Ein „War of Terror“ könnte Europa bald erreichen

27. Oktober 2022von 6,2 Minuten Lesezeit

Seit dem Krieg der NATO gegen Serbien im Jahr 1999 findet erstmals auf europäischen Boden wieder ein Krieg statt. Im Grunde genommen kämpfen USA und  seine europäischen NATO-Gefolgsstaaten und insbesondere die EU-Kommission in der Ukraine gegen Russland. Das muss zwangsläufig auf die Sicherheit  der europäischen Länder negative Auswirkungen haben, wie auch früher schon Europol erklärt hat. Mit möglichen Folgen setzt sich dieser auf Zerohedge erschienene Artikel von Pepe Escobar auseinander.

Unterschätzen Sie niemals ein verwundetes und zerfallendes Imperium, das in Echtzeit zusammenbricht.

Imperiale Funktionäre, selbst in „diplomatischer“ Funktion, erklären weiterhin dreist, dass ihre außergewöhnliche Kontrolle über die Welt obligatorisch ist.

Wenn das nicht der Fall ist, könnten Konkurrenten auftauchen und das Rampenlicht stehlen – monopolisiert von den US-Oligarchien. Das ist natürlich ein absolutes Anathema.

Der imperiale Modus Operandi gegen geopolitische und geoökonomische Konkurrenten ist nach wie vor derselbe: eine Lawine von Sanktionen, Embargos, Wirtschaftsblockaden, protektionistischen Maßnahmen, Abschaffung der Kultur, militärische Aufrüstung in Nachbarländern und verschiedene Drohungen. Vor allem aber ist die Rhetorik der Kriegstreiberei derzeit auf dem Höhepunkt.

Der Hegemon mag zumindest in diesem Bereich „transparent“ sein, weil er immer noch ein riesiges internationales Netzwerk von Institutionen, Finanzgremien, Politikern, CEOs, Propagandaagenturen und der Popkulturindustrie kontrolliert. Daher diese vermeintliche Unverwundbarkeit, die Unverschämtheit erzeugt.

Panik im „Garten“

Die Sprengung von Nord Stream (NS) und Nord Stream 2 (NS2) – jeder weiß, wer es war, aber der Verdächtige darf nicht genannt werden – hat das zweigleisige imperiale Projekt, billige russische Energie von Europa abzuschneiden und die deutsche Wirtschaft zu zerstören, auf die nächste Stufe gebracht.

Aus imperialer Sicht ist die ideale Nebenhandlung die Entstehung eines von den USA kontrollierten Intermariums – von der Ostsee und der Adria bis zum Schwarzen Meer – unter der Führung Polens, das eine Art neue Hegemonie in Europa ausübt, im Gefolge der Drei-Meeres-Initiative.

Doch das bleibt vorerst ein feuchter Traum.

Bei der fragwürdigen „Untersuchung“ dessen, was wirklich mit NS und NS2 geschah, wurde Schweden die Rolle des Ausputzers zugedacht, als wäre dies eine Fortsetzung von Quentin Tarantinos Krimi Pulp Fiction.

Deshalb dürfen die Ergebnisse der „Untersuchung“ nicht mit Russland geteilt werden. Der Cleaner war dazu da, alle belastenden Beweise zu vernichten.

Die Deutschen haben die Rolle des Sündenbocks bereitwillig akzeptiert. Berlin behauptete, es handele sich um Sabotage, wagte aber nicht zu sagen, von wem.

Das ist eigentlich das Schlimmste, was es gibt, denn Schweden, Dänemark und Deutschland sowie die gesamte EU wissen, dass das Imperium zurückschlagen und einen Krieg auf europäischem Boden anzetteln wird, wenn man sich dem Imperium wirklich öffentlich entgegenstellt. Hier geht es um Angst – und nicht um Angst vor Russland.

