Wenn Lügen zum Studienfach wird

7. Juni 2026von 6,2 Minuten Lesezeit

Man könnte meinen, die Rede sei von den USA, nachdem US-Außenminister Pompeo erklärt hatte „Wir haben gelogen, wir haben betrogen, wir haben gestohlen. Wir hatten ganze Ausbildungskurse dafür„, aber so verlockend es ist, nein. Böse Zungen könnten weiterhin sagen, dass es ein Land sei, in dem man einen Lügner nicht Lügen-Fritze nennen darf. Aber gemeint ist tatsächlich ein anderes Land.

Israels Verteidigungsministerium schult Soldaten und andere Verteidigungsbeamte in psychologischen Operationen, die darauf abzielen, das öffentliche Bewusstsein in Israel und im Ausland zu beeinflussen. Dies geht aus einer internen Ausschreibung des Verteidigungsministeriums hervor, die im Juli letzten Jahres veröffentlicht und vom israelischen Investigativportal „The Hottest Place in Hell“ eingesehen wurde. Die Kurse, die von nicht dem Militär angehörenden Akademikern auf Hebräisch und Englisch gehalten werden, richten sich an Verteidigungspersonal im In- und Ausland sowie an nicht näher spezifizierte „ausländische Partner“. Und so schauen wir uns einen Artikel dieser hebräischsprachigen Zeitung genauer an.

Das Studium

Das Angebot umfasst unter anderem Kurse zur Nutzung von Daten, um die Einstellungen und Handlungen von Zielgruppen diskret zu beeinflussen, zur Informationsbeschaffung für solche Operationen und zum Influencer-Training. Die meisten Kurse konzentrieren sich auf offensive Einflussoperationen – also solche, die darauf abzielen, die Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Zielgruppen aktiv zu stören oder zu manipulieren, anstatt lediglich eine bestehende Erzählung zu schützen. Sie beinhalten Schulungen zu Werbe- und Marketinginhalten sowie Kurse zu Cyberkriegsführung und Informationsbeschaffung über Zielgruppen.

Die Kurse

In einem Kurs lernen die Teilnehmer, „Black-Hat“-Techniken anzuwenden – ein Begriff für Manipulationsmethoden, die die Regeln von Technologieplattformen in Bezug auf Cyberkriminalität, Cyberkriegsführung und andere schädliche Aktivitäten umgehen. Der Kurs der Armee gibt ausdrücklich an, dass dieses Modul für die „Verbreitung und Förderung illegaler Inhalte mithilfe technologischer Werkzeuge und Lösungen“ konzipiert ist – ein Weg, der Facebook und Google umgeht.

Ein weiterer Kurs vermittelt den Teilnehmern die Planung von „Informationsoperationen zur Beeinflussung des öffentlichen Bewusstseins auf lokaler und internationaler Ebene“. Dazu gehört die Erstellung und Verbreitung zielgruppenspezifischer Botschaften, die Bewertung ihrer Wirkung und die Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse für zukünftige Operationen.

Obwohl der Lehrplan weder die Ziele noch die Inhalte der in den Kursen vermittelten psychologischen Operationen und Einflusskampagnen explizit nennt, wird an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass die Ausbildung gemäß den „Überlegungen und Erwartungen“ der israelischen politischen Führung durchgeführt wird. Mit anderen Worten: auf Anweisung der Regierung.

Studienanbieter: Das Kriegsministerium

Dass es Teil der Kriegsführung ist, geht daraus hervor, dass es das  Verteidigungsministerium ist, welches einen Anbieter für zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung um bis zu vier Jahre suchte. Der erste Kurs sollte im August 2025 beginnen. Die Ausschreibung richtete sich an vom israelischen Hochschulrat akkreditierte Institutionen. Die Dozenten mussten über Doktortitel und/oder Professuren in den Bereichen Einflussnahme, Bewusstseinsbildung, Sicherheit und Terrorismusbekämpfung, Massenkommunikation oder digitale und Netzwerkkommunikation sowie über mindestens vier Jahre Berufserfahrung im Bereich Einflussnahme oder Einflussanalyse in verschiedenen Sicherheitsorganisationen verfügen.

„Grundlagen der Propaganda“ – Der Lehrplan

Laut Ausschreibung umfasst das Ausbildungsprogramm acht Kurse pro Jahr: drei zu Einflussoperationen, zwei zu „Einflussanalyse“ und drei zu „Online-Aktivisten“. Jeder Kurs ist für bis zu 40 Studierende ausgelegt, sodass das Programm jährlich rund 320 „Einflussexperten“, auch „Influencer“ genannt, ausbilden kann.

