Sterben in Deutschland 2021 – Fakten und Mythen in spannenden Zeiten

Nach der Destatis-Pressemitteilung Nr. 512 sind im Oktober 9% mehr Menschen gestorben als im gleichen Zeitraum der Vorjahre 2017-20. Wie ist das zu bewerten?

Von Gastautor Ulf Lorré

Eine Häufung von Sterbefällen hat als objektive Feststellung selbstverständlich Bestand, sofern richtig gezählt und gerechnet wurde. Freilich ändern sich die Meldedaten fortwährend.

Die Leser von tkp.at hält regelmäßig vor allem Dr. Anton Stein mit sehr genauen Auswertungen auf dem Laufenden. Problematisch wird es, wenn daraus vorschnelle Schlussfolgerungen gezogen werden. Was in Presse und Kommentaren auf sozialen Medien geäußert wird, verrät oft viel über die Erwartungshaltung des Autors aber nur wenig zur Sache selbst. Im Kern geht es darum, dass Absolutzahlen allein nicht ausreichen, weil sie täuschen können. Tatsächlich kann ein Sinken von Sterbezahlen auch bei Übersterblichkeit auftreten und vice versa, nämlich bei sich ändernden Populationen. Das probate Mittel dagegen ist die Berechnung kohortenbezogener Risiken, und das möglichst spitz.

Prognosen und Bilanzen 2021

Die Beurteilung von Sterbestatistiken ist also alles andere als trivial. Abgesehen von der zeitgenauen, altersbezogenen und vollständigen Erfassung der Todeszahlen benötigt man die Entwicklung der Alterskohorten, die sich von Woche zu Woche ändern durch Geburten, Tod, Zu- und Wegzug. Und banalerweise durch Geburtstage. Destatis stellt Zahlen jedes Geburtsjahrgangs mit Stichtag Sylvester bereit. Verteilt man die Änderungen von einem Jahr zum nächsten gleichmäßig über die Zeit, so erhält man einen probaten Punktschätzer für 14 Alterskohorten und 52 Kalenderwochen; macht zusammen 728 Werte pro Jahr.

Ungleich schwieriger ist die Schätzung der Population des laufenden Jahres, denn der Folgewert liegt noch nicht vor. Man muss darum wochenweise

  • die Gestorbenen vom Bestand abziehen
  • den in eine Kohorte hineinwachsenden Jahrgang gleichmäßig zubuchen
  • den eine Kohorte verlassenden Jahrgang abziehen

Diese „Kohortenruckler“ sind aufgrund der besonders in Deutschland sehr unregelmäßigen Bevölkerungspyramide von nicht zu vernachlässigendem Einfluss.

Abb. 1: Bevölkerungspyramide Deutschland 2021, Quelle: Destatis

Doch selbst bei bekannter Größe der Wechseljahrgänge darf man sie nicht einfach verrechnen, denn sie verringern sich im Zeitverlauf durch Tod. Bei den Jungen wirkt sich das kaum aus, aber beispielsweise ab 90 übersteigt das jährliche Sterberisiko die 20%-Marke. Man benötigt eine weitere Korrekturrechnung. Leider sind die Sterbefälle aber nicht geburtsjahrgangsweise ausgewiesen. Sie müssen darum mit dem kohortenspezifischen Sterberisiko geschätzt werden.

Ist all dies sorgfältig erledigt, kann man auf Basis der aus den Vorjahren bekannten Sterberisiken und der nun recht genauen Populationsentwicklung eine seriöse Sterbefallprognose erstellen.

Abb. 2: Reale und erwartete Sterbefälle 2021 (estimate)

Die Differenzflächen gleichen sich etwa aus. Demnach haben wir es in der Gesamtschau bisher mit einem recht normalen Jahr zu tun. Nach exakten Werten sind bis KW43 810.751 Menschen gestorben. Das sind 4.819 weniger als prognostiziert.

Die Pressemeldung von Destatis bezieht sich auf den Oktober, also grob die KW40 – KW43. Hier sind im Vergleich zur Prognose tatsächlich 1.982 mehr Menschen gestorben als die zu erwartenden 73.171. Aus den genannten 9% werden so 2,7%. Was, liebe Amtsstatistiker, wollt ihr uns mit den irreführenden 9% sagen?

Wie erklären sich dann aber die festgestellten Mehrtoten bei absoluter Zählung? Wieder liegt die Antwort in der Bevölkerungszusammensetzung. Hätten wir die Population der Jahre 2016-20, sähe das Diagramm anders aus.

Abb. 3: Tatsächliche Sterbefälle 2021 und Mittelwert 2016-20

Schon das bloße Auge würde eine Übersterblichkeit in 2021 erkennen. Der Grund ist allerdings hauptsächlich der fortschreitenden Überalterung geschuldet. So wächst beispielsweise die Kohorte >90 momentan netto jährlich um ca. 24.000 Menschen an. Die Kohorte 85-90 verzeichnet einen Zuwachs um 120.000 und die Kohorte 80-85 um 70.000 Personen (Differenzen zwischen KW43 2020 und 2021, Werte auf 1000 gerundet).

