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Politik

Bonvalot, das Opfer  

14 Kommentare 9. Oktober 2026 6 Minuten Lesezeit von Ortwin Rosner

Am vergangenen Sonntag fand in Steyr (OÖ) der 300. „Spaziergang“ statt, eine am Stadtplatz abgehaltene Protestkundgebung, zuerst gegen die Corona-Politik, mittlerweile gegen den Krieg, die seit sechs Jahren an jedem Wochenende stattfindet. Von Anbeginn an war diese Veranstaltung ein rotes Tuch für eine blindwütig gewordene „Antifa“, die, anstatt wirklich antifaschistisch zu sein, nichts anderes zu tun hat, als sich auf die Seite der Herrschenden zu stellen und Menschen, die für Grundrechte und Frieden demonstrieren, fortwährend als „rechtsextrem“ zu diffamieren. Das Strickmuster ist bekannt. Ein prominenter Angehöriger dieser feindlich gesinnten Szene sorgte am Tag des Jubiläums mit seinem Erscheinen am Stadtplatz und durch sein Benehmen für Unruhe. Die Polizei hat mit ihrem Eingreifen mutmaßlich eine Eskalation verhindert. Trotzdem gilt nun dieser Mann in Medien und Politik als das Opfer. Wie er das gemacht hat, ist fast schon bewundernswert. Unser Autor, Ortwin Rosner, wurde zufällig Zeuge der Ereignisse und kann das Ganze nur mehr als real gewordene Satire betrachten. 

Eines muss man Michael Bonvalot lassen: Er versteht es perfekt, sich als Opfer zu inszenieren. Stand bei dem Vorfall am Sonntag in Steyr nicht eigentlich zuerst der Vorwurf eines von ihm ausgegangenen „tätlichen Angriffs“ auf einen der Organisatoren des „Steyrer Spaziergangs“ im Raum? Wenn das so war, dann war schon am nächsten Tag kaum mehr eine Rede davon. Auf einmal ist er für die Öffentlichkeit nicht der Täter, sondern das Opfer. „Brutal abgeführt“ sei er von der Polizei worden, verbreitet er in den sozialen Medien im BILD-Zeitung-Schlagzeilen-Stil, so gekonnt, dass zumindest an seiner agitatorischen Professionalität kein Zweifel bestehen kann. An der absoluten Wahrheit seiner Aussagen ohnehin nicht. Nicht nur, dass ihm hunderte Follower das alles eins zu eins glauben, was er sagt, von denen zwar niemand dabei gewesen ist, die aber nun trotzdem sofort wissen, was geschehen ist, weil Bonvalot es ihnen ja sagt. Mehr noch, auch die nationale Nachrichtenagentur und die Leitmedien schreiben brav von ihm ab. Man staunt, wie „Journalismus“ funktioniert. Wie das Geschehen aber aus der Sicht anderer, die unmittelbar dabei gewesen sind, ausgesehen hat, und vor allem auch aus der von der aktuell gegen sie losgetretenen Stimmungsmache am meisten Betroffenen, nämlich der Veranstalter der Kundgebung, – das hat inmitten der von Standard & Co. ganz offensichtlich ungeheuerlich aufwändig betriebenen seriösen investigativen journalistischen Berichterstattung leider dann doch keinen Platz finden können. Handelt es sich, darin stimmen sie alle unisono überein, dabei ja auch bloß um die Teilnehmer und Organisatoren einer „rechten Verschwörungsdemo“.