Der Lehrplan ist in thematische Cluster unterteilt. Ein Kurs mit dem Titel „Grundlagen der psychologischen Kriegsführung, Propaganda, Täuschung, Legitimität und Public Diplomacy sowie Segmentierung von Zielgruppen mit Schwerpunkt auf ausländischen Zielgruppen“ umfasst Schulungen zur Identifizierung gegnerischer Einflussversuche, Narrative und Bildsprache sowie zu Deepfakes, psychologischer Kriegsführung, Propaganda, Täuschung, Legitimität und Public Diplomacy.

Ein weiterer Kursbereich mit dem Schwerpunkt „Kampagnenplanung, -durchführung und -bewertung“ beinhaltet Schulungen zu den „Überlegungen und Erwartungen“ der politischen Führungsebene sowie zu „militärischer Aufklärung“, „kultureller Aufklärung“ und „Aufklärungs- und Forschungskapazitäten zur Einflussnahme“.

Eingeladen: „Ausländische Partner“.

Einige der Kurse – darunter jene zu Einflussoperationen, Einflussaufklärung und Online-Aktivismus – werden in englischer Sprache für „ausländische Partner“ angeboten, deren Identität nicht näher spezifiziert wird. Für diese Teilnehmer hat das Verteidigungsministerium einen speziellen Lehrplan entwickelt, der unter anderem die Auseinandersetzung mit dem „amerikanischen Ansatz“ – also US-amerikanischen Perspektiven und kulturellen Normen – sowie die Durchführung von Einflusskampagnen auf internationaler Ebene umfasst. Ob die ausländischen Partner für das Studium bezahlen müssen wird nicht erwähnt.

Um die Teilnahme dieser ausländischen Organisationen zu ermöglichen, legte das Ministerium fest, dass die Kurse als „nicht geheim“ eingestuft werden. Dennoch sieht die Ausschreibung strenge Vertraulichkeitsmaßnahmen vor, die die zivilen Dozenten von den Kursteilnehmern trennen. Akademische Einrichtungen dürfen die Rolle der Studierenden im Nachrichtendienst weder den Dozenten noch der Öffentlichkeit offenlegen, und Auftragnehmer erhalten lediglich die Vornamen der Kursteilnehmer ohne Angabe der Einheitszugehörigkeit.

Das Dokument legt zudem nahe, dass das Militär diese Einflussoperationen in seinen umfassenderen Nachrichtendienstapparat integriert. Der Kurs „Einflussaufklärung“ soll die Teilnehmer darin schulen, die nachrichtendienstlichen Systeme der Armee zu nutzen, um Einflusskampagnen mit Daten zu versorgen und gleichzeitig die Entwicklungen „an anderen Orten weltweit“ im Blick zu behalten.

Neben der Bereitstellung von Rohmaterial für psychologische Operationen wird die „Einfluss-Aufklärung“ auch als Instrument zur Messung ihrer Wirkung dargestellt. Das Ergebnis ist ein geschlossener Kreislauf: Der Nachrichtendienst sammelt Daten über Zielgruppen; Einflusskampagnen zielen darauf ab, die Wahrnehmung von Menschen zu formen. Anschließend wird mithilfe von Analyseinstrumenten in Echtzeit überprüft, ob die Botschaften erfolgreich waren oder angepasst werden müssen.

„Kulturelle Intelligenz“

Der Abschnitt über „kulturelle Intelligenz“ erweitert diese Logik auf den Bereich des sozialen und psychologischen Profilings. Die Teilnehmenden werden darin geschult, Zielgruppen – insbesondere ausländische Zielgruppen – anhand ihrer kulturellen Codes, sozialen Sensibilitäten und politischen Kontexte zu analysieren, um Botschaften zu entwickeln, die eher Wirkung zeigen und überzeugen.

Auf Anfrage erklärte ein Sprecher der israelischen Armee, das Programm sei „ein akademischer Kurs für Angehörige der israelischen Streitkräfte, die im Bereich der Einflussnahme und Bewusstseinsbildung tätig sind“, und fügte hinzu, dessen Zweck sei die „persönliche Weiterbildung“. Er bekräftigte, dass das Programm „gesetzlich und nach klaren Verfahren gemäß den Vorgaben der politischen Führung“ durchgeführt werde.

