Steckt hinter dem seltsamen Putschversuch eine Erdogan-Strategie?

8. Dezember 2022von 2,3 Minuten Lesezeit

Am 07.12.22 haben die Sicherheitskräfte der BRD nach offizieller Darstellung einen gewaltsamen Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung verhindert. Die Bedrohung ging danach von einer Art „Grauen Armee Fraktion“ aus, von denen einige Mitglieder wohl schon Schwierigkeiten gehabt hätten, ein Maschinengewehr auf ihrem Rollator zu montieren.

Von ein paar pensionierten Offizieren der Bundeswehr und der NVA abgesehen dürfte wohl auch niemand von den Verschwörern in der Lage gewesen sein, es zu bedienen. Und bei der angeblich geplanten Erstürmung des Reichstags wären sie damit sofort an der Sicherheitskontrolle aufgehalten worden. Die „Rote Armee Fraktion“ hatte in den 70er Jahren noch eine militärische Ausbildung von der PLO erhalten, und ihre Mitglieder waren deutlich jünger.

Ein völlig unbekannter thüringischer Prinz „Heinrich XIII“ hätte angeblich die Regierung übernehmen wollen, und es seien schon Ministerposten verteilt worden. Aber mach das nicht jede Opposition? Ist die Nominierung eines Kanzlerkandidaten dann ein Putschversuch? Wenn irgendetwas die Bezeichnung als Verschwörungstheorie verdient hätte, dann die Geschichte, die den Deutschen am 07.12.22 als Umsturzversuch verkauft werden sollte.

In Wirklichkeit könnte vielleicht bei einigen verbitterten alten Leuten in Internet-Chats die Phantasie durchgegangen sein. Der Verfassungsschutz kann nicht so dumm gewesen sein, dies ernst zu nehmen. Wahrscheinlicher ist die Vermutung, dass diese verbitterten alten Leute instrumentalisiert werden sollen. Hat der Verfassungsschutz vielleicht einen Agent Provocateur in die Gruppe eingeschleust? Seine Rolle beim NSU ist noch immer nicht aufgeklärt, und das erste Verbotsverfahren gegen die NPD ist wegen der V-Leute im Parteivorstand gescheitert! Es bleibt zu hoffen, dass es noch einen Rest von unabhängiger Justiz gibt, die die wahrscheinlich sehr dürftigen Beweise objektiv würdigt. Nach 2,5 Jahren Corona-Regime sind aber Zweifel daran angebracht.

Natürlich gab es auch Beispiele für reale unrealistische Putschversuche. Nach dem Putschversuch gegen Michael Gorbatschow vom 19.08.1991 gab KGB-Chef Krjutschkow zu Protokoll, dass alle Verschwörer bei der Ausarbeitung ihres Planes betrunken gewesen sein sollen. Auch der spanische Polizeioberst Tejero hätte am 23.02.1981 wissen müssen, dass sich der König als Oberbefehlshaber der Armee hinter die gewählte Regierung stellen würde und die Besetzung des Parlaments nicht der Auslöser für einen Militärputsch werden würde. In diesen Fällen hatten die Putschisten aber militärische Befehlsgewalt. Die Reichsbürger-Chatgruppe wusste, dass sie die nicht hatte. Kein normaldenkender Mensch kann sich vorstellen, dass es konkrete und durchführbare Umsturzpläne gegeben haben kann.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder.

Prof. Dr. Werner Müller, Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz


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10 Kommentare

  1. Andreas I. 9. Dezember 2022 at 14:29Antworten

    Hallo,
    während deutsche Regierungspolitiker im Grundgesetz verankerte Grundrechte abschaffen und nebenbei ihren Amtseid (Schaden abzuwenden) brechen,
    während deutsche Richter die im Grundgesetz verankerte Gewaltenteilung beseitigen,
    während die Energiepreise auf alle Wirtschafts- und Lebensbereiche durchschlagen,
    währenddessen sind unsere Verfassungsschützer und unsere Qualitätsjournalisten immerhin fähig, ein paar chattende Rentner zu verhaften und abzulichten.

    Das ist so grotesk, die MS Transatlantik hat den Eisberg bereits gerammt und im Restaurant befasst man sich damit, Oma Erna zu beschuldigen eine Tasse zerbrochen zu haben.

    Außerdem bin ich irritiert.
    Der Böse ist doch der Russe, das ist doch die traditionelle Grundordnung; wenn etwas falsch läuft, hat der böse Russe schuld zu sein. Das ist die deutsche Ordnung, die niemand stürzen darf.
    Aber jetzt auf einmal deutsche Rentner, so ganz ohne bösen Russen?!
    Fehlt da nicht noch was?! :-D

  2. MB 9. Dezember 2022 at 4:22Antworten

    Eine mediengerechte Umsturz-Operette, um oppositionelle Kritik leicher kriminalisieren zu können. Erinnert sehr an eine große „Querdenkerdemo“ im Sommer 2020 in Berlin, wo eine kleine touristische Gruppe am Rande den „Sturm auf den Reichstag“ vollzog, wo sich später herausgestellt hatte, dass offensichtlich staatlich-organisierte Animateure die Leute dazu provoziert haben. Jedenfalls hatten die Massenmedien endlich den Grund gefunden „Querdenker“ als Terroristen zu etikettieren.

