
Die schlimmste strategische Niederlage in der Geschichte der USA?
Die USA hat ihre Munition verschossen und der Iran ist ungebrochen. Und er hat die Kontrolle über die Straße von Hormus sowie – wenn nötig – auch über den Eingang zum Roten Meer, dank der Hilfe der Huthis. Und exakt das haben sic die USA und Israel mit ihrer unprovozierten und völkerrechtswidrigen Aggression selbst eingehandelt.
Das ist der Status heute, 16 April, in der Früh: Der Iran kontrolliert nach wie vor die Situation. Die Eskalationsdominanz liegt damit zur Gänze beim Iran, die USA haben offenbar keine Idee mehr waas sie tun können. Ihre Kriegsflotte ist noch immer etwa 700 bis 1000 Kilometer vom Iran und dem Ort des Geschehens entfernt aus Angst vor Raketen und Drohenen des Iran.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi warnte während eines Telefonats mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi vor Konsequenzen aufgrund der „provokativen Handlungen“ der USA im Golf und in der Straße von Hormus. Ein Antrag des unabhängigen US-Senators Bernie Sanders, den Verkauf von Militärbulldozern an Israel zu blockieren, wurde im Senat abgelehnt, erhielt jedoch Unterstützung von rekordverdächtigen 40 Senatoren., was zeigt, dass der Widerstand in den USA massiv gewachsen ist.
Der französische Analyst Arnaud Bertrand beschreibt die Situation in einer Notiz so
Bluffe niemanden, der nicht aufgeben kann
Der Krieg mit dem Iran wird zweifellos noch jahrzehntelang untersucht werden, aber was bereits jetzt ziemlich klar ist, ist, wie sehr es sich um eine strategische Niederlage für die USA und Israel handelt, vielleicht die schlimmste in ihrer Geschichte (was der ehemalige israelische Premierminister Yair Lapid tatsächlich bereits so bezeichnet hat: x.com/yairlapid/status/…).
Ich meine, wie verrückt ist das denn: JP Morgan hat berechnet (jpost.com/middle-east/i…), dass der Iran gemäß der neuen Mautvereinbarung für die Straße von Hormus jährlich zusätzliche Einnahmen in Höhe von 70 bis 90 Milliarden Dollar erzielen könnte, was atemberaubenden 20 % seines BIP entspricht.
Lustigerweise kommentierte Trump auf Truth Social, dass die Vereinbarung bedeute, dass „viel Geld verdient wird“ und „der Iran mit dem Wiederaufbauprozess beginnen kann“ (truthsocial.com/@realDo…). Da hat er verdammt recht: Sie haben sich die mit Abstand wertvollste geografische Rendite der Welt gesichert. Zum Vergleich: Der Suezkanal bringt Ägypten „nur“ 9–10 Mrd. $ pro Jahr ein, der Panamakanal etwa 5 Mrd. $.
Atemberaubend.
Machen Sie keinen Fehler: Dies etabliert den Iran als die neue dominierende Macht im Nahen Osten.
Wenn man ein Land ist, an das andere praktisch zahlen müssen, um in einer Region Geschäfte zu machen – was eine Mautstelle am Hormuz in der Praxis bedeutet –, ist man nicht länger von der Weltwirtschaft ausgeschlossen: Man ist derjenige, der Eintrittsgeld verlangt.
Es ist eine Geschichte vom Phönix, der aus der Asche aufersteht, wenn es je eine gab (eine treffende Metapher, da sie aus der persischen Mythologie stammt): Nach 47 Jahren Sanktionen, nachdem man Zielscheibe jedes nur erdenklichen Tricks war und schließlich einem Krieg ausgesetzt war, der darauf abzielte, das Land zu vernichten, geht der Iran gestärkt aus dieser Krise hervor – stärker als jemals zuvor in der modernen Geschichte.
Vor allem aber ist die dramatischste Konsequenz dieses Krieges, was er für die Macht der USA bedeutet.
Wie ich in meinem vorherigen Artikel (arnaudbertrand.substack…) dargelegt habe, unterscheidet sich dieser Krieg qualitativ von anderen US-Kriegen der letzten Jahrzehnte, wie Vietnam, Afghanistan, Libyen, Irak, Serbien usw. (die Liste ist leider sehr lang).
In diesen Kriegen war das Muster im Großen und Ganzen immer dasselbe, mit einem immensen Machtgefälle zwischen Aggressor und Opfer. Es handelte sich um imperiale Kriege, in denen das Imperium versuchte, ein viel schwächeres Volk zu vernichten, dessen einzige realistische Möglichkeit der Guerillakampf war.
