Österreich mit nächstem Schritt zur digitalen Identität

20. Oktober 2022von 2,6 Minuten Lesezeit

Orwells Geldbörse präsentiert von der Europäischen Union wird zügig in Österreich umgesetzt. Mit dem digitalisierten Führerschein ist der erste digitale Ausweis für „ID Austria“ verfügbar.

Stolz präsentierten Innenminister Gerhard Karner und Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky (beide ÖVP) diese Woche den Fortschritt: der digitale Führerschein ist in Österreich jetzt einsatzbereit. Die App ist seit Dienstag verfügbar, ein Schritt weiter Richtung digitaler Identität in Rot-Weiß-Rot.

ID Austria, rot-weiß-rote Datenkrake

Still und leise ist die „ID Austria“ bereits angelaufen. Wer nun einen neuen Reisepass braucht, muss die Verknüpfung des Passes mit der digitalen österreichischen Identität ausdrücklich ablehnen, ansonsten, bekommt er auch einen digitalen Pass ausgestellt. Für ID Austria brauchts ein Smartphone, das Fingerabdruck und/oder über Gesichtserkennungssoftware verfügt. Die alte Handysignatur, die noch keine biometrischen Daten verknüpft hatte, wird irgendwann abgeschafft. Und jetzt kann man den ersten Ausweis in Österreich digitalisieren, den Führerschein. TKP hatte hier über ID Austria berichtet.

Die nächsten Schritte seien „digitaler Altersnachweis“ und ein „digitaler Zulassungschein“, sagt die Politik. Es geht dahin. All das wird in der ID Austria, innerhalb der „eAusweise“ gespeichert. Ganz offen sagt die Politik, dass in Zukunft alle Ausweise – „vom Schülerausweis bis hin zur E-Card“ – in die „digitale Geldbörse“ der Österreicher hinein sollen. Dann geht auch sicher der Impfpass hinein, zu diesem Thema hält sich die Politik allerdings bedeckt.

Analoges Leben und Datensicherheit

Die Datenschützer von „epicenter.works“ haben die „ID Austria“ schon seit Monaten ganz grundlegend kritisiert. „Orwells Wallet“ heißt es dort und das sei der direkte Weg in den Überwachungskapitalismus. Datensicherheit gibt es kaum, der große Bruder die EU, sieht alles, darf man künftig wohl sagen, wenn die EU ihre Pläne umsetzt. In welche Richtung es geht, zeigt Österreich mit „ID Austria“ eindeutig.

Quintessenz in der Digitalisierung ist aber neben der fehlenden Datensicherheit, die Frage nach Zwang und Freiheit: Werden analoge Versionen keine Nachteile zuteil, dann wäre auch ein Recht auf analoges Leben gesichert. Rechtliche Sicherheiten dafür zu schaffen bzw. zu fordern, wäre ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Schritt. Denn die Covid-Politik hat gezeigt, dass das schnell gehen kann. In Berlin akzeptierte man etwa schnell nur noch den digitalen Impfpass, jener am Papier hatte nicht mehr gegolten.

Und auch mit der „ID Austria“ werden schon jetzt gewisse Privilegien verknüpft. So bewirbt die Politik die Digitalisierung der Identität mit bis zu 40 Prozent weniger Gebühren, die man sich etwa bei Behördengängen ersparen würde. Von einer Pflicht zum österreichischen Datenkranken-System spricht keiner. Doch mit Druck durch die Einschränkungen von Grundrechten hat man mit Corona bekanntlich schon Erfahrung. Eingebettet und abgestimmt ist die ID Austria mit der EU. So sind die Funktionen, etwa der digitale Führerschein, ab 2023 auch EU-weit nutzbar.

Bild FotoForma, Giuseppe Faienza, Occhio bn-linear resize, CC BY 4.0

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17 Kommentare

  1. Franz M 23. Oktober 2022 at 17:15Antworten

    Na, bin ich jetzt unglücklich! Ich habe mein Smartphone zerstört (das war sogar unfreiwillig) und nutze jetzt ein ganz altes Handy, das super funktioniert, aber halt nur telefonieren und SMSen (bis 80 Zeichen) kann. Irgendwie bin ich da gar nicht unglücklich. Dankbar wäre ich für ein nicht ganz so altes „Seniorenhandy“ von Emporio.

