Gute Nachrichten

17. September 2022von 2,3 Minuten Lesezeit

Giorgio Agamben, italienischer Starphilosoph, schreibt seit Februar 2020 fundamental und wortgewaltig gegen das neue Regime an. Er hat gute Nachrichten.

Ob die Maske, die unser Gesicht verhüllt und uns damit kaum mehr vom Tier unterscheiden lässt oder die abgesagten Begräbnisse, die einer Zivilisation unwürdig sind. Für Agamben war sehr früh klar, dass es sich in der Lockdown-Aktion der Regierungen Anfang 2020 nicht um eine bloße quantitative Steigerung halten würde. Eine neue Zeit zieht herauf, barbarisch, totalitär, unmenschlich.

Zur Mainstream-Presse

Auf quodlibet.it veröffentlicht er seinen Newsletter, es ist eine Art öffentliches Tagebuch. Mal regelmäßig und mal kaum „bespielt“. Anfang Juni veröffentlichte TKP die übersetzte Version „Über das Recht auf Widerstand„. Mittlerweile hat Agamben wieder ein neues Buch veröffentlicht. Rezensiert werden die Bücher in Italien, im sogenannten „Mainstream“, nicht mehr. Das ist für Agamben eine „gute Nachricht“:

In der düsteren Lage, in der wir uns befinden, gibt es manchmal auch gute Nachrichten. Eine davon ist für mich die Entscheidung der so genannten Mainstream-Presse, meine Bücher nicht zu rezensieren und meinen Namen nicht zu erwähnen, in keiner Weise. Dass mein Name auf diesen Seiten auftaucht, die in den letzten zwei Jahren ihre Unterwürfigkeit unter Beweis gestellt haben, würde mir Unbehagen bereiten, und ich kann den Journalisten für ihre Entscheidung nur dankbar sein. In der Tat wird das Verhalten der Medien in diesen zwei Jahren als eine der beschämendsten Seiten in der Geschichte unseres Landes in Erinnerung bleiben. Wenn eines Tages Historiker die Geschehnisse untersuchen, werden die Medien zu den Mittätern politischer Verbrechen gehören, deren Ausmaß vielleicht erst dann ganz ermessen werden kann. Die Verantwortung der Journalisten, die wie in den zwanzig Jahren des Faschismus wussten, was sie taten, und dennoch die Befehle ihrer Redakteure ohne zu hinterfragen befolgten, wird dann ohne jede Entschuldigung zutage treten. Warum haben sie geschwiegen? Warum haben sie gehorcht?

Dieser Text erschien in der deutschen Übersetzung zuerst bei „MagMa – Magazin der Masse„. Das neue Buch, das der Mainstream verschweigt, handelt übrigens nicht über Corona, sondern über Friedrich Hölderlin. Der Dichter und Zimmergenosse von Hegel (während ihrer Studienzeit) wird häufig zwischen Romantik und Aufklärung eingeordnet. Nicht unwichtig in einer Zeit, in der die Politik einen Angriff auf die Vernunft selbst unternommen hat.

Agambens Gedanken über die „Pandemie“ erschienen 2021 auf Deutsch bei „Turia + Kant“. Titel: „An welchem Punkt stehen wir? Epidemie der Politik“. Österreichische Buchläden haben das Werk nur noch selten ausgelegt. Für Agamben sicher eine gute Nachricht.

Bild Thomas8047That’s good news. (15194512586)CC BY 2.0

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8 Kommentare

  1. Pfeiffer C 21. September 2022 at 11:38Antworten

    Danke für den wichtigen Artikel – besonders das Agamben-Schlußsequenz-Zitat:

    „Die Verantwortung der Journalisten, die wie in den zwanzig Jahren des Faschismus wussten, was sie taten, und dennoch die Befehle ihrer Redakteure ohne zu hinterfragen befolgten, wird dann ohne jede Entschuldigung zutage treten. Warum haben sie geschwiegen? Warum haben sie gehorcht?“

    Im Revolverblatt Standard findet man heute im Anreisserteil eines Artikels den Narrativ-Schein-Revoluzzersatz „Der Redakteursrat sieht einen „Angriff auf die journalistische Unabhängigkeit“ der (ORF) Redaktion“.

    Wenn man dazu als Klartext-Poster formuliert:

    Zitat:

    Vor etlichen Tagen sprach der ORF-Innenpolitik-Chef Bürger öffentlich über seine Wahrnehmung von ORF-Journalisten, über „brutale“ Interventionen, z.B. über seine Zweifel an der Corona-Berichterstattung des ORF.

