Wenn das Militär direkt Medien betreibt

20. Mai 2026von 4 Minuten Lesezeit

In den letzten Tagen ist ein sehr aktiver Account auf X/Twitter aufgetreten, der sehr subtile Propaganda verbreitet. Diese nutzt oft bezahlte Anzeigen zur Erzeugung von massiven Follower-Zuwächsen, was schon zu über 100.000 Followern führte. Die Meldungen haben alle eine versteckte Nachricht, bedienen westliche Maximalnarrative und sind gegen die Selbstbestimmung des Globalen Südens gerichtet. Was und wer steckt dahinter?

Der Herausgeber: U.S. Africa Command (AFRICOM) Das Africa Defense Forum (ADF) Magazine wird vierteljährlich vom U.S. Africa Command herausgegeben, um ein internationales Forum für afrikanische Sicherheitsfachleute zu bieten. Es ist also keine unabhängige Publikation, sondern ein offizielles Organ des US-Militärs. Das Hauptquartier von AFRICOM befindet sich in Stuttgart, Deutschland. Die institutionelle Einbettung ist also vollständig militärisch.

Der institutionelle Rahmen: MISO — Military Information Support Operations

Das ist der entscheidende Kontext. U.S. Africa Command führt offiziell Military Information Support Operations (MISO) durch, um die Kommunikationsbemühungen des Verteidigungsministeriums zu unterstützen — mit erklärten Zielen wie: Verbesserung der regionalen Stabilität, Bekämpfung extremistischer Organisationen, Bekämpfung illegaler Aktivitäten und Konterkarierung des „schädlichen Einflusses adversarischer Akteure“. Diese MISO-Aktivitäten werden u.a. über Printmedien, Radio, Textnachrichten, Fernsehen, soziale Medien und Websites durchgeführt.

ADF Magazine ist also explizit Teil einer militärischen Informationsoperation — auch wenn das auf der Website nicht so benannt wird. Ein Propagandainstrument des US-Militärs, das wie eines der harmlosen Nachrichtenmelder auf x.com erscheint.

Die Narrative: Was wird kommuniziert?

Die Themenschwerpunkte sind aufschlussreich. Dauerthemen sind:

  • Russland als Hauptbedrohung: Eine Studie des Africa Center for Strategic Studies, auf die ADF sich beruft, zählt Russland als führenden Verbreiter staatsgesteuerter Desinformationskampagnen auf dem Kontinent — mit 80 von fast 200 Kampagnen weit mehr als China, Saudi-Arabien, die VAE oder Katar.
  • China als wirtschaftliche Bedrohung: ADF veröffentlichte Schlagzeilen wie „The Chinese Are Getting Out of Hand in Zimbabwe“ und berichtete über angebliche Giftmülldeponien chinesischer Bergbauunternehmen in Sambia — in einem alarmistischen und anklagenden Ton. Die Artikel spiegeln eine wiederkehrende Erzählung wider: Chinesische Investitionen in Afrika seien ausbeuterisch, umweltschädlich und politisch korrosiv.
  • Legitimierung westlicher Militärpräsenz in der Sahelzone und anderen Krisenregionen.
  • Delegitimierung von Souveränitätsbewegungen, die sich von westlichen Partnerschaften abwenden (Mali, Burkina Faso, Niger).

Die Kritik: Propaganda unter dem Deckmantel von Sicherheitsanalyse

Laut Analysten betreibt ADF durch seine Berichterstattung aktiv Soft-Power-Projektion: Das Ziel sei es, afrikanische Meinungen zu beeinflussen, die öffentliche Wahrnehmung zu lenken und indirekt chinesische (und russische) wirtschaftliche Dominanz zu konterkarieren — ohne einen Schuss abzufeuern. ADF’s Kritik an China deckt sich dabei konsistent mit den außenpolitischen Kernbotschaften Washingtons, die China als destabilisierende globale Kraft rahmen. Kritiker werfen ADF vor, die Grenze zwischen Journalismus und Propaganda zu verwischen.

ADF erscheint dabei als Spiegelbild dessen, was es seinen Gegnern vorwirft: Während es China und Russland beschuldigt, Narrative zu manipulieren, betreibt es selbst offensichtlich Soft-Power-Projektion — nur im Dienst der US-amerikanischen Interessen.

Die Verteilungsstrategie: Kostenlose Abos, X/Twitter, gezieltes Publikum

Druckabonnements werden afrikanischen Sicherheitsfachleuten kostenlos angeboten — also gezielt an Militäroffiziere, Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitspolitiker auf dem Kontinent. Das ist klassische militärische Einflussnahme auf Entscheidungsträger.

Die Publikation erscheint in Englisch, Französisch und Arabisch — um maximale Reichweite in allen afrikanischen Sprachräumen zu erzielen. Der X/Twitter-Account (@ADFmagazine) ist dabei das digitale Verlängerungsinstrument, das täglich Artikel und Frames distribuiert und auch über bezahlte Werbung verstärkt wird.

Der politische Kontext unter Trump (2025/26)

Unter der Trump-Administration hat AFRICOM eine stärker sicherheitsorientierte Ausrichtung erhalten, während ziviles US-Engagement zurückgefahren wurde. Mit der Rücknahme von USAID-Operationen ist AFRICOM zum primären US-Instrument für „Terrorismusbekämpfung“, oft im Globalen Süden als Befreiungskampf von kolonialer Herrschaft angesehen, Militärtraining und regionale Sicherheitskooperation geworden. Kritiker warnen, dass dieser militarisierte Fokus die langfristige Stabilität und den Soft-Power-Einfluss der USA untergräbt. ADF Magazine gewinnt in diesem Kontext noch mehr strategisches Gewicht als Narrativ-Instrument.

