Auschwitz-Vergleich: Wo sind Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter wenn man sie mal braucht?

2. Mai 2022von 3,5 Minuten Lesezeit

Das Tragen von gelben Sternen mit der Aufschrift „Ungeimpft“ wird in Deutschland und Österreich juristisch verfolgt. Bei RTL scheute man allerdings nicht vor einem Auschwitz-Vergleich zurück, der unsäglicher nicht hätte sein können. Ob dieser auch juristische Konsequenzen haben wird?

Unter der Überschrift „RTL-Reporter berichtet aus der Ukraine“ kann man lesen: „Traumatisierte Überlebende aus Butscha: Putins Soldaten „töten aus Langeweile, aus Spaß“. In dem Artikel wird dann ein Vergleich gezogen, der für mich wirklich jedwede Grenze der Hetze gegenüber Russen sprengt.

Weiter unten im Text findet man nämlich: Wie unvorstellbar die Zeit für die Einwohner von Butscha gewesen sein muss, macht auch ein Zitat einer älteren Dame deutlich. „Sie hat noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt“, erzählt der Wachmann Mykola Sachartschenko. Sie habe erzählt, dass nicht mal die Nazis solch grausame Taten vor mehr als 80 Jahren in der Ukraine verübt hätten, wie sie jetzt von den Russen begangen worden seien.

Und der Absatz endet mit:

Auschwitz sei nichts im Vergleich zu dem, was in Butscha passiert sei.

Gleichsam als Entschuldigung folgt darauf: „Natürlich lassen sich Kriegsverbrechen niemals miteinander vergleichen und sollten auch wegen ihrer Schrecklichkeit niemals verglichen werden. Allein im Konzentrationslager Auschwitz wurden zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen systematisch ermordet.

Aber natürlich gibt es für diesen Vergleich – den man NIEMALS machen sollte – einen legitimen Grund, der gleich erwähnt wird: Es zeigt aber, wie traumatisiert die Einwohner von Butscha sind – durch die Verbrechen der russischen Armee.

Zu den Fakten.

  1. In Butscha sind laut Medien über 400 Menschen gestorben. Das sind zwar unglaublich viel weniger Zivilisten als US-Amerikaner oder NATO bei ihren Kriegen oft bei einem einzigen Angriff zu verantworten haben, aber natürlich ist jeder Tote eine Tragödie. Wer für die Toten von Butscha verantwortlich ist, ob Russen oder die Ukrainer selbst, ist bis jetzt noch nicht von neutralen Stellen verifiziert. Selbst dieser journalistische Hetzartikel erwähnt indirekt, dass bis dato keine neutrale Untersuchung stattgefunden hat.“Die Vereinten Nationen wollen die Tötung von mehreren Hundert Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha von eigenen Menschenrechtsexperten untersuchen lassen.“
  2. In Auschwitz wurden über 1.100.000 Menschen industriell ermordet und anschließend verbrannt, wie auch diesem „Journalisten“ nicht entgangen ist. Der Wikipedia kann man entnehmen: In den Jahren 1940 bis 1945 wurden in die deutschen Konzentrationslager Auschwitz insgesamt ca. 1,3 Millionen Menschen deportiert, davon mindestens 1,1 Millionen Juden, 140.000 Polen, 20.000 Sinti und Roma sowie mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr als 10.000 Häftlinge anderer Nationalität. Knapp über 400.000 Häftlinge wurden registriert. Von den registrierten Häftlingen sind mehr als die Hälfte aufgrund der Arbeitsbedingungen, Hunger, Krankheiten, medizinischen Versuchen und Exekutionen gestorben. Unter den insgesamt ca. 1,1 Millionen Toten waren 960.000 Juden, von denen 865.000 direkt nach der Ankunft im Lager ermordet wurden.

In diesem Bericht wurde für das Zitat eine äußerst geschickte Vorgehensweise gewählt, die allerdings bestenfalls nicht glaubwürdig ist. Nicht nur wird ein Wachmann zitiert, den natürlich keiner der Leser kennt, was natürlich nichts Ungewöhnliches ist. Dafür sind ja Journalisten vor Ort, um Stimmen der Zivilgesellschaft – also von Unbekannten – einzufangen.

Aber dieser Wachmann ist wiederum selbst nur Zitatengeber einer „älteren Dame“, die nicht einmal namentlich erwähnt wird. Interessanterweise wird sie aber nicht als „Auschwitz-Überlebende“ bezeichnet, sondern als jemand, der den 2. Weltkrieg miterlebt habe.

Das Lager Auschwitz befand sich rund 880 km von Kiew entfernt in Polen. Ich bin überzeugt, hätte diese „ältere Dame“ irgendeinen persönlichen Bezug zu Auschwitz gehabt, hätte man diese Tatsache in den Vordergrund gehoben. Ich hätte es auf jeden Fall getan, um die Qualität der Aussage zu belegen. So aber frage ich mich wie es zu diesem unerträglichen Auschwitz-Sager kommen konnte.

Vergleiche mit der Shoa haben in Deutschland und Österreich juristische Konsequenzen. Der Vergleich Butscha mit Auschwitz – selbst wenn er in seiner Unzulässigkeit relativiert wurde – hat stattgefunden. Er stellt für mich eine Verharmlosung der Shoa im übelsten Sinne dar.

Ich hoffe, es finden sich mutige Anwälte, Polizisten und Staatsanwälte, die das entsprechend „honorieren“.

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9 Kommentare

  1. 1150 3. Mai 2022 at 18:22Antworten

    wie sagten die täter und mitläufer bei den nürnberger prozessen: „wir haben ja nur unsere arbeit gemacht……..“
    wie heute eben auch………

  2. Andreas I. 2. Mai 2022 at 19:57Antworten

    Hallo,
    die Richter und Staatsanwälte begehen in D. schon länger Rechtsbeugung (und zwar im Hartz-IV-Bereich und bei Asylbewerbern), aber seit zwei Jahren ist Rechtsbeugung der allgemeine Standard, denn die Grundrechtsabschaffung betrifft jeden.
    Deutsche Richter sind mal wieder entscheidende Mittäter.

    Ansonsten wird in Deutschland Antisemitismus geächtet, aber Antislawismus ist wieder guter Ton.
    An Geschichte und/oder Moral kann das nicht liegen, denn dann müsste beides ähnlich betrachtet werden.
    Wem nützt es?
    Israel zu stärken und über alle israelische Verbrechen hinwegzusehen, das ist in USA-Interesse.
    Russland zu schwächen ist in USA-Interesse.
    Darum Antisemitismus böse, Antislawismus gut.

    Und falls jemand meint, „Antislawismus“ passe nicht, weil Ukrainer und Polen Slawen sind, letzteres stimmt.
    Aber dann dürfte man auch nicht „Antisemitismus“ * sagen, denn Palästinenser sind Semiten.
    Konkret sind es also Antijüdismus und Antirussismus, ziemlich ungebräuchliche und sperrige Begriffe.
    * wenn es solcher ist und nicht Kritik an den israelischen Völker- und Menschenrechtsverbrechen, es leben mehr Juden außerhalb Israels als darin …

    Man könnte es auch positiv sehen, denn wenn USA-Medien (d.h. auch die „deutschen“ Medien) zu solchen Mitteln greifen müssen, dann kann man sich schon ohne weiteres ausrechnen, wie rosig die Situation für USA wirklich ist; DÖRRR ÄÄÄHHHNTSIEK IST NAAAHHH ° Ja klaaa.. :-)

  3. Klaus C. 2. Mai 2022 at 15:37Antworten

    Es gibt Informationen darüber, dass erste Obduktionen der Opfer von Butscha stattgefunden haben. Auch der Spiegel (sogar der!) berichtet darüber. Natürlich framed er es. Es lässt sich aber anhand der Obduktionen nicht leugnen, dass die Menschen Opfer von Artilleriebeschuss wurden, was sich anhand der Verletzungen nachweisen lässt. Zumindest diese Obduktionen stehen im Widerspruch zu der Ukrainischen Behauptung einer Säuberung vor Ort. Diese neuen Informationen sollen aber in keiner Weise, den Tod der Zivilisten verharmlosen. Es bleibt eine Tragödie.

  4. Pierre 2. Mai 2022 at 15:29Antworten

    Guter Krieg – Schlechter Krieg

    Haben wir aus dem IRAK solche Berichte gehört? Aus Libyen? Aus Afghanistan? Ja klar vor dem Wetterbericht hat die Tagesschau hin und wieder berichtet, dass eine Hochzeitsgesellschaft in die Luft gesprengt wurde bei einem Luftangriff auf Terroristen… ja und? Gab es Sanktionen? Wurde Den Haag angerufen? Gab es Embargos? Nein. Warum? Weil der Afghanistankrieg ein guter Krieg war (ist dort nun Frieden?!) für Frieden, Freiheit und Demokratie. Der Krieg Russlands gegen die ukrainischen Nazis ist halt ein schlechter Krieg. Der Krieg der Ukraine gegen Russland und natürlich gegen die abtrünnigen Volksrepubliken ist zu jeder Zeit dagegen ein guter Krieg. Ist ja gegen Russland.

    Die Russen haben damals nicht die Nazis an sich vernichtet, der Geist ist immer noch da.

  5. rudi & Maria fluegl 2. Mai 2022 at 14:50Antworten

    Es gelingt gewiss, dazu Stellungnahmen in „bösen“ russischen Medien zu finden und die zu verbreiten.
    In einer Verhandlung gegen die 50 000 Euro Strafe die nach neuesten „Gesetzen“ ansteht ist möglicherweise öffentlichkeitswirksam, Propagandamethodik aufzudecken.
    Wer traut sich gegen diese neue- um auch einen Vergleich im RTL Qualitätsmedium-sinne zu wagen- nationasozialismusartige Medienpolitik, mit solchen Mitteln an zu kämpfen????

    Rudi Fluegl

  6. Jens Tiefschneider 2. Mai 2022 at 14:49Antworten

    Es ist ja im Westen niemand an der Aufklärung von Bucha und Mariupol interessiert. Russland hatte unabhängige Beobachter eingeladen und ihnen Schutz garantiert (was angesichts der Asow-Sniper nat. niemand garantieren kann), aber der Westen hat kategorisch abgelehnt. Was, wenn Bucha eine False Flag der Ukrainischen Armee war? Was wenn man feststellt, dass in Mariupol 2500 Asow-Nazis eingekesselt sind, wie der Politologe Wladimir Sergijenko behauptet? Das darf nat. nicht sein, das widerspräche dem offiziellen Narrativ, Nazis gibt es laut der „Welt“ in der Ukraine keine. Im Ukraine-Krieg werden dieselben Propaganda-Methoden angewendet, wie in der Corona-Plandemie. Und es sind dieselben, die darauf reinfallen.

  7. Justos 2. Mai 2022 at 14:37Antworten

    Ihre Frage: Wo sind Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter wenn man sie mal braucht?
    Unter dem Tisch oder in ein Bunker. Feige Regierung. Wie schon Herr Melnyk sagt: Wer eine Ausweitung seines Kriegs verhindern möchte, muss uns jetzt helfen, Putin in die Schranken zu weisen.“
    Und mit helfen heißt „Alle Weltweit!“

  8. Peter Pan 2. Mai 2022 at 14:22Antworten

    Bei RTL wird erst einmal geschaut, wie weit man gehen kann.
    Danach wird der Mist über die zwangsfinanzierten Staatssender verbreitet.

    Ganz übel.

  9. Pfeiffer C. 2. Mai 2022 at 13:13Antworten

    Stichwort Butscha:

    Vor nicht allzu langer Zeit begann ein Interview des ehemaligen US-Waffeninspektors und Pentagon-Beamten Scott Ritter mit der Journalistin Rachel Blevins in amerikanischen Chatrooms und Kanälen zu kursieren. Ihm zufolge hatte Joe Biden zu dem Zeitpunkt, als er sagte, dass die US-Regierung die Schuld für Butscha dem russischen Militär zuschiebt, keine einzige Bestätigung für diese These.

    Dem amerikanischen Experten zufolge enthalten die Berichte des US-Verteidigungsministeriums an seinen Präsidenten Informationen darüber, dass es unmöglich ist, Beweise für eine russische Beteiligung zu finden.

    Unmittelbar nachdem Scott Ritter sich öffentlich zu diesem Thema geäußert hatte, wurden seine Accounts in den sozialen Medien gesperrt. Und das geschah absichtlich und unglaublich schnell. Jetzt sind die Interviews von Ritter bei Blevins nur noch auf einigen Nicht-Mainstream-Ressourcen und im Darknet zu finden.

    Am 30. März sind die russischen Truppen aus Butscha abgezogen, am 2. April hat die ukrainische Nationalgarde die „Säuberungsaktion“ gegen „Russlands Komplizen“ in Butscha verkündet, und am 3. April lagen plötzlich Leichen in den Straßen von Butscha, von denen auch noch viele ein weißes Armband getragen haben, das das Zeichen der russischen Soldaten in der Ukraine ist. Die ukrainischen Soldaten tragen als Erkennungszeichen ein blaues Armband, Leichen mit blauen Armbändern sindt auf keinen Fotos zu sehen.

    Und dass das Pentagon tatsächlich erklärt hat, keine eigenen Hinweise auf ein russisches Massaker in Butscha zu haben, wurde im Westen auch nicht gemeldet, stattdessen wurden Satellitenbilder einer privaten Firma gezeigt, deren Echtheit mehr als zweifelhaft ist.

    Aber auch darüber darf man in den amerikanischen sozialen Netzwerken kein Wort mehr schreiben, wenn man nicht gesperrt werden möchte.

    © Thomas Röper

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