Das Imperium kann es sich einfach nicht leisten, den „Garten“ [Anmerkung: Der EU „Außenminister“ Borrel bezeichnete Europa als Garten und den Rest der Welt als Dschungel.] zu verlieren. Und die „Garten“-Eliten mit einem IQ über Zimmertemperatur wissen, dass sie es mit einem psychopathischen Serienkiller zu tun haben, der einfach nicht zu besänftigen ist.

Unterdessen kündigt die Ankunft von General Winter in Europa einen sozioökonomischen Abstieg in einen Strudel der Finsternis an – vor wenigen Monaten noch unvorstellbar im vermeintlichen „Garten“ der Menschheit, so weit entfernt von den Unruhen im „Dschungel“.

Nun, von nun an beginnt die Barbarei zu Hause. Und die Europäer sollten sich bei dem amerikanischen „Verbündeten“ bedanken, der die ängstlichen, vasallisierten EU-Eliten gekonnt manipuliert.

Weitaus gefährlicher ist jedoch ein Gespenst, das nur sehr wenige zu erkennen vermögen: die bevorstehende Syrisierung Europas. Das wird eine direkte Folge des NATO-Debakels in der Ukraine sein.

Aus imperialer Sicht sind die Aussichten auf dem ukrainischen Schlachtfeld düster. Russlands militärische Sonderoperation (SMO) hat sich nahtlos in eine Anti-Terror-Operation (CTO) verwandelt: Moskau bezeichnet Kiew nun offen als terroristisches Regime.

Die Schmerzskala wird immer höher geschraubt, wobei chirurgische Angriffe auf die ukrainische Energie- und Strominfrastruktur die Wirtschaft und das Militär Kiews völlig lahm legen werden. Und im Dezember wird ein gut ausgebildetes und hoch motiviertes Teilmobilisierungskontingent an der Front und im Hinterland eintreffen.

Die einzige Frage, die sich stellt, ist der Zeitplan. Moskau ist nun dabei, den Kiewer Stellvertreter langsam aber sicher zu enthaupten und letztlich die NATO-„Einheit“ zu zerschlagen.

Der Prozess der Folterung der EU-Wirtschaft ist unerbittlich. Und die reale Welt außerhalb des kollektiven Westens – der globale Süden – gehört zu Russland, von Afrika und Lateinamerika bis Westasien und sogar Teilen der EU.

Es ist Moskau – und bei weitem nicht Peking -, das die von einem Hegemon geprägte „regelbasierte internationale Ordnung“, die sich auf seine natürlichen Ressourcen, die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und verlässliche Sicherheit stützt, in Stücke reißt.

Und in Abstimmung mit China, dem Iran und wichtigen eurasischen Akteuren arbeitet Russland daran, all diese von den USA kontrollierten internationalen Organisationen schließlich außer Kraft zu setzen – während der globale Süden praktisch immun gegen die Verbreitung von NATO-Psyops wird.

Die Syrisierung Europas

Auf dem ukrainischen Schlachtfeld ist der Kreuzzug der NATO gegen Russland dem Untergang geweiht – auch wenn in einigen Knotenpunkten bis zu 80 Prozent der kämpfenden Kräfte aus NATO-Personal bestehen. Wunderwaffen wie HIMARS sind rar gesät. Und je nach dem Ergebnis der US-Zwischenwahlen wird die Bewaffnung 2023 auslaufen.

Im Frühjahr 2023 könnte die Ukraine nur noch ein verarmtes, schwarzes Loch sein. Der imperiale Plan A bleibt die Afghanisierung: eine Söldnerarmee zu unterhalten, die in der Lage ist, die Russische Föderation gezielt zu destabilisieren und/oder terroristisch zu überfallen.

Parallel dazu ist Europa mit amerikanischen Militärbasen gespickt.

All diese Stützpunkte könnten die Rolle von wichtigen Terrorstützpunkten spielen – ähnlich wie in Syrien, in al-Tanf und am östlichen Euphrat. Die USA haben den langen Stellvertreterkrieg in Syrien verloren – wo sie die Dschihadisten instrumentalisiert haben -, sind aber noch nicht vertrieben worden.

