
Der nächste Krieg gegen den Iran steht an
Der Iran scheint sich auf den nächsten Angriffskrieg Israels und der USA vorzubereiten, nachdem das Land, gemeinsam mit Russland und China, im Sicherheitsrat den Atomvertrag JCPOA auf Grund des letzten Krieges und fehlendem Erfüllen der Verpflichtungen der westlichen Länder, termingemäß im Oktober 2025 für beendet erklärt hat. Pepe Escobar erklärt, dass Visa für Ausländer für nächste Zeit nicht ausgestellt werden, und Kommandeure anscheinend in höchster Alarmstimmung sind. Bevor es wieder losgeht, lohnt es sich, auf den letzten Angriffskrieg gegen den Iran zurückzuschauen.
„Der 12-Tage-Krieg gegen den Iran – Israels Fehleinschätzung“ von Jochen Mitschka bietet eine detaillierte chronologische Aufarbeitung eines der dramatischsten Konflikte des Jahres. Der Autor, der im südlichen Afrika lebt und seine Analysen mit der Perspektive des globalen Südens bereichert, setzt seine Buchreihe über den Nahen und Mittleren Osten fort. Nach Bänden zu Gaza und dem Kolonialismus wendet er sich hier dem kurzen, aber intensiven Krieg vom Juni 2025 zu, in dem Israel und die USA den Iran angriffen – angeblich, um ein Atomwaffenprogramm zu stoppen. Veröffentlicht unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND) vom gemeinnützigen Verein Der Politikchronist e.V., ermutigt das 219-seitige Buch zur nicht-kommerziellen Weiterverbreitung und dient der politischen Bildung. Mitschka integriert Quellen aus Medien, Expertenanalysen und historischen Dokumenten, um eine alternative Sicht auf den Konflikt zu bieten, die westliche Narrative hinterfragt. Das Vorwort von Dr. Alexander Neu liefert eine völkerrechtliche Einordnung, die den Krieg als Verstoß gegen internationale Normen darstellt. Als Leser, der sich für geopolitische Analysen interessiert, schätze ich den sachlichen Ton des Buches, das Fakten priorisiert, ohne in Übertreibungen zu verfallen.
Das zentrale Thema des Buches ist die Fehleinschätzung Israels, die zu einem Konflikt führte, der weitreichende Konsequenzen hatte. Mitschka argumentiert, dass der Krieg nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch und propagandistisch vorbereitet wurde, und hebt hervor, wie westliche Mächte den Iran dämonisierten, um Aggressionen zu rechtfertigen. Der Autor betont, dass der Iran keine Atombombe anstrebte, sondern sich verteidigte, und verknüpft dies mit historischen Ungerechtigkeiten. Die Struktur folgt einer klaren Logik: Ein historischer Rückblick, die diplomatische Strategie des Iran, die tägliche Chronik des Krieges, Lehren daraus und ein Anhang zur Propaganda. Dieser Aufbau macht das Buch zugänglich, auch für Nicht-Experten, und ermöglicht eine schrittweise Vertiefung in die Komplexität des Themas. Mitschkas Schreibstil ist präzise und quellenbasiert, mit Fußnoten und Links, die die Nachverfolgbarkeit erleichtern. Es ist kein trockenes Geschichtsbuch, sondern eine engagierte, doch ausgewogene Darstellung, die den Leser zum Nachdenken anregt.
Das Vorwort
Das Vorwort von Dr. Alexander Neu setzt den rechtlichen Rahmen und klassifiziert den Krieg als Angriffskrieg, der gegen Artikel 2 Absatz 4 der UN-Charta verstößt. Neu argumentiert, dass weder Prävention noch Selbstverteidigung als Begründung taugen, da kein unmittelbarer Angriff des Iran vorlag. Er vergleicht dies mit dem Irakkrieg und kritisiert die USA und Israel für die Untergrabung des Völkerrechts. Dieser Einstieg ist solide und unterstreicht die These des Buches, dass der Konflikt Teil eines größeren Musters imperialer Politik ist. Mitschka baut darauf auf, indem er im ersten Hauptteil einen kurzen Rückblick in die Geschichte des Iran gibt. Er beginnt mit der CIA-gestützten Operation Ajax 1953, die den demokratisch gewählten Premierminister Mossadegh stürzte, um britische Ölinteressen zu schützen. Der Autor beschreibt den Iran-Irak-Krieg (1980–1988), in dem der Westen Saddam Hussein unterstützte, trotz dessen Einsatz von Chemiewaffen gegen Iraner. Mitschka erwähnt den Abschuss des Iran-Air-Flugs 655 durch die USA 1988, der 290 Zivilisten tötete, und die darauffolgende Auszeichnung des Kapitäns. Er führt dies fort bis zu modernen Sanktionen und Drohungen, wie Trumps Ausstieg aus dem JCPOA 2018. Dieser Abschnitt ist informativ und zeigt, wie der Iran systematisch isoliert wurde, was die defensive Haltung erklärt. Positiv ist, dass Mitschka Quellen wie UN-Resolutionen und Medienberichte einbezieht, um Objektivität zu wahren.