Fazit

Das ADF Magazine ist ein US-Militär-Propagandainstrument, das professionell als Fachmagazin getarnt ist. Es operiert vollständig transparent hinsichtlich seines Herausgebers — das U.S. Africa Command steht auf jeder Seite — verschleiert aber den propagandistischen Charakter durch professionelles Layout, Zitate aus Think Tanks und eine scheinbar ausgewogene Sicherheitsberichterstattung. Die bezahlte X/Twitter-Werbung dient dazu, diese Narrative über das Fachpublikum hinaus in breitere afrikanische Öffentlichkeiten zu tragen.

Das ADF Magazin ist nur ein winziger Baustein in einem System, welches Milliarden von US-Dollar und Euro aus Steuergeldern aufbringt, um die Steuerzahler davon zu überzeugen, dass Spannungen, Kriege und „Anti-Terrorismus-Einsätze“ der USA gut für sie seien.

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7 Kommentare

  1. Der Zivilist 22. Mai 2026 um 11:40 Uhr - Antworten

    Seit 9/11 bekannt:

    27.000 PR Mitarbeiter des Pentagon sind mit 54.000 Pressemitteilungen p.a. nicht völlig ausgelastet . . .

  2. cwsuisse 21. Mai 2026 um 2:08 Uhr - Antworten

    Mitteillungen von Propaganda-Instituten der United States of War Crimes sind leicht einordenbar.

  3. Jochen Mitschka 20. Mai 2026 um 22:20 Uhr - Antworten

    Gerade gesehen. Die Bundeswehr ist auch dran.
    „Kampf um die Köpfe
    Die Bundeswehr treibt die Nutzung von Daten und Informationen für den „Informationskrieg“ voran. Ziel ist es, „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“.
    BERLIN (Eigener Bericht) – Die Bundeswehr treibt die Nutzung von Daten und Informationen sowohl für Operationen auf dem Schlachtfeld als auch für klassische Propagandatätigkeiten voran. Erst kürzlich ging mit Active Volcano 2026 ein Manöver zu Ende, bei dem rund 300 Soldaten aus 15 Staaten unter deutschem Kommando den „Informationskrieg“ probten. Es sei unter anderem darum gegangen, durch die Verbreitung von Informationen „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“, erläutert die Bundeswehr. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Truppe bei Active Volcano 2025 die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung geprobt, und zwar „von der strategischen Planung über Medienproduktion“ bis hin zu praktisch-taktischen Einflussoperationen. Auch die Wirtschaft wird eingebunden. Der Rüstungskonzern Airbus etwa vermarktet ein „Schulungsmodell für den Informationskrieg“, das „eine komplette Infosphäre simuliert“, sowie digitale Werkzeuge zur „Sammlung und Untersuchung von Inhalten in sozialen Netzwerken; man solle Airbus-Technologie nutzen, um „Desinformation“ bereits an der Quelle zu „neutralisieren“. Unerwünschte Meinungen werden gezielt etwa „prorussisch“ genannt und ausgegrenzt. “ https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10408

    • Glass Steagall Act 20. Mai 2026 um 23:09 Uhr - Antworten

      Man muss schon geistig minderbemittelt sein, um auf diese Propaganda hereinzufallen! Aber ja, es gibt tatsächlich viele dieser Zeitgenossen, die Wahrheit kaum von der Lüge unterscheiden können und sogar wollen! Wobei es doch eigentlich ganz einfach ist, diese zu erkennen. Schlüsselwörter, Satzbauten und Konstellationen, Bilder, Filme und auch Belehrungen sind die Werkzeuge, wie man schöne Propaganda produzieren und auch erkennen kann. Aber die unangefochtenen Spitzenreiter sind immer noch ARD und ZDF! Nirgendwo sonst habe ich so professionelle Lügen gesehen wie dort!

      Was die Bundeswehr angeht. Jeder, der sich von denen ködern lässt, hat es nicht anders verdient!

  4. therMOnukular 20. Mai 2026 um 14:35 Uhr - Antworten

    MISO

    Zufall, dass das wie ein Nahrungsmittel heißt, bei dem ich kotzen muss?

    Und ich hätte es fast mit der Feuerwehr-Report verwechselt – dauernd brennt es irgendwo……

  5. Glass Steagall Act 20. Mai 2026 um 14:01 Uhr - Antworten

    NATO-Propaganda ist ja nichts neues. Schon seit Jahren werden wir in Europa damit „beglückt“. Sie taucht überall in den Mainstream Medien auf und deswegen sollte man diese Medien unbedingt meiden! Ob jetzt ein Kanal mehr oder weniger dazu kommt, mach die Kohlen auch nicht mehr fett. Selbst Schuld wer diesen Blödsinn liest! Zumindest gibt es genügend Deppen, die immer wieder darauf hereinfallen. Die Rattenfänger spielen ihre Flöte immer lauter, um die Bürger für Krieg einzustimmen. Und weil für den Bürger kein Geld mehr da ist, ist es geradezu unverschämt, für so einen Mist auch noch unser Steuergeld zu verschwenden! Aber zumindest sollte man sich keine Sekunde mit dieser Gehirnwäsche beschäftigen!

  6. Jan 20. Mai 2026 um 13:30 Uhr - Antworten

    Alles kann Propaganda sein. Der sympathischste Blogger kann als Aggregator auf Propaganda hereinkippen und es nicht merken. Systemnahe Medien können auch einmal gute Argumente bringen. Und Emotionalisierung finden wir zur Genüge auch in angeblich neutralen Alternativmedien.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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