In diesem Prozess der Syrisierung Europas könnten US-Militärbasen zu idealen Zentren werden, um Trupps osteuropäischer Emigranten zu reglementieren und/oder „auszubilden“, deren einzige Beschäftigungsmöglichkeit neben dem Drogengeschäft und dem Organhandel darin besteht, als – was sonst – imperiale Söldner zu kämpfen, egal welcher Schwerpunkt des zivilen Ungehorsams in einer verarmten EU auftaucht.

Es versteht sich von selbst, dass diese Neue Modellarmee von der Brüsseler EU-Krokratie – die lediglich der PR-Arm der NATO ist – voll und ganz sanktioniert wird.

Eine de-industrialisierte EU, die in einen mehrschichtigen, giftigen Krieg verwickelt ist und in der die NATO ihre bewährte Rolle als Robocop spielt, ist das perfekte Mad-Max-Szenario, das dem gegenübergestellt wird, was zumindest in den Träumen amerikanischer Straussianer/Neocons eine Insel des Wohlstands wäre: die US-Wirtschaft, das ideale Ziel für das globale Kapital, einschließlich des europäischen Kapitals.

Das Imperium wird sein Lieblingsprojekt, die Ukraine, „verlieren“. Aber es wird niemals akzeptieren, den europäischen „Garten“ zu verlieren.

Bild von Joachim Schnürle auf Pixabay

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder.

Pepe Escobar ist ein unabhängiger geopolitischer Analyst und Autor. Sein neuestes Buch ist Raging Twenties. Er wurde von Facebook und Twitter aus politischen Gründen gestrichen. Folgen Sie ihm auf Telegram.


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16 Kommentare

  1. Taktgefühl 28. Oktober 2022 at 21:14Antworten

    Der Krieg kam dem Vasallen gerade gelegen, so konnte er das Kriegsrecht einführen.
    Der Mond, der scheint so hell,
    Der Tod, der reitet so schnell,
    Mein Liebchen, graut dir nicht?

  2. Hannibal Murkle 28. Oktober 2022 at 3:52Antworten

    Mittlerweile bietet Putin Westeuropa eine Kooperation im Rahmen Eurasiens an – siehe Nickname-Link oben. Zitat aus der Rede:

    „… Sein westliches Ende, Europa, könnte auch ein natürlicher Teil des großen Eurasiens sein. Doch viele der führenden Vertreter sind von der Überzeugung beseelt, dass die Europäer besser sind als andere und dass es unter ihrer Würde ist, sich gleichberechtigt mit anderen an Unternehmungen zu beteiligen. Hinter dieser Arroganz bemerken sie nicht einmal, dass sie an den Rand gedrängt wurden, dass sie Vasallen sind – oft sogar ohne ein Wahlrecht …“

  3. Urban 27. Oktober 2022 at 12:21Antworten

    Escobars Welt ist upside down 🙃

    Das taumelnde „Imperium“ ist Russland, ein nuklear bewaffneter Appendix Chinas, dessen neuer Mao -Xi- den totalen Krieg gegen Demokratie, Freiheit etc lanciert.

    Ist Escobar ein „nützlicher Idiot“ im Sinne Lenins?

    • Andreas I. 27. Oktober 2022 at 13:27Antworten

      Hallo,
      weltweite Leitwährung seit Bretton Woods:
      US-Dollar

      weltweit 600+ Militärstützpunkte und weltweit 10-12 Flugzeugträger-Verbände im Einsatz:
      USA-Militär

      weltweit größte Geheimdienste NSA, CIA und ein dutzend weitere:
      USA

      weltweite Netzwerke wie WEF …

      Selbstverständlich versuchen transatlantische Medien davon abzulenken, aber die Tatsachen zeigen, dass USA das Imperium ist.

  4. Andreas I. 27. Oktober 2022 at 12:10Antworten

    Hallo,
    das Ziel in Syrien war „Regime Change“, die Assad-Regierung zu entmachten und eine USA-loyale Regierung zu installieren. Dazu wurde dort diese demokratische moderate Opposition mit Maschinengewehren und Granatwerfern aufgebaut.
    Für Deutschland ist sowas nicht nötig, zumindest so lange nicht, wie die Mehrheit der Deutschen alle vier Jahre selber USA-loyale Parteien wählen, was die Deutschen bisher sehr zuverlässig tun.

