Der Konflikt zwischen USA und China geht auch um Technologie

3. August 2022von 4,6 Minuten Lesezeit

Die Reise von einer der höchsten politischen Repräsentantinnen der USA, der Sprecherin des Kongresses Nancy Pelosi, hat die Aufmerksamkeit weg von Russland auf den noch wichtigeren Krisenherd gelenkt, nämlich China. Abgesehen davon, dass sich Besucher und taiwanesische Politiker hinter Masken verstecken, sichert Pelosi Taiwan Unterstützung der USA zu. Der Konflikt zwischen USA und China überschattet derzeit den mit Russland. Er spielt sich zu einem großen Teil auf dem Gebiet der Technologie ab.

Laut dem Vizefinanzminister der Regierung Reagan, gibt es in den USA eine Denkschule, für die einAtomkrieg gegen Russland und/oder China „akzeptabel“ ist, solange Amerika am Ende weltweit „als Sieger“ dasteht.Die Einschätzung geht dahin, dass das in einem Fenster von 3 bis 8 Jahren noch möglich ist.

Es herrscht „Krieg“ an allen Fronten. Ein wichtiges Asset der USA in Taiwan ist die fortgeschrittene Fähigkeit Chips in der energiesparenden und hochleistungsfähigen 7 Nanometer Technologie zu produzieren, die ab etwa 2015 mit einer Ankündigung von IBM Realität wurde. 2016 begann Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) die Produktion von 256 Mbit SRAM Memory Chips mit einem 7 nm Prozess genannt N7, 2018 waren Samsung und Huawei dann auch so weit.

Die westlichen Medien beklagten den jüngsten Durchbruch Chinas bei der Herstellung von Computerchips, bei dem Produktionsstandards erreicht wurden, die aufgrund der von den USA verhängten Sanktionen, die speziell darauf abzielten, den chinesischen Fortschritt zu unterdrücken, für unmöglich gehalten wurden.

In einem Bericht des Senders CNBC von Anfang Juli wurde über diese Sanktionen berichtet. In dem Artikel „US mulls fresh bid to restrict chipmaking tools for China’s SMIC“, berichtet CNBC:

Die Biden-Administration erwägt neue gezielte Beschränkungen für die Lieferung von Chipherstellungswerkzeugen nach China, um die Fortschritte von Chinas größtem Chiphersteller SMIC zu bremsen, ohne den Fluss von Chips in die Weltwirtschaft zu verlangsamen, so fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Reuters.

Das Handelsministerium, das die Exportpolitik überwacht, erörtert aktiv die Möglichkeit, die Ausfuhr von Chipherstellungswerkzeugen in chinesische Fabriken zu verbieten, die fortschrittliche Halbleiter im 14-Nanometer-Bereich und darunter herstellen, so die Personen, um Chinas Bemühungen, modernere Chips herzustellen, zu bremsen.

Allein die Vorstellung, dass eine Nation einer anderen vorschreibt, was sie herstellen darf und was nicht, und insbesondere, dass eine Nation einer anderen als ihre „Fabrik“ untergeordnet ist, verdeutlicht das wahre Wesen der „regelbasierten internationalen Ordnung“ (rules-based international order) der Vereinigten Staaten, einer Ordnung, in der die USA Regeln aufstellen, die ausschließlich ihren Interessen dienen und auf Kosten aller anderen Nationen erreicht werden. Diejenigen, die sich weigern, diese Regeln zu befolgen, werden zu „Gegnern“, wie es China und Russland eindeutig sind, schreibt der geopolitische Analyst Brian Berletic.

Trotz dieser Sanktionen ist es Chinas Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) gelungen, die 14-nm-Marke zu überschreiten und Chips mit der 7 nm Technologie zu produzieren.

Bloomberg hat in einem kürzlich erschienenen Artikel mit dem Titel „China’s Top Chipmaker Achieves Breakthrough Despite US Curbs“ zugegeben:

Semiconductor Manufacturing International Corp. hat seine Produktionstechnologie wahrscheinlich um zwei Generationen weiterentwickelt und damit den US-Sanktionen getrotzt, die den Aufstieg von Chinas größtem Chiphersteller aufhalten sollen.

