Wissenschaft ist eine Methode aber kein Inhalt. Wie folgt man also der Wissenschaft?

11. Februar 2022von 5.9 Minuten Lesezeit

Folge der Wissenschaft, follow the science. Das ist das Mantra mit dem Politik und Pharmaindustrie massive Einschränkungen der Grund- und Menschenrechte durch die Maßnahmen und den Impfzwang zu rechtfertigen versuchen. In einer medizinischen Studie bekäme man jetzt zu lesen, dass dieses Mantra mit einem grundlegenden Missverständnis von Wissenschaft „in Verbindung gebracht werden könnte“. Ein Leopoldina Mitglied wartet mit einer scharfen Analyse der Zustände auf.

Von Dr. Peter F. Mayer

Um welche „Wissenschaft“ geht es angeblich? In den vergangenen Jahren habe ich eine ganze Reihe von medizinischen Studien gelesen. Mir fällt auf, dass das was vorne behauptet wird, immer öfter mit den Daten weiter hinten nichts zu tun hat, ihnen sogar häufig widerspricht. Mein Lieblingswissenschaftler John Ioannidis hat es in seiner epochalen Arbeit im Titel so ausgedrückt: Why most published research findings are false. (Warum die meisten veröffentlichten Forschungsergebnisse falsch sind.)

Die Situation in Deutschland beschrieb Cochrane Direktor Prof. Dr. rer. nat. Gerd Antes in einem FAZ Beitrag nach krasser: 80% der deutschen Ärzte und auch die Universitäten seien vom globalen Wissenspool abgeschnitten. Das gilt noch mehr für Österreich, wenn ich mir die in den Ministerien und Gremien agierenden Ärzte und Universitätsprofessoren ansehe.

Sollen wir also falschen wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen? Von Leuten, die vom globalen Wissenspool abgeschnitten sind?

Pandemischer Szientismus

Aber folgen wir zuerst dem Artikel von Michael Esfeld mit diesem Titel. Prof. Michael Esfeld lehrt Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne (Schweiz) und steht deshalb auch nicht im Verdacht vom globalen Wissenspool abgeschnitten zu sein, obwohl er seit 2009 der deutschen Leopoldina angehört.

In neun Punkten legt er dar, was derzeit die Corona-Politik zum bisherigen Höhepunkt eines neuen Szientismus und Kollektivismus macht.

1. Nach fast zwei Jahren Corona-Politik geht es nicht mehr um einen Ausnahmezustand („epidemische Notlage“), in dem Grundrechte zeitweise ausgesetzt werden, um eine Notlage zu bewältigen. …. Es geht darum, eine „neue Normalität“ zu schaffen, die in einer umfassenden sozialen Kontrolle besteht.

Diese Kontrolle erfolge über Gesundheitspässe, die Fragen nach der Rolle von Staat und Wissenschaft aufwerfen.

2. Die Epoche der Moderne ist durch das Duo von Wissenschaft und Rechtsstaat gekennzeichnet. … In der Wissenschaft muss man Beweise vorlegen, der Rechtsstaat hält die verschiedenen Gewalten durch Ächecks and balances in Schach.

Aber was ist Wissenschaft und welche Rolle spielt sie tatsächlich?

3. Wissenschaft ist eine Methode, um Wahrheit über die Welt herauszufinden. … Wissenschaft ist aber kein politisches Programm, das man zur Steuerung der Gesellschaft einsetzen kann. Als politisches Programm – „follow the science“ – zerstört die Wissenschaft sich selbst und die Gesellschaft gleichermaßen.

Genau, das ist es, was derzeit passiert.

Wissenschaft als politisches Programm wird in der Fachsprache als „Szientismus“ bezeichnet und führt, politisch umgesetzt, zum Kollektivismus. …. Seine Umsetzung läuft auf einen Totalitarismus hinaus, der in eine Gewaltherrschaft mündet.

Genau das wird den Achsenmächten des zweiten Weltkriegs Deutschland, Italien und dem „Führer-Lieferanten“ Österreich mittlerweile international immer häufiger vorgeworfen.