    Wenn man den Begriff „Terror“ weiter fasst, nicht nur mit Waffen und Sprengstoff, sondern allgemein Erzeugung von Angst … dann war und ist das ganze Theater seit 2020 ja bereits Terror, dann befinden wir uns bereits mittendrin. Dazu der Wirtschaftskrieg …

  5. Walter 27. Oktober 2022 at 11:18Antworten

    Und warum treten die Thesen des Herrn Escobar nie ein?
    Seit Jahren beschwört er Dinge herauf die anscheinend nur seiner Fantasie entspringen.
    Ich kann Typen wie Wolff oder Escobar nicht ernst nehmen.
    Die glauben zwar Zusammenhänge verstehen zu können,sind aber in ihrer Matrix so gefangen dass ihnen ein objektiver Blick versperrt ist.
    Damit reihen sie sich perfekt ein in die Liga diverser Untergangspropheten.

    • Veron 27. Oktober 2022 at 12:13Antworten

      wann ist „nie“?
      Warten wir doch ein paar Jahre, oder vielleicht auch nur bis Frühjahr 2023.
      Ja, solche Szenarien sind unangenehm. Will man lieber nicht glauben. Stört das Wohlbefinden im Moment. Gibt viele Menschen, die sich lieber mit Schönem befassen, damit sie sich wohlfühlen. Was später kommt, das ist später und eh nicht zu ändern .. ..

    • Andreas I. 27. Oktober 2022 at 13:49Antworten

      Hallo,
      Terroranschläge durch das USA/CIA-Netzwerk „Gladio“ gab es in Westeuropa bereits.
      Alles andere ist Spekulation, Geheimdienste können eben geheim agieren (und sind schon allein deswegen mit Demokratie unvereinbar), aber bei jedem Terroranschlag der letzten 20 Jahre kam im Nachhinein heraus, das V-Männer von Geheimdiensten eine Rolle spielten.
      Also nur weil das Szenario wie in Syrien nicht exakt in der gleichen Form in Westeuropa eintreten wird, heißt das nicht, dass der Grundgedanke falsch wäre. Es ist imperiale Logik von „teile&herrsche“ nötigenfalls, wenn mit anderen Mitteln das Ziel nicht mehr erreicht werden kann, Terror einzusetzen. Und das gab es ja wie gesagt auch schon.

  6. Glass Steagall Act 27. Oktober 2022 at 10:55Antworten

    Ich sage, diese Entwicklung haben wir den vielen unmündigen Mainstream-Medien Lesern und TV-Idioten zu verdanken, die sich täglich mit NATO-Propaganda berieseln lassen! Es sind genau die, die für den Frieden frieren wollen, die denken sie könnten die Welt mit Elektroautos retten oder die sich haben mehrfach mit Genuss boostern lassen, völlig kritiklos jeden Energiepreis bezahlen und „Putin ist doof“ rufen, so wie man es ihnen medial eingetrichtert hat. Sie leben in einer modernen Matrix, die sie sich selbst haben schaffen lassen. Das werden auch die ersten sein, die im Zeitalter des Transhumanismus als erste wegrationalisiert werden! Ich werde kein Mitleid empfinden.

  7. Jan 27. Oktober 2022 at 10:48Antworten

    Ad „Syrisierung Europas“:

    Zuerst die militärische Analyse, einverstanden, der Krieg ist nicht zu gewinnen (s. M. Reisner, 7.8.22 auf bundesheer at). In Folge wird das russische Stärkebewusstsein wachsen und sämtliche Warlords der Welt werden erkennen, dass die EU schutzlos ist und keine Führung hat. Man wird die Ukraine aufteilen, Russland die Krim und Polen den Norden, damit rutscht die Nato stärker an Russland heran. Aus dem Rest um Tschernobyl und Kiew wird ein Kosovo Russlands. Eine Win-Win-Situation für die Großmächte.

