Ukrainische Weihnachts“geschichte“ im Deutschlandfunk

25. Dezember 2022von 3,3 Minuten Lesezeit

Der Deutschlandfunk (DLF) gehört zu den Mainstream-Medien, die es mit der Information seiner Zuhörer nicht so genau nehmen. Zumindest werden manche Aussagen von Politikern gerne 1:1 weitergegeben, ohne dass diese hinterfragt werden.

Am 24.12. musste ich bei dem Sender im Radio vernehmen – und konnte auf der Webseite nachlesen: Mindestens fünf Tote bei Angriff auf Cherson – Bei einem Angriff auf die ukrainische Stadt Cherson sind nach Angaben aus Kiew mindestens sieben Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden. Gestern Abend hatte Präsident Selenskyj die Bevölkerung vor einer wahrscheinlich bevorstehenden Angriffswelle gewarnt. Russland verachte christliche Werte und könnte über Weihnachten aktiv werden, sagte er in einer Videobotschaft.

Dabei ist es jedem mit ein bißchen Bildung bzw. der Fähigkeit Google zu verwenden – beides sollte man bei Journalisten annehmen können – möglich festzustellen, wann Weihnachten bei den orthodoxen Christen gefeiert wird. Möglich ist natürlich auch, dass bildungsferne Menschen in den Redaktionen der Konzernmedien überhand nehmen.

So kann man im BR lesen: Während die meisten Christen Heiligabend und Weihnachten am 24. und 25. Dezember feiern, begehen zahlreiche orthodoxe Kirchen Christi Geburt erst am 6. und 7. Januar. Der Grund dafür sind unterschiedliche Kalender.

Es ist schon richtig, das Christentum war in der Sowjetunion massiv unterdrückt. Aber selbst der BR schreibt: Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion durften die Russen ihr Weihnachtsfest wieder offiziell am 6. und 7. Januar feiern. Und nach meinem Kenntnisstand wird es dort ausgiebig gefeiert – auch in der Ukraine. Denn auch dort ist die orthodoxe Kirche vorherrschend. Also feiern momentan weder Russen noch Ukrainer Weihnachten. Dass ein Krieg an allen Tagen grausam ist und vermieden werden muss, steht auf einem anderen Blatt. Aber ein Angriff „zu Weihnachten“ findet in der Ukraine aktuell nicht statt. Auch wenn bei uns gerade Weihnachten gefeiert wird.

Was der DLF allerdings nicht erwähnt, ist der Umgang der Ukraine mit der orthodoxen Kirche. Es fehlt der Hinweis auf die politischen Übergriffe seitens der ukrainischen Regierung auf die orthodoxen Kirchen in der Ukraine. „Ukraine: Geheimdienst durchsucht Klöster der Ukrainischen Orthodoxen Kirche“ im November diesen Jahres. Legal nachzulesen beim Nachrichtendienst östliche Kirchen, der hoffentlich noch nicht auf der Zensurliste der EU steht. Andere Quellen zu verlinken, wäre in unserer „freien westlichen“ Welt wohl zu riskant.

Dort erfährt man: Der ukrainische Inlandgeheimdienst (SBU) hat im Kyjiwer Höhlenkloster, dem Sitz des Oberhaupts der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), eine Spionageabwehr-Operation durchgeführt. Gemeinsam mit der Nationalpolizei und Nationalgarde suchte er am 22. November in den Räumlichkeiten und auf dem Gelände nach „verbotenen Gegenständen“ und Saboteuren. Die Operation gehöre zur „systematischen Arbeit“ des Geheimdienstes gegen die „subversive Tätigkeit russischer Nachrichtendienste in der Ukraine“, hieß es in einer Mitteilung des SBU. Angesichts des Krieges wachse das Risiko von Terroranschlägen, Sabotageakten und Geiselnahmen. Die Durchsuchung des Höhlenklosters sollte verhindern, dass es als „Zentrum der ‚Russischen Welt‘ benutzt wird“, sowie dazu dienen zu überprüfen, ob dort Mitglieder von Spionage- und Sabotagegruppen, Ausländer und Waffen versteckt werden.