Wie ich schrieb: Als Zuschauer dieser Kriege war das vorherrschende Gefühl, sofern man über moralisches Empfinden verfügte, eine Art hilflose Abscheu: Man sah zu, wie ein Riese durch das Haus eines anderen stampfte.
Dieser Krieg war ganz und gar nicht so: Erstaunlicherweise gelang es dem Iran, sich symmetrisch und taktisch gegen die Vereinigten Staaten und Israel zu behaupten. Dies ist ein absolut entscheidender Unterschied, denn er verändert die Bedeutung des Verlierens.
Als die USA in Vietnam oder Afghanistan verloren, war das peinlich, aber letztlich verkraftbar – der Riese ging mit einem gekränkten Ego davon, und die Welt zuckte mit den Schultern. Imperien verlieren manchmal gegen Guerillas, das sagt nicht viel über die Fähigkeit des Imperiums aus, einen echten Krieg zu führen.
Aber symmetrisch zu verlieren – zu verlieren, wenn deine modernsten Stealth-Kampfflugzeuge vom Himmel geschossen werden, deine Militärstützpunkte im gesamten Kriegsgebiet unschädlich gemacht werden (x.com/RnaudBertrand/sta…), deine modernsten Raketenabwehrsysteme zerstört werden, dein Feind die Kontrolle über die strategisch wichtigste Wasserstraße der Welt übernimmt, deine Marine sie nicht wieder öffnen kann und deine „Verbündeten“ trotz deines „Schutzes“ gnadenlos bombardiert werden – das ist eine ganz andere Art des Verlierens.
Das zeigt der Welt, dass der Riese gar kein so großer Riese mehr ist.
Das ist das Thema meines neuesten Artikels: Was der Krieg offenbart hat, was er zerstört hat und was als Nächstes kommen könnte.
Ich habe den Artikel „Bluffe niemanden, der nicht aussteigen kann“ betitelt. Du wirst verstehen, warum, wenn du den Artikel hier liest 👇
Don’t bluff someone who can’t fold
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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George Friedman hat zugegeben, dass es bei den Kriegen der USA mit anderen Staaten, nicht unbedingt darum geht, zu gewinnen. Für die USA ist es bereits ein Erfolg, wenn sie die angegriffen Staaten schwächen oder destabilisieren konnten.
Aber ob das, was mit dem Iran gerade abgeht noch im Sinne von Friedman ist: Nicht unbedingt siegen, aber wenigstens schwächen?
„Ein großes Reich wird untergehen“. Krösus glaubte, er werde siegen. Aber es waren die Perser, die siegten.
Ganz so klar ist das noch nicht. Die Systempresse setzt auf eine erfolgreiche Blockade iranischer Frachter durch die USA. Meines Erachtens kann das jedoch nicht funktionieren, da der Iran Gegenmittel besitzt.
Es ist auf jeden Fall ein ziemlicher Reputationsverlust für die USA. Das hat auch Auswirkungen auf den Konflikt mit China um Taiwan. Da China nochmal erheblich stärker ist als der Iran.
Nichtsdestotrotz würde ich das nicht als echten Krieg bezeichnen, da die USA nur einen geringen Bruchteil ihrer militärischen Ressourcen eingesetzt hat. Ich würde das in die Kategorie Vietnam und Afghanistan einreihen. Noch ist der Krieg allerdings nicht beendet, hoffen wir mal das es dabei bleibt und der Krieg nicht wieder aufflammt, evtl durch Leute die ein Interesse am Krieg haben.
Was man daraus lernen kann ist das Stealth Flugzeuge nicht mehr länger als Stealth bezeichnet werden können, wenn man moderne Luftabwehrsysteme hat. Was sich aber auch schon länger abgezeichnet hat.
Der Iran möchte Maut in Hoheitsgewässern des Oman einheben. Die Tankerroute liegt nicht auf iranischem Hoheitsgebiet. Oman hat dem bereits eine Absage erteilt.
Wenn die Österreicher sagen, sie beschießen jetzt alle Fahrzeuge in München, die ihnen keine Maut zahlen, so ist das kaum ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell.
Der Konflikt am Golf ist noch sehr lange nicht zuende, auch wenn die Cowboys abziehen.
Der Vergleich hinkt etwas. Tatsächlich versuchen derzeit viele Staaten, Ost wie West, ihre Seegrenzen auszuweiten. Das Oman dem eine Absage erteilt hätte kann ich nichts zu finden. Das war recht clever vom Iran den Oman zur Hälfte an den Einnahmen zu beteiligen. Wie das ausgeht wissen wir natürlich nicht.