    Zur wirtschaftlichen Analyse: Die Babyboomer gehen in Pension, die nachrückenden Generationen sind zahlenmäßig deutlich weniger. Alleine dies führt nach Adam Riese bereits zur Kontraktion des BIP – es sei denn, man erhöhe die Produktivität. Das ist wegen der Energieproblematik, der Krise der Autoindustrie – aus der bald eine der Versicherungen werden wird – und der erwartbaren Immobilienkrise jedoch nicht möglich. Von Bildungs- und Strukturproblemen ganz zu schweigen.

    Die Wachstumsgebiete sind die BRICSS, wer groß genug ist, sich dort durchzusetzen, gewinnt, nicht die USA, nicht einmal als sicherer Hafen, weil sie die Friedensdividende nie einfahren können. Der Euro wird schwächeln und verschwinden, das wird das EU-Kapital einfach vernichten. Die USA werden für einige Zeit vom Zerfall des einstigen Konkurrenten profitieren, das reicht für ein, zwei Wahlen, dann werden der fehlende Markt und fehlende Spezialteile auch die USA ins Strudeln bringen. Damit sinkt dann auch das militärische Vermögen. Der neue Stern sind die Ressourcenländer, die ökonomisch und militärisch eine kurze Blüte erleben werden – jedoch insgesamt, bezogen auf die weltweite Produktivität, ressourcenbedingt auf einem deutlich geringeren Niveau. Danach kommt die Renaissance der Agrarländer.

    Ich fürchte, in der US-Außenpolitik geht es mehr um Ideologie als um Vernunft! Ein ideologischer Akteur ist jedoch schwer einzuschätzen, weil ihn andere als reale Gegebenheiten leiten. Dass nach dem „Arabischen Frühling“ nun der „Europäische Frühling“ folgen soll, dürfte klar sein. Vielleicht stellen sich die USA den BRICSS entgegen und entflammen den Nahen Osten? Wenn dann niemand mehr Öl hat, wäre die Waffengleichheit zumindest wiederhergestellt.

    Man schaue nach Venezuela, wo die Banken das Öl einfach nicht aus der Erde bekommen. Könnte ähnliches den nahöstlichen Ölfeldern passieren?

    • Andreas I. 27. Oktober 2022 at 13:05Antworten

      Hallo,
      „Ein ideologischer Akteur … Vielleicht stellen sich die USA den BRICSS entgegen und entflammen den Nahen Osten?“

      So irrational sind die USA-Strategen wohl nicht, das absichtlich zu tun. Trotzdem könnte es die Folge ihres Handelns sein, denn die Gemengelage um Syrien und Irak, mit Türkei, Israel, Iran, Kurden, Russland und eben auch USA-Militär auf syrischem Boden, die hat einiges Eskalationspotential.
      Beispielsweise fliegt Israel im Schnitt alle zwei Wochen einen Luftangriff auf Ziele in Syrien, oft Flughäfen. Diese Luftangriffe wurden die letzten Jahre lang nicht beantwortet, Syrien kann nicht und Russland will nicht und das ist auch vernünftig, eben um weitere Eskalation zu vermeiden. Aber sich ewig weiter beschießen zu lassen, das ist ja auch keine Lösung. Seit einiger Zeit folgen nach jedem israelischen Luftangriff auf Syrien dann Explosionen in einem USA-Militärstützpunkt in Syrien, also wahrscheinlich kleinere einfachere Raketen oder Drohnen, die zwar bislang wohl keine nennenswerten Schäden verursachen, aber das ist schon eine Eskalationsspirale; israelischer Luftangriff auf Syrien → syrisch/iranischer Raketenbeschuss auf USA-Militärstützpunkt. Wenn das weiterhin alle vierzehn Tage so stattfindet und mit jedem Mal etwas an Intensität zunimmt …

      Und übrigens schwächelt zwar momentan der Euro etwas mehr als der US-Dollar, aber es ist der US-Dollar, der hauptsächlich ersetzt wird im Außenhandel zwischen BRICS+, SOZ usw.. Die USA-Strategen wälzen ihre Probleme mal wieder auf die EU ab, aber ob ihnen das länger als nur kurzfristig hilft, wird sich zeigen.