Während Bonvalot hingegen ein untadeliger „freier Journalist“ ist. Keinesfalls ein Aktivist, der an diesem Sonntagabend extra vor der im Aufbau befindlichen Rednerbühne unter den Teilnehmern der Kundgebung aufgetaucht wäre, um vor ihnen wie ein Pfau herumzustolzieren und sie zusätzlich dadurch zu provozieren, dass er sie exzessiv abgefilmt und fotografiert hätte. Keinesfalls einer, der den Veranstaltungsleiter geschubst hätte, als er von diesem dazu aufgefordert worden war, den Platz zu verlassen. Ganz sicher hat er dann auch, wie er nun behauptet, ganz brav seinen Presseausweis hervorgezogen und den Polizisten gezeigt, als er von ihnen dazu aufgefordert wurde. Wer könnte an seinen Worten zweifeln? Und ich räume ein, es muss sich gewisslich um eine Sinnestäuschung meinerseits handeln, dass ich, als einer der Zeugen des Vorfalls, etwas ganz anderes wahrgenommen habe. Und bei jener Videoaufnahme, mit der ich dokumentiert habe, dass Bonvalot den Polizisten das Herzeigen des Dokuments verweigert hätte, handelt es sich ganz gewiss um einen technischen Irrtum. Wie ich es mir ja auch sicherlich eingebildet habe, dass dieser Mann, als er dann (weil er den Anweisungen der Polizei nicht Folge geleistet hat) abgeführt wurde, extra laut geschrien und sich eigens möglichst theatralisch aufgeführt hätte, um sich, dabei ständig gefilmt von seinem Begleiter, als Opfer schwerer Gewalt darzustellen. Wie gesagt, das alles ist ganz sicherlich nicht geschehen. Ganz sicher: Bonvalot ist ein ehrenwerter Mann. Wer würde ihm etwas Böses unterstellen? Ganz im Gegenteil. Nur sein Wort gilt. Ist doch er das Opfer. Ein Kämpfer für Wahrheit und Pressefreiheit.

Während die anderen Teilnehmer einer „rechten Verschwörungsdemo“ sind. Eindeutig die Bösen. Die Beweise dafür liegen auf dem Tisch: Haben sie doch am Sonntagabend bei einer Veranstaltung mitgemacht, die allen Ernstes geheißen hat: „Warum Krieg statt Frieden?“ Rechtsextremer geht es ja wohl kaum.

Und das bedroht die Sicherheit der Stadt Steyr nun so sehr, dass in einem Akt purer Verzweiflung ihrem tief besorgten und ganz sicherlich über alle Parteilichkeit erhabenen Bürgermeister, Markus Vogel  (SPÖ), nichts anderes übrigbleibt, als gegen „demokratiefeindliche Gruppen“ vorzugehen.

Bitte hier nicht etwa auf den Gedanken kommen, dass damit jene „Antifaschisten“ gemeint sein könnten, die seit Jahr und Tag mit allen möglichen Tricks, Interventionen und Stimmungsmache unermüdlich versuchen, das Recht ihrer politischen Gegner auf Ausübung ihres Grundrechts auf Demonstration zu behindern. Nein, gemeint sind die Organisatoren und Teilnehmer einer Kundgebung, die demgegenüber durch ihre völlige Friedlichkeit aufgefallen sind und unverschämterweise in einem Zeitraum von sechs Jahren der Polizei nie irgendwelche Schwierigkeiten bereitet haben.

So etwas geht natürlich nicht. Man muss da wahrhaft ihre Gegner verstehen. Irgendetwas mussten die Armen doch endlich unternehmen. Was blieb denen denn anderes über, als nun, in einem Akt letzter Notwehr, dieses beeindruckende Zauberkunststück aus dem Hut zu zaubern: dass dafür, dass einer der ihren von der Polizei abgeführt wurde, nun jene medial vernichtet werden sollen, die sich gar nichts zuschulden kommen haben lassen.

Ist es nicht genial, wie Politik heutzutage in Österreich funktioniert?

Titelbild Rosner / KI-Montage

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Ortwin Rosner, geboren 1967 in Wien, Studium der Germanistik und Philosophie, Aktivst und Autor.


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14 Kommentare

  1. Damaris 1965
    Antworten

    Antifac

    Mark Bray, der Autor dieses monumentalen Werks, liefert eine detaillierte Studie zur Geschichte des Antifaschismus von dessen Anfängen bis in die Gegenwart. Gestützt auf Interviews mit Antifa-Aktivisten aus aller Welt, dringt er in das „Innere der Bestie“ vor und beleuchtet die verschiedenen Stadien ihrer chronologischen und geografischen Entwicklung anhand von Schlüsselereignissen des 20. Jahrhunderts – einer Epoche, die sowohl von schmerzhaften Wunden als auch von historischen Siegen über den Vormarsch totalitärer Gewalt im Großen wie im Kleinen geprägt war. Diese mutige und informative Abhandlung ist wegweisend in ihrer thematischen Geschlossenheit; zugleich ist sie ebenso unterhaltsam wie vielschichtig – dank ihrer Dynamik und der Verknüpfung aktueller Ereignisse mit den historischen Wurzeln verschiedener faschistischer Bewegungen dies- und jenseits des Ozeans. Ein lehrreiches Buch und ein kluger Wegweiser, der Tabus bricht, indem er schonungslos die Geschichte eines langen Kampfes schildert – eines Kampfes voller Widersprüche, Siege und Niederlagen. Es ist eine Geschichte, der man niemals mit Leichtigkeit begegnen darf und die das politische Geschehen der jüngsten Zeit sowie die gesellschaftspolitische Zukunft unserer Welt – hier wie dort, und heute mehr denn je – entscheidend geprägt hat.

