Glatte Niederlage für ÖVP und Grüne in Tirol

26. September 2022von 2,9 Minuten Lesezeit

Obwohl sich viele enttäuscht zeigen, dass die ÖVP nicht noch schwerer verloren hat, kassierte sie am Sonntag eine historische Niederlage. Es ist ein schwerer Schlag für ÖVP, Grüne und ihr Anhängsel. 

Die Tiroler Volkspartei hat am Montag fast jeden vierten Wähler verloren. Die Grünen, der Koalitionspartner der ÖVP, musste ein kleines Minus einstecken. Ist allerdings nur noch die fünftstärkste Partei in Tirol.

Denkzettel für Corona- und Kriegsfront

Die „Einheitsfront“ der Corona-Restriktionen und der Russland-Sanktionen wurde von den Wählern zweifellos abgestraft. NEOS, Grüne, SPÖ und ÖVP verloren gemeinsam 10 Prozentpunkte. Das einzige Plus unter den vier Parteien holten die NEOS mit 1,1 Prozent mehr. Sie stehen jetzt bei 6,2 Prozent. Mehr Tiroler wollen nicht in die NATO.

Die SPÖ betreibt wieder einmal Ursachenforschung in den eigenen Reihen. Denn trotz der herben Verluste der ÖVP stagniert die ehemalige Arbeiterpartei bei 17,5 Prozent (+ 0,2 Prozent). Die Gründe finden SPÖ-Beteiligte oft an der Person Dornauer oder eben bei Tirol selbst. Die radikale Covid-Politik der Bundeschefin Rendi-Wagner, sowie die kaum vorhandene Kritik am Kriegskurs der EU, kommt nicht in den Sinn. Nur aus dem Burgenland kommt zu diesem Kurs leise Kritik, auch Dornauer hatte sich nicht getraut, dem „Politbüro“ der Löwelstraße zu widersprechen. Er schloss sogar die FPÖ bereits im Vorfeld aus einer möglichen Regierung aus.

ÖVP inszeniert Niederlage

Das macht auch die ÖVP. Die sich nun trotz einer historischen Niederlage im westlichen Kernland der Volkspartei als Sieger inszeniert. Die außerparlamentarische Opposition zeigt sich enttäuscht, da die Niederlage der ÖVP nicht noch größer ausgefallen sei. Was es der Tiroler ÖVP noch einfacher macht, trotz der größten Niederlage in der Geschichte der Partei, sich als Gewinner aufzuspielen. Für Anton Mattle, den Platter-Nachfolger, ein „respektables Ergebnis“. Auch Mattle versucht die FPÖ isoliert zu halten. Auf der Hand liegt eine Koalition mit der Dornauer-SPÖ.

Neben der enttäuschten außerparlamentarischen Opposition, die auf eine heftigere ÖVP-Niederlage gehofft hat, gibt auch die Dornauer-SPÖ der ÖVP Schützenhilfe. Er will, daraus machte er keinen Hehl, unbedingt regieren. Und das geht nur mit der ÖVP. Die Grünen, als Juniorpartner der ÖVP, kassieren ebenfalls ein Minus, wenn auch nur von 1,5 Prozent. 9,2 Prozent der Tiroler Wähler wollen offenbar die totale Deindustrialisierung Europas, eine Eskalation im Krieg mit Russland sowie ein kompromissloses Covid-Regime.

MFG mit Problemen

Die beiden Wahlsieger „Liste Fritz“ (9,9 Prozent und damit ein Plus von 4,4 Prozent) und die FPÖ mit plus 3,3 Prozent, dürften auf die Oppositionsbank verfrachtet werden. Eine weitere Auflage für FPÖ-Oppositionspolitik, deren Chef Markus Abwerzger bereits von einer „Koalition der Verlierer“ spricht.

Die Wahlbeteiligung stieg um 5,02 Prozent im Vergleich zur letzten Wahl. Sie lag bei 65 Prozent. Die 35 Prozent Nicht-Wähler werden höchstens am Rande kurz erwähnt und ihr Stimmenanteil auf die Parteien aufgeteilt. Damit haben sie mehrheitlich die ÖVP gewählt.

Die MFG kassiert ihre erste große Wahlniederlage und verpasst mit 2,8 Prozent den Einzug in den Tiroler Landtag doch recht deutlich. Nach den großen Erfolgen auf Gemeindeebene kam es zu heftigen Verwerfungen zwischen regionalen Aktivisten und der Parteispitze. Die Ursachen sind wohl in erster Linie dort zu suchen. In Kufstein wurde die MFG im Februar 2022 drittstärkste Kraft. Einige Monate später traten alle Gemeinderäte aus der MFG aus.


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15 Kommentare

  1. SchauGenau 27. September 2022 at 7:56Antworten

    Was nach dieser Wahl Schlimmes für die Zukunft befürchten lässt, dass nur jeder Fünfte aktiv Veränderung wollte.
    Rechengang: Die Stimmen von FPÖ, Fritz und Mfg zusammengezählt und mit der Wahlbeteiligung multipiziert ergeben 20% der Wahlberechtigten, welche aktiv die genannten Parteien gewählt haben.