      • Jan 27. Oktober 2022 at 18:04

        Entschuldigung, das muss ich wohl dazu sagen: Das Krim-Problem war seit Jahren erkennbar und hätte, wenn man eine Eskalation vermeiden möchte, diplomatisch gelöst gehört. Ein Narrativ wie: Russland greift mit dem Überfall auf die Ukraine den Dollar an und das arme Hascherl, der Papa von Hunter Biden, verteidigt die Freie Welt, finde ich wenig plausibel. Hier haben Mehrere Kindsweglegung betrieben.

        Was könnte das Ziel sein? Russland zu besiegen, um die BRICSS zu zerstören und den Dollar zu erhalten? Also man führt Wirtschaftssanktionen ein, um Russland zu zwingen, Dollar abzunehmen? Wirklich?

        Aus meiner Sicht repräsentiert der Dollar, Entwertung durch die Stabilisierungsverpflichtung der FED gegenüber dem US-Arbeitsmarkt hin oder her, die Produktivität des in ihm notierten Öls. Steigen die BRICSS aus dem Dollar aus, bleibt nur noch die Wirtschaftskraft der USA. Ob das Finanzsystem das aushält?

        Der Euro ist aus strukturellen Gründen bereits tot, siehe oben.

        Relevantes Öl gibt es etwa zu gleichen Teilen auf der saudischen Halbinsel, im Kaspischen Meer, Iran/Irak und in Venezuela. Der Iran gehört China, Venezuela, Irak und Kaspisches Meer gehören Putin und die Saudis werden gerade abtrünnig. Blöd.

        Jetzt vereinfachen wir einmal brutal: Angenommen die BRICSS hätten ALLES Öl der Welt und könnten es auch verteidigen. Dann könnten die BRICSS die sinkende Ölförderung für sich behalten und den Rest der Welt einfach vom Öl abschneiden. Europa hat derzeit Probleme, die Industrieproduktion aufrecht zu erhalten. Glaubt da wer, wir könnten für einen großen Krieg rüsten? Mit Solarstrom? Während die BRICSS unsere Ingenieure abwerben?

        Die Folge wäre, dass die BRICSS sich einfach isolieren, und das Öl für einen eigenen Wirtschaftsaufschwung nutzen. Die Nato kann dann gern auf Fusion und Freie Energie setzen! Bis es so weit ist, bliebe nur der Agrarstaat. Gleichzeitig könnten die BRICSS mit militärischer Übermacht sich Filetstücke des Westens einverleiben – oder auch das Ganze, wenn man mit failed states etwas anfangen möchte.

        Also was will die Nato – oder mächtige Personen, die hinter ihr stehen? Sie will nicht Putins Gas, sie will die KONTROLLE über das Gas und Öl und die Garantie, nicht herausgedrängt zu werden. Und das muss sie jetzt tun, wo die USA noch überlegende Waffenbestände haben und die BRICSS noch nicht gefestigt sind.

        Das wäre zumindest plausibel.

      • Andreas I. 28. Oktober 2022 at 11:42

        @ Jan Hallo,
        „Steigen die BRICSS aus dem Dollar aus, bleibt nur noch die Wirtschaftskraft der USA. Ob das Finanzsystem das aushält?“