  2. Dr. Rolf Lindner
    Antworten

    Antifademokraten

    Lange her ist es mitnichten,
    wenn man denkt in Dimensionen
    wie sie gewöhnlich den Geschichten
    der Nationen innewohnen.

    Hielten sie es für legitim,
    zu bauen eine lange Mauer,
    damit das bauende Regime
    nicht war von kurzer Lebensdauer.

    Dann hatten die, die hier gemeint,
    antifaschistisch sie benannt.
    In Wahrheit sahen sie den Feind,
    im Bürger aus dem eig’nen Land.

    So war die Mauer im Gefüge
    allein im Namen schon nicht statisch,
    der ganze Staat war eine Lüge,
    nannte zum Hohn sich demokratisch.

    Nachdem sich auflöste der Kleister
    aus Lug und falschen Etiketten,
    formierten sich die alten Geister,
    gern alte Macht sie wieder hätten.

    Weil sie mit Tricks und falschen Zungen,
    konnten betör’n die deutsche Meute,
    ist ihnen jetzt sogar gelungen,
    dass Macht ist wieder ihre Beute.

    Genauso wie in alten Tagen
    stempeln sie heut‘ als rechtsextrem,
    Bürger, die es nur leise wagen,
    dem Machtanspruch entgegensteh’n.

    Wollen Demokratie bewahren,
    in Wahrheit meinen sie die nie,
    wollen sie wie in früh’ren Jahren
    herrschen mit roter Despotie.

    Drum achte Bürger, wer so laut,
    herumprotzt als Antifaschist,
    hat sich den Titel nur geklaut,
    er ist und bleibt ein Stalinist.

  3. Seebensteiner
    Antworten

    Vielen Dank für diesen Beitrag, welcher deutlich aufzeigt, wie so etwas funktioniert. Und welcher zudem Bonvalot bloßstellt. Mit irgendeiner „AntiFa“ hat diese Figur absolut nichts zu tun, im Gegenteil, er bedient ausschließlich Herrschaftsinteressen und gibt nur heuchlerisch vor, etwas anderes als deren Werkzeug zu sein. Ich durfte ihn einmal auf einer „Corona-Demo“ in Wien beobachten, wo er gleichfalls penetrant die Demonstrationsteilnehmer fotografiert hatte. Interessant war hier der Umstand, dass er sich – zumindest in jener beobachteten Viertelstunde – die ganze Zeit innerhalb einer Gruppe von Zivilpolizisten befand, gleichsam einem Kokon um ihn herum. Die selbigen Polizisten saßen am Ende der Demo in ihrem Zivilwagen mit Magnet-Blaulicht auf dem Dach. Es handelte sich übrigens um eine Demo, auf welcher plötzlich Gottfried Küssel aufgetaucht war, bei dem sich dann auch die Kamera-Teams wiederfanden. Interessant waren für mich allerdings seine Begleiter gewesen, etwas aufgeblasene Glatzköpfe, die offenbar ein Image pflegen sollten. Doch sie besaßen einen „Schönheitsfehler“: sie trugen Masken im Gesicht, im Gegensatz zu sämtlichen Demonstranten. Masken trugen ausschließlich die zahlreichen Polizisten, welche sich um die Demo herum gruppiert befanden. Echt ist gar nichts, das ist alles eine Inszenierung, um den Massenmedien jenen Stoff zu geben, mit denen sie Herrschaftsinteressen getarnt beeinflussen und verbreiten können. Bonvalot wie Küssel gehören meiner Ansicht nach einfach nur zu deren Handlangern.

