
Weihrauch als Medizin: Altes Harz mit vergessenem Potenzial
Den Duft von Weihrauch assoziiert man mit der Kirche oder spirituellen Ritualen. Doch das Harz dürfte einer viel größere gesundheitlichen Nutzen haben, als die Medizin-Industrie zugeben will.
Hinter dem aromatischen Rauch dürfte sich mehr als Spiritualität verstecken: das getrockene Harz des Boswellia-Baums, ist jedem als Weihrauch bekannt. Doch der Baum Mehr und mehr Wissenschaftler untersuchen die Wirkungen gegen Entzündungen, Schmerzen oder gegen Arthritis, Asthma oder Reizdarm. Das Harz kann man nicht nur verbrennen, sondern als Extrakt als Medizin verwenden.
Boswellia-Bäume wachsen in trockenen Regionen wie Oman, Äthiopien und Somalia. Beim Anritzen der Rinde tritt ein harziges Sekret aus, das zu Weihrauch verarbeitet wird. Die alten Ägypter nannten es „Tränen des Horus“ und verwendeten es bei Einbalsamierungen und Ritualen. Griechen und Römer schätzten es als Handelsware, wertvoller als Gold.
In der ayurvedischen Medizin Indiens diente es gegen Gelenkentzündungen, Asthma und Verdauungsprobleme, in der traditionellen chinesischen Medizin bei Wunden und in Afrika als Beruhigungsmittel oder Blutstillmittel. Der persische Arzt Avicenna empfahl es im 11. Jahrhundert sogar bei Harnwegsinfekten und Gedächtnisstörungen.
In der Gegenwart wurde es oft auf den guten Geruch reduziert. Doch die die Boswelliasäuren, vor allem Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure (AKBA) hemmen das Enzym 5-Lipoxygenase (5-LOX) und reduzieren so die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene. Zusätzlich dämpfen sie den NF-κB-Signalweg, der Entzündungsbotenstoffe wie TNF-α und Interleukin-6 aktiviert. Ein weiterer Inhaltsstoff, Incensolacetat, zeigt in Tierstudien beruhigende und angstlösende Effekte. Im Gegensatz zu vielen synthetischen Mitteln wirken Ganzharz-Extrakte oft besser.
Klinische Studien konzentrieren sich vor allem auf entzündliche Erkrankungen. Bei Knie-Arthrose (Osteoarthritis) liefern mehrere randomisierte kontrollierte Studien und Meta-Analysen positive Ergebnisse: Boswellia-Extrakte lindern Schmerzen und Steifheit, verbessern die Gelenkfunktion und die Gehfähigkeit. Eine Meta-Analyse von sieben Studien mit 545 Patienten zeigte signifikante Vorteile gegenüber Placebo, Ibuprofen oder Glucosamin – bei mindestens vierwöchiger Einnahme. Entzündungsmarker im Blut sanken, Knorpelveränderungen verbesserten sich in manchen Fällen sogar im MRT.
Bei Asthma deutet eine kleine Studie aus den 1990er-Jahren auf Besserung hin: 70 Prozent der Teilnehmer berichteten weniger Atemnot und Anfälle nach sechs Wochen. Für entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) gibt es Hinweise auf Remissionsförderung, allerdings sind die Studien klein. Bei Angst und Depressionen fehlen noch große Humanstudien. Großes Interesse an solchen Forschungen dürfte es nicht geben, das Geschäft mit Anti-Depressiva boomt.
Interessant ist auch das Potenzial bei Krebs: Boswelliasäuren wirken in Laborversuchen zytotoxisch auf Tumorzellen und hemmen deren Ausbreitung. In Pilotstudien reduzierte ein Extrakt bei Brustkrebs-Patientinnen die Tumorproliferation und bei Hirntumoren das Begleitödem. Große klinische Belege fehlen allerdings auch hier.
Boswellia gilt in Studien und auch laut Gesundheitsbehörden bei bis zu 1000 mg täglich als gut verträglich, auch über Monate. Es gibt allerdings seltene Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden oder Hautreizungen. Ebenso gilt Vorsicht bei der Bezugsquelle (seriöse Hersteller und nur standardisierte Extrakte mit hohem AKBA-Gehalt (z. B. 30 Prozent)) und bei Schwangeren und Stillenden.
Die „Träne des Horus“ hat Tausende Jahre an medizinischer Geschichte in sich. Nun kennt man Boswellia in der Medizin kaum mehr, sie könnte manchmal eine Alternative zu Big Pharma bieten.
Weihrauch in der Apotheke ist teuer – ich selbst nehme ihn pur, ungemahlen ein, schlucke ihn mit Wasser wie eine Tablette. Wirkt genauso und ist viel günstiger. Man kann auch selbst Salben machen, indem man ihn langsam in warmen Öl auflöst und Bienenwachs zusetzt. Oder Weihrauchöl in die Salbe gibt bzw. direkt auf die Haut oder auf Zähne / Zahnfleisch bei Entzündungen.
Auch das heimische Lärchenharz ist sehr wirksam mit vielen Anwendungsgebieten, Fichte auch gut.
Weihrauch ist wirklich wirksam. Ich habe es eine Zeitlang (ein paar Jahre) gegen Fibromyalgie genommen. Habe dann aber ausgesetzt – es ist nicht billig.
Ich überlege aber, wieder damit anzufangen.