Gemessen am Mittelwert 2016-20 wären 2021 bis KW43 45.500 zusätzliche Tote zu erwarten, also mehr als die von Dr. Anton Stein im Vergleich zu 2020 gezählten 37.800.

Euromomo

Als Beleg für Übersterblichkeit wird häufig Euromomo (European mortality monitoring) herangezogen. Was ist davon zu halten?

Euromomo sammelt länderweise die Todeszahlen nach Datum und Alter und füttert damit einen statistischen Predictor, welcher den künftigen Verlauf modelliert. Für den jährlichen Verlauf wird eine phasenverschobene Cosinus-Oszillation angenommen, die aber je nach Alter unterschiedlich stark mit dem Langfristtrend superponiert wird. Zusätzlich ist ein Schätzer implementiert, der den Schwund durch Meldeverzug ausgleicht. Der Nutzen liegt in der unverzüglichen Aufdeckung von plötzlichen Übersterblichkeiten, etwa bei Grippe- oder Hitzewellen. Gerade auch aus diesem Grund weicht der vorhergesagte Verlauf von der Realität ab. Die Sterbespitzen in der klassischen Grippesaison werden nämlich absichtlich gekappt.

Was Euromomo nicht leisten kann, ist die faire, länderindividuelle Bewertung der gemeldeten Zahlen, schon aus dem Grund, weil dieses Modell gar keinen Input in Bezug auf die Population eines Landes hat. Es verwertet ja nur mit die eingehenden Meldezahlen. Und es kommt noch schlimmer, aus Gründen der Vergleichbarkeit wird eine europäische Normbevölkerung verwendet.

Die länderspezifischen Verläufe gibt Euromomo als sog. Z-Scores an – großes Kino in Sachen Statistik eigentlich. Weil Sterbezahlen nicht normalverteilt sind, sondern der Poisson-Verteilung folgen, wird eine Datentransformation vorgenommen. Z-Scores haben als Bezugsgröße die Standardabweichung, und diese ist bei Poisson-verteilten Stichproben nicht unabhängig vom Mittelwert. In Frage käme eine Anscombe-Transformation, aber Euromomo potenziert mit dem Faktor 2/3. Auf Basis dieser Transformation werden der vorhergesagte und der tatsächliche Verlauf fortlaufend bilanziert, auf die Europäische Standardpopulation standardisiert und aufgezeichnet. Das Modell stammt aus einer Veröffentlichung von Farrington et. al (1996), die sich hinter Bezahlschranken verschanzt.

Festzuhalten ist, Z-Scores gestatten den Vergleich unterschiedlicher Länder und detektieren kurzzeitige Anstiege zuverlässig. Genau dazu wurde Euromomo geschaffen. Bei den populationsgesteuerten, langfristigen Änderungen wird allerdings ein fortwährender Fehler produziert. Besonders deutlich wird das in Ländern mit hoher Überalterung wie beispielsweise Italien.

Abb. 4: Z-Score Italien, Quelle: Euromomo

Hier fallen sämtliche Jahre seit 2016 insgesamt mindestens leicht übersterblich aus (Kurvenmittelwert über der Basislinie, starke Ausreißer nach oben, keine nach unten). Nicht ohne Grund, so möchte man meinen, werden diese Diagramme in recht niedriger graphischer Auflösung dargeboten.

Sterberisiken in 2021

Für das Corona- und Massenimpfungsjahr 2021 wären angesichts einer grassierenden Infektionskrankheit und massenhaft berichteter, auch tödlicher Impfnebenwirkungen eigentlich deutliche Signale in den Sterbezahlen zu erwarten. Wie die obigen Betrachtungen zeigen, lassen sie sich aber anhand der Gesamtzahlen nicht darstellen. Das war auch schon 2020 der Fall. Auf die Gesamtsterblichkeit hatten die Corona-Toten in Deutschland keinen messbaren Einfluss.

Auffälligkeiten treten zu Tage, wenn man die Kohorten gezielt auf erhöhtes Risiko untersucht und die zeitlichen Verläufe hinzuzieht. Hier sei auf einen ersten Artikel verwiesen, der unten verlinkt ist. Dort waren vor allem die jungen Erwachsenen aufgefallen, und dabei besonders die männlichen Geschlechts. Zudem fiel deren Übersterblichkeit zeitlich mit dem Höhepunkt der Massenimpfungen zusammen. Das aktualisierte Kohortendiagramm zeigt Abb. 5.

Abb. 5: Risk Ratio nach Alterskohorten in 2021 bis KW43

Die 35-50-Jährigen weichen von der Prognose um 528 ab. Das erscheint zunächst nicht viel, aber ein beispielsweise 40-Jähriger hat eine Restlebenserwartung von 44 (w) bzw. 40 (m) Jahren. Daraus errechnet sich eine Vernichtung an Restlebenszeit von ca. 22.000 Jahren.

