Das Ende des Internets: Brasilien und Österreich (fast) im Gleichschritt

18. März 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Weltweit wird das Ende des alten Internets eingeläutet: In Brasilien tritt die Ausweispflicht in Kraft. Bald wird es Internetzugang nur noch mit digitaler ID geben – in Österreich wie auch in Brasilien.

Seit Dienstag ist in Brasilien ein Gesetz in Kraft getreten das nahezu alle digitalen Dienste – von Apps über Betriebssysteme und App-Stores bis hin zu Social Networks und Videospielen –, das Alter ihrer Nutzer zu überprüfen. Brasilien ist damit Vorreiter in Lateinamerika und auch weltweit vorne dabei, doch gleiche Pläne gibt es überall.

Es erinnert doch deutlich an die Lockdowns 2020, nur dass es diesmal viel weniger Aufmerksamkeit dazu gibt. Vermutlich, weil die direkte Betroffenheit fehlt. Global koordiniert drehen alle Regierungen das Internet, wie wir es kennen ab. Es kommt eine Ausweispflicht, ein Ende der Anonymität. Das bedroht einerseits Meinungs- und Informationsfreiheit, schafft andererseits auch die Infrastruktur zur Etablierung der digitalen Identität.

Von Brasilien kurz nach Österreich. Hier spricht die Regierung bereits offen, wie die „Altersverifikation“ laufen soll: über die ID Austria. Über kurz oder lang wird das bedeuten: Wer keine ID Austria hat, der ist illegal im Netz. Damit werden freilich wieder viele Bürger in die digitale Identität gezwungen, die EU will alle EU-Bürger bis 2030 digitalisiert haben. So arbeiten auch alle EU-Staaten an der Ausweiskontrolle im Netz.

Zurück zu Brasilien: Selbstdeklarationen wie „Ich bin über 18“ sind explizit verboten Stattdessen müssen Plattformen „auditable“ Methoden einsetzen: staatliche Ausweise, biometrische Gesichtserkennung, Verhaltensanalysen (Tipp- und Klickmuster), Altersinferenz aus Nutzungsdaten oder Schuldaten. App-Stores und Betriebssysteme müssen zudem Alters-Signale per sicherer API weitergeben, Elternkontrollen ermöglichen und Transparenzberichte veröffentlichen. Social Networks müssen Konten von unter 16-Jährigen mit einem Elternkonto verknüpfen, Videospiele für Minderjährige verbieten.

Die Strafen sind drastisch: bis zu 50 Millionen Real (ca. 9,4 Millionen US-Dollar) oder 10 Prozent des Umsatzes der in Brasilien erwirtschaftet wird. Das Gesetz gilt für jede IT-Dienstleistung, die von Minderjährigen genutzt werden könnte – sogar das Linux-Betriebssystem Ubuntu steht auf der Liste der Nationalen Datenschutzbehörde ANPD. Kleine (alternative) Nachrichtenblogs (etwa wie ein brasilianisches TKP) fallen noch nicht unter das Gesetz, allerdings nur, wenn die Regierung sagt, dass die Inhalte für unter 18 Jährige erlaubt sind.

Während Artikel 37 ausdrücklich „massive, generische oder übergriffige Überwachung“ verbietet, schafft das Gesetz genau die Infrastruktur dafür. Man sammelt massiv sensible Daten, Datenschützer sehen die Altersprüfung als Schaffung einer nationalen Identitätsdatenbank. Fremdunternehmen müssen zudem einen rechtlichen Vertreter in Brasilien benennen – eine dauerhafte Kontrollmöglichkeit des Staates. Rockstar Games hat seinen eigenen Store für Brasilien geschlossen und verweist Kunden auf große Plattformen wie Steam oder PlayStation. Discord setzt seit März auf den Drittanbieter k-ID – mit Gesichtsscan oder Ausweis.

Zusätzlich belastet das Gesetz verschlüsselte Messengerdienste. Artikel 27 verpflichtet zur Meldung von Missbrauchsinhalten – unklar bleibt, ob dies aktives Scannen und damit das Brechen von End-to-End-Verschlüsselung erfordert.

