Eigenes Zahlungssystem für BRICS-Staaten und andere

12. April 2022von 3.4 Minuten Lesezeit

Die USA haben mit den ihnen folgenden Staaten, wie den meisten in der EU, eine Reihe von Sanktionen gegen Russland verhängt. Eine der gravierenderen Einschränkungen ist der Ausschluss aus dem US-Zahlungssystem SWIFT. Das ruft Reaktionen hervor, die letztlich zur Zerstörung von SWIFT führen könnten.

Medien in Asien, Lateinamerika, Afrika, aber vor allen in den arabischen Ländern wie etwa Al Jazeera berichten ausführlich über die Aufforderung des russischen Finanzministers zur Schaffung eines eigenen Zahlungssystems für die BRICS Staaten – also für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

Nach Ansicht des russischen Finanzministers sollten die BRICS-Staaten ihr eigenes SWIFT-System schaffen, um Sanktionen entgegenzuwirken und ihre eigene nationale Währung zu stärken.

Der russische Finanzminister Anatoli Siluanow sagte am Samstag, dass die fünf BRICS-Länder die Auswirkungen westlicher Sanktionen auf ihre Volkswirtschaften verringern könnten, indem sie ihre Ressourcen bündeln und eine Vielzahl von Finanzinstrumenten einsetzen.

Das russische Finanzministerium zitierte Siluanow mit den Worten: „Die derzeitige Krise ist von Menschen gemacht, und die BRICS-Länder verfügen über alle notwendigen Instrumente, um ihre Folgen für die nationalen und globalen Volkswirtschaften abzumildern.“

Der Minister machte die Wirtschaftssanktionen gegen Russland dafür verantwortlich, „die Grundlage des bestehenden internationalen Währungs- und Finanzsystems auf der Basis des US-Dollars zu zerstören„, und er forderte die BRICS-Staaten auf, ihre nationalen Währungen verstärkt im Außenhandel einzusetzen, Zahlungssysteme zu integrieren und eine Alternative zur SWIFT-Zahlungsplattform zu entwickeln.

Laut einer Erklärung seines Ministeriums erklärte Siluanow am Freitag auf einem Ministertreffen mit den BRICS-Staaten, dass sich die globale Wirtschaftslage infolge der Sanktionen erheblich verschlechtert habe.

Dies zwingt uns, die Arbeit in folgenden Bereichen zu beschleunigen: die Verwendung nationaler Währungen für Export-Import-Geschäfte, die Integration von Zahlungssystemen und Karten, unser eigenes Finanznachrichtensystem und die Schaffung einer unabhängigen BRICS-Rating-Agentur“, so Siluanow.

Laut The Statesman haben sich die Zentralbanken der BRICS-Länder bereits darauf geeinigt, den fünften Test eines Finanzmechanismus durchzuführen, der es ihnen ermöglichen wird, Reserven in „Alternativwährungen“ zusammenzulegen, um ihre Wirtschaft vor externen Schocks zu schützen.

Die Äußerungen von Dmitri Medwedew auf Telegram wurden von Siluanow bestätigt.

Der stellvertretende Leiter des russischen Sicherheitsrates warnte vor den geopolitischen Auswirkungen der westlichen Sanktionen und der Verwendung des US-Dollarsystems als Waffe:

„Das Ergebnis wird eine zerstörte internationale Ordnung und äußerst schwierige Folgen für die Weltwirtschaft und das Leben der einzelnen Länder sein. Es wird jedem klar sein, dass die angebliche Wirksamkeit von Sanktionen eine absolute Lüge ist.“

Noch bedrohlicher ist, dass Medwedew die antirussischen Sanktionen als einen Akt der Aggression betrachtet:

Die Gesamtheit der rechtlichen und politischen Umstände lässt den Schluss zu, dass die Sanktionen in der gegenwärtigen Situation als ein Akt der Aggression gegen Russland und als eine Form des hybriden Krieges bezeichnet werden können„, schrieb Medwedew und fügte hinzu:

„In erster Linie, wenn sie darauf abzielen, die wirtschaftliche Unabhängigkeit und folglich die staatliche Souveränität zu untergraben, was die Existenz des Staates selbst gefährdet. In der Tat handelt es sich, wie unsere Gegner sagen, um eine Erklärung des Wirtschaftskriegs“.

Die Erste Stellvertretende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gita Gopinath, warnte in der Financial Times, dass die jüngsten Finanzsanktionen, die gegen Russland wegen seines Einmarsches in der Ukraine verhängt wurden, die Vorherrschaft des Petrodollar als internationale Währung zu untergraben drohen.

Seit die Vereinigten Staaten Sanktionen als Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 verhängt haben, ist Russland seit Jahren bestrebt, seine Abhängigkeit vom Petrodollar zu minimieren.

Die derzeitige Ukraine-Krise hat die Vorbereitungen nur noch beschleunigt… und es scheint nun, dass die gesamte BRICS-Gruppe kurz davor steht ein eigenes Zahlungssystem zu schaffen.

Bild von Loke_Artemis auf Pixabay

Wie die USA die EU in den Untergang treiben

Indien kauft Öl von Russland und liefert dafür pharmazeutische Produkte

Saudi-Arabien will Öl an China für Yuan statt Dollar verkaufen

Wie Russland China den Weg zur Weltmacht ebnet

15 Kommentare

  1. Enka 12. April 2022 at 12:29Antworten

    Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn „wir“ ( damit meine ich im Gegensatz zu so manchem Schwarzfelsenmitglied und insbesondere Politiker aller Couleur diejenigen, welche es satt sind für die ihnen angetane Gängelei noch bezahlen zu müssen ) in den BRICs investieren. Auch ohne R sind das Länder mit riesiger Fläche und durchaus gescheiten Ingenieuren, wettbewerbsfähigen Industrien und , vor allem, Potential. Politische Instabilität und Geisterfahrerei ist inzwischen auch in Europa.

  2. Oskar Krempl 12. April 2022 at 12:12Antworten

    Lieber Herr Dr. Mayer,

    „si tacuisses…“. Sie schreiben „US-Zahlungssystem SWIFT“, dazu
    „Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication, abgekürzt SWIFT, ist eine 1973 gegründete, in Belgien ansässige Organisation, die ein besonders sicheres Telekommunikationsnetz (das SWIFTNet) betreibt, welches insbesondere von mehr als 11.000 Banken weltweit genutzt wird. Darüber hinaus definiert SWIFT Nachrichtenstandards und bietet Software und Services im Bereich Finanztransaktionen an. SWIFT ist eine Genossenschaft im Besitz der Banken und dem EU-Recht unterworfen. “
    Mir scheint Ihre politische Grundeinstellung trübt Ihr Urteilsvermögen.

  3. Florian 12. April 2022 at 11:44Antworten

    Das ist nichts Neues, Russland versucht dass schon seit 2019

  4. Eva-Maria 12. April 2022 at 11:13Antworten

    Es schreitet schnell voran:
    China und Russland bauen ein neues globales Finanzsystem auf
    https://www.voltairenet.org/article216160.html
    Russland und Indien ersetzen das SWIFT System
    https://www.voltairenet.org/article216325.html

    Der Ausschluß der russischen Zentralbank und die Beschlagnahme der Russischen Ersparnisse von ca 300 Mrd Euro haben die Entwicklung erheblich beschleunigt.
    Im russischen Binnengebiet wurde schon vor der Ukrainekrise zu einem Fünftel das russische Überweisungssystem verwendet. Auch Kreditkarten Ersatzsysteme sind längst fertig.

  5. Peter Pan 12. April 2022 at 9:14Antworten

    Wunderbares Kontrastprogramm.

    Die BRICS-Staaten machen sich gemeinsam unabhängig von den USA, während die EU über den Hebel einer „Impfpflicht“ die Überwachungszertifikate von größenwahnsinnigen Superkriminellen aus den USA der gesamten Bevölkerung und Wirtschaft in der EU aufzwingt. Mit anderen Worten, die BRICS-Staaten werden unabhängig, behalten Prinzipien wie Kontrolle und Ausgleich jedoch bei, während die EU vollkommen abhängig wird von den größenwahnsinnigen Superkriminellen aus den USA. Ein digitaler Alueuro auf der Grundlage von Überwachungszertifikaten der größenwahnsinnigen Superkriminellen aus den USA wird für die EU in einer Katastrophe enden (ebenso für Australien, England, Kanada, Neuseeland usw.).

    Wie sieht es in Japan aus? Japan wird nie und nimmer einem System beitreten, in dem China und Russland eine dominierende Rolle spielen. Ebenso wird die japanische Wirtschaft sich nicht vollständig abhängig vom einem digitalen grünen Klopapier (digitaler US-Dollar mit Zertifikaten) machen.

    Ein grundlegendes Problem der aktuellen Währungssysteme ist die Verschuldung. Schulden und Zinsen sind zwangsläufig nicht im Einklang mit der Realität. Schulden sind Spekulationen, die eine Wirtschaft instabil machen. Zinsen lassen die Geldmenge exponentiell ansteigen, während in der Realität langfristig nur eine lineare Entwicklung zu beobachten ist. Gehen die BRICS-Staaten die Themen Schulden und Zinsen an und wenn ja, wie?

    • Elisabeth 12. April 2022 at 9:47Antworten

      Ja, die EU ruiniert sich selbst. Ein Bericht des Report 24:
      „USA importieren nun 43% mehr russisches Öl, Europa soll sich mit Sanktionen selbst vernichten“

      • Peter Pan 12. April 2022 at 11:00

        Die Politiker in der EU, die ständig „Impfpflicht“ und „your body my choice“ schreien, um die Zertifikate durchzusetzen, verstehen entweder nicht, was „Fuck the EU“ bedeutet, oder sie sind gekauft.

        Die derzeitige „Verhandlung“ um die „Verträge“ mit der WHO gehen weit über die Gesundheit hinaus. Die letzten 2 Jahre haben uns gezeigt, wie einfach das Thema Gesundheit missbraucht werden kann, um elementarste Rechte den Bürgern der EU zu verweigern.

        Mit den Themen Umweltschutz und Katastrophen geht es weiter. Damit werden alle Unternehmen erfasst. Das läuft bereits schon an. Unter dem Vorwand „Nachhaltigkeit“ wird über die EU definiert, welche Unternehmen in absehbarer Zeit tätig sein dürfen. Die „Nachhaltigkeit“ wird unter anderem von Interessenverbänden der deutschen Wirtschaft diskutiert. Aus eigener Beobachtung komme ich jedoch zum Schluss, dass meist das ganze Bild nicht betrachtet wird. Einzelne Unternehmer glauben sogar, dass sie nicht betroffen seien. Die verstehen einfach nicht, wie die größenwahnsinnigen Superkriminellen in den USA über ihre Konzerne vorgehen.

        Gesundheit, Umweltschutz und dergleichen sind ganz wichtig. Leider haben US-amerikanische größenwahnsinnige Superkriminelle nicht unsere Interessen im Sinn, wenn sie ihr totalitäres Regime ausbauen.

      • Florian 13. April 2022 at 6:51

        Elisabeth
        12. April 2022 at 9:47Antworten

        Ja, die EU ruiniert sich selbst. Ein Bericht des Report 24:
        „USA importieren nun 43% mehr russisches Öl, Europa soll sich mit Sanktionen selbst vernichten“

        Kein einziger Tropfen Öl fließt momentan von Russland in die USA.
        Aber gerne dürfen sie „Qualitätsmedien“ wie Report24 weiter Glauben schenken.
        Wie lächerlich der Bericht ist sehen sie schon an der Aussage dass die USA den Öl Import um 43% oder 100.000 Barrel pro Tag steigert.
        Die USA importierte bis zum Öl Embargo jährlich 245.000.000 Millionen Barrel aus Russland. Das sind 617.000 Barrel täglich. Eine Steigerung von 42% würde 250.000 Barrel zusätzlich pro Tag bedeuten.
        Die USA produziert selbst 16,5 Millionen Barrel pro Tag. Der Import Anteil aus Russland betrug lächerliche 3,7 %
        Die können sehr einfach auf das Russische Öl verzichten.

  6. Jens Tiefschneider 12. April 2022 at 8:16Antworten

    Die Zukunft heißt BRICS, alles andere ist Schnee von gestern.

    • Fritz Madersbacher 12. April 2022 at 10:22Antworten

      @Jens Tiefschneider
      12. April 2022 at 8:16
      Das Ende der Diktatur des US-Dollarsystems ist das Ende der Herrschaft der US-Monopolbourgeoisie und des westlichen Imperialismus. Für die NATO-Pudel und NATO-Marionetten in Europa gilt: mitgehangen, mitgefangen. Die neuen Zeiten dämmern bereits, was sie bringen, wissen wir nicht. Eines aber scheint nützlich (und besonders schwer) zu sein: das Sich-Lösen von Vorurteilen aller Art, mit denen wir aufgewachsen sind. Dafür sind Foren wie dieses hier sehr hilfreich und nützlich …

      • peru75 12. April 2022 at 12:09

        ein Problem ist leider: geht die USA vor die Hunde, überzieht sie vorher wenn es sein muss, den ganzen Planeten mit Krieg…

      • Fritz Madersbacher 12. April 2022 at 13:15

        @peru75
        12. April 2022 at 12:09
        Diese Gefahr besteht in der Tat, das letzte Jahrhundert bietet Beispiele für das Entstehen imperialistischer Kriege …

  7. Beobachter 12. April 2022 at 8:15Antworten

    Also der Wirtschaftskrieg hat meinem Empfinden eigtl. Schon damals, mit/nach der Verhaftung Chodorkowski ´s angefangen. Wollten sich diese Russen einfach nicht dem outgesourctem Ausverkauf der Rohstoffe ihres Landes durch Chevron und Co beugen. Sowas aber auch. Das is ja schon fast patriotisch.. wenn ´s denn Amerikaner wären.

  8. Elisabeth 12. April 2022 at 7:29Antworten

    Tja! Mit den Sanktionen haben unsere Marionettenregierungen immer in erster Linie uns geschadet. Da ist nicht Russland schuld daran, das jahrelang provoziert und sekkiert worden ist. Ein Merz etwa jammert nun, wir müssten uns auf einen Wohlstandsverlust einstellen. Warum eigentlich? Weil die Marionetten alles getan haben, uns zu schaden? Das hätten sie ja nicht müssen. Warum auch schicken sie dauernd Waffen in die Ukraine? Um den Krieg dort hinauszuziehen, sodass es möglichst viele Opfer gibt?

    Auch Merkel hat doch schon vor der Corona-Show orakelt, wir müssten uns auf einen geringeren Wohlstand einstellen. Bald erklärte dies auch Kurz. Warum? Weil wir jetzt endgültig enteignet und entrechtet werden sollen, damit die paar wenigen Börsenspekulanten dann alles besitzen?

    Ich nehme an, sie können künstliche Menschen erschaffen, die alle Arbeit verrichten. Es ist die vierte industrielle Revolution. Darum brauchen sie uns nicht mehr. Menschenleben sind nun weniger wert als das von Nutztieren. Das merkt man weltweit.

    • quantumonly 12. April 2022 at 9:06Antworten

      Mit WIR meint Merz natürlich das dumme Fußvolk, im Schach Bauern genannt. Davo gibt es ja nach dem COR ohnehin zu viele auf der Welt. COR=Club of Rom, da steht es schon seit Jahrzehnten geschrieben. Die Könige und Köninnen bleiben samt Gesinde erhalten.

Wir freuen uns über jeden Kommentar, aber ersuchen einige Regeln zu beachten: Bitte bleiben wir respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe, keine (Ab-)Wertungen und bitte auch keine Video-Links und Texte mit roten Rufzeichen. Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Aktuelle Beiträge