Durch Lockdowns verursachte Knappheit an Chips und Halbleitern hat sich in Überfluss verwandelt

30. Oktober 2022von 3,1 Minuten Lesezeit

Die weltweite Halbleiterknappheit scheint sich offiziell in die andere Richtung entwickelt zu haben und ist nun zu einem Überangebot geworden. Verursacht wurde sie durch die Lockdowns, die nicht nur die Produktion gestört, sondern auch die Lieferketten recht nachhaltig unterbrochen haben. Wartezeiten bei allem wo Halbleiter drinnen sind wie etwa Autos, sind mittlerweile zur Regel geworden

Einem neuen Bericht von Caixin zufolge gibt es bei den führenden Herstellern jetzt einen Überschuss an Halbleitern.

Namen wie Taiwan Semiconductor Manufacturing Co (TSMC), Advanced Micro Devices Inc (AMD) und Nvidia haben laut dem Bericht mit „unverkauften Lagerbeständen“ zu kämpfen, die auf eine sinkende Nachfrage und stornierte Aufträge zurückzuführen sind.

Dies bedeutet, dass die jahrelange Warteschleife für Chips nun offiziell zu Ende ist.

Xie Ruifeng vom Marktforschungsinstitut für die Halbleiterindustrie ICwise sagte gegenüber Caixin: „Diese Runde der Geschäftsstimmung kehrt sich so schnell um, dass die Chipdesigner noch letztes Jahr um Produktionskapazitäten kämpften, aber jetzt stellen sie fest, dass sich die Chips nicht verkaufen lassen.“

In der Zwischenzeit schrumpft die Nachfrage nach Smartphones und PCs, wobei laut dem Bericht erwartet wird, dass die weltweiten 5G-Smartphone-Lieferungen bis 2022 um 150 Millionen Einheiten sinken werden. Die Nachfrage nach 5G-Chips wird dem Bericht zufolge ebenfalls um 100 Millionen Stück auf 120 Millionen Stück sinken.

Caixin merkte an, dass TSMC mit einem erheblichen Auftragsrückgang konfrontiert ist:

TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips, sieht sich mit reduzierten Aufträgen von vier seiner größten Kunden konfrontiert, was die nachlassende globale Nachfrage widerspiegelt. JPMorgan Chase berichtete Anfang September in einem Bericht, dass AMD, Nvidia, Qualcomm und MediaTek ihre Chip-Bestellungen bei TSMC reduziert haben.

Und auch Namen wie AMD und Intel leiden unter dem Nachfragerückgang:

Auch andere Halbleiterunternehmen haben mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. AMD senkte seine Umsatzprognose für das dritte Quartal und begründete dies mit einer deutlichen Abschwächung des PC-Marktes. Intel, Nvidia und Micron Technology gaben allesamt gedämpfte Prognosen ab.

In der ersten Jahreshälfte 2022 führten makroökonomischer Gegenwind und eine Reihe von „schwarzen Schwänen“ dazu, dass die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik einbrach, wobei Smartphones und PCs die Hauptlast trugen. Micron sagte voraus, dass die weltweiten PC-Lieferungen im Jahr 2022 um 10 bis 20 Prozent zurückgehen werden, während der weltweite Smartphone-Markt um weniger als 10 Prozent schrumpfen wird.

Und die Hersteller haben mit „sechsmonatigen Lagerbeständen“ zu kämpfen, die sie aufgrund der Knappheit von 2021 aufgebaut haben… und einst optimistischen Nachfrageprognosen. Das war natürlich zu einer Zeit, als kostenloses Geld verteilt wurde, um die Pandemie zu „bekämpfen“. Jetzt, wo die Geldpolitik weltweit gestrafft wird, sollte es keine Überraschung sein, dass die Nachfrage zurückgeht.

Sravan Kundojjala, Associate Director of Smartphone Component Technology Services bei Strategy Analytics, bestätigte, dass die derzeitigen Lagerbestände der Unternehmen bei der aktuellen Nachfrage bis Mitte 2023 reichen könnten.

Dennoch scheint es, dass alle massiven neuen Infrastrukturprojekte, die von Unternehmen wie Intel und TSMC als Folge des letztjährigen Engpasses in Angriff genommen wurden, weiter vorangetrieben werden. Der Co-Chef von Semiconductor Manufacturing International Corp (SMIC), Zhao Haijun, sagte gegenüber Caixin: „Wir werden unsere Pläne für die langfristige Kapazitätserweiterung und Entwicklung nicht ändern.“

Neben dem Ausbau der bestehenden Produktionslinien für 12-Zoll- und 8-Zoll-Wafer baut SMIC auch drei neue 12-Zoll-Wafer-Projekte in Peking, Shenzhen und Shanghai.