  2. Pierre 21. Oktober 2022 at 7:18Antworten

    Digitaler Führerschein: wofür soll dieser Schwachsinn denn überhaupt angeblich gut sein?

    Seit ich meinen Führerschein habe, das sind ca. 20 Jahre, habe ich den Führerschein vielleicht ein halbes Dutzend mal irgendwo irgendwem zeigen müssen.

    Das ist eine kleine dumme Plastikkarte. Die braucht weder Strom, noch ein Betriebssystem. Da sind auch Hologramme zur Fälschungssicherheit drauf. Und sonst steckt sie in meiner Geldbörse.
    Früher war es ein Stück Papier! Ein Stück Papier mit einem Passbild! Das hat auch funktioniert.

    Wozu zum Geier brauche ich das auf einem Smartphone, das Hunderte Euro kostet, permanent weitere Kosten generiert, um es halbwegs sinnvoll zu nutzen und ständig Strom braucht und dessen Software aktualisiert und gepflegt werden muss?

    Wozu?

    Es gibt meiner Meinung nach nicht mal einen einzigen plausiblen Anwendungszweck, den irgendeine Behörde glaubhaft machen könnte.
    Der Führerschein verändert sich über die Zeit relativ wenig, bei der großen Mehrheit der Bevölkerung wahrscheinlich niemals.

    Was soll das sein, das so wichtig ist, dass ich das irgendwie elektronisch brauche?

    Das ist Alles nur Schwachsinn. Es gibt nicht mal irgendeinen einzigen tatsächlichen Vorteil von einem elektronischen Führerschein für den Inhaber.

    Es geht NUR und AUSSCHLIESSLICH darum, alle Daten miteinander zu vernetzen und den Bürger von vorne bis hinten in ein elektronisches Konstrukt zu pressen, d.h. ihm eine elektronische Hundeleine in den Allerwertesten zu schieben.

    Aber das wird kommen. Die Bürger wehren sich nicht. Es kommt in ganz kleinen Schritten und irgendwann hat der Staat alle Daten und kann dann ganz komfortabel meine Ausweise und Rechte einschränken. Elektronische Rechte entsprechen dann physischen Rechten. Nur die elektronischen Rechte sind für Behörden einfacher zu verwalten. Das gibt eine Tyrannei und wir sind auf dem besten Weg dahin!

    • Mark 21. Oktober 2022 at 18:29Antworten

      Diesen Schwachsinn braucht kein Mensch – das ist reine Aktion damit alles überwachbar und digital wird. Ich pfeife auf diesen Mist- meinen Führerschein kann ich auch so mitnehmen- da brauch ich dann nicht auch noch zwangsmässig dieses Handy mitzuschleifen.
      Ausserdem viel spaß mit diesem ganzen Digitalwahn- wenn DER STROM WEG IST KENN MAN NICHT MAL MEHR DEN PATIENTEN IM sPITAL WEIL JA NUR MEHR ALLES DIGITAL AUFLIEGEN WIRD:
      Der digitale Weg wird noch zu einem grossen Fluch werden.

  3. Elisabeth 21. Oktober 2022 at 6:20Antworten

    Das Smartphone ist die Vorstufe zum implantierten Chip. Besonders den Computerlaien ist es zu verdanken, dass die totale Überwachung sich überall ausbreiten konnte, weil sie immer auf OK geklickt haben. Ihnen war der Zugriff auf ihre Kontakte, den Standort, das Mikro, die Kamera, die Speicher, die Daten völlig egal. Sie haben sich nie gefragt, wozu das zB ein Browser braucht.
    Erst neulich hat mich ein langjahriger Smartphone-Nützer gefragt, was ein Browser ist..Er hatte es bis heute nicht geschafft, sich ein Amazonkonto anzulegen und dabei half ich ihm. Ich habe ihm von der App abgeraten, denn Apps wollen zumeist Zugriffe und Google liest mit. Er hatte wohl einen Browser, aber der heißt bei ihm „Google“.