  4. Jurgen
    Antworten

    Da der jetzt persönlich bekannt ist, muss er aufpassen, dass nächstes Mal nicht ein journalistischer Rechtsclub seinen Auftritt vermasselt…

  5. Bernhard
    Antworten

    Kann es sein, dass die Polizei in Steyr zumindest in Teilen mit den Demo-Teilnehmern sympathisiert bzw. diese jedenfalls mehr respektiert als Journalisten, die außerhalb der Rechts- und Verschwörungsbrille nichts mehr sehen können, wollen und dürfen?
    Auch die Nachkommen Letzterer werden einmal fragen: Was habt ihr gemacht gegen Krieg und schleichende Entmachtung zukünftiger Generationen?Denn sie werden echte Opfer bringen müssen. Die aktuellenTäter hingegen tun nichts. Sie lassen nur mit sich geschehen, was von oben diktiert wird.
    Sich 300 mal gegen diverse Widerstände für essenzielle Lebensinteressen aller durch die schöne Stadt Steyr zu bewegen, ist dagegen ein echtes Statement für wahre Demokratie.

  6. Der Zivilist
    Antworten

    Spaziergang Montags 18:00 ab Rathaus X-Berg. Die Antifanten belästigen uns nicht mehr.

  7. Konrad Kugler
    Antworten

    Die Antifaschisten sind auch nur dreckige Faschisten. Was denn sonst?

    1. 1150
      Antworten

      @,
      an die rotgrünen neubraunen
      der italiener ignazi siloni soll in den 50zigern bereits gesagt haben,
      wenn der faschismus wiederkehrt, wird er sagen seht her,
      ich bin nicht der faschismus, ich bin der antifaschismus

      1. rudifluegl

        Da ich als Traditioneller Linker, wie der linke Schriftsteller Silone selber einer war, nach Kleinkaliberlogik nunmehr altbraun, diese schönen Zeilen auch schon 3 mal hier untergebracht habe, sowie Mitkommentatoren das nun auch schon rund 20 mal taten, ist es wirklich rührend, es endlich von einem strammen Militaristen gezeigt zu bekommen!

      2. 1150

        flügellahmer,

        neubraun, nicht altbraun

        lesen und das gelesene auch verstehen sind nicht deine stärke wie wir mittlerweile wissen

        die altbraunen sind nach der rückabwicklung 1945 bei roten unter den kittel gekrochen

      3. rudifluegl

        Da ich an Schizophrenie nicht glaube wird mit „wir“ entweder der Trachtenverein, der Schützenverein oder der Sparverein als Stammtisch fürs allgemeine wiehern gebraucht werden.

        Da mein Vater da überall dabei wa,r werden mir Ihre Animositäten immer klarer!

      4. rudifluegl

        Das gleiche gilt aber vor allem für Ihr Geschreibsel!

  8. Roellchen
    Antworten

    Ich sehe die Antifa eher im historischem Licht.

    Schließlich hatte auch die alte sozialistische Arbeiterpartei in Deutschland schlagende Organisationen.

    Ach wie sehr hat man sich doch gewünscht, dass die durch Vereine angeschleppten Migranten, die alte Wählerschicht der undankbaren Leister auffüllen.

    Geld, Sozialwohnungen, Förderungen… Alles hat man ihnen gegeben.

    Doch es kam Anders, da auch die Grünen dieses Potential erkannten und für die Jungen Co2 Neurotiker viel attraktiver sind.

    Bleibt der Sozialistischen Partei nur der langsame Tod in aufrechter Haltung 😂

    Bis schlussendlich auch ihre vielen Vereine, Medien und Macherhaltungsorganisationen ihr Zepter an die politische Zukunft abgeben werden.

    Das ist aber gar nicht lustig, denn wo finden dann die vielen unfähigen Parteikinder und ihre Amigos dann noch Arbeit?

    Gut für sie, dass es die Mindestsicherung gibt. Eine Absicherung die ja eigentlich nur zum Anködern der Neuen gedacht war.

    1. rudifluegl
      Antworten

      „dass die durch Vereine angeschleppten Migranten, die alte Wählerschicht der undankbaren Leister auffüllen.“

      Heißt dass etwa dass die Migranten doch leistungsfähige Kreaturen sind und die Autochthonen niederleisten?

      Dass die Arbeiterkinder als Sprötzlingerchen der niederen Arbeit Nichtleister, Mindestdünger bedürfen war ja eh klar!

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