Gemeinnützige Faktenchecker

Wie eine kürzlich auch von „The Hottest Place in Hell“ veröffentlichte Untersuchung aufdeckte, beschränkt das Militär diese Methoden jedoch nicht auf den Bereich der „persönlichen Bereicherung“. Zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 führte die Pressestelle der israelischen Streitkräfte eine psychologische Operation durch, die sich an israelische und internationale Zielgruppen richtete. Sie gab sich als „gemeinnützige Nachrichtenorganisation“ aus, die sich auf die „Faktenprüfung“ von Behauptungen zum israelischen Krieg gegen Gaza spezialisiert hatte. Im Rahmen dieser Operation wurden Dutzende Videos mit den Argumenten des israelischen Militärs ohne ordnungsgemäße Offenlegung veröffentlicht, während Influencer in Israel und im Ausland rekrutiert wurden, um direkt vom Militär diktierte Botschaften zu verstärken.

Was damals als diskrete Initiative entlarvt wurde, scheint nun Teil eines umfassenderen, langfristigen Vorhabens des israelischen Verteidigungsapparats zu sein, Einflussoperationen auf nationaler – und sogar internationaler – Ebene zu institutionalisieren.

Einordnung

Es wäre natürlich höchst interessant zu erfahren, wer aus dem deutschsprachigen Bereich diesen israelischen Studiengang besucht hat. Aber es hätte wenig Einfluss darauf, wer effektiv von Deutschland und der EU sanktioniert, dass heißt wirtschaftlich vernichtet wird. Vermutlich gibt es in allen Ländern ähnliche Programme, nur scheinen Programme, welche sich gegen Völkermord und Angriffskriege in allen Studienangeboten zu fehlen.

4 Kommentare

  1. Der Zivilist 7. Juni 2026 um 9:32 Uhr - Antworten

    . . . Aufklärung . . .

  2. Daisy 7. Juni 2026 um 9:28 Uhr - Antworten

    Die EU bildet solche Leute auch aus für Social-Media. Jedes MSM hat so eine TroIl-Armee, auch die Alternativen sind schon infiziert, teils von der Blog-Leitung selbst eingestellt. Je nachdem, was halt die Agenda ist. Sie bringen als Voraussetzung mit, große A-Löcher zu sein…was sie besonders beherrschen, ist Mobbing.

    10sur allein genügt nicht.

    Es geht darum, eine Volksmeinung vorzugaukeln, die es nicht gibt, da der Mensch dazu neigt, sich der Mehrheit anzuschließen – das sind alles psychologische Tricks. Ja, auch der Userbereich, die Leserkxmmentxre, gehören eben zur Meinungsbildung.

  3. Varus 7. Juni 2026 um 9:07 Uhr - Antworten

    Zum Isr-Thema bringen Ungeschnittene heute: „Pentagon stuft Israel als Top-Spionagerisiko ein: Macgregor sieht US-Macht im Golf zerbröckeln“. Zufällig gibt es auch im Bösen Medium: „Pentagon besorgt über verstärkte Spionage Israels gegen USA“. Top-Risiko und es reicht immer noch nicht, den „engsten Freund“ fallen zu lassen – was McGregor übrigens nahelegt?
    „… Macgregor geht noch weiter: Israel habe über Jahre außergewöhnlichen Zugang zu amerikanischen Strukturen erhalten – nicht wegen gemeinsamer Interessen, sondern wegen politischer Käuflichkeit, Lobbydruck und strategischer Naivität. Für ihn ist der Punkt erreicht, an dem sich die USA fragen müssen, ob sie noch ihre eigenen Interessen verfolgen oder ob sie fremde Kriege führen, deren Preis am Ende die amerikanische Bevölkerung zahlt. …“

  4. Varus 7. Juni 2026 um 8:02 Uhr - Antworten

    Wir haben gelogen, wir haben betrogen, wir haben gestohlen. Wir hatten ganze Ausbildungskurse dafür„,

    Erst kürzlich schrieb ich hier irgendwo, westliche Grandiose Zivilisation sei auf Lug und Betrug aufgebaut – danke für weitere Bestätigung. Geradezu ulkig, wenn als Reaktion auf so etwas ein Westler versucht, mit dem Mogeln und Verdrehen etwas anzuhängen, was es noch mehr bestätigt.

    Böses Medium warnt heute übrigens: „Eine Generation von kompletten Idioten? Wie KI unsere Kinder verändert“. Blöderweise liest man es im Grandiosen Westen kaum, sofern man überhaupt noch lesen kann (PISA!).

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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