Der Ablauf
Im nächsten Kapitel zur diplomatischen Verteidigungsstrategie des Iran beleuchtet Mitschka, wie Teheran auf Bedrohungen reagierte. Er beschreibt den Iran als stabilen Staat mit einer gemischten Wirtschaft und betont seine Rolle im Kampf gegen Terrorismus, etwa gegen den IS. Der Autor kontrastiert dies mit westlicher Dämonisierung, die den Iran als „Achse des Bösen“ darstellt, und hebt Allianzen mit Russland und China hervor. Mitschka argumentiert, dass der Iran durch Sanktionen in die Enge getrieben wurde, was zu einer Strategie der Abschreckung führte, ohne offensive Ambitionen. Er kritisiert Israels Angriffe auf iranische Anlagen in Syrien und Saudi-Arabiens Drohungen. Dieser Teil ist gut recherchiert und zeigt Mitschkas Stärke: Die Einbindung globaler Perspektiven, die westliche Leser selten hören, wie die Sicht aus dem globalen Süden auf US-Hegemonie.
Der Kern des Buches ist die Chronik des 12-Tage-Kriegs, die den Großteil der Seiten einnimmt. Mitschka gliedert sie tageweise, beginnend mit dem 13. Juni 2025, als Israel den Iran angriff. Er beschreibt Israels Geheimdokumente, die angeblich ein Atomprogramm bewiesen, aber als gefälscht enttarnt wurden. Der Autor detailliert den israelischen Erstschlag auf Nuklearanlagen wie Natanz und Fordow, die iranische Antwort mit Raketenangriffen auf israelische Ziele und die Eskalation durch US-Beteiligung. Unterkapitel wie „Israels Fehlkalkulation“ analysieren, warum Netanjahu die iranische Verteidigung unterschätzte, und „Trumps Rolle“ beleuchtet, wie der US-Präsident in den Konflikt hineingezogen wurde. Mitschka beschreibt den vierten Tag mit intensiven Luftkämpfen, den fünften mit iranischen Drohnenangriffen. Er erwähnt Pakistans Haltung, Indiens Rolle und türkische Bedenken. Der Autor kritisiert die IAEA als von Israel beeinflusst und beschreibt deutsche Beteiligung durch Aufklärungsdaten. Am sechsten Tag eskaliert es mit US-Bombardements, doch der Iran hält stand. Mitschka hebt die Zensur in Israel hervor und die globalen Auswirkungen, wie steigende Ölpreise. Der Krieg endet mit einem Waffenstillstand am 24. Juni, nach dem der Iran gestärkt dasteht, während Israel Verluste erleidet. Dieser Abschnitt ist fesselnd, da Mitschka Echtzeit-Berichte aus Quellen wie Teheran Times, Haaretz und Al Jazeera einwebt, und die militärischen Details erklärt, ohne zu technisch zu werden.
Im Kapitel zu den Lehren aus dem Krieg zieht Mitschka Bilanz: Der Iran bewies Resilienz, Israel litt unter Raketenangriffen, und die USA verloren Glaubwürdigkeit. Er diskutiert den „Libanon-Modell“-Effekt, bei dem asymmetrische Kriegsführung siegt, und warnt vor einem „zweiten Krieg“ durch Cyberangriffe. Mitschka argumentiert, dass der Konflikt die multipolare Weltordnung stärkt und westliche Propaganda entlarvt. Das Nachwort verbindet den Krieg mit dem Gaza-Konflikt und sieht ihn als Teil eines „3. Weltkriegs“. Der Anhang zur anti-iranischen Propaganda ist ein wertvoller Zusatz: Er analysiert die MEK-Organisation, ihre Terrorvergangenheit und westliche Unterstützung, sowie Falschmeldungen wie die „grüne Revolution“ 2009. Mitschka entlarvt, wie Medien den Iran als Bedrohung darstellen, und kontrastiert dies mit Fakten zu Frauenrechten und Wirtschaft.
Die Stärken des Buches
Die Stärken des Buches liegen in seiner gründlichen Recherche und der frischen Perspektive. Mitschka nutzt Hunderte von Quellen – von UN-Dokumenten über Experten wie Trita Parsi bis zu alternativen Medien – um eine nuancierte Sicht zu bieten. Die chronologische Struktur macht den komplexen Konflikt greifbar, und die CC-Lizenz fördert die Diskussion. Besonders lobenswert ist die Einbeziehung des globalen Südens, die zeigt, wie der Krieg Ressourcenkonflikte und Migration beeinflusst. Der Autor vermeidet Polemik, indem er Fakten sprechen lässt, und regt zu kritischer Medienlektüre an. Schwächen könnten in der Länge des Anhangs liegen, der gelegentlich ablenkt, oder in der Annahme, dass Leser mit der Region vertraut sind. Dennoch bleibt es ausgewogen und informativ.
Insgesamt ist „Der 12-Tage-Krieg gegen den Iran“ ein solider Beitrag zur zeitgenössischen Geschichtsschreibung. Es beleuchtet, wie Fehleinschätzungen zu Eskalationen führen, und mahnt zur Vorsicht vor Propaganda. Empfehlenswert für alle, die den Nahen Osten jenseits von Berichten des Mainstreams wollen – ein Buch, das informiert und zum Reflektieren einlädt.
Das Buch ist über Buchhandlungen und den Buchversandhandel gebunden oder als Paperback erhältlich, zum direkten Download als PDF oder EPUB.
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