Der in Shanghai ansässige Hersteller liefert Bitcoin-Mining-Halbleiter aus, die mit der 7-Nanometer-Technologie hergestellt werden, wie Branchenbeobachter TechInsights am Dienstag in einem Blogbeitrag schrieb. Damit ist SMIC der etablierten 14-Nanometer-Technologie weit voraus. Diese ist ein Maß für die Komplexität der Fertigung, bei der kleiner Transistoren helfen, schnellere und effizientere Chips zu produzieren. Seit Ende 2020 verbieten die USA den unlizenzierten Verkauf von Anlagen, die für die Herstellung von Halbleitern mit einer Größe von 10nm und darunter verwendet werden können, an das chinesische Unternehmen, was Peking verärgert.

Der Bloomberg-Artikel stellt fest, dass die Versuche, Chinas technologische Fortschritte zu unterdrücken, über mehrere US-Präsidenten hinweg andauern. US-Präsident Donald Trump hat SMIC während seiner Amtszeit ins Visier genommen, gefolgt von zusätzlichen Sanktionen, die von der Biden-Regierung verhängt wurden.

Mit dem Besuch von Pelosi in Taiwan dreht die US-Regierung weiter an der Eskalationsschraube. Die semioffizielle chinesische Global Times berichtet heute, dass der „chinesische Staatsrat und Außenminister Wang Yi … am Mittwochmorgen eine Erklärung [abgab], in der er die Verletzung der Souveränität Chinas durch die USA verurteilte. Pelosi habe die Insel unter Missachtung der feierlichen Erklärungen Chinas besucht, was eine schwerwiegende Verletzung des Ein-China-Prinzips und eine böswillige Verletzung der Souveränität Chinas darstelle, so Wang.“

In einem weiteren Artikel wird über die militärische Antwort Chinas berichtet:

„In der Nacht, in der die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zu ihrem provokativen Besuch in Taiwan landete, der gegen das Versprechen der USA verstößt, sich dem Sezessionismus der „taiwanesischen Unabhängigkeit“ entgegenzustellen, begann die Volksbefreiungsarmee (PLA) mit massiven Militärübungen rund um die Insel Taiwan. Dazu gehörten eine Übung mit Langstreckenraketen in der Straße von Taiwan und eine Übung mit konventionellen Raketen im Osten der Insel.“

Seit Biden im Amt ist, haben die USA die Konfrontation mit Russland und China drastisch verschärft. Bei den derzeitigen Brennpunkten Taiwan und Ukraine, der Konfrontation zwischen USA und Russland/China besteht immer mehr die Gefahr, dass es auch zu einer ungewollten Eskalation des Konfliktes kommen kann.

Bild von Monoar Rahman Rony auf Pixabay

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10 Kommentare

  1. Andreas I. 3. August 2022 at 13:15Antworten

    Hallo,
    Prozessoren waren die letzten Produkte, bei denen man keine Wahl hatte und von US-Firmen kaufen musste. Das mag Aspekte bezüglich Militär einschließlich Überwachungstechnologie haben, aber es ist m.E. vor allem auch ein wirtschaftlicher Faktor. Denn sonst hatte die USA-Volkswirtschaft nichts zu bieten, was man nicht auch woanders kaufen könnte, aber bei Prozessoren musste man sein Geld bei den US-Firmen lassen.

    • Nordlicht 3. August 2022 at 22:53Antworten

      Die Ein-China-Politik wurde von ab Nixon bis Obama von allen US-Präsidenten anerkannt, leider. Jetzt soll das also nicht mehr gelten.

      Dann könnte doch die Eine-Ukraine-Politik doch auch korrigiert werden.

      • Andreas I. 4. August 2022 at 11:01

        Hallo,
        welche Regel gerade gilt, das entscheiden die USAner ja nach Tageslage.

  2. Glass Steagall Act 3. August 2022 at 11:25Antworten

    Die USA folgen schon lange ihrer einfachen Regel:
    „wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“

  3. Jan 3. August 2022 at 10:43Antworten

    Großere, nutzbare Ölreserven befinden sich a) auf der saudischen Halbinsel (Einflussbereich der USA), b) Iran/Irak (China/Assad-Erdogan-Putin), c) im Kaspischen Meer (Zugang über Schwarzes Meer Aserbaidjschan/Georgien, Georien ist EU-Beitrittskandidat), d) Venezuela (USA, es fehlen Investitionen).