Das ZDF hat die Sache schonmal entschieden kritisiert:
„Auch die EU-Kommission kritisierte eine Maut scharf. Das Völkerrecht sei „glasklar“, sagte ein Sprecher. „Die Schifffahrt muss frei sein“, die EU werde „keine Zahlung oder Gebühr irgendeiner Art“ akzeptieren. “
Dabei versucht die EU/NATO gerade die Ostsee für russische Schiffe zu blockieren.
So schreibt der NDR:
„In Helsinki wurden die Außenministerien der NATO-Ostsee-Staaten mit einer „juristischen Analyse“ beauftragt. Sie sollen prüfen, „was wir für Handlungsmöglichkeiten haben“ auf Basis des internationalen Seerechts, so Scholz und ob diese ausreichen, um gegen Bedrohungen durch die Schattenflotte vorzugehen. Andernfalls müssten im Rahmen der EU- und nationalen Gesetzgebungen zusätzliche Maßnahmen geschaffen werden. Scholz betonte, dass dies nicht nur für die Hoheitsgewässer gelte, sondern „auch darüber hinaus“. Der Kanzler dürfte damit auf die Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) in der Ostsee angespielt haben.“
Wiedermal gelten Regeln nur für die anderen.
Ungleiches Recht für alle, oder so ähnlich.
Der Oman äußert sich stets diplomatisch. Er hat frisch bekannt gegeben, die Strait sei offen zu halten. Auch China hat diese Sprachregelung.
Eine Maut würde zu einer Dominanz des Irans über die Golfstaaten führen, ähnlich einer Maut am Skagerrak auf alle Exporte der Anrainer. Mit Dominanz könnte der Iran die Maut beliebig erhöhen. Höhere Ölpreise beeinflussen den Absatz sofort, dh die Produzenten müssten eventuell ihre Margen verkleinern.
Welche Staaten hätten ein Interesse an einer solchen Regelung? China? Malaysia? Japan? Süd-Korea? Würden sich diese in einen Krieg mit den USA einlassen, damit sie danach mehr bezahlen dürfen?
Die Förderraten am Golf sind nicht ausgeschöpft, um eine Ressourcenkontrolle handelt es sich ebenfalls nicht.
Die Fahrrinne liegt bei Oman und VAE. Wenn die für Bojen, Lotsen usw eine Gebühr einheben, hätten sie das Ganze. Wozu die Iraner finanzieren, die mit Beschuss in fremden Hoheitsgewässern drohen?
@ Jan 9:34,
Sie scheinen ziemlich beschränkt zu denken – nämlich nur aus der Sicht Trumps, der zionistisch dominierten westlichen Politik und deren MainStreamMedien.
Außerdem haben wir jetzt Krieg – der aber hoffentlich bald zu Ende geht.
Wenn USA und Israel diesmal eine längst fällige ordentliche Abreibung bekommen, werden 1. die Medien endlich beginnen müssen, INFORMATION statt Propaganda zu liefern. 2. werden ganz viele Staaten der Erde diplomatische Beziehungen zum Iran aufbauen und regen Handel mit ihm treiben wollen. 3. Hoffentlich werden die restlichen Golfstaaten auch schnell verstehen, daß Kooperation viel besser funktionieren kann als „die dauernde durch Intrigen USraels gesteuerte totale Konfrontation“. 4. Wünsche ich mir, daß der Einfluß Chinas und Russlands in der Region, die Amerikaner draußen hält. 5. werden BRICS & Freunde weltweit die multipolare Weltordnung fördern, was das Motto „Wandel durch Handel“ in die Praxis umsetzen und dem Frieden dienen würde.
USA und Israel werden irgendwann verstehen, daß ihr Staats-Terrorismus in einer angestrebten friedlichen Welt unerwünscht und unbrauchbar ist.
Larry geht davon aus, dass die USA vermutlich schon dieses Wochenende einen letzten grossen Schlag auf den Iran starten, dann den Sieg erklären und den nahen Osten verlassen werden. Ja dem würde ich zustimmen:
https://sonar21.com/watch-what-trump-does-ignore-what-he-says-more-war-on-the-agenda/
Selbst wenn sich die USA zurück ziehen würden, was diese ohne eindeutige Niederlage nicht werden, besteht immer noch das Problem Israel mit Völkermord in Gaza und Libanon und dem begangenen Landraub durch Israel! Und das Problem Kurdenstaat betrifft die Türkei und Syrien! Das Pulverfass besteht weiter!