        Hehe, das Bruttoinlandsprodukt der USA besteht zu einem Teil aus „Finanzdienstleistungen“, ich finde jetzt auf die Schnelle aber nicht die Zahl, ich meine mal was von 12% des BIP gelesen zu haben. Dazu die ganzen Digitalkonzerne, an der Börse hoch bewertet, aber ob Daten wirklich das neue Öl sind, oder doch eher die neuen Tulpenzwiebeln …
        In USA sitzen einige Milliardäre mit dreistelligen Milliarden – die in US-Dollar notiert sind. Dazu kommen die geschichtlich gewachsenen Verflechtungen mit UK, City of London und so. Also es gibt Leute, die ihren finanziellen Reichtum verlieren würden, besonders wenn er in US-Dollar oder Euro notiert ist, die inflationieren ja jetzt schon.
        Außerdem halten Zentralbanken ihre Währungsreserven in US-Dollar und Euro.
        Da kann man sich schon vorstellen, warum es Leute gibt, die einen Reset nach ihren Vorstellungen wollen, also die dabei ihre finanzielle Beute behalten wollen, aber mal sehen, ob das so klappt, ob sie am Ende die Meister sein werden oder die Zauberlehrlinge …

  8. quantumonly 27. Oktober 2022 at 10:37Antworten

    Der europäische Garten dient seit WK1 ohnehin nur mehr dem Hegemon aus Nordamerika als Fort gegen Russland. Zeit ist für die keine maßgebliche Größe und das zu verstehen fällt dem kurzssichtigen Volk und seinen Politikern schwer.
    Die EU-Staaten werden als Wirtschaftskörper nicht mehr gebraucht sondern wie seinerzeit den Römern als Soldatenfundus für Eroberungskriege. Die autochthonen Westeuropäer sind schon in der Minderheit!
    So wie die Römer Söhne und Töchter der Barbaren in ihre Armeen auch politische, aufnahmen so passiert es heute über das WEF, welches ja aus den USA kommt und deren Lied spielt.

    • Jan 27. Oktober 2022 at 11:09Antworten

      @quantumonly

      Schöne historische Parallele! Die römische Expansion hat Ressourcen (Weizen) für das Wachstum Roms beschafft. Welches Ziel könnte eine Expansion der Nato nach Russland haben? Die russischen Ressourcen für Europa nutzbar zu machen? Aber hatten wir das nicht bereits mit Nordstream?

      Wenn Sie die russische Elite durch die europäische ersetzen wollen, oder auch nur die Ingenieure im Kaspischen Meer, sind Sie sicher, dass diese effizienter sind als jene der BRICSS? Mit Blick auf Brüssel und Berlin – aber auch in Hinblick auf die übrigen intellektuellen Eliten – kann ich das so gar nicht feststellen. Sich von Kill Bill, Harari und Lauterbach geistig dominieren zu lassen, ist eine intellektuelle Bankrotterklärung. Wen wollen Sie da nehmen, eine Handvoll Pensionisten in den sozialen Medien? Habeck und Zadic? Gunnar Kaiser und Precht? Jens Wernicke? Guérot? Sehen Sie vielleicht jemanden im Stalle Kurz oder Rendis? Bei den Neos? Auf den Unis? Zeilinger zähle ich bereits zu den Pensionisten, einverstanden?

      • Andreas I. 27. Oktober 2022 at 14:15

        @ Jan Hallo,
        „Die römische Expansion hat Ressourcen (Weizen) für das Wachstum Roms beschafft. Welches Ziel könnte eine Expansion der Nato nach Russland haben?“

        So lange der US-Dollar weltweite Leitwährung ist, kann USA jede Ressource beschaffen, indem sie Papier bedruckt (oder heutzutage mit der Maus klickt oder so).
        Russland gehört zu denen, die mit diesem Tausch nicht so ganz zufrieden sind. Aber da ist ganz nebenbei noch ein kleines Detail: Russland ist (noch) führend bei Luftabwehrsystemen, wo USA zwar gerne mit einem Flugzeugträgerverband vor eine Küste fahren kann, aber mehr auch nicht. Und Russland hat seinerseits keine Probleme, solche Luftabwehrsysteme auch zu exportieren.
        Je mehr Staaten auf der Welt sich gegen USA-Luftangriffe schützen können, um so mehr Staaten können zum US-Dollar sagen good bye.

        (Und bald wird China, dank genügend Geld für Forschung und Entwicklung, auch führend bei Luftabwehrsystemen sein, momentan ist es eben noch Russland.)

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