Die Wahlen zur 26. Knesset am 27. Oktober 2026 haben Benjamin Netanyahu weder klar bestätigt noch gestürzt. Starkes Lebenszeichen der Palästinenser in Israel.
Nach Auszählung der regulären Stimmen liegt sein rechts-radikales Lager bei etwa 53 bis 54 Sitzen. Der oppositionelle und mindestens ebenso weit rechts stehende Block um Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot kommt auf 47 bis 49 Mandate. Beide Lager bleiben damit deutlich unter der magischen Grenze von 61 Sitzen. Die eigentliche Überraschung sind die arabischen Listen: Gemeinsam erreichen Joint List und Ra’am ein historisches Ergebnis von 19 Sitzen, wie Times of Israel und Jerusalem Post berichten.
Die hohe Wahlbeteiligung der palästinensischen Bürger Israels – die etwa 20 Prozent der Bevölkerung stellen – hat das Ergebnis entscheidend beeinflusst. In vielen arabischen Orten lag die Beteiligung deutlich über den Werten der Vorjahre. Die Joint List unter Yousef Jabareen und die gemäßigtere Ra’am von Mansour Abbas profitierten massiv. Zusammen stellen sie mehr Sitze als je zuvor, wie Middle East Eye berichtet.
Netanyahu kann sich zwar als stärkste Kraft unter den jüdischen Wählern feiern. Sein Versprechen, die Kriege fortzusetzen und den Ausnahmezustand aufrechtzuerhalten, fand offenbar Anklang. Doch ohne Mehrheit steht er vor schwierigen Koalitionsverhandlungen. Eine erneute Regierung mit den Ultra-Orthodoxen und den ultrarechten Kräften um Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich ist rechnerisch nicht mehr selbstverständlich.
Auf der anderen Seite steht die sogenannte „Change“-Kampagne vor einem Dilemma. Die säkular-zionistischen Parteien um Eisenkot, Naftali Bennett, Yair Lapid und Yair Golan hatten gehofft, ohne die arabischen Parteien auszukommen. Das Ergebnis macht klar: Ohne die Stimmen der palästinensischen Bürger Israels gibt es keine Mehrheit gegen Netanyahu. Yair Golan fordert bereits eine Zusammenarbeit. Jabareen signalisierte Bereitschaft, „den Weg für die Ablösung Netanyahus zu ebnen“ – allerdings unter klaren Bedingungen: Kampf gegen Kriminalität in arabischen Gemeinden, Ausbau der Infrastruktur, Bürgerrechte und ein Prozess in Richtung eines unabhängigen palästinensischen Staates, berichtet die Times of Israel.
Die Wahl entlarvt die strukturelle Ausgrenzung. Über Jahrzehnte wurden arabische Parteien systematisch aus der Regierungsbildung herausgehalten. Nun haben die palästinensischen Bürger Israels gezeigt, dass sie den Schlüssel zum Machtwechsel in der Hand halten. Die säkulare jüdische Opposition muss sich entscheiden: Entweder sie akzeptiert eine echte Partnerschaft – oder sie überlässt Netanyahu erneut das Feld.
Die kommenden Wochen der Koalitionsverhandlungen werden zeigen, ob die israelische Politik bereit ist, die palästinensischen Bürger endlich als gleichberechtigte politische Akteure zu behandeln – oder ob der alte Reflex der Ausgrenzung wieder obsiegt. Die arabischen Listen haben ihren Preis genannt. Die Frage ist, ob die zionistischen Parteien ihn zahlen wollen. Wahrscheinlicher ist abwer ein Zusammengehen der zionistischen Parteien gegen die Palästinenser wie schon in der vergangenen 78 Jahren.
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