  3. Edwina 8. Dezember 2022 at 18:36Antworten

    Für eine umfassende Version des Drehbuchs – zwar seit den letzten Bundestagswahlen nicht mehr ganz aktuell, aber trotzdem spannend, amüsant, und sogar noch in Deutscher Geschichte bildend – empfehle ich folgenden Roman: Der Staatsstreich, Ein politisch unkorrekter Roman | Thiele, Robert B., Orzechowski, Peter | ISBN: 9783940321145

  4. Hans H. 8. Dezember 2022 at 14:42Antworten

    Dieser geplante Umsturz dürfte ähnlich realistisch gewesen sein, wie der damalige angeblich versuchte „Parlamentssturm“ der Anti-Coronamaßnahmen-Demonstranten in Wien, den der damalige Innenminister Nehammer behauptete. In Wahrheit waren es Demonstranten, die nach stundenlanger Einkesselung durch die Polizei ein WC in den Baustellencontainern beim in Umbau befindlichen Parlament gesucht hatten, sowie ein paar Pressefotografen, die um ein besseres Bild von der Demo zu bekommen, auf die Container gekraxelt waren.
    Da das gar zu billig und durchschaubar war, gab es dann auch noch medial groß aufgeblasene Razzien bei Rechtsextremen, die angeblich Waffen und Devotionalien gehortet hatten. Davon gab es zwar Fotos, aber seltsamerweise bis heute keinen Gerichtsprozess.

  5. Uwe 8. Dezember 2022 at 14:20Antworten

    Auch ich bin mir ziemlich sicher, dass es hier nur um ein billiges Ablenkungsmanöver ging. Wissen kann ich das natürlich nicht, aber Lebenerfahrung und Logik deuten darauf hin, zeitlich so kurz nach dem viel diskutierten Tod der 14 Jährigen. Sieht man die wachsende schwere Kriminialität in Deutschland, sieht man auch das Regierungsversagen. Eigentlich hat der Staat bereits sein Recht auf das Waffenmonopol verspielt, er kann die Bürger nicht mehr hinreichend schützen. Da braucht es Ablenkung. Das diese so dilettantisch ist, wie der Rest der deutschen Politik, ist traurig – aber scheinbar noch ausreichend und zweckerfüllend.
    Natürlich könnte auch eine kleine, gut gebildete, Rentnertruppe gefährlich werden, sogar gefährlicher als junge bewaffnete Schafe. Das sieht man an Schwab & Co. Trotzdem, eine echte Aufklärung des Terroranschlags auf die Gaspipelines wäre mir jedenfalls lieber gewesen um das Funktionieren der Sicherheitsorgane zu zeigen.

  6. federkiel 8. Dezember 2022 at 13:09Antworten

    Zu lesen ist, daß die Medien von der ach so geheimen Razzia schon vorinformiert waren, waren auch an Ort un Stelle, um Fotos zu machen. Ich halte das für ein reines Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Vorgängen in D und dem Versagen der Ampel.

  7. Jens Tiefschneider 8. Dezember 2022 at 12:41Antworten

    Es geht einzig und allein darum, Menschen, die diesen Staat kritisieren, zu kriminalisieren. Nur darum geht es. Unsere Stasi-Ministerin des Inneren hatte es, sinngemäß, auf einer Pressekonferenz folgendermaßen ausgedrückt: „Wer die Regierung kritisiert, stellt generell die Demokratie in Frage und ist daher ein potentieller Staatsfeind.“ Die wahren Reichsbürger sitzen dort, wo sie schon vor 85 Jahren saßen. Im Reichstag.

    • Vortex 8. Dezember 2022 at 21:19Antworten

      Ernsthafte Einwände gegen etliche der staatlichen Entscheidungen, die langfristig die eigene Bevölkerung negativ beeinflussen wird, gab/gibt (tinyurl.com/ymdrfytp) es schon sehr lange, daher wird permanent für breitbandige Ablenkung gesorgt (tinyurl.com/3fddya4z), wobei die meisten kaum mehr Aufbegehren gegen diese destruktiven Kräfte dabei müssten gerade die Weitsichtigen jetzt sich gezielt koordinieren, bevor alles endgültig den Bach runtergeht …

    • Andreas I. 9. Dezember 2022 at 14:57Antworten

      @ Jens Tiefschneider Hallo,
      „Wer die Regierung kritisiert, stellt generell die Demokratie in Frage und ist daher ein potentieller Staatsfeind.“

      Und daran sieht man deren Beschränktheit, denn ein System ohne Kritik ist ein System ohne Fehlerkorrektur, d.h. jeder Fehler wird beibehalten, jeder weitere Fehler wird auch beibehalten und addiert sich zu den bisherigen Fehlern und es entstehen Wechselwirkungen zwischen den angesammelten Fehlern, der Staat erodiert mehr und mehr → gescheiterter Staat.
      Also wer sind die Staatsfeinde, die Regierungskritiker oder die Unterdrücker von Kritik?
      Rein polemische Frage ;) wenn der Kapitän Kurs auf einen Eisberg nimmt, ist nicht der Matrose, der das kritisiert, das Problem.

  8. Hanna 8. Dezember 2022 at 11:39Antworten

    Apropos Verfassungsschutz:

    »Ich erinnere an einen Satz von General Iwan I. AGAJANZ, früher Chef der KGB-Desinformation: „Jeder, der über unsere wahren Pläne genau oder unparteiisch … schreibt oder spricht, muss rasch als Rechter oder Faschist abqualifiziert oder der Lächerlichkeit ausgesetzt werden.“« –

    Hans-Georg MAAßEN, ehem. Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, am 18.8.2020 (twitter)

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