    Unverständlich fand ich den frenetischen Jubel der Blauen. Von 12% der Wahlberechtigten gewählt zu werden ist alles andere als ein Auftrag. Klar, ein kleiner Zugewinn war es, aber offensichtlich fehlt es an Glaubwürdigkeit und Mobilisierungskraft, wie mittlerweile allen Parteien.
    Klar, der Jubel der Schwarzen war noch absurder.

  2. Veron 26. September 2022 at 20:28Antworten

    Die MFG, das war ein schöner Traum. Ein paar Leute, die wirklich was ändern wollten, und dann ..?
    Ich vermute, dass die Partei infiltriert wurde, der eine oder andere bestochen oder mit schönen Versprechen weggelockt, und schon ist sie „weg vom Fenster“. So kann man es auch machen. Wenn Neuwahlen anstehen, gibt es keine Partei mehr, die echt was ändern will.

    • f4rt3r 26. September 2022 at 22:16Antworten

      5% mehr Wahlbeteiligung? Oder eher 5% die vom Computer gegen die wirkliche Opposition verwendet wurden, genauso wie Biden die meisten Stimmen eh und je 2020 bekommen hatte, um 10 Millionen mehr als Obama. Den Wahlen ist nicht mehr zu trauen, speziell im sogenannten freien Westen.

    • SchauGenau 27. September 2022 at 7:45Antworten

      Tja, neue Parteien ziehen wie das Licht die Motten der in anderen Parteien Gescheiterten an, welche meist nur die persönliche Bereicherung im Sinn haben, und entäuscht wurden, weil’s nicht schnell genug ging oder andere Seilschaften erfolgreicher waren..
      Daran ist bisher jede(r) gescheitert, sei es das BZÖ, das LIF oder der – in meinen Augen durchaus gutgemeinte – Versuch Stronach’s.
      Wie man zuletzt in der Diskussion Brunner-Rosenkranz gehört hat, hat auch Brunner seine autokratischen und unduldsamen Seiten, was natürlich ebenfalls Mitstreiter vor den Kopf stossen könnte.

      Zusammenhalten kann man nur Grossparteien (mittlerweile Mittelparteien) welche lange/oft genug am Futtertrog sitzen um eine kritische Masse an Funktionären versorgen zu können, welche die Unzufriedenen im Zaum halten und/oder rechtzeitig rausekeln.

      • quantumonly 27. September 2022 at 11:12

        Das übliche Gehabe meiner Landsleute heißt noch immer:

        „NUR NICHT ANSTOSSEN“ „ES WIRD NICHTS SO HEISS GEGESSEN WIE GEKOCHT; KALTE KÜCHE EBEN!“

        Die Österreicher und nicht nur die sind stockkonservativ. Kurz gewann zwar mit „VERÄNDERUNG“ er sagte allerdings nicht was verändert wird, Herr Brunner und Co reden Klartext und das verstört anscheinend.

      • I.B. 27. September 2022 at 14:40

        SchauGenau
        27. September 2022 at 7:45

        Ihr Kommentar hat mich bewogen, diese Diskussion Brunner-Rosenkranz bei oe24 anzusehen. Ich habe genau zugehört und nichts entdecken können, was auf Unduldsamkeit Brunners schließen lässt. Er hat Klartext gesprochen. Ist Ihnen VdB lieber mit seinem Gefasel: So sind wir nicht? Danach folgte Schweigen und nichts als Schweigen.

        Rosenkranz und Brunner waren sich weitgehend einig, was VfB angeht. Dass Brunner der FPÖ vorwirft, einen Antrag der MFG abgelehnt zu haben, obwohl sich die FPÖ für dessen Inhalt zuerst klar ausgesprochen hat, ist wirklich nicht verwunderlich. Es war ja schließlich auch ein „Duell“ zweier Kandidaten, die zwar in erster Linie gegen VdB antreten, aber eben auch selbst BP werden wollen.

        Wo also haben Sie die autokratische und unduldsame Seite an Brunner gesehen?

      • SchauGenau 28. September 2022 at 8:42

        I.B. 27. September 2022 at 14:40
        Ich fand halt nicht gut, wie Brunner immer wieder auf der anfängliche Unterstützung der Regierung durch die FPÖ herumgeritten ist, und nicht den Sinneswandel, vielleicht auch aufgrund seiner Arbeit, honoriert hat.
        Und die Geschichte in Öberösterreich: Ich wünsche Brunner alles Gute, wenn er denkt, als Juniorpartner in einer Koalition immer alle seiner Anliegen durchzubringen.
        Klar war es als Duell inszeniert, aber Hauptgegner sollte sinnigerweise VdB und seine Unterstützer sein.
        Dass er mit seinen klaren rechtlichen Aussagen recht hat, erkenne ich natürlich an.

