Mehr Todesfälle in Österreichs Städten durch Luftverschmutzung als durch Coronavirus

Luftverschmutzung hatte jetzt bei der Coronakrise einen erheblichen Einfluss auf die Sterblichkeit. Besonders stark betroffen waren in Europa Norditalien, Madrid oder London, in China eben Wuhan und in den USA zB New York. Die Luftverschmutzung verursacht noch mehr Todesfälle als das Coronavirus selbst – in Wien, Graz und Linz sind jährlich 30-60 vorzeitige Todesfälle pro 100.000 EinwohnerInnen zu verzeichnen.

Bei der Coronakrise haben wir gesehen, dass auch ohne wissenschaftlich Evidenz, massive Maßnahmen zum Schutz vor Krankheit und Tod realisierbar sind. Bei einem dauernd wirkenden Risiko für Krankheit und Sterbefälle, nämlich die durch den Verkehr verursachte Luftverschmutzung und Lärmschädigung sollten aus wissenschaftlicher Sicht auch die Gesundheitspolitik in der „Nach Corona-Ära“ leiten und zwar dringend in jenen Bereichen, wo dies bislang ignoriert wurde, etwa bei den massiven Gesundheitsfolgen von Luftverschmutzung und Lärm an den Hauptverkehrsrouten und Autobahnen wie etwa der A22 oder im Inntal. Dies fordern die beiden Wissenschaftler Hanns Moshammer (MedUni Wien) und Willi Haas (BOKU) auf der Basis wissenschaftlicher Daten.

Europaweit zeigen Studien, dass eine entschiedene Reduktion des Autoverkehrs zu Gunsten von mehr aktiver Mobilität in Städten vorzeitige Todesfälle vermeiden kann. In Wien, Graz und Linz sind dies  eben die erwähnten jährlichen 30-60 vorzeitige Todesfälle pro 100.000 EinwohnerInnen (und damit deutlich mehr als durch das Coronavirus), so eine österreichische Studie.

Entschiedene Maßnahmen in diesem Bereich wären auch ein wichtiger Schritt zur Reduktion gesundheitlicher Ungleichheit: Derzeit sterben im Schnitt Menschen mit Pflichtschulabschluss als höchster Schulbildung um 6 Jahre früher als AkademikerInnen.

Die in der Coronakrise, wenn auch einseitig ohne Berücksichtigung von Kollateralschäden, in den Vordergrund gerückte Prämisse von der „Gesundheit als wichtigstem Gut“ fände in der Möglichkeit so auf lange Sicht Menschenleben zu retten und frühzeitige Todesfälle zu reduzieren, ein besonders nachhaltiges und ergiebiges Anwendungsfeld.

Erhöhtes Ansteckungsrisiko

Verschiedene Umweltbelastungen vom Klimawandel bis zum Artensterben bedrohen unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unsere Überlebenschancen als Art weitaus massiver als die Viruspandemie. Eines von mehreren Umweltproblemen ist die Luftverschmutzung.

Nach wissenschaftlichen Einschätzungen ist Feinstaub der Außenluft weltweit die häufigste umweltbedingte Todesursache und unter allen Todesursachen die sechsthäufigste.

Auch im Hinblick auf die Covid-19 Pandemie ist Feinstaub bedeutsam: verschmutzte Luft verlängert die Lebensdauer der Viren in der Luft, weil sie ans Feinstaubaerosol gebunden besser vor Austrocknung und UV-Strahlung geschützt sind. Verschmutzte Luft (Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid) schädigt die Atemwege und macht Menschen daher anfälliger auf Viren und andere Krankheitserreger. Mehrere Studien fanden inzwischen einen regionalen Zusammenhang zwischen höherer Schadstoffbelastung und höherem Infektionsrisiko.

In Städten ist die Luftverschmutzung (Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid) entlang der Hauptverkehrsadern besonders hoch. Am Beispiel Wien ist zu erkennen, dass in guten Wohnlagen der Jahresmittelwert für die Luftbelastung mit NO2 unter 25 μg/m3 liegt, in schlechten hingegen bei 50 μg/m3 und mehr. Bezüglich Gesamtsterblichkeit ändert sich das Risiko eines frühzeitigen Todes bei einer Zunahme der Exposition von 10 μg/m3 u im Jahresmittel um 5,5%.

Die Wissenschaftler fordern deshalb jetzt die Gelegenheit zu nutzen und verkehrsreduzierende Maßnahmen ganz oben auf die Agenda des Hochfahrens der Wirtschaft zu setzen.

Und die Bewohner des Bezirks Korneuburg fordern, dass endlich etwas seitens des Landes, der Asfinag und des Bundes getan wird um die massive Belastung mit Feinstaub und Lärm zu reduzieren.

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