Es gibt noch eine Parallele zu den Lockdowns: Befürworter loben den Schutz „vulnerabler Gruppen“. Der unmittelbare Ausschluss aus dem Netz für Personen ohne digitale ID wird auch in Brasilien nicht kommen. Jedoch schaffen diese Gesetze – ob Brasilien oder Österreich – zunächst die Infrastruktur, die das möglich macht. Dann braucht es nur noch einen „Notfall“, vielleicht eine „Pandemie“ um das System scharf zu stellen – und die Ausweiskontrolle kann auch auf alternative Medien ausgerollt werden.

Bild pixabay / TheDigitalArtist

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5 Kommentare

  1. weirdo 18. März 2026 um 20:07 Uhr - Antworten

    Hm, das wird noch interessant. Muss zugeben, es ist mir piepschnurzegal, ob man jetzt Facebook, Tiktok, X oder Insta nicht mehr benutzen kann ohne sich zu scannen. Ich benutze nichts von all dem und bin damit gut durch die Kindheit und das restliche Leben gekommen. Wird spannend, wie sich das mit den Nutzerzahlen von Zuckerberg & Co entwickelt. Sollte das Internet als Ganzes ohne scannen nicht mehr möglich sein, dann muss man Alternativen suchen. Vielleicht schicke ich dann wieder ein Fax. Ich bin mir auch ganz sicher, dass die Menschheit überleben wird, wenn sie nicht mehr jede Sekunde der Privatleben anderer Leute im Sekundentakt mitverfolgen kann (wann esse ich was, wo bin ich auf Urlaub, wie ist meine letzte Botoxbehandlung geworden). Ist doch in Wahrheit schon alles pervertiert. Und wenn die alternativen Medien nicht mehr ohne zugänglich sind, dann bestelle ich gerne wieder eine gedruckte Version. ;-)

  2. VerarmterAdel 18. März 2026 um 13:41 Uhr - Antworten

    Dann können ganze Wirtschaftsbereiche schließen, die davon leben, dass Leute ihre Seiten besuchen.

  3. Peter Ruzsicska 18. März 2026 um 12:11 Uhr - Antworten

    Anfütterung – Suchtverfestigung bis zur totalen Abhängigkeit – allmählicher Totalentzug des Jedwederlichen – Völligste Totalvernichtung begleitet in gütigsten Szenarien von unverhohlendst prächtigster als auch offensichtlichst selbstcamouflierender Totalausmerze in luce kollateralster Expolsionsfulminanz sämtlichster Brachialstverzückungskulte Aller Zeiten in den idealgeometrischen Nullpunkt gänzlichster Nichtung.

  4. audiatur et altera pars 18. März 2026 um 11:58 Uhr - Antworten

    Verbunden wird das mit dem Jungbrunnen pinkpropagandapolitisch gefärbter Moden („Medienbildung“ ) – statt dem unnützen Ovid, ein Metamorphacebook für Nachwuchsjunkies der jeweiligen Herrschaften. Prominenteste Bespiele: Netanjahu und ähnliche „KI-Kapazunder“ lesen stolz keine Romane, sondern „Sachbücher“. Wer sich die Meldungen der parlamentarisch durchfrisierten Bildungsabsolventen zum Impfpflichtgesetz durchliest, der ahnt den quasimilitärischen Mief plattgebauter Meinungskartelle der Verwertung und den logischen Durchgriff der Suppenköche des durch und durch verschulten Geradeausdenkens. Abgerichtet für die Armee der Arbeit und für das Kreuzerl am rechten Fleck. Alles, was übers einfache Englische hinausgeht, ist einfach zu kompliziert („Verschwörungstheorie!“ „Pferdewurmmittel!“) um zumutbar zu sein und darf damit auf Nimmerwiedersehen in den Fleischwolf der Zensur.

    Masken auf und bitte alle in Stromlinienform brüllen:
    „What do we have here? No, poems no less! Poems everybody! The lad makes himself a poet! Absolute rubbish, laddy!“

    PS: Für jene, die glauben, die andere Seite ist auch nur um einen Deut besser, dem sei der iranische Kurzfilm „2+2=5“ and Herz gelegt.

  5. Peter Ruzsicska 18. März 2026 um 11:57 Uhr - Antworten

    Anfüterung in aeternum ist Herrschaftlich grundselbstverstetigend expandierendste Fundamentaltechnik, allmählich folgt die grundgierigste Totalverdauung desgleichen in aeternum sämtlicher Nutztiere im gesamtplanetaren einschließlichst des gesamtuniversellsten Wirtstiergulags – Herrschaft ist immer einfach.

    Die Firma dankt und wütet fürderhin…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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