Skip to content
Politik

Dunkle Theorien nach Spaniens Zugkatastrophen: Sabotage, Geldverschwendung und satanische Rituale

4 Kommentare 29. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Es ist das zweite schwere Zugunglück innerhalb von neun Monaten in Spanien. Das Unglück am Mittwoch in der Provinz Toledo dürfte durch einen operativen Fehler ausgelöst worden sein, doch auch Spekulationen über ausländische Saboteure, Korruption und sogar okkulte Kräfte füllen das Informationsvakuum.

Am Mittwoch stieß bei Urda in der Provinz Toledo ein Renfe-AVE auf einen stehenden Iryo-Zug auf. Mindestens 68 Menschen kamen ums Leben. Die offizielle Erklärung ist, dass das Signalsystem auf der Strecke ausgefallen war. Statt der vorgeschriebenen Sichtfahrt mit reduzierter Geschwindigkeit ordnete die Leitstelle in Atocha die Weiterfahrt mit Normalgeschwindigkeit an. Der Iryo meldete Probleme beim Neustart und blieb stehen; der nachfolgende Zug fuhr auf. Verkehrsminister Óscar Puente nannte die Entscheidung „unerklärlich“ und „falsch“. Justiz und Behörden ermitteln.

Es ist bereits das zweite Zugunglück in Spanien in diesem Jahr. Am 18. Januar 2026 entgleisten bei Adamuz in der Provinz Córdoba mehrere Wagen eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszugs, kreuzten auf das Gegengleis und kollidierten mit einem entgegenkommenden Renfe-Zug. 46 Menschen starben. Später stellte man fest, dass eine Schweißnaht zwischen den Schienen gebrochen war. Kerben an Rädern früherer Züge deuten darauf hin, dass die Schiene bereits vor dem Unfall beschädigt war. Sabotage und überhöhte Geschwindigkeit wurden ausgeschlossen. Aber auch neun Monate später sind die Auswertungen noch nicht ganz abgeschlossen.

Mit dem zweiten Unglück verbreiteten sich in den sozialen Medien verschiedenste Theorien. Zwei Zugunglücke dieser Art sorgen für höchstes Misstrauen in der spanischen Öffentlichkeit – wohl zu Recht. Belege für die Spekulationen gibt es keine. Spanier beschuldigen oder verdächtigen ausländische Akteure, die eigene Regierung oder eine okkulte Weltelite.

Am häufigsten wird – wie kann es in Europa 2026 anders sein – Russland beschuldigt. Belege oder Hinweise gibt es keine, doch ein Vorfall in Polen im November 2025, bei dem eine Bahnstrecke beschädigt und ukrainische Verdächtige mit angeblichen Russland-Bezügen festgenommen wurden, genügt vielen als Anhaltspunkt. Aber nicht nur Russland steht im Visier. Knapp dahinter werden Israel und der Mossad verdächtigt. Es kursierten gefälschte Videos von Netanjahu. Spanien werde – so die Erzählung – für die Haltung im Gaza-Krieg bestraft.

Man vermutet ausländische Hacker oder Geheimdienste, weil es durchaus berechtigt erscheint, zu glauben, dass das ausgefallene Signalsystem von außen manipuliert worden sein könnte. Auch Faktenchecker gingen dem sofort nach (was ebenfalls Misstrauen auslösen kann) und erklärten, dass es keine Hinweise darauf gibt. Für das Unglück im Januar sei Sabotage zudem ausgeschlossen worden. Doch eine misstrauische Bevölkerung wird dadurch wohl nur noch skeptischer.

Eine zweite Linie richtet sich gegen die eigene Regierung. Spanien ist mitten im Wahlkampf, innenpolitische Akteure haben also allen Grund, das Unglück gegen die Regierung zu instrumentalisieren. Der Vorwurf: Die sozialistische Regierung habe Hunderte Millionen für Bahnprojekte in Marokko und Usbekistan ausgegeben, statt die spanische Infrastruktur zu unterhalten. Spanien hat dort Kredite zur Förderung spanischer Unternehmen und Exporte vergeben.

Vor allem auf TikTok kursiert noch eine weitere Behauptung. Der Unfall am Mittwoch wird als Opferritual dargestellt, durchgeführt von „satanischen Eliten“. Argumentiert wird mit der angeblichen Distanz von 666 Kilometern zwischen den Unfallorten. Die kurzen Videos erreichten eine massive Reichweite.

Während solche Theorien gedeihen, das Unglück instrumentalisiert wird und gefälschte Bilder und Videos die Dynamik antreiben, werden reale Fragen verdrängt. Wie robust ist Spaniens Infrastruktur? Wie zuverlässig sind alte Sicherungssysteme, alte Brücken, alte Schienen?


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Halloween-Riots in Deutschland?

Corona-Impfpflichten und die Rolle Brüssels

Teile diesen Artikel

4 Kommentare

  1. Andreas_Sch.
    Antworten

    Wie wäre es mit Unfähigkeit als Erklärung? Wenn man sieht, wie sehr die Ausbildungsstandards bei der Bahn (nicht nur in Spanien!) heruntergefahren wurden, wundert nur noch, dass nicht mehr passiert, was so offensichtlich ist, dass man es nicht mehr verschweigen kann. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das meiste gar nicht in der Öffentlichkeit ankommt …

  2. Jurgen
    Antworten

    Den systematischen Fehler im Steuerungssystem hat man beim ersten Mal wohl nicht weiter suchen wollen, sondern mit dem gefundenen Schienendefekt die Öffentlichkeit ruhig gestellt. Digitale Systeme sind extrem fehleranfällig!

  3. Glass Steagall Act
    Antworten

    Letztendlich wird man immer die Begründung bei Sparmaßnahmen der Regierung finden. Sicherheit kostet eben Geld. Aber „dunkle Mächte“ oder böse russische Hacker klingen natürlich aufregender für die indoktrinierte Masse.

    1. Vortex
      Antworten

      Die wahren Ursachen werden wohl kaum offengelegt, irgendein unglücklicher Zufall wird für das Volk als Begründung ausreichen müssen und was die dunklen Mächte betrifft, die synchronisieren sich global am 31. Okt. kollektiv zum ultimativen Höhepunkt: https://tinyurl.com/2ubymk77, quasi als feurige Anbetung des Antichristen …

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.