
Türken rücken zunehmend vom Islam ab
Während Erdogans AKP die Türkei in den letzten Jahrzehnten islamisiert hat, rückt vor allem die Jugend zunehmend vom Islam ab. Immer mehr Türken praktizieren keinen Glauben und leben atheistisch.
Erdoğans AKP, die seit 2002 in der Türkei regiert, wendet sich an eine religiöse Wählerschaft. Sie hat den Islam zu einem zentralen Element staatlicher Politik gemacht – nachdem er unter kemalistischer Laizität stark kontrolliert und marginalisiert worden war – und wiederholt das Ziel einer „frommen Generation“ betont.
In Wahrheit rücken jedoch vor allem junge Menschen in der Türkei vermehrt vom Islam ab. So ist der Anteil derer, die angeben „Ich gehe nie in die Moschee, bete nicht und erfülle keine religiösen Pflichten“, deutlich gestiegen. Lag dieser Wert vor etwa 25 Jahren bei rund 13,7 Prozent, liegt er heute bei 34,8 Prozent