    Und: „Ich werde hier mit Sicherheit die Meinung vertreten, die mir bis Montag einen Job noch ermöglicht. Weil ich möchte schon noch ein paar Jahre dort arbeiten.“

    O-Ton-ORF des ORF Innenpolitik-Oberindianers Bürger, hört sich nach selbstbewußten, streitbaren, nicht biegsamen unabhängigen, freien Journalisten an?

    Oder nach was?

    Zitat Ende

    Wird es – mit der Universal-Zensurwaffe – „Wegen Verstoßes gegen die Forenregeln“ rausgekegelt.

    Das kenne ich aus meiner Dissidentenzeit Ende der 60er: Bei Politdiskussionen, namentlich Antivietnam oder US-Imperialismus kamen nur ad hominem – Angriffe (Gehts erst amoi zum Frise-e-er, es oarbeitsscheies Studenten-Gsind`l) aber nichts handfest gegenargumentives.

    Jetzt schmeisst man dich einfach ruck – zuck raus. (Die nächste Geschwister-Scholl-Geschichte wird vielleicht in 75 Jahren feuilletoniert).

    Fazit: Damals Lumpenpazifist (1968) und heute (2022) Lumpenpazifist, aber das ist eine andere Geschichte…

  2. Taktgefühl 18. September 2022 at 23:15Antworten

    Bestrafe einen, erziehe hundert.
    Ob Jebsen, Reitschuster oder Ballweg, die haben ja nun mehr als 10 Anhänger. Warum sieht man keinen Widerstand auf der Straße?
    Es ist nicht die ganz junge Generation und mehr die gebildete Mittelschicht, aber es ist auch eine träge Generation.
    Zum Protest zu gehen, ist o.k, aber nur zum Protest zu gehen, ist nicht o.k.

    Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegen Ballweg ist insofern aufschlußreich, als sie die Interessen der Querdenker im Visier hat. Die Armen wurden – angeblich – geschädigt, da müssen präventiv harte Strafen her.
    Scholz hat geholfen, den Steuerzahler um Milliarden Euro zu erleichtern, da kann die Gerechtigkeit schon mal ein Auge zu drücken.
    Früher nannte man das Zweierlei Maß, aber das trifft es irgendwie nicht wirklich?

  3. rudi & Maria fluegl 17. September 2022 at 16:49Antworten

    Alle diese Untersuchungen“, sagte sie, „die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen.“
    „Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“
    Bärbel Bohley DDR Widerständlerin 1991

    • Elisabeth 18. September 2022 at 4:12Antworten

      Danke! Leider ist das nicht mehr zu übersehen.

  4. federkiel 17. September 2022 at 16:01Antworten

    „Für Agamben sicher eine gute Nachricht.“
    Das ist ja wohl etwas einfältig, wenn nicht sogar trotzig. Sein Buch: An welchem Punkt stehen wir? ist übrigens bei Morawa lagernd, auch bei Herder in der Wollzeile und andere mehr.
    In La Stampa gab es sehr wohl eine Rezenssion zu „La follia di Hölderlin“

    • Reinhold Alefelder 19. September 2022 at 22:46Antworten

      Wir stehen am Punkt: „Die Liebe“
      Friedrich Hölderlin
      „Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr die Euern all,
      O ihr Dankbaren, sie, euere Dichter schmäht,
      Gott vergeb es, doch ehret
      Nur die Seele der Liebenden.“
      Friedrich Hölderlin wurde am 20.03.1770
      in Lauffen am Neckar geboren. Sein Vater war
      ein Klosterpfleger und seine Mutter war Pastorentochter.
      Herzliche Grüße von Vedanta und Errell

  5. Michael 17. September 2022 at 13:44Antworten

    polizeistaat

  6. Elisabeth 17. September 2022 at 12:52Antworten

    Hm, so eine „gute Nachricht“ habe ich auch.

    reitschuster.de/post/androhung-von-straftaten-und-stoerung-des-oeffentlichen-friedens/

    Das System, das gerade mal Länder, die ihre Politiker noch selbst gewählt haben, als „undemokratisch“ mobbt (und selbst aus nicht Gewählten, die aber den Börsenspekulanten gut gefallen haben, besteht oder aus solchen, die bei Wahlen, wo die Stimmen bloß hingeschätzt wurden und wo es dennoch bis heute keine Neuwahlen gibt, und auch aus solchen, die offen aussprechen, dass ihnen der Wähler egal ist…), ist hinter Reitschuster her. Es sind nicht bloß die Systemmedien, es ist auch die Systemjustiz. Ja, auch die Justiz ist tief eingefärbt.

    Die jagen jetzt einen nach dem anderen.

    Das sind die althergebrachten Methoden der Religionen und der Ideologien. Und der Spekulant reibt sich die Hände, weil diese nützlichen Idioten ihnen dienen.

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