    Die nationalen Fördermöglichkeiten gehen überall zurück, zB Österreich, Schottland, Norwegen, USA, Indonesien, gleichzeitig steigt die Nachfrage innerhalb eines gewissen Preisrahmens. Der OPEC+ ist eine generelle Erhöhung in der Vergangenheit nicht gelungen, dann tritt Nichtkonsum und ökonomische Stagnation ein. Das schließt sehr aufwendige nationale Förderungen, wie zB die kanadischen Ölsande aus.

    Damit sitzen die Förderländer und ihre bilateralen Partner am längeren Hebel. Die Förderländer können jedes Knowhow einkaufen, die Industrieländer aber kein Öl.

    Das ist ein klassischer Kriegsgrund. Entweder man kontrolliert die Ressourcenländer oder man verhindert deren Emanzipation.

    China steht hinter dem Iran und ist einer der Treiber der Emanzipation der BRICs. China gilt als möglicher Partner Russlands in einer militärischen Auseinandersetzung. Indien ist ein dankbarer Abnehmer russischen Gases geworden.

    Europa hat bis auf Norwegen kaum eigene Ressourcen und bezieht aus Aserbaidschan, von der saudischen Halbinsel und aus dem Nahen Osten Öl/Gas. Die USA waren bis zum Zusammenbruch des Frackings autonom und beziehen heute wohl vor allem von der saudischen Halbinsel.

    Es geht die ganze Zeit ums Öl.

    Sollten die BRICs jetzt auch noch überlegene Waffentechnik entwickeln können (sie können jedes Knowhow einkaufen), wird es für die USA und Europa langsam ungemütlich. Kleinere Chips heisst, bessere Waffen.

    Gendersternchen lassen sich so schwer tauschen!

    • Andreas I. 3. August 2022 at 15:59Antworten

      Hallo,
      Öl ist an sich schon strategisch wichtig, aber es kommt noch etwas dazu:
      Öl ist die weltweit am meisten gehandelte Ware. Und diese Ware wird in US-Dollar gehandelt, was den Status des US-Dollar als weltweite Leitwährung erhält. Über die Leitwährung zu verfügen ist einzigartiger Vorteil für USA.
      Die Sache hat nur zwei kleine Häckchen:
      1. Ist bei dieser Konstruktion (dass die Währung eines Staates die Leitwährung ist) Inflation mit eingebaut
      2. Wenn Öl in anderen Währungen gehandelt wird, verliert der US-Dollar zusätzlich an Wert.
      Also muss USA verhindern, dass Öl in anderen Währungen gehandelt wird.
      Dafür haben immer die 10 – 12 Flugzeugträgerverbände gesorgt – aber wenn ein Staat, der Öl in anderen Währungen handeln will, vorher in wirksame Luftabwehr investiert hat, funktioniert das nicht. Da denke ich an Iran, viel mehr als „Sanktionen“ macht USA da nicht.

  4. Hartmut 3. August 2022 at 10:01Antworten

    Tja, wenn China Taiwan angreift in den nächsten Wochen wars das mit meinen geplanten neuem PC mit AMD Ryzen 7000 Anfang nächsten Jahres. Selber Intel-Käufer dürften leiden die die großen Mainbordhersteller Taiwanesische Firmen sind.

  5. Tony X 3. August 2022 at 9:26Antworten

    Am heftigsten finde ich es ja immer wenn der Westen harte Sanktionen verhängt aber dann all die Sachen rausnimmt die ihm selbst helfen (bestimmte Rohstoffe z.B).
    Ich meine, wie abgehoben und dumm sind die eigentlich? Asien, Afrika und Südamerika wenden sich zurecht ab. Das alles ist gerade eine Riesen Chance für diese Länder unabhängiger und freier vom Westen zu werden.
    Der ideologisch verseuchte Westen schafft sich gerade selbst ab. Die restliche Welt ist aufgewacht.

    Ich vermute dass es jetzt der letztmögliche Zeitpunkt ist, IT-Hardware günstig zu kaufen.

    • Heiko 3. August 2022 at 15:32Antworten

      Was soll „ideologisch verseuchter Westen“ bedeuten? Handelt es sich nicht schlicht und einfach um Imperialismus, die moderne Fortsetzung des Kolonialismus?

  6. OMS 3. August 2022 at 9:04Antworten

    Big Terrorist USA. Krieg, Sanktionen, Erpressung, Mord! Vor nichts schreckt dieser Terrorstaat welcher sich als vorzeige Demokratie betitelt zurück!

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