Die Alterskohorten 65-80 zeigen sich ebenfalls auffällig. Hier schlagen 7.257 zusätzliche Tote zu Buche, was ca. 94.000 verlorenen Restlebensjahren entspricht.

Die Alterskohorten 80-90 fallen untersterblich aus, insgesamt um -11.205. Gewonnene Restlebensjahre ca. 67.000.

Die untersterblichen Kohorten unter 35 bilanzieren -394 Tote. Gewonnene Restlebensjahre ca. 25.000.

Gemessen an der Restlebenszeitbilanz schneidet also 2021 bisher klar negativer ab als die Sterbezahlenbilanz. Abzuwarten bleibt, ob der Oktoberanstieg sich zum Jahresende fortsetzt und in welchen Altersgruppen. Neben Corona-Viren kursieren derzeit wieder vermehrt RS-Viren, die Booster-Impfungen laufen, und auch jüngere Kohorten werden zunehmend geimpft. Tödliche Impfnebenwirkungen würden sich hier sehr deutlich zeigen. Die bisher geschonte Kohorte 80-90 könnte bei einer Jahresendsterbewelle wie in 2020 noch Federn lassen, und über allem schwebt die Sorge eines ADE-Effektes infolge Impfung, der im bevorstehenden Winter sichtbar werden müsste, sofern die Befürchtungen berechtigt sind. Vor uns liegen spannende Wochen.

Referenzen

Destatis, Pressemitteilung Nr. 512 vom 9.11.2021 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/11/PD21_512_126.html

Destatis, Sonderauswertung Sterbefälle, Dokument vom 9.11.2021
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle.xlsx?__blob=publicationFile

Dr. Anton Stein, Gesamtsterblichkeit 2021, Update vom 10.11.2021
https://tkp.at/2021/11/10/die-gesamtsterblichkeit-scheint-sich-2021-zu-erhoehen-effekt-der-impfkampagne-grosses-update-10-11-2021/

Euromomo, „How it works“
https://www.euromomo.eu/how-it-works/rationale/

Destatis, Bevölkerungspyramide Deutschland
https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2021

Sterben in Deutschland 2021 – Besorgniserregende Geschlechterunterschied, Ulf Lorré
https://tkp.at/2021/10/16/sterben-in-deutschland-2021-besorgniserregende-geschlechterunterschiede/


Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

Über den Autor: Ulf Lorré ist Elektroingenieur der Fachrichtung „Biomedizinische Technik“. Er schreibt unter Pseudonym.



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23 Kommentare zu „Sterben in Deutschland 2021 – Fakten und Mythen in spannenden Zeiten

    1. Es gibt doch bei momo die „Excess mortality cumulated“: Dargeboten werden die absoluten Zahlen 2016 – 2021.
      Und da kann man sehen,
      1. Dass in Europa 2020 insgesamt mehr als doppelt so viele Menschen gestorben sind wie in den Jahren 2016-19. Graphs showing the weekly excess deaths (deviation in mortality from the expected level) in the data-providing EuroMOMO partner countries for the past years, all ages and by age groups.

      2. Dass diese mehr als verdoppelte Übersterblichkeit vor allem in den ganz hohen Altersguppen stattgefunden hat.

      3. Dass die Übersterblichkeit bis Anfang Nov. 2021 vor allem bei den unteren Altersgruppen (bis 74) mehr als 2,5 Mal höher lag als in den Jahren 2016-19.

      Das stimmt mit der Beobachtung überein, dass 2020 die alten Leute starben entweder in Altersheimen oder zuhause aus den bekannten Gründen und da man nicht zweimal sterben kann ist dann in diesen Altersgruppen die Sterblichkeit tiefer.
      2021 sind nun mittels mRNA-Injektionen die jüngeren Altersgruppen dran.

  1. Traurigen Zeiten werden auf uns zukommen. Eine Übersterblichkeit in 2020 und 2021 zu erkennen. Noch nie starben Menschen wie Alltagsfliegen. Tägliche Sterbemeldungen unüberhörbar. Mir fällt es besonders auf weil ich seit 2019 darüber für mein Studium recherchiere und vergleiche anstelle. Und die müssen sehr genau sein damit ich die Prüfung bestehe. Aber auch reine Interesse an solche Daten brachten erschreckende Zahlen hervor.

    Die Todeszahlen entsprechen beim weitem nicht zur Wirklichkeit und angepasst wurde es weder von der Gesundheitsbehörde noch von RKI. Offensichtlich werden sie nämlich absichtlich gekappt. Die Zahlen von 2019 und 2020 stimmen plötzlich nicht mehr überein. Alles läuft daraufhin, dass sie sich die Wahrheit nicht leisten können. Das wäre mörderischer als das Virus selbst.

