
Mexikos Ölstrategie zahlt sich aus
Mexikos strategischer Weg zu mehr Energie-Souveränität zeigt erste Erfolge und könnte ein Beispiel für andere Staaten der Welt sein.
Trotz globaler Ölpreis-Turbulenzen und geopolitischer Spannungen ist es Mexiko gelungen, die Abhängigkeit von Kraftstoff-Importen spürbar zu reduzieren. Die Politik der Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (AMLO) und seiner Nachfolgerin Claudia Sheinbaum trägt Früchte.
Vom Import-Land zum Raffinerie-Ausbau
Jahrzehntelang war Mexiko trotz reicher Ölreserven stark auf Importe angewiesen. Nach den neoliberalen Reformen unter Enrique Peña Nieto (2012–2018) und der Öffnung für private Investoren sanken die Auslastungsraten der sechs alten Pemex-Raffinerien zeitweise unter 40 Prozent. 2018 importierte Mexiko noch fast 800.000 Barrel Benzin und Diesel pro Tag aus den USA. Mit dem Amtsantritt von AMLO 2018 änderte sich die Priorität: Statt auf ausländische Märkte zu setzen, investierte die Regierung massiv in die heimische Raffinerie-Kapazität. Dazu gehörten der Kauf der Deer-Park-Raffinerie in Texas, die Modernisierung der bestehenden Anlagen und der Bau der neuen Olmeca-Raffinerie (Dos Bocas) im Bundesstaat Tabasco – ein Prestigeprojekt der „Cuarta Transformación“.
Kritiker bemängelten die hohen Kosten (über 20 Milliarden US-Dollar) und anfängliche technische Probleme. Doch die Zahlen sprechen inzwischen eine andere Sprache.
Im ersten Quartal 2026 verarbeitete das Nationale Raffineriesystem (SNR) durchschnittlich 1,141 Millionen Barrel Rohöl pro Tag – ein Plus von 22,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Produktion von raffinierten Produkten stieg um 21,9 Prozent auf 1,11 Millionen Barrel pro Tag. Besonders stark wuchsen die hochwertigen Destillate (Benzin, Diesel, Kerosin): plus 42,5 Prozent auf 729.000 Barrel pro Tag.
Bereits im vierten Quartal 2025 hatte die Raffinerie-Durchsatzrate um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Die Olmeca-Raffinerie trägt maßgeblich dazu bei und erreichte Ende 2025 eine Auslastung von über 77 Prozent.
Weniger Importe aus den USA
Die gestiegene heimische Produktion schlägt sich direkt in den Importzahlen nieder. Pemex reduzierte seine Kraftstoff-Importe im Zeitraum Januar bis Oktober 2025 um 22 Prozent auf durchschnittlich 414.000 Barrel pro Tag (Vorjahr: 534.000). Besonders stark fielen die Diesel-Importe (minus 42 Prozent). US-Exporte von Diesel nach Mexiko sanken 2025 um 19 Prozent, Benzin-Exporte um etwa 2–5 Prozent. Die mexikanische Benzinproduktion stieg 2025 um 22 Prozent, Diesel um 27 Prozent und Kerosin um 29 Prozent.
Diese Entwicklung stärkt die Energie-Souveränität: Mexiko ist weniger von externen Preisschwankungen abhängig und kann bei geopolitischen Krisen – wie dem jüngsten Ölpreisanstieg nach Schließung der Straße von Hormus – mit fiskalischen Maßnahmen gegensteuern.
Pemex hat für die Jahre 2025–2035 ehrgeizige Ziele formuliert: Die Produktion flüssiger Kohlenwasserstoffe soll im Durchschnitt bei 1,8 Millionen Barrel pro Tag stabilisiert werden. Dazu investiert das Unternehmen Milliarden in neue Bohrungen, Instandhaltung und die Erweiterung der Raffineriekapazität. Die Regierung unter Sheinbaum setzt den Kurs fort und will Pemex bis 2027 finanziell selbstständig machen.
Parallel dazu sinken die Rohölexporte – bewusst, um mehr Rohöl für die heimischen Raffinerien zur Verfügung zu stellen. 2025 lagen die Exporte im Schnitt unter 600.000 Barrel pro Tag, teilweise sogar auf historischen Tiefständen.
Trotz der Erfolge bei der Raffinerie gibt es noch Hürden. Die Rohölproduktion bewegt sich derzeit bei rund 1,5–1,65 Millionen Barrel pro Tag und muss weiter stabilisiert werden. Pemex kämpft mit hohen Schulden (auch wenn diese 2026 auf den niedrigsten Stand seit 2014 gesunken sind) und verzeichnet weiterhin operative Verluste. Der Ausbau der Raffinerien war teuer und technisch anspruchsvoll
Dennoch zeigt die Strategie Wirkung: Mexiko wird unabhängiger von ausländischen Kraftstofflieferungen und besser gegen globale Schocks gewappnet – ein Paradigmenwechsel weg von der reinen Marktorientierung hin zu mehr staatlicher Kontrolle über die eigene Energieversorgung. In einer Welt, in der multilaterale Abhängigkeiten zunehmend brüchig werden, könnte Mexikos Ansatz zum Modell für andere rohstoffreiche Länder werden. Die Zahlen der letzten Monate geben der Regierung in Mexiko-Stadt jedenfalls recht: Die Ölstrategie zahlt sich aus.
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