Ich vermute, die hetzerische Botschaft „Russland verachtet christliche Werte“ wird nicht nur über den DLF sondern über weitere westlichen Medien geteilt. Derartiges gehört offensichtlich zu den „christlichen Werten“, die von den „Russen verachtet werden“.

Bei dieser „objektiven“ Information durch unsere Qualitätsmedien ist es eigentlich kein Wunder, dass sich bei der Mehrheit im Westen der Eindruck des „bösen Russen“ weiter verfestigt. Man kann daher nicht oft genug auf derartige Manipulation hinweisen.

Aktuell bereitet die Friedensbrücke Kriegsopferhilfe wie jedes Jahr seit 2015 die Weihnachtshilfsprojekte für die Menschen im Kriegsgebiet im Donbass vor. Es ist ja noch bis 6. Januar Zeit, diese Projekte zu unterstüzen. Der Verein freut sich über jede Spende.

Spenden via Überweisung:
Liane Kilinc, Stichwort: Projektarbeit
IBAN: DE44 5001 0517 5441 3653 35

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friedensbruecke@gmx.de

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15 Kommentare

  1. Georg Uttenthaler 26. Dezember 2022 at 16:37Antworten

    Die belgische Historikerin Anne Morelli systematisierte und aktualisierte seine Darstellung in »Principes élémentaires de propagande de guerre« (deutsch: »Die Prinzipien der Kriegspropaganda«) wie folgt:

    Wir wollen den Krieg nicht,
    Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung,
    Der Führer des Gegners ist ein Teufel, Putin, die AMIS waren`s noch nie??
    Wir kämpfen für eine gute Sache,
    Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen,
    Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich, (Butcha)
    Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm,
    Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache, (sonst werden sie KALT gestellt..!)
    Unsere Mission ist »heilig«,
    Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

    Wir sehen, dass diese Regeln bis heute eingehalten werden. Das Opfer ist immer die Wahrheit, sie stirbt zuerst. Die Bürger aller Länder werden aus allen Richtungen durch Propaganda getäuscht. Angst und Hass werden verbreitet. Doch Angst und Hass sind schlechte Ratgeber, wenn es darum geht, einen Weg aus einer Krise zu finden und einen Krieg rechtzeitig zu beenden.

    Wenn ich Krieg höre: ABSCHALTEN!!

  2. niklant 26. Dezember 2022 at 11:11Antworten

    Wenn man in einem Land wie der Ukraine einen Präsidenten mit weißer Nase hat und zudem noch Schauspieler ist, dann darf man alles erwarten, auch Fake-Meldungen und Baron Münchhausen! Mich wundert es nur, das keine politiker mehr in die Ukraine Reisen! Haben die inzwischen einen neuen Weg der Bezahlung gefunden? Ohne Sekt und ohne Öffentlichen Balkon?

  3. PALLA Manfred 26. Dezember 2022 at 0:12Antworten

    Just dazu heute auf „anderweltonline.com“ der Artikel – > „Das falsche Geheul um den Weihnachtsfrieden in der Ukraine“ < vom dt. Autor/Verleger/Ex-Pilot Peter Haisenko !!! – seit Februar gibt es auf der o.g. Seite „e t l i c h e“ AUGEN-Öffner zum Ukraine-Konflikt zu lesen !!! – der Vater des Autors stammt übrigens aus der UdSSR/Ukraine – von daher ist ER wohl ein sicherlich kompetenter ZEIT-Zeuge ;-)

  4. Andreas I. 25. Dezember 2022 at 19:35Antworten

    Hallo,
    an der gesamten Frontlinie war es am 24.12. ruhig. Die letzte Meldung war vom 23., russische Kamikazedrohne hat ukrainisches Fahrzeug zerstört und das war auch schon am 23. das einzige.
    Da passt dieser Angriff auf Cherson nicht dazu, an der gesamten Frontlinie war alles ruhig, ein paar Zivilisten zu erschießen ist militärtaktisch sinnlos und es ist gegen das russische Interesse, nach dem Krieg in möglichst guter Nachbarschaft mit den Menschen dort zu leben, aber es ist ein Geschenk für die transatlantischen Qualitätsjournalisten.
    Also entweder die Russen haben den transatlantischen Qualitätsjournalisten.(und deren Auftraggebern) ein Geschenk gemacht, oder das waren die Ukrainer selber.
    Und das wäre nicht das erste mal, dass
    1. die Ukrainer versuchen den Russen was in die Schuhe zu schieben und
    2. die transatlantischen Qualitätsjournalisten sowas ungeprüft übernehmen.

