihre entrüstung, dass sie seit ihrer ankunft, von den files de pute verarscht wurden
Lesen Sie hier manchmal, was die „kultivierten“ „Garten“-Bewohner um den Globus anstellen? https://tkp.at/2026/10/25/grenze-fuer-grenze-wie-der-iran-ohne-erklaerte-blockade-eingeschnuert-wird/
@,
was hat ein seit generationentreuer banlieu-insasse mit dem iran zu tun?
@1150 Habe ehrlich gesagt kein Wort verstanden. Können Sie nochmal langsam schreiben, was Sie meinen? Danke.
„ich verstehe ihre entrüstung, dass sie seit ihrer ankunft, von den files de pute verarscht wurden“
Ja genau. Mit Fremdworten glänzen, diese aber falsch schreiben :D
fils de pute => Sohn einer Hure
Jetzt können Sie aber wirklich mal erklären, was Ihre Worte bedeuten. Dass es Text ist, sehe ich selbst, aber was ist der Inhalt?
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