4. Die Corona-Politik ist der bisherige Höhepunkt eines neuen Szientismus und Kollektivismus, … in Verbindung mit diesem Wissensanspruch ein technokratisches Menschenbild, das die Menschen als Objekte ansieht …

Entmenschlichte Objekte kann man kommandieren, einsperren oder einer Gentherapie zwangsweise unterziehen, da ihnen kein eigener Wille zusteht oder eigen ist.

5. … erleben wir zurzeit eine durch Wissenschaft, Politik und Medien geleitete Entmündigung der Menschen. Man suggeriert, dass die Menschen Vernunft gar nicht selbst einsetzen können, weil sie die Verantwortung nicht tragen können, die mit Selbstbestimmung verbunden ist.

Und das maßen sich Leute an, die vom globalen Wissenspool abgeschnitten sind und deren „Wissenschaft“ zu 90% falsche Ergebnisse liefert.

Der nächste Punkt schlägt genau in die Kerbe, die auch der Psychneuroimmunologe Prof Dr. Dr. Christian Schubert immer wieder bearbeitet:

6. Jede solche technokratische Planung richtet de facto großen Schaden für das Gut an, auf das sie ausgerichtet ist, hier den allgemeinen Gesundheitsschutz. Die gesellschaftlichen Schäden der so genannten Corona-Schutzmaßnahmen sind enorm. Eine geschwächte und gespaltene Gesellschaft hat aber nicht die Kraft, eine Krise zu meistern. Dasselbe gilt auf der Ebene der einzelnen Menschen: Angst, Panik, Einschränken der sozialen Kontakte, nicht mehr den Dingen nachgehen zu können, die Lebensfreude bereiten, schwächt die Abwehrkräfte gegen Viren gewaltig.

Jede neue „Welle“ liefert den Beweis für diese These. Die durch die Maßnahmen geschwächten Abwehrkräfte führen trotz ständig harmloser werdenden Varianten und aberwitziger Impfkampagnen zu mehr Infektionen und mehr Erkrankungen. Die offenbar von jeglichem Wissenspool abgeschnittenen Gesundheitsminister und „Experten“ in den Geckos und NIGs und sonstigen Gremien glauben in ihrem von Einfalt garniertem Machtrausch alles steuern zu können. Dazu wieder Esfeld:

7. Die technokratische Steuerung der Gesellschaft in der Corona-Krise weist erschreckende Parallelen mit früheren Totalitarismen auf: Man beruft sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, aus denen sich angeblich politische Handlungsanweisungen ergeben, die über den Grundrechten stehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben so nicht mehr den Status von Hypothesen, die man einer kritischen Prüfung durch Argument und Experiment unterzieht. Stattdessen erhalten sie den Status quasi-religiöser Wahrheiten, die man nicht in Frage stellen darf und die sogleich politisch umgesetzt werden sollen.

Wer sich dem totalitären, technokratischen Diktat nicht unterwirft, wird gecancelt und ausgegrenzt und verantwortlich gemacht, dass Atemwegserkrankungen jeden Winter in Wellen auftreten. Man konstruiert die Pandemie der Ungeimpften, obwohl diese durch ihr intaktes natives Immunsystem weit besser geschützt sind, als die geboosterten und niedergeimpften Personen.

Das Gewaltpotenzial ist gewachsen und wächst weiter:

Wir gelangen mit dieser Ausgrenzung jetzt an den Punkt, an dem in der Geschichte das jeweilige Regime nur noch durch den Einsatz von Gewalt fortbestehen konnte: Das verheißene Ziel tritt nicht ein, und man hält das Kollektiv dadurch zusammen – und das eigene Narrativ aufrecht –, dass man Sündenböcke schafft und gegen diese mit zumindest verbaler Gewalt vorgeht.

Esfeld befindet abschließend, dass wir genau genommen in einer nicht so schwierigen Lage sind:

9. Die Rückkehr zum Einsatz von Vernunft … ist intellektuell einfach: Es erfordert nicht mehr als den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Das dazu benötigte Wissen ist kein Expertenwissen, sondern Allgemeingut. Dabei geht es nicht um die Freiheit als solche selbst. Es geht darum, dass der republikanische Rechtsstaat auf der Basis der Anerkennung der Grundrechte aller am besten geeignet ist, die Lebensgrundlagen der Menschen zu sichern.