    (natürlich weniger „die Ukrainer“ und mehr die Regierung in Kiew)

    Im Übrigen ist es faszinierend, wie die gleichen Leute, die bei Antisemitismus so wachsam sind, dass sie gelegentlich schonmal übers Ziel hinausschießen, gleichzeitig antirussische Hetze verbreiten, als ob sie davon nicht genug kriegen können.

    Und abschließend, wenn nach Irak, Jugoslawien, Libyen, Syrien und Jemen noch irgendwelche Unklarheiten gewesen wären, so wäre spätestens seit 2020 glasklar, welche Werte diese transatlantischen Qualitätsjournalisten vertreten, Aktienwerte.

  5. Hans im Glück 25. Dezember 2022 at 19:28Antworten

    Ich finde Weihnachten mittlerweile eher sonderbar. Das ist wie ein Film, den man zu oft angeschaut hat. „Die hard“ ist großartig. Aber beim fünften oder sechsten mal gehts eher nicht mehr. Bei deutschen Weihnachtsliedern ist mittlerweile die „Mute“ Taste ein Muss! Ich halte es einfach nicht mehr aus.

  6. 1150 25. Dezember 2022 at 13:59Antworten

    siehe auch bei you tube:
    die deutsche wochenschau 2022, eine kriegsweihnacht

    erinnert an vergangenes, ähhh, aktuelles……

  7. Gerhard 25. Dezember 2022 at 11:27Antworten

    Zitiere: Zumindest werden manche Aussagen von Politikern gerne 1:1 weitergegeben, ohne dass diese hinterfragt werden.
    Hinterfragt wird oft wenig bis kaum, was natürlich erklärt warum vieles nicht nachvollziehbar ist.
    Typisch ist aus fünf Tote werden es sieben. Digitalisierung lässt trotzdem keine klare Kummunikation zu. Wundert mich nicht, dass alles überhand genommen hat.

  8. Jens Tiefschneider 25. Dezember 2022 at 11:09Antworten

    Passend zur neuen Kanzlerin der Ukraine, Anna-Lena Baerbock. Mal sehen, wann wir morgens beim Bäcker Piroggen bekommen, statt Semmeln.

  9. P. Kiehl 25. Dezember 2022 at 11:06Antworten

    Die emotionalen Reaktionen, vor allem motorischen Abläufen, sowie der Speicherung von Gedächtnisinhalten sind bei vielen seit der Pandemie und Krieg in der Ukraine durcheinander geraten. Die Furcht und Angst lässt oft nicht mehr klar denken. Wenn Putin jene Werte aufzählt, die für ihn und das Land am wichtigsten sind, fällt die Liste symptomatisch inhaltsleer aus. Welche Eigenschaften sind am wichtigsten, wenn man ein braver Junge sein will? Die innere Leere der Werte-Ideologie ist im Übrigen leicht zu erklären. Sie kommt daher, dass Werte-Bekenntnisse nicht darauf abzielen, Werte zu verteidigen. Sie funktionieren nur ex negativo – man braucht sie in Russland nur, um die uns fremden Werte abzulehnen. Man sollte aber gleichzeitig genau hinhören, was hinter den hochtrabenden Worten steckt. Viel zu viele Mythos kursieren um uns herum, sodass nur aus diesem Grund reagiert wird.