    Fazit: Falsch läuft alles. Selbst Tote erhielten 2020 eine Impf-Einladung. Dabei sind mein Opa, Oma und Tante bereits 1982 und 1983 verstorben. Wie können dann diese Daten, Aussagen von Politiker sowie Journalisten in den Medien schreiben noch stimmen? Nichts.

    1. Eine, wie mir scheint, gute Analyse bezgl. Vergleich Sterblichkeitsrate von 1920-2020 findet man bei:

      Transparenztest Standardisierter Vergleich Sterblichkeit von 1990-2020: Das Jahr 2020 war eines der mildesten:
      sowie ein Historischer Vergleich: 70 Jahre Sterblichkeit von 1950-2020 in Deutschland.

      Hier das Resümee der Analyse:

      …„Lange Zeit wurden von Politik und MS-Medien das Bild einer Corona bedingten Übersterblichkeit gezeichnet. Dieses Bild ist trügerisch. Der Trick liegt ausschließlich darin, nur absolute Zahlen zu kommunizieren. Diese berücksichtigen aber nicht den fortschreitenden demografischen Wandel.
      Entzerrt man die Auswirkungen der zunehmenden Bevölkerung und der alternden Bevölkerung, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild.

      2020 war im Zeitraum 1990-2020 eines der mildesten Jahre hinsichtlich Sterblichkeit. Nach den ProNoCchio Daten war es das zweitmildeste, nach den Daten des Gesundheitsbericht des Bundes das drittmildeste Jahr.

      Jeder kann das mit den offiziellen Rohdaten von Destatis nachrechnen. Der Twitter Account ProNoCchio bietet über diverse Tweets Erläuterungen und Anleitungen zum Nachrechnen. Die offiziellen altersbereinigten Daten des Gesundheitsberichtes des Bundes bestätigen diese Ergebnisse. „..

  2. Zum Bild „Tatsächliche Sterbefälle 2021 und Mittelwert 2016-20“. Meiner Meinung nach ist es unzulässig, das Jahr 2020, das erste Corona-Jahr, von dem wir wissen, dass es gerade in den letzten Monaten des Jahres 2020 besonders viele Corona-Tote gab, in den Mittelwert miteinzubeziehen. Dadurch wird der Mittelwert für Oktober außerordentlich nach oben verschoben.

    Vergessen wir nicht, dass inzwischen vier Fünftel der Bevölkerung in Deutschland geimpft ist. Vergessen wir auch nicht, dass diese Impfung einen „milden Verlauf verspricht, jedenfalls sollte jetzt niemand mehr an Covid versterben.

    Nimmt man für die Mittelwert-Berechnung die fünf Jahre VOR Corona, also 2015 bis 2019, dürfte erheblich deutlicher werden, was gerade passiert. Und nein, es sind nicht die über 80-jährigen, die gerade vermehrt sterben, es sind die etwa 50- bis 69-jährigen und leider auch schon viele Jüngere.

    Und wie selbst ARD TEXT (1) schreibt: Diese Übersterblichkeit, 6600 Personen, hat NICHTS mit der Krankheit zu tun. Angeblich ist sie unerklärlich.

    (1)

    „Anstieg bei Sterbefällen im Oktober

    Die Zahl der Sterbefälle in Deutschland hat im Oktober merklich über den üblichen Werten der vergangenen Jahre gelegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, starben bundesweit 82.733 Menschen. Das waren 9 % oder rund 6600 Menschen mehr, als nach dem mittleren Oktoberwert der Jahre 2017 bis 2020 zu erwarten war.

    Die wöchentliche Zahl der Corona-Todesfälle blieb nach Angaben der Behörde zwischen Mitte September und Mitte Oktober aber in etwa gleich. Die höhere Zahl der Sterbefälle lasse sich dadurch nicht erklären, hieß es.“

    (ARD Text, 10.Nov. 21)

    1. Lieber Michael R, selbstverständlich ist die Epoche 2016-19 ebenfalls gerechnet worden. Plot hier:
      http://caes.mooo.com/pics/mean1619.pdf

      Sie haben dann einen geringeren Anstieg zum Jahresende, dafür aber niedrigere Referenzwerte zur Grippesaison, weil die Jahre 2017 und 2018 stärker durchschlagen.

      Außerdem einen über alle Wochen verteilten, größeren Populationsfehler! Sie können diesen Effekt bestens hier studieren:
      https://mpidr.shinyapps.io/stmortality/

      Je weiter Sie dort die Schieberegler „Reference Years“ in die Vergangenheit schieben, desto größere Übersterblichkeit bekommen Sie zu sehen. Es ist aber nur eine scheinbare.

      Und selbstverständlich meinten Sie bestimmt nicht „unzulässig“, ein Jahr unter den Tisch fallen zu lassen, weil einem das zu erwartende Resultat nicht gefällt. Nennt sich cherry picking und gilt als Todsünde. 😉

    2. @Ulf Lorré: Das Bild in mean1619.pdf belegt, was ich monierte, obwohl hier zur Mittelwertberechnung nur vier Jahre statt fünf herangezogen sind.

