Ausbau von digitaler ID und Überwachung auf den Kanarischen Inseln

13. Juli 2022von 2,8 Minuten Lesezeit

Mit dem Impfpass wurde in die Privatsphäre und Anonymität der Menschen eine Bresche geschlagen. Die angreifenden Behörden sind bemüht den geschaffenen Brückenkopf möglichst rasch auszuweiten.

So schreibt einer Leserin von den kanarischen Inseln:

Nach all dem Leid, was nach dem Vulkanausbruch auf La Palma geschehen ist, so schlägt hier die Digitale Kontrolle und Identität voll und ganz zu. Hier ein Text. Viel weiter unten im Text geht es um eine Meldeapp wo jeder Bürger in Echtzeit alles an die Behörde melden kann und noch weiter unten geht es um die Gesundheitsapp und die medizinische Versorgung auf der Insel“

In einem lokalen Medium finden wir folgende interessante Mitteilungen. Es gibt offenbar Entschädigungen für vom Vulkanausbruch betroffene Einwohner. Die Frist der Einreichung endet am 30. Juli und man kann persönlich oder elektronisch einreichen. Letzteres werden wohl die machen müssen, die von der Insel flüchten mussten. Aber das ist dann nicht mehr so einfach, denn:

Diejenigen, die sich für die elektronische Option entscheiden, müssen mit einem digitalen Zertifikat, einem elektronischen Ausweis oder einem Cl@ve-Zugang auf die elektronische Zentrale der Regionalregierung zugreifen. Es wurde eine schrittweise Anleitung veröffentlicht, die erklärt, wie man dieses Verfahren durchführt.“

Die digitale Identität ist auf dem Vormarsch. In einem weiteren Artikel wird über eine Melde-App berichtet, die in ganz Spanien anwendbar ist:

Das Ayuntamiento Santa Cruz de La Palma hat über die von Juan José Cabrera geleitete Abteilung für öffentliche Arbeiten und Dienstleistungen den Bürgern seit diesem Monat die Anwendung Línea Verde zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um eine innovative Plattform für die Kommunikation von Vorfällen und Anfragen in Echtzeit.

Über diesen direkten Kommunikationskanal können die Einwohner das Ayuntamiento über alle Vorfälle oder Störungen informieren, die sie in der Gemeinde feststellen.“

Das klingt zunächst noch harmlos, ist aber der erste Schritt zu einem Sozialkreditsystem. Andere Kommunen wie Bologna, Wien oder Sintra in Portugal haben auch bereits mit ähnlichen Apps begonnen. Wohin das geht ist in China gut zu beobachten.

Ein weiteres „Service“ ist miSCS, die komplette Überwachung gesundheitlicher und medizinischer Daten.

„Der Kanarische Gesundheitsdienst (SCS) hat einen neuen digitalen Dienst in die miSCS-Anwendung integriert.

Es wird jedes Mal eine sofortige Benachrichtigung an das Mobilgerät des Nutzers gesendet, wenn eine Behandlung abgegeben wird, die in dem vom SCS erstellten einheitlichen Behandlungsplan des Patienten enthalten ist.“

Und weiter:

„Das miSCS-Projekt umfasst eine Reihe personalisierter digitaler Gesundheitsdienste für SCS-Nutzer, die über verschiedene Kanäle bereitgestellt werden und über unterschiedliche Identifizierungsmethoden zugänglich sind.“

Und wieder ist die Verwendung der digitalen Identität Voraussetzung.

Unter dem Strich läuft es auf die Schaffung des gläsernen Menschen hinaus. In Anlehnung an Shoshana Zuboffs Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ beschreibt, wie der Drang der Digitalindustrie und der Behörden nach immer weiterer Aktkumulierung von Daten die Privatsphäre und die Autonomie des Einzelnen durchlöchert und letztlich abschafft. Dazu dienen dann Belohnungssystem, für alle die ihre und auch fremde Daten liefern.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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5 Kommentare

  1. Jens Tiefschneider 21. Juli 2022 at 10:51Antworten

    Noch ein Auswanderziel weniger.

  2. ingo 13. Juli 2022 at 16:47Antworten

    Das man ein digitales Zertifikat oder einen E-Pass braucht wenn man online bei der Behörde etwas beantragen will ist ja klar, wenn ich direkt vorstellig werde muss ich ja auch meinen Ausweis vorlegen. Das Problem beginnt erst wenn diese verschiedenen digitalen Dienste zusammengelegt werden und die Daten dann gesammelt weiterverkauft werden. Gutes Beispiel im Moment ist die BlackBox die jetzt im neuen PKW vorgeschrieben ist, im Prinzip keine schlechte Idee wenn es so gehandhabt wird wie beim Flieger, aber die Daten werden wohl laufend abgegriffen und „weitervermittelt“, die Versicherungen warten schon eifrig auf die Daten. Das Ganze konnte man ja schon länger auf freiwilliger Basis machen, im Gegenzug gabs dafür eine günstigere Versicherung, wo allerdings die Daten überall hingewandert sind hat man bisher nicht erfahren können.

  3. Elisabeth H. 13. Juli 2022 at 14:59Antworten

    Eine digitaler Überwachung existiert bestimmt schon. Nur die ID muss noch reingestopft werden. Was nicht uns schon alles aufs Auge gedrückt worden ist und noch kommt. Maßnahmen, Verhaltensregeln, Verbote, Zwangs XY…. Fehlt nur noch das wir wie kleine Kinder eine Bevölkerungsschutzübung verpasst bekommen. Nach dem Motto: So habt ihr zu handeln. Obwohl von der Regierung über Jahre nie auf den Plan hatte. Genau so wie die Pandemischutzmaßnahmen die nach faulen Eiern stinkte. Nach der Sirenepanne kann nur noch mehr gelacht werden.

  4. Ferdinand 13. Juli 2022 at 14:48Antworten

    Die digitale Identität ist auf dem Vormarsch? Wie lässt sich das mit dem Datenschutz vereinbaren? Gar nicht. Ganz davon abgesehen besteht der Datenschutsch nur aus Löchern. Nach mehreren Testergebnissen sind so einige Insider auf die Lücken gestossen. Was das für uns bedeutet verursacht Überkeit.

    Wer keine Apps noch besser keinen Smartphon besitzt dürfte sich etwas mehr entspannen. Noch entspannter gehts ohne die Digitalisierung. Auf jeden Fall ist es viel angenehmer, wenn man in der Lage ist darauf zu verzichten. Nur ein Computer? Geht auch ohne. Freunde und bekannten haben immer Zeit für eine Tasse Kaffee und Internetzugang. ;-)

    Diese Ansicht gehört nur mir und erhält keine Rückmeldung. Versteht sich von selbst.

  5. Justos 13. Juli 2022 at 14:34Antworten

    Was für ein Widerspruch! Der Datenschutz ist bereits ein Witz. Digitalisierung und Datenschutz – ein Widerspruch. Oft übersehen. Wer hat beim Datenschutz die digitale Verantwortung? Jetzt kommen die „sogenannten Experten“ ins Spiel die erwarteten schon, dass bis 2020 mehr als 50 Milliarden Geräte vernetzt sein werden: Von Smartphones über Autos bis zu Industriemaschinen.

    Jetzt zwei Jahre später müsste die Zahl sich erhöht haben. Damit ist ein Milliardengeschäft erschaffen. Gut, dass ich andere Wege gehe. Ja, es geht. Wer nicht verzichten kann muss Bluten. So will es die Industrie und Co. Sklaverei vom Feinsten.

    Alles andere bleibt ohne Antwort.

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