    • Hollie 27. September 2022 at 11:41Antworten

      Ein Problem der MFG ist auch ein undurchsichtiges, fragwürdiges Verhalten bez. Gesundheitspolitik. Das Parteiprogramm dazu ist wohl öffentlich nicht zugänglich und vor der Wahl in einem anderen Bundesland wurde mal kurzzeitig eine Programmaussage hinsichtlich Abtreibung im Internet entfernt, was an Wählertäuschung grenzt. Außerdem ist es inkonsistent: man kann nicht ein menschengefährliche „Medizin“ anprangern („Impfstoff“ usw.) und gleichzeitig eine Behandlung einfordern, die ungeborene Menschen mehr als gefährdet (und die Mütter zumindest teilweise mit dazu). An Abtreibung verdienen übrigens auch nicht wenige ganz gut, so ähnlich wie an den „Impfstoffen“ und Tests etc, auf Kosten vieler.

  3. Kurt R. 26. September 2022 at 19:56Antworten

    Für mich ist dieser Mattle ein dummer Widerling, da er zwar selbst aus der Wirtschaft kommt, aber eine Koalition mit dem kompetentesten Partner, der FPÖ ablehnt!
    Vielleicht helfen ihm einige vernunftbegabte Schwarze noch den richtigen Weg!

  4. niklant 26. September 2022 at 17:05Antworten

    Jeder Verlust bei den Grünen ist die Rettung der Menschheit in Europa! Europa ist dem Wahn der EU zum Opfer gefallen! Wer sich nicht rechtzeitig vor den Wahn seiner Präsidentin von der Leyen rettet, wacht in der nächsten Diktatur auf! Europa ist ein schwerer Wirtschaftsgegner der Amis, aber wenn Länder wie Deutschland zerstört sind, ist die Ami-EU das neue Sternchen auf der Ami-Flagge! Würden die Amis jetzt noch für jede Plünderung in den einzelnen Ländern Sterne bekommen, wäre die Flagge wohl zu klein!

    • quantumonly 27. September 2022 at 11:16Antworten

      Bedenken sie, die Flinten Uschi wurde von den EU Regierungschefs bestimmt und vom EU Parlament bestätigt. Sie kann nur das machen was ihr die Regierungschefs gelten lassen.

      Somit sind Zuweisungen an einzelne Mitglieder der Kommission dort fehl am Platz!!

  5. Hannibal Murkle 26. September 2022 at 16:02Antworten

    Es wäre schön, wenn die Grünen auch in Deutschland wieder unter 10% fallen könnten anstelle der bisherigen 15-20%, die sie dem Framing ergrünter Medien verdanken. Die Wirtschaftskrieg-Folgen sind inzwischen verheerend – laut der BZ soll Berliner Bürgermeisterin Stromabschaltungen im Winter angekündigt haben, jeweils einige Stunden. Wie peinlich so viele Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg!

  6. Albert Praxmarer 26. September 2022 at 15:43Antworten

    „NEOS, Grüne, SPÖ und ÖVP verloren gemeinsam 10 Prozentpunkte. Das einzige Plus holten die NEOS mit 1,1 Prozent mehr.“ sorry, aber das ist schlechter als beim orf!!!

  7. Georg Uttenthaler 26. September 2022 at 15:33Antworten

    Als wir noch eine Arbeiter- Partei unter Kreisky und Benya hatten, galt der Leitsatz :„Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will! Das zeigen uns jetzt die Bauern in Holland, die sich gegen eine Teil- Enteignung ihres Besitzes wehren. Wie das geht:„ Wenn Bauern Gülle abladen und den Verkehr lahmlegen, dann steht die Welt still! Die haben das KAPIERT! Es herrscht ein Krieg der Politiker gegen die eigene Bevölkerung: diese wird verdummt, verarmt, abhängiger und kränker gemacht, verängstigt und verunsichert. Daraus entstehen die Nichtwähler! Man weiß: für einen Systemwechsel braucht es die totale Kapitulation der Bürger durch Armut und für diese steht Van der Bellen mit seinen unfähigen Handlangern. Dann steht dem geplanten, globalen Staats-und Konzernkommunismus des WEF. unter der Regenbogenfahne, in welchem einem “nichts mehr gehört, aber man glücklich sein wird” nichts mehr im Wege. Leider befindet sich Österreich in Händen einer trägen Mehrheit wie wir jetzt in Tirol sehen, die NICHTWÄHLER sind die größte Partei, das ist eine Schande und macht jeden mündigen Bürger traurig!! Wer schweigt stimmt zu! Es ist höchst an der Zeit, aufzustehen, denn „Der Preis für Gleichgültigkeit gegenüber der Politik ist, von üblem Pack regiert zu werden“!!!

    • quantumonly 27. September 2022 at 11:21Antworten

      So war es einmal….. Habe in Paris erlebt als die Müllabfuhr gestreikt hat ebenfalls die Metromitarbeiter. Da gingen alle Verhandlungen sehr schnell weiter. Erst wenn es stinkt funktionieren die scheindemokratischen Organe.

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