      Mit cherrypicking hat das nichts zu tun, das erste Covid-Krisenjahr 2020 aus der Mittelwertberechnung auszuklammern, wenn man die Sterblichkeit zu sozusagen „normalen“ Zeiten für die Ermittlung einer Übersterblichkeit heranziehen möchte.

      Hätte es Ende letzten Jahres ein ausserordentliches Ereignis mit vielen Toten gegeben, etwa durch eine Hochwasserkatastrophe, müsste man diese ja wohl auch herausrechnen, damit Sie am Ende trotz zunehmender Sterbezahlen nicht noch eine Untersterblichkeit herausbekommen.

  3. Kommen wir jemals aus dieser Krise heraus? Politiker lernen nie aus. Das zieht sich wie ein ROTER FADEN durch die Politikgeschichte. Keiner weiß wie viele noch sterben werden. Und was sie nicht wieder alles versuchen, um endlich das Virus in den Griff zu kriegen. Sie strengen sich an und versuchen, versuchen, versuchen. Wer versucht tut nicht. Aber auch unsere Gesellschaft ist da nicht besser gestellt. Schneller, besser, höher, weiter, mehr,… Was bei diesen ganzen Wahnsinn vergessen wird, ist der Blick für das Wesentliche. Alltägliche Dinge, die wir sonst als selbstverständlich nehmen, sind NICHT selbstverständlich. Auch keine Impfung oder Booster.

    Wie geht es weiter? Nicht nur ich hat es satt zu warten, fühle mich oft überfordert, allein gelassen und habe viele Fragen ohne Antworten. Alles ist unklar. COVID-19 bringt jeden einzelnen und unsere Gesellschaft gerade ziemlich durcheinander. Und bewirkt [notgedrungen] einiges an Umdenken und Veränderungen in unserem täglichen Handeln. Ignorieren und ausblenden ist längst nicht mehr möglich. Doch sehr viele tun sich immer noch schwer damit.

    Sie brocken sich die Suppe selbst ein, auf Sternekochniveau. Sie entscheiden sich NICHT. Und darin sind sie richtig gut und wahnsinnig konsequent. Sie ertrinken in der Illusion eines perfekt-optimierten Lebens, von dem sie keinen blassen Schimmer haben, wie es überhaupt aussehen soll. Aber alle tun so als ob. Und weil sie nicht wissen, wer sie sind, gehen sie in den Schneepflugmodus und nehmen alles mit, was sich in ihrer Reichweite befindet. Rennen anderen hinterher, die genauso planlos sind wie sie. Statt Verantwortung dafür zu übernehmen, lassen sie sich von ihren Verpassungsängsten versklaven. Und irgendwie müssen sie allen und allem gerecht werden.
    Halt Stopp! Wir müssen alle gar nichts! Außer das wir irgendwann sterben müssen. Muss erzählt Schauermärchen von Machtlosigkeit. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

    Bleibt gesund und passt gut aufeinander auf! ❤

    1. Ulf Lorré: Sylvester ist ein Ersatzwort für Silvester? 😂 Nur für Leute mit Rechtschreibeproblemen – siehe Focus Artikel anbei.
      (Man kann sich ja durchaus mal vertun, aber dann bitte einfach eingestehen und keine Ausflüchte)

    2. Mit dem Focus im allgemeinen und dem zitierten Artikel insbesondere sind Sie – allgemein sowie speziell – leider argumentativ untermunitioniert. Sollte ich Ihr Sprachgefühl verletzt haben, bitte ich um Entschuldigung.

  4. Natürlich wird sich ein „user“ nicht mit der komplexen Berechnung wahrscheinlicher Sterbefälle auseinandersetzen. Dafür sollten natürlich das RKI und angeschlosene Institutionen zuständig sein.

    Grundsätzlich kann ich die Berechnungen nachvollziehen. Schauen wir uns aber eine langfristige Kurve an, die ohne neue Populationen auskommt, schaut es so aus:

    Die Sterberate 1950 bis 2020 für Deutschland: Im Jahr 1969 lag die Sterberate bei 988.092 Verstorbenen. Dann sank sie bis 2004 kontinuierlich auf den tiefsten Stand von 818.271 Verstorbene. Das ist ein Unterschied von 160.000 Toten.
    Dann zog sie 2005 wieder an auf 954.872 Verstorbene für 2018. Zur Erinnerung, 2015 sind die Grenzen vollständig geöffnet worden.
    Zwischen dem Tiefpunkt 2004 und dem Hochpunkt 2018 liegen 130.000 Verstorben.

    Die Sterbekurve ist eine ständige Berg- und Talfahrt. Deshalb kann ich mich mit einem „Mittelwert“ nicht wirklich anfreunden. Im Aufwärtstrend wird der zwangsläufig eine Übersterblichkeit anzeigen.

