Nicht Öl, sondern Wasser bedroht die Golfstaaten

5. März 2026von 1,8 Minuten Lesezeit

Während die Welt auf die steigenden Energiepreise starrt, ist die Gefahr für die Golfstaaten eine ganz andere: die Versorgung mit Wasser.

Millionen Menschen – die Touristen in Dubai inklusive – hängen im Persischen Golf von Entsalzungsanlagen und Trinkwasserimporten ab. Die Wüste dominiert, Trinkwasser ist Mangelware. Ein Angriff auf diese Infrastruktur könnte zu einer humanitären Katastrophe führen – schneller und verheerender als jede Ölkrise.

Der Krieg hat auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar, Bahrain und Kuwait erfasst. Zuletzt nahmen Raketen und Drohnen auf die Golfstaaten ab, zudem betont der Iran regelmäßig, dass man „nur“ die USA angreife. Saudi-Arabien und die anderen Staaten halten sich weiterhin zurück, sind nicht aktiv in den Krieg eingestiegen. Die Entsalzungsanlagen sind in der Region die sensibelste zivile Infrastruktur. Diese Anlagen sind „weiche Ziele“, anfällig für Raketenangriffe, Sabotageakte oder Cyberattacken.

Die Golfkooperationsrat-Staaten (GCC) produzieren rund 40 Prozent des weltweiten entsalzten Wassers in über 400 Anlagen. Kuwait bezieht 90 Prozent seines Trinkwassers daraus, Oman 86 Prozent, Saudi-Arabien 70 Prozent und die VAE 42 Prozent.

Ene US-Diplomatendepesche aus dem Jahr 2008 warnte, dass ein Schaden an der Jubail-Anlage in Saudi-Arabien – die über 90 Prozent des Wassers für Riad liefert – die Evakuierung der Hauptstadt innerhalb einer Woche erzwingen würde. „Die aktuelle Struktur der saudi-arabischen Regierung könnte ohne die Jubail-Entsalzungsanlage nicht existieren“, hieß es darin.

Ähnliche Bedenken äußerte Katars Premierminister im vergangenen Jahr: Ein Angriff auf Irans Atomkraftwerke könnte die Gewässer verseuchen und Katar innerhalb von drei Tagen ohne Trinkwasser lassen. In Reaktion darauf baute Katar 15 Notreservoirs.

Im Gegensatz zu Öl, das durch Reserven oder alternative Lieferanten ausgeglichen werden kann, lässt sich Wasser nicht schnell rationieren. Störungen könnten zu Gesundheitskrisen, Unruhen und Massenmigration führen. Der Economist thematisierte die Gefahren rund um das Wasser im persischen Golf.  Analysten vom Middle East Institute hoben 2025 hervor, dass diese Zentralisierung eine strategische Schwäche für Irans arabische Nachbarn darstellt.

Bild „Smiling Camel“ by ST33VO is licensed under CC BY 2.0.

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9 Kommentare

  1. Jan 6. März 2026 um 10:15 Uhr - Antworten

    Öl lässt sich nicht so einfach „umschichten“. Weltweit werden etwa 110 Mio bpd erzeugt. Davon produziert der Nahe Osten mit 33 Mio bpd etwa 30%. Diese Mengen lassen sich nicht einfach so aus anderen Regionen beziehen.

    Zum Vergleich: Venezuela wird bei politischer Stabilität und langfristiger Investition ein Potential von bis zu 5 Mio bpd zugebilligt, historisch wurden 3 Mio bpd erreicht. Norwegen exportiert 2 Mio bpd in die EU. Für diese Mengen bestehen weder kurzfristige Liefersysteme noch alternative Produktionsmöglichkeiten. Norwegen kann vielleicht 2,2 Mio bpd produzieren, aber nicht 20 Mio bpd.

    Wenn Saudi-Arabiens Wasserversorgung zusammen bricht, könnte das auf die Ölversorgung durchschlagen. Das ist der Effekt komplexer Systeme. Auch ein Engpass bei Chips könnte böse Auswirkungen haben. Deshalb ist Krieg immer ein Risiko.

    Wenn Öl im Westen teurer wird, heisst dies nicht, dass damit dann sehr teure Förderung im Eismeer bezahlt wird. Zunächst kaufen wir es ärmeren Leuten vor der Nase weg.

    Der Verbrauch pro Kopf liegt in Indien bei 1 Barrel pro Person, in Europa bei 4-5 Barrel pro Kopf und in den USA bei 20-22 Barrel pro Kopf. Man kann gut 20% einsparen, aber irgendwo gibt es eine Grenze, ab der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Transport nicht mehr möglich sind. Der Individualverkehr, das Im-Kreis-Fahren für ein Viertel Butter, ist das geringste Problem.

  2. Glass Steagall Act 5. März 2026 um 18:43 Uhr - Antworten

    Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann die vielen Villen- und Luxusappartements in den Emiraten für Dumpingpreise verkauft werden! Das Geschäftsmodell mit dem ausufernden Luxus, wird wohl für lange Zeit oder für immer vorbei sein!

    • Patient Null 6. März 2026 um 9:38 Uhr - Antworten

      Könnte den Leuten dämmern das sie da eigentlich in einer Wüste wohnen. Und das alles nur mit hohem technischen Aufwand funktioniert.

  3. Jakob 5. März 2026 um 17:50 Uhr - Antworten

    Ein Angriff auf diese Wasserwerke ist – meiner Meinung nach – ein Kriegsverbrechen, da davon wahllos auch Zivilisten betroffen sind.
    Bei Israel hätte ich allerdings inzwischen keine Bedenken mehr.
    Ist furchtbar, aber dann würden diese Terroristen am eigenem Leib verspüren was solche Kriegsverbrechen anstellen.

    • Jakob 5. März 2026 um 17:54 Uhr - Antworten

      Könnte man nach bekannter TerrorRegime – Manier als bedauerlichen Irrläufer oder als false flag darstellen.

    • rudifluegl 5. März 2026 um 18:35 Uhr - Antworten

      Ja klar
      ! Da gibt es ja auch keine Zivilisten!

      • Jakob 5. März 2026 um 18:48 Uhr

        …… die sich mehrheitlich konsequent und wirksam gegen ihre verbrecherische Regierung stellen bei deren jahrzehntelangen Massakern an den Palästinensern.

    • Hello 5. März 2026 um 20:43 Uhr - Antworten

      Es wäre ein Kriegsverbrechen und der Iran wird sich hoffentlich nicht auf eine Stufe stellen mit Israel – wie verlockend das manchem auch scheinen mag. Es wäre auch absurd vom Iran, zwar die Atomwaffe zu verbieten, aber die Wasserversorgung anderer zu zerstören – auch das wäre eine Massenvernichtungswaffe. Iran würde außerdem sofort verurteilt werden, wenn auch durch Doppelmoral wie heutzutage üblich. Es nützt nichts, dann zu sagen, Israel habe damit angefangen (Kein Strom, kein Wasser, keine Lebensmittel), ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, wo immer die Sympathien auch liegen mögen.

  4. VerarmterAdel 5. März 2026 um 17:49 Uhr - Antworten

    Wem Gott das Öl, äh, Geld gegeben, dem hat er auch den Verstand gegeben? Offenbar nicht. http://primarywater.org/

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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