    Mir wurde einmal ein Androidgerät mit so einem Browser ausgeliefert, der ohne all diese Zugriffe gar nicht funktioniert hätte. Ich installierte sofort Opera, unterband die Zugriffe und löschte das Google Play Konto, weil man da nicht ausloggen kann. Ich kann mich jederzeit wieder einloggen, aber ich möchte nicht eingeloggt bleiben! In meinen Einstellungen kann ich auch vieles unterbinden. Die meisten Menschen aber sind unbedarft und denken wohl, wer sollte mich schon überwachen? Ich bin doch unwichtig. Wenn ich ihnen dann erwas von der KI und den Profilprogrammen erzähle und wie schnell 5 G ist und dass es dabei um die Datenmengen geht, die übertragen werden können, steigen sie aus und halten mich entweder für eine Verschwörungstheoretikerin, paranoid und rechtsextrem oder alles zusammen. Denn Mitdenken und Durchblicken gilt allgemein als „rechtsextrem“.

    Alles, was „smart“ ist, dient der totalen Überwachung. Ebenso steht der Begriff „digitalisieren“ dafür. Und totale Überwachung dient der Versklavung.

  4. majestyk74 21. Oktober 2022 at 1:42Antworten

    Es ist die Dummheit und Trägheit der Menschen die dazu führt, daß Verweigerer so enden wie der Haputmann von Köpenick.

    Hätte die Masse eher anfangen müssen kritisch zu denken. Warum muß man überhaupt ein Konto besitzen, warum sich ausweisen, warum sich krankenversichern müssen, warum werden überhaupt Fingerabdrücke gespeichert? Diese angeblichen Beglückungen haben schon viel eher begonnen und den meisten Leuten war es egal.

    Aber immer hieß es: Warum sollte man dagegen sein, wenn das Bankgeheimnis fällt, warum regtst Du Dich über Überwachungsgesetze und Kameras auf öffentlichen Plätzen auf? Hast Du etwa etwas zu verbergen?

    Gerade hier in Europa mußten sich Menschen immer wieder fürs krtische Denken rechtfertigen. Die Masse hat es so gewollt und will es noch immer, sie wird ernten was sie gesät hat. Auch in Sodom und Gomorrha gab es Unschuldige, aber die wenigen Gerechten werden immer in die Tiefe gerissen von den Dummen, den Habgierigen, den Faulen und den Selbstgerechten.

    Wer in der angeblichen Demokatie schweigend akzeptiert, daß der Mensch gläsern wird, darf sich nicht wundern, wenn die Zukunft irgendwann eher wie eine Dystopie aussschaut.

  5. limo 20. Oktober 2022 at 22:32Antworten

    Alles seeeehr beunruhigend…..
    Aber beim ersten black out ist d Spuk vorbei….

  6. Dr. No 20. Oktober 2022 at 21:49Antworten

    Die Digitalisierung ist nicht das Problem, sondern die Absichten der Betreibern, sowohl die Anbieter als auch manche Nutzer. Eine vernünftige Regierung würde diese Regulieren und im Sinne der Bürger und ihren Rechte einsetzen. Die Charakterlosigkeit der jetzigen Politiker macht sie nicht gerade in diesem Zusammenhang allzu vertrauenswürdig.

  7. Toni 20. Oktober 2022 at 19:18Antworten

    Die digitale Welt ist wie Dynamit: Erfunden mit den besten Absichten versucht jetzt die Clique der Digitalkonzerne alle Rechte freier Bürger zu sprengen. Diese Clique hat unsere Politiker etc. schon lange eingesackt: Man denke z.B. an die Windows-Geräte in den Schulen, die Verteilung hundertausender Tabletts, die Nutzung von Google Workspace for Education, die Verlagerung sensibler Daten in die Microsoft- oder Amazon-Cloud usw.