    Schaltet man nun ins Todesdiagramm die Bevölkerungsentwicklung zu, dann stellt man erstaunt fest, daß es nie ein Demografieproblem gab. Die deutsche Bevölkerung ist seit 1950 kontinuierlich gewachsen.
    Erst 2010 ungefähr hat Grün-Rot „beschlossen“, aus Deutschland ein Einwanderungsland zu machen. Was heißt, Deutschland war vorher kein Einwanderungsland.

    Bessere Wahrscheinlichkeiten lassen sich auf diese Weise natürlich nicht ermitteln. Die Alterspyramide könnte dem schon abhelfen. Aber für eine Daumenpeilung reicht das meines Erachtens aus. Man sieht sozusagen am Sonnenstand, wo ungefähr Norden ist.

    Für die USA wird die Korrelation noch besser sichtbar. Die Sterbefälle folgen mit leichtem Auf- und Ab immer dem Bevölkerungswachtum.

    Die Zahlen habe ich aus Wikipedia. Man markiert und kopiert aus Wikipedia (Demografie) den ganzen Block. Dann löscht man in der Tabellenkalkulation die Spalten, die man nicht braucht. Leerstellen, Anführungszeichen, Kommas lassen sich mit „suchen und ersetzen“ entfernen und erstellt ein Diagramm. Manchmal werden dabei die die letzten 0-Ziffern mit gelöscht. Die muß man dann mit der Hand noch mal eintragen.

    1. Noch ein Wort zum Demografie-Problem:

      Ich denke, das war ein künstlich geschaffenes „Problem“ des Finanzkapitals. Eine ständig wachsende Wirtschaft braucht immer mehr Arbeitskräfte. Und sie will immer mehr Konsumenten.

      Man hat einfach die Demografie ökonomisiert und ans Wirtschaftswachstum gekoppelt. Was man z.Z. besonders gut beobachten kann, daß die Wirtschaft das Zepter der Zuwanderung übernommen hat, wenn sie „händeringend“ für die Zuwanderung von Facharbeitern wirbt.

      Das „Demografie-Problem“ begann wohl in den 60er Jahren, VW verlangte nach Gastarbeitern und erzeugte auf mystische Weise ein Medienecho. Das lag vielleicht daran, daß Niedersachsen im Besitz der VW-Aktien en gros war. Wer war damals Ministerpräsident? Fiel der womöglich wegen unsauberer Haltung damals schon auf?

      In den 70er Jahren war die Arbeitslosigkeit auf einem Tiefstand. Dabei war die Handlungsweise irrational und hätte VW einfach Produktionsstätten in die Türkei verlagert, statt zum Menschenimport überzugehen, wäre die Türkei dankbar gewesen, die deutsche Regierung hätte Einfluß auf die politische Entwicklung gehabt und die Welt wäre ruhig geblieben.

    2. „Erst 2010 ungefähr hat Grün-Rot „beschlossen“, aus Deutschland ein Einwanderungsland zu machen.“

      — Ich bin gewiss kein Grüner, auch kein Roter, aber hier muss ich beide in Schutz nehmen.

      2010 war das Kabinett Merkel 2 im Amt, eine Koalition aus CDU/CSU und FDP.

  5. Ganz entscheidend für die ganze Misere derzeit ist die unzureichende Berichterstattung in den Medien.
    Zu C19 gibt es – wie zu nahezu jedem wissenschaftlichen Thema – differierende Positionen, welche mehr oder weniger gut argumentiert und belegt werden können.

    Würde in den Medien die ganze Bandbreite kommuniziert, und nicht nur was politisch opportun erscheint, dann wäre die derzeitige Spaltung und Hetzjagd nicht möglich.
    Ein großer Anteil der Bevölkerung informiert sich in den Mainstream Medien. Dort finde ich unisono folgende Kernaussagen:

    1. Die Impfung schützt dich und deine Kinder vor schwerer Erkrankung und Tod
    2. Die Impfung ist bis auf harmlose Effekte praktisch Nebenwirkungsfrei und ungefährlich. Ausnahmen sind extrem selten.

    Mir geht es jetzt gar nicht darum, ob ich das für richtig oder falsch erachte. Es geht darum, dass die überwiegende Mehrheit nichts anderes wahrnimmt.
    Dass es zu diesen Behauptungen auch völlig gegensätzliche Ansichten gibt, die mindestens auf einem vergleichbaren wissenschaftlichen Standard basieren, das geht völlig unter.

    Daher ist es für viele Menschen gar nicht möglich, eine wirklich Tatsachen basierte Entscheidung zu treffen, da es in diesem einen Fall ja nur eine sinnvolle Lösung gibt. Daher ist auch nachvollziehbar, dass man überhaupt nicht begreifen kann, wie sich jemand diesen wissenschaftlichen Fakten widersetzt.
    Es ist die berühmte Alternativlosigkeit, die seit Jahren die Politik bestimmt.