Nach Fertigstellung wird sich die Gesamtkapazität des Unternehmens verdoppeln.

Bild von brookhaven auf Pixabay

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9 Kommentare

  1. Kai Mai 31. Oktober 2022 at 19:10Antworten

    Für die neueste hat die USA aber einen Boykott gegen China veranlasst,bzw. gegen Sachen die man dafür braucht um sie herzustellen.ALso dürfte es da bald wieder knapp werden…

    • Peter Pan 1. November 2022 at 15:12Antworten

      Nennt sich CHIPS Act und betrifft auch Unternehmen in der EU. Das wird leider viel zu wenig gewürdigt.

  2. Peter Pan 31. Oktober 2022 at 4:07Antworten

    Zoll

    Oh je.

  3. Jurgen 30. Oktober 2022 at 23:16Antworten

    Früher waren sehr viele Chips universell nutzbar, heute bekommt man fast nur noch dediziertes Zeug mit schmalem Anwendungsbereich. Sensor ohne eingebauten Prozessor, kaum noch zu bekommen. Dazu kommt, dass die alten, günstigen Serienchips auslaufen und die neuen Serien bis zu 400% teurer sind.

  4. Jakob Thaller 30. Oktober 2022 at 23:05Antworten

    Heimo Waltenberger
    sagt am 30. Oktober 2022 at 11:58
    „Dann verstehe ich das ganze nicht mehr. Wir produzieren EC Motore und warten dzt. Ein Jahr auf die Chips.“

    Kein Wunder dass Sie das nicht verstehen. So wie dieser Artikel geschrieben wurde, ist er nämlich aus meiner Sicht „wertbefreit“. Es wird hier suggeriert, dass Chips etwas sind wie z.B. Kohle – was man mit der Schaufel in einen Container schaufelt und weil irgendwo ein Überfluss herrscht, kann an anderer Stelle jemand profitieren. Zumindest suggeriert das die Schlagzeile.
    Mikro-Chips sind Schaltkreise, die eine gewisse Funktion erfüllen und daher für eine gewisse Anwendung geeignet (Speicherbausteine, Prozessoren, Sensoren, Power-Management, Logikbausteine, etc.) sind. Manche haben sogar so SPEZIFISCHE Funktionen, weil sie gemeinsam mit dem Kunden entwickelt wurden, dass sie nicht mal von einem anderen Kunden, der eine sehr ähnliche Anwendung hat, verwendet werden können. Das sind sogenannte ASICS (Application-specific integrated circuit). Gerade Infineon ist in diesem Geschäft.

    Ein Überschuss von solchen Produkten ist für andere wertlos. Das einzige was diese Ladenhüter anzeigen ist, dass es mit der Wirtschaft bergab geht und die Abnehmer einfach nicht mehr die Stückzahlen brauchen, weil ihr Laden eben nicht mehr entsprechend läuft. Und das ist wohl für niemanden mehr etwas neues. Der Beitrag könnte die ICs durch Schuhsohlen, Handtücher oder Dachziegel ersetzen – die klingen aber weniger interessant.

    Es gibt eben nicht „DEN Überfluss an Halbleitern“ sondern nur nicht verkaufte Lagerbestände BESTIMMTER Halbleiter. Daher warten Sie für IHRE Motore eben immer noch…

  5. federkiel 30. Oktober 2022 at 13:16Antworten

    Mitten in der Pandemie, im September 2021 eröffntet Infineon in Kärnten eine Filiale. Ich hab mich immer gewundert, weshalb hier von Lieferkettenproblemen gesprochen wurde, da sie doch vor der Haustüre hergestellt werden.

  6. Heimo Waltenberger 30. Oktober 2022 at 11:58Antworten

    Dann verstehe ich das ganze nicht mehr. Wir produzieren EC Motore und warten dzt. Ein Jahr auf die Chips.

  7. Idaho 30. Oktober 2022 at 11:48Antworten

    Ende September (und manchmal auch noch heute) waren Notebooks z.B. zu unglaublich günstigen Preisen erhältlich, da man so eine starke Überproduktion hatte und die Lagerbestände los werden wollte.
    Anscheinend basierten die Forecasts auf den Zahlen wärend der Homeoffice-Zeit.
    Anders sieht es im Kamera-Bereich aus, dort sind die Preise in den letzten 2 Jahren drastisch gestiegen.

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