    Die Verwendung offener Software? Fehlanzeige. Die EU ist eine (wirtschaftliche) Kolonie der Amis.

    Es gilt also die gleiche Entscheidung wie bei der Verwendung des Bargeldes zu treffen: Keine digitalen Dienste für kritische Bereiche wie Geld, Reisepass, Führerschein, Schlüssel verwenden. Die Nachteile sind viel zu groß. Ein paar Beispiele:

    Das Handy wird zum Single Point of Failure.
    Per Mausklick / AI-Algorithmus / SW-Fehler geht ihre Existenz verloren. Sie können nicht einmal mehr einkaufen oder ihr Haus verlassen. Wie das funktioniert, kann gerne in China studiert werden.

    Übrigens: Es sollte eigentlich jeder wissen, dass auch biometrische Merkmale gehackt werden können. Das war’s dann, ihre Biometrie werden sie nicht so leicht ändern können. Aber vielleicht liefert Moderna auch dafür eine mRNA-Spritze?

    Glück auf, Toni

  8. OMS 20. Oktober 2022 at 17:53Antworten

    Es ist doch nur… (Hans-Jörg Karrenbrock) – zu finden im Web

  9. Klaus C. 20. Oktober 2022 at 17:43Antworten

    Das Schlimme und Frustrierende ist, dass es genügend Vollpfosten geben wird, die dies freiwillig mitmachen, solange es nich freiwillig ist.

    • quantumonly 20. Oktober 2022 at 20:13Antworten

      Die von ihnen genannten „Vollpfosten“ die heute die Handysignatur verwenden müssen auf ID-Austria umsteigen. Das trifft vor allem jene die mit dem Finanzamt Daten austauschen müssen. Also vorwiegend Unternehmen.
      Es wird durchgängig sein das ID-Austria. Ob nun die Datensicherheit gegeben ist, dazu nur eine Bemerkung, die gibt es nicht in der EDV oder IT es kann nur Hürden geben damit es für die normalen Menschen nicht möglich sich fremde Daten anzueignen. Es ist alles schon sehr viel weiter fortgeschritten als die meisten annehmen.
      Als jeder Bürger eine Nummer bekommen hat und das beginnt schon bei der Geburt wird aus dem Subjekt ein Objekt und ein Objekt ist mittels Computer verarbeitbar. Seit wann ist das der Fall?

  10. Steffen 20. Oktober 2022 at 17:24Antworten

    So langsam glaube ich, daß so gelegentliche, kurze Blackouts vielleicht doch nicht so das schlechteste sind……

    • JoeO 20. Oktober 2022 at 18:12Antworten

      Ja. Nennt man Stromausfall. Alles Großflächige geht nicht kurz.

  11. Veron 20. Oktober 2022 at 17:15Antworten

    Wir haben kein Smartphone, beide nur ein Teil, mit dem man nicht viel mehr als telefonieren kann. So haben wir es erklärt, und Digitale Identiät war vom Tisch. Eines Tages wird man wohl gezwungen, sich ein Smartphone zu kaufen .. .. aber wird sich das dann noch jemand leisten können? Wird es überhaupt genügend Geräte geben? Zeigen die dann auch was an, wenn die Masten ausgefallen sind? Und wen interessiert irgendwas EU-weites, wenn man ohnehin nicht mehr verreisen kann?

    • JoeO 20. Oktober 2022 at 18:14Antworten

      Evtl. gibt es dann ein Staatshandy …

      • rudi & Maria fluegl 21. Oktober 2022 at 2:59

        Mit besonderen Flugeigenschaften.

      • Bettina 21. Oktober 2022 at 10:15

        aber keinen Strom zum Aufladen … oder liefert die Regierung gleich Pedale (soll ja sehr praktisch sein für Leute, die ganztägig vorm PC hocken und Bewegung brauchen) mit Dynamo dran, dass ich das Händifone im Bedarfsfall selber aufladen kann?

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