  6. Jetzt mal ehrlich. Die älteren Jahrgänge sind doch zu 93 bis 96 Prozent geimpft.
    Bei angeblichen 95 Prozent Schutz sollten wir deutlich weniger Coronatote haben wie 2020. Wir können es aber frühestens im April 22 sagen.
    Momentan sieht es aber eher sehr schlecht aus für die Wirksamkeit der sogenannten Impfstoffe.
    Zur Zeit sieht es so aus, das der Peak der jetzigen Wellen in 7 bis 14 Tagen erreicht wird.
    Wenn man andere Länder betrachtet, dann sollte ein ebenso steiler Abfall der Kurve erfolgen. Also Schlittern wir dann vermutlich Ende des Jahres in die nächste Welle.
    Dazu kommen noch die gehäuften Todesfälle durch Thrombosen bzw Herzstillstand, plötzlicher Herztod.
    Sobald die Diagnoseschlüssel der Todesursachen statistisch erfasst sind, werden wir eine starke Erhöhung von Herz Kreislauf Toten sehen in 2021.
    Leute die auf der Kardiologie im Krankenhaus arbeiten, können schon jetzt ein lied davon singen.

    1. @Lucie Zimmer,

      ich habe wie die meisten hier den Clip „Pandemie der Rohdaten“ gesehen.
      Diese „95 Prozent Schutz“ sind halt eher eine Marketing Zahl, die bewusst missverstanden werden soll.
      Die relative Wirksamkeit – > die 95 Prozent, bedeuten eben NICHT, dass von 100 Geimpften 95 sicher sind und 5 erkranken.
      Falls du den Clip nicht kennst – der ist wirklich wert angesehen zu werden.

  7. Eine mir bekannte Pflegerin die eine nach der Janssen Impfung teilweise gelähmte Person betreut meint sie hätte sich nie gedacht eine Regierung hier, als schwachsinnig bezeichnen zu müssen.
    Im früheren Heimatland hätte sie sich sich das nicht getraut, außerdem wäre es gut gewesen wenn die außer hinterhältig auch dumm gewesen wären.
    Hierzulande trifft fast alles was an negativem ausgegraben werden kann, für die verantwortlichen zu!
    Island war der Impfeuroparekordler. Dänemark wurde als Vorbild dargestellt obwohl die Quoten bei den älteren gleich waren.
    Und Pfizer-Netanjahu kam für hiesige hauptverantwortliche vor Gott.
    Jetzt sind wir bei den Impfungen vor Israel. Gleich auf mit Gott-Sei -bei uns-Schweden.
    Und hinter Island und dem Impfvorbild Dänemark.
    Wenn es hier so gemacht worden wäre wie in Dänemark wäre alles offen. Behaupten zumindest die, die sich als unsere Repräsentanten gerieren.
    Die 4te Macht im Staate, die statt zu kontrollieren, zu den allergrößten Wichtigmachern gehört geriert sich ebenso.
    Ich habe noch nie einer Berufsgruppe zuhören müssen, die eine solche Menge vor Dummheit triefenden Meldungen von sich gibt! Nebst dem Aufgebot an Studenten als Faktenchecker.
    Sieht man sich jetzt die die eigentlich obsoleten Statistiken der Cases an (allerdings werden wir durch diese unserer Grundrechte beraubt) sieht man das besonders Germany bei der ein wenig vernünftigeren Statistik „Tests per Cases“ sehr schlecht abschneidet.
    Die Ösis grundeln sich mit oben genannten herum.
    Die Graphen zu „Cases“ und „confirmed Deaths“ stimmen mit dem nunmehr 3 Wochen Verzug, in Österreich überhaupt nicht überein.
    Die Testpolitik lässt international verglichen nach wie vor auf völlig unbedarfte „Experten“ schließen.
    Geht man die internationalen Statistiken durch kann anhand der Zahlen von Cases, Trauerfällen, Hospitalisierungen Test ohnehin nur auf die endgültige Verwirrung, geschlossen werden.
    Zum Beispiel befindet sich Germany bei Hospital admissions bei Dänemark und Island. Austria gibt dazu nichts an.
    Bei Hospitalisierten hat Austria 7 mal so viele wie Island Dänemark Israel!
    Und bei ICU Patienten haben De und A rund 6 bis 7 mal so viele wie die Skandinavier!
    Das erinnert zu stark an die gerichtsanhängigen Spitalszahlen in DE.
    Und ans Amtsgeheimnis in Österreich und die verschwundenen Zahlen bezüglich Impfversagen. (Ages).
    Besonders anrüchig findet die Pflegerin, die ja nur eine Person rund um die Uhr betreut und daher noch die Zeit hat, sich mit dem ORF auseinanderzusetzen und sich zu informieren, die „Informationssendungen“ aus den Intensivstationen mit PflegerInnen.
    Sie sag,t da werden offensichtlich ganz gezielt Stationen und Pflegekräfte gewählt, die ohnehin schon jahrelang von der Politik im Stich gelassen wurden und neben Unterbezahlung dann auch noch durch zusätzliche zum Teil überflüssige Massnahmen zum äußersten Rand ihrer Kräfte gebracht worden sind. Diese werden mit ihren Emotionen auf Sündenböcke losgelassen.
    Offenbar sind Immigranten klüger als Einheimische!
    Zum umfassenden informieren fehlt diesen Interviewten obendrein die Zeit und sind dann noch zusätzliche paradoxe Opfer im diesen üblen Informationskrieg.
    Sie werden eigentlich auch noch zu Tätern gemacht.
    Und haben dann noch dazu mit vor allem alten Menschen zu tun, die schwerer sterben (Haditsch). Die beim ersten Auftreten von Symptome statt behandelt zu werden in Quarantäne kommen und erst zuletzt mittels Hi Tec, (wie oft noch falsch behandelt ist auch so eine unbeantwortete Frage da hierzulande die Fehlerkultur nicht vorhanden ist), den teuersten Rettungsversuchen unterworfen werden!
    Da meine Frau einen schweren Unfall hatte, sind wir ab morgen auch noch Spießrutenlauf mit der Polizei und ähnlichen „Experten“ ausgesetzt.
    Statt einer Impfung sollte ich mir ein Sedativum setzen, bevor ich in eine von Nervhammer aufgehetzte Kontrollmeute komme!