  10. Andrea Drescher 25. Dezember 2022 at 10:48Antworten

    einverstanden – die große mehrheit feiert im jänner. das deckt sich mit den beobachtungen von sascha, dass junge ukrainer auch kein russisch mehr schreiben können. bei den „investitionen“ des westens und der arbeit der NGOs ist das ja auch kein allzugroßes wunder. wobei: die westlichen konzerne haben sich seit 2014 erfolgreich eingekauft – das land selbst ist zum armenhaus europas mutiert.

    dem westen zugetan fühlt sich wohl auch nur, die ukrainer, die im westen des landes leben. die im osten wohl eher weniger. aber unbenommen davon, ist die aussage, dass „russen christlich werte verachten“ übelste hetze.

  11. J. Th. 25. Dezember 2022 at 10:38Antworten

    Erstaunlich diese toxischen Figuren und noch erstaunlicher dass sie nicht gebremst werden.

  12. Pfeiffer C 25. Dezember 2022 at 9:55Antworten

    „Generell lassen die Großmedien das Einhalten einer Grundregel vermissen, die sowohl bei Streitigkeiten im Sandkasten gilt als auch bei den ganz großen Konflikten: Man muss immer beide Seiten hören. Das ist in der Justiz bei der Suche nach Gerechtigkeit selbstverständlich und galt auch im Journalismus als unverzichtbar.

    Inzwischen herrscht das Axiom: Was immer aus einer russischen Quelle kommt, kann nur Propaganda sein und muss ungeprüft aus dem Verkehr gezogen werden. Den Lesern und Hörern wird nicht zugetraut, sich eine eigene Meinung zu bilden, ja es wird ihnen nicht zugestanden.

    Die russische Sicht sollen wir nur in westlicher Kommentierung zur Kenntnis nehmen und die ist oft genug verkürzt, verdreht und verfälscht“.

    © Daniela Dahn
    „Im Krieg verlieren auch die Sieger“

  13. Ric 25. Dezember 2022 at 9:19Antworten

    Frau Drescher,

    Nicht ganz richtig.

    Viele Ukrianer, vor allem die junge, feiern Weihnachten schon länger auch am 24.12.
    Die Bestrebungen das Weihnachtsfest generell auf den 24.12 zu verlegen gab es auch schon vor dem Krieg.
    Unabhängig religiöser Gepflogenheiten fühlen sich mehr und mehr Ukrainer dem Westen zugetan.
    Der Krieg hat dieses Verkangen nur bestärkt.

    • Andrea Drescher 25. Dezember 2022 at 10:50Antworten

      einverstanden – die große mehrheit feiert im jänner. das deckt sich mit den beobachtungen von sascha, dass junge ukrainer auch kein russisch mehr schreiben können. bei den „investitionen“ des westens und der arbeit der NGOs ist das ja auch kein allzugroßes wunder. wobei: die westlichen konzerne haben sich seit 2014 erfolgreich eingekauft – das land selbst ist zum armenhaus europas mutiert.

      dem westen zugetan fühlt sich wohl auch nur, die ukrainer, die im westen des landes leben. die im osten wohl eher weniger. aber unbenommen davon, ist die aussage, dass „russen christlich werte verachten“ übelste hetze.

    • Andreas I. 25. Dezember 2022 at 20:01Antworten

      @ Ric Hallo,
      „Unabhängig religiöser Gepflogenheiten fühlen sich mehr und mehr Ukrainer dem Westen zugetan.“

      Mengenmäßige Abschätzungen lassen sich erstens aus Wahlen und zweitens aus der „Abstimmung mit den Füßen“ ableiten.
      1. Wahlen
      Bei den Referenden in der Ostukraine (Charkiw, Lugansk, Donezk, Saporoschje) hat die Mehrheit für Russland gestimmt. (Wobei dann die Frage ist, ob man das noch zur Ukraine zählt.)
      Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Westukraine hat die Mehrheit pro-westlich gewählt.
      2. Abwanderung
      Dazu habe ich jetzt keine genauen Zahlen, aber Ukrainer sind sowohl in die EU als auch nach Russland ausgewandert / geflohen.

      Alles in allem wäre es plausibel, dass die nach den 8 Jahren verbliebenen Ukrainer westlich des Dnjepr mehrheitlich pro-westlich sind, ungefähr da verläuft ja auch die Bruchlinie.

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