Ich sehe das jetzt optimistisch, denn immer mehr Menschen sind bereit sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Der eigene Verstand schreibt zwingend vor, dass das Impfpflichtgesetz aufgehoben werden muss und alle Einschränkungen inklusive Unterdrückungsmethoden wie dem Grünen Pass rigoros abzuschaffen sind. Eine bloße Aussetzung des Impfpflichtgesetzes ist ein Aufruf den Kampf zu seiner Aufhebung zu verschärfen.

Was aber verantwortungslose Ärzte aus Wissenschaft zu machen imstande sind wurde in den Ärztechats dokumentiert:

Bild von Jean van der Meulen auf Pixabay

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9 Kommentare

  1. Charly 12. Februar 2022 at 18:25Antworten

    „Diese Wissenschaft wird zwar fleißig studiert werden, aber sie wird streng auf die regierende Klasse beschränkt sein. Die Bevölkerung wird nicht wissen dürfen, wie ihre Überzeugungen zustande gekommen sind. Wenn die Technik vervollkommnet ist, wird jede Regierung, die eine Generation lang für die Bildung zuständig war, in der Lage sein, ihre Untertanen sicher zu kontrollieren, ohne Armeen oder Polizisten zu benötigen.“ Bertrand Russell, „The Impact of Science on Society“, (1951)

  2. rudi & Maria fluegl 11. Februar 2022 at 18:33Antworten

    Unser Standpunkt zur deutsch-italienisch-österreichisch geprägten Achse welche im selber geschaufelten Wissens-„pool“ sitzt ist grob geschnitzt, folgender.
    Über Jahrtausende hinweg wurde Wissen auch getrieben durch Globalisierung.
    Gemeint ist nicht dieser wirtschaftliche Neokolonialismus der damit fortwährend verwechselt wird.
    Ein Marco Polo z.B. war nicht nur Handelsreisender sondern wahrscheinlich auch Entdecker in humanitären Sinn.
    Es gab auch immer die Notwendigkeit, die Verletzlichkeit des Planeten zu entdecken!
    Eine Bevölkerungsgruppe war “ Internationalität“ durch Vertreibung, Verfolgung, besondere Inhalte durch Religion und Wert von Bildung besonders ausgesetzt.
    Ein Menschenschlag, der auch durch Streitsucht und ungewöhnliche Ausformung von Humor, entstand.
    Auch der Hang zum Atheismus geformt durch, dass ein Gott „so etwas“ niemals zulassen würde.
    Zusammengehalten auch, durch Neid von außen und genährt durch die Chance das Wissen der Welt in das gemeinsame Erbe einzuspeisen.
    Ein Erbe welches tatsächlich als Globalisierung verstanden werden sollte.
    Vermittlung, dass Ressourcen, lebendige, humane, anorganische nicht zum Vorteil weniger genützt werden dürfen, neben notwendiger Nachhaltigkeit.
    Der Export/Import oder Ausverkauf nicht nur von technischen Know-How Waren sondern auch von Solidarität, Schutz der Umwelt und Rechten.
    In welchen Gegenden dieses Erbe, dieser Wissenspool besonders „ausgetrocknet“ wurde, braucht nicht extra erwähnt zu werden.
    Klar eignen sich auch andere Bevölkerungsgruppen als Synonym dessen, was wir hier ausdrücken wollen.
    Wo Xenophobie, Nationalismus, Geldgier, Ultrakonservatismus besonders ausgeprägt sind, ist auch nicht extra erwähnenswert!
    Welche Länder geeignet sind für das Erbe eines 1000jährigen Reiches auch nicht.
    Wo Verhalten, Zeitgeist ohne umfassende Aufarbeitung über Generationen hinweg verbleibt, kann studiert werden.

  3. andi pi 11. Februar 2022 at 14:16Antworten

    die wissenschaft, wie wir sie die letzten jahrhunderte über kannten, scheint seit rund 2 jahren abgeschafft.
    dass im 21. jahrhundert gegenüber einem virus (das noch dazu deutlich harmloser ist als das damalige) allen ernstes methoden aus dem 14. jahrhundert wieder zur anwendung kommen (so wie z.b. damals die menschen gezwungen wurden, diese skurrilen schnabelmasken zu tragen), ist keine wissenschaft, sondern eher eine art religion/sekte/kult. wird als nächster schritt jetzt auch der aderlass zur üblichen behandlungsmethode?

  4. Muckel 11. Februar 2022 at 13:08Antworten

    Wenn ein Physiker Infektionskrankheiten modelliert. Mit Corona-Modellierer haben wir es seit zwei Jahren zu tun. Jeder malt sich seine Vision aus. Ob Lauterbach, Virologen, Ärzte und Co. Erstaunlich wie sie alle GLAUBEN sie wüssten Bescheid. Dumm nur, dass sie alle sich zum Kaspar machen.
    In der Vergangenheit habe man gesehen, dass die Pandemie immer für Überraschungen gut gewesen sei.
    Seit der Pandemie haben wir es mit Propheten, Hellseher und Menschen die zu schnell gewachsen sind.

  5. Kriegsgegner 11. Februar 2022 at 13:01Antworten

    Wissenschaft umfasst die Religionen unserer Tage.

    Da es immer schon mehrere Religionen nebeneinander gab, gab es niemals und auch heute nicht, nur eine „Wissenschaft“. Zur Zeit macht sich der Glaube an die Impfreligion breit. Oder ist dieser schon im Abklingen?

    Heute geht ja alles immer schneller, selbst Religionen sind oft nur von kurzer Dauer.

  6. Charly 11. Februar 2022 at 10:30Antworten

    „Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit der Experten.“

  7. Peter1 11. Februar 2022 at 9:30Antworten

    Genau das ist eines unserer grössten gesellschaftlichen Probleme: Die fortschreitende Entmündigung der Bürger (und ja, auch der Bürgerinnen) durch alles besser wissende Instanzen. Wer nichts weiss, kann und soll auch nicht mitentscheiden. Je grösser der Bestand an Wissen und Fachwissen, desto weniger kann es von Einzelnen überblickt werden, auch nicht von Politikern..
    Szientismus ist eigentlich kein politisches Programm, sondern die Grundhaltung, dass gültige Erkenntnis wissenschaftliche Erkenntnis sein muss, d.h. unter Anwendung spezieller Methoden zustande gekommen sein muss. Wenn diese Einstellung zum politischen Programm gemacht wird, kann man sich, als Bürger, die meisten Diskussionen sparen, und zuständige Gremien entscheiden. Das Problem dabei ist natürlich, dass, abgesehen von der total eingeengten Weltsicht, die Freiheit flöten geht und auch, dass die Wissenschaft nicht allwissend ist, sondern auch Irrtümern unterliegt und stets weiterentwickelt werden muss. Wer die wissenschaftlichen Gremien und die politische Umsetzung kontrolliert gegen Korruption und Machtmissbrauch ist eine weitere ungelöste Frage.
    Vielleicht sollte es ein unbestechlicher Supercomputer sein…?

    • Peter1 11. Februar 2022 at 10:53Antworten

      Man könnte ihn den „Kaiser“ nennen…

  8. Eva-Maria 11. Februar 2022 at 9:02Antworten

    Die historischen Zeitlinen besagen, es liegt nicht an zu wenig Mitsprache, es liegt an zu viel Mitsprache von zu vielen Unfähigen.
    Wir haben heute im Staat die Lage, daß zu viele Köche den Brei verderben.
    Die wievielte Kommission mit entscheidungsunfähigen Nichtwissern gibts schon? Am Ende gibts schwerste Schäden und keiner wirds gewesen sein.
    So ist logisch, daß das frei daliegende Staatssäckel von geschickten Monopolisten nach Strich und Faden geplündert werden kann.
    Als der alte (Beschaffungs-) Hofrat gehen mußte wars vorbei mit der letzten stabilisierenden Bastion: der Fachkenntnisreichen Beamtenschaft..
    Die richtige Lösung ist mE:
    Alle müssen fleissiger sein, jeder muß Ansprüche zurückschrauben und das Vielquatschertum wird abgeschafft, jeder hilft REALTÄTIG mit und tut was man ihm sagt, und man soll am besten den Kaiser fragen, ob er uns hilft und den Dreck wegräumt. Nur der hat das know how und die Familie hat fast tausend Jahre bewiesen, daß sie fähig und christlich anständig ist. Der Kaiser würde das Volk niemals krankspritzen.

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