    Rudi Fluegl

    https://ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2021-04-27..latest&facet=none&uniformYAxis=0&pickerSort=asc&pickerMetric=location&hideControls=true&Metric=Share+of+positive+tests&Interval=7-day+rolling+average&Relative+to+Population=true&Align+outbreaks=false&country=ISL~ESP~SWE~Africa~AUT~DEU~ISR~PRT~DNK

    https://ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2021-04-27..latest&facet=none&uniformYAxis=0&pickerSort=asc&pickerMetric=location&hideControls=true&Metric=Confirmed+cases&Interval=7-day+rolling+average&Relative+to+Population=true&Align+outbreaks=false&country=ISL~ESP~SWE~Africa~AUT~DEU~ISR~PRT~DNK

    https://ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2021-04-27..latest&facet=none&uniformYAxis=0&pickerSort=asc&pickerMetric=location&hideControls=true&Metric=People+fully+vaccinated&Interval=7-day+rolling+average&Relative+to+Population=true&Align+outbreaks=false&country=ISL~ESP~SWE~Africa~AUT~DEU~ISR~PRT~DNK

  8. Vielen Dank für die Analyse. Bei Lichte betrachtet ist die Übersterblichkeit eben kein einfaches Thema, weil sie sich auf eine Erwartung bezieht, welche letztlich ein mathematisches Modell ist.
    Ich arbeite selbst an solchen Modellen, und möchte hier kursorisch einige Dinge ergänzen.
    1. In der langfristigen Analyse von Bevölkerungszahl- und Alterskohorten-korrigierten Sterbezahlen gibt es einen deutlichen Abwärtstrend von 1970-2005. Um das Jahr 2005 gab es einen markanten Trendwechsel in einen moderateren Abwärtstrend, der bis 2020 passt. Wenn man diesen Abwärtstrend zugrundelegt, gab es 2020 eine sehr leichte, 2021 läuft auf eine deutliche Übersterblichkeit hinaus. Wenn man aber einen weiteren Trendwechsel im Jahr 2016 postuliert, und von einer konstanten Sterblichkeit ausgeht, wandelt sich das Bild: 2020 keine Übersterblichkeit und 2021 nur eine leichte. Die Frage der Übersterblichkeiten mündet also in das größere Thema: „Sind die Zeiten der steigenden Lebenserwartung nun vorbei?“
    2. In manchen Statistiken wird der Durchschnitt ab 2016, in anderen der Durchschnitt ab 2017 zugrundegelegt. Vorsicht: das hat starke Auswirkungen auf das Ergebnis. Denn die Sterblichkeiten haben in Mitteleuropa einen ausgeprägten Mehr-Jahres-Zyklus. Der Erklärungsansatz dafür ist die Dry-Tinder-Theorie. So lag das Jahr 2016 unter dem Trend.
    3. Das Jahr 2019 hatte eine markante Untersterblichkeit. Eine höhere Sterblichkeit war 2020 zu erwarten, und Zeitreihenmodelle können das auch abbilden.
    4. Eine wirklich valide Erwartung für Sterbezahlen braucht eine Bevölkerungszahl- und Alterskohorten-Korrektur, zusätzliche eine Zeitreihenanalyse. Wenn Sterbezahlen auf Wochenbasis beurteilt werden sollen, braucht es zusätzlich ein Saisonalitäts-Modell.

    1. Berechtigte Fragen sprechen Sie da an. Bestimmt man das bevölkerungsstandardisierte Sterberisiko für jedes Jahr, so erhält man für die Spanne 2016-20 eine jährliche Zunahme von 1,3% und für 2016-19 0,9%. Diese Regressionen sind leider von nur geringem Prognosenutzen, da nicht signifikant (z. B. p-value 0,31 für 2016-19). Man muss das aber im Hinterkopf behalten.

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