Kinder seit Corona: Ohne Lobby durch die Krise – neue Reportage

6. März 2022von 4.6 Minuten Lesezeit

Es ist nichts Neues, und doch wird es mit Verstreichen der Zeit immer brennender und aktueller, während entsprechendes Handeln nach wie vor auf sich warten lässt – und auch die mediale Aufmerksamkeit auf das Thema ist trotz Brisanz vergleichsweise gering: Auf die Kinder wurde in den letzten zwei Jahren vergessen – mit verheerenden Auswirkungen auf deren psychische, körperliche und emotionale Gesundheit. In einer neuen ServusTV-Reportage kommen zahlreiche Fachleute und Prominente zu Wort: „Wir brauchen eine Förderung der Entwicklung der Kinder – sofort, heute noch“, fordert beispielsweise Ingo Froböse, Uni-Professor für Rehabilitation und Prävention im Sport.

Von Larissa Breitenegger

Die Konsequenzen der letzten zwei Jahre voller Bewegungseinschränkungen und verabsäumter Maßnahmen für die Ermöglichung von Entwicklungsräumen für Kinder und Jugendliche bekommen wir bereits jetzt zu spüren – die Wartezeiten von über einem halben Jahr auf der Kinderpsychiatrie sind dabei nur die Spitze eines Eisbergs. In der aktuellen ServusTV-Reportage „Kinder – ohne Lobby durch die Krise“ wird das Ausmaß und die Dramatik des Themas von unterschiedlichen Seiten angerissen.

Neben Fachleuten und Eltern kommen auch einige Kinder und Jugendliche selbst zu Wort: Sie geben Einblick in ihre Lebenswelten seit Corona, in ihre Gedanken, ihre Ängste und Sorgen. Der bekannte österreichische Olympiasportler Felix Gottwald führt quasi als roter Faden durch die Doku. Er plädiert für Eigenverantwortung und die Berücksichtigung der eigenen Instanzen: dem Körper, dem Herz und dem Verstand als „Feedback“-Instanzen. Hören wir auf die?, stellt er sich die Frage. Und auch: Wie entsteht Gesundheit? Eine zentrale und wichtige Frage, die in den vergangenen beiden Jahren keine Aufmerksamkeit erhielt.

„Bewegungsmangel-Pandemie“ für 5 Millionen Tote jährlich verantwortlich

Dem Thema Bewegung widmet die Doku einen großen Teil – immerhin handelt es sich hier auch um das zentrale Element für Entwicklung bei Kindern und für Prävention wie Gesundheitsförderung – aller Menschen.

Felix Gottwald führt vor laufender Kamera die Absurdität der Maßnahmen bei Langlaufloipen vor Augen, die unter die 2G-Regel fallen: „Das Virus kann nämlich gut unterscheiden, wo hier die Grenze ist“, sagt er unter freiem Himmel – und man sieht ihm das Unverständnis für die Maßnahmen an, die Bewegung verhindert haben, während in anderen Ländern wie Norwegen gezielt Bewegungsmöglichkeiten geschaffen und gefördert wurden.

Ingo Froböse, Professor für Rehabilitation und Prävention im Sport, bringt im Interview die „Bewegungsmangel-Pandemie“ auf den Tisch: Jährlich würden 5 Millionen Menschen auf Grund von Bewegungsmangel sterben. Seit Corona wurde das verschärft. Mit noch ungeahnten Auswirkungen:

„Die ersten 6 Jahre differenziert sich das Hirn so aus dass sich neue Nervenzellen bilden. Das ist das klassische Lernen, um später auf diesen Prozessen aufbauen zu können. Wenn das nicht optimal entwickelt worden ist, weil Motorik, Bewegung, Auseinandersetzung notwendig ist, dann haben wir ein Lern- und Entwicklungsdefizit, das sich sowohl auf Ebene der Intelligenz, als auch auf der emotionalen und motorischen Ebene auswirken kann.“

Kindliche Entwicklungsprozesse finden bei Bewegungsmangel nicht statt

Dadurch dass wir die Kinder weggesperrt und dann noch ins gesamtgesellschaftliche Phänomen des zunehmend sitzenden Lebensstils integriert hätten, käme eine Epidemie auf uns zu, „die uns ganz viel Gesundheit und vor allem Leistungsfähigkeit der Gesellschaft kosten wird“, so Froböse:

„Kinder sitzen bis zu 10,5 Stunden am Tag und sind dann im Schlafen auch völlig inaktiv. Das bedeutet, dass ihnen die Bewegungsreize fehlen. Das heißt weiter, dass viele kindliche Entwicklungsprozesse nicht stattfinden können – zum Beispiel der Aufbau von Knochen, der Aufbau von Muskeln findet nicht mehr optimal statt, die Schulung des Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Lungen- und Herzentwicklung finden nicht mehr bei einem stillsitzenden Leben statt.“

Das Immunsystem der Gesellschaft kapituliere, so Froböse, der die Wichtigkeit von Bewegung und kultureller Angebote hervorhebt:

„Wir brauchen eine Förderung der Entwicklung der Kinder – sofort, heute. Es geht dabei weniger um Bildung und mehr um kulturelle Angebote – da gehört Bewegung als wichtiges Gut der Gesellschaft dazu, um Ressourcen zu fördern, um Leistungsfähigkeit, Ermüdungswiderstandsfähigkeit, Resilienz aufzubauen, aber vor allem um Spaß am Leben zu bekommen.“

Drogenmissbrauch, Essstörungen und Suizid unter Kindern und Jugendlichen stark angestiegen

Auch das ist nichts Neues – und entsprechende politische Handlungen fehlen. In der Doku kommen Kinder- und Jugendpsychiaterinnen ebenso zu Wort, darunter Uni-Professorin Katrin Skala, die auf die Verdopplung der Suizide unter Kindern und Jugendlichen hinweist (vom Jahr 2020 auf 2021). Jene, die nach Suizidversuch intensivpflichtig wurden, haben sich vervierfacht.
Weitere Inhalte: Die Zunahme von Jugendlichen, die nicht mehr fähig seien am Alltag teilzunehmen, die in einen Rückzug gegangen sind und Depressionen sowie Suizidgedanken ausgeliefert sind. Zunehmend mehr computersüchtige Kinder und Jugendliche. Ehemalige Spitzensportler und Schulsprecher würden es auf Grund starker Depressionen nicht mal mehr aus dem Bett schaffen, erzählt eine Krankenschwester der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Der krasse Mangel an Betreuungsplätzen in psychiatrischen und psychologischen Einrichtungen sowie die notwendig gewordene Triage und Wartezeiten, die sich verdoppelt oder verdreifacht haben, wird in der Doku nur kurz angeschnitten.

Trotz des tristen Themas schließt die Doku mit verbindenden Schlussworten von Felix Gottwald: „Ich glaube wir sind nicht nur viele, sondern wir sind alle – weil wir alle zusammengehören.“


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1 Kommentar

  1. Markus Schwarz-Greindl 6. März 2022 at 15:30Antworten

    Wird Kindern Wahrheit vorenthalten, damit ihnen „die schöne heile Welt“ aus dem Bilderbuch erhalten bliebe? – Ein Glaube an die „liebe Sonne“?

    Wir sollten langsam einmal anfangen, den Kindern den Zusammenhang zwischen Photosynthese und Maskenpflicht zu erklären.

    Wo CO2-freie Solarplatten und Windmühlen stehen, da wächst eben kein Baum.

    Talkshows sind reich an Ichs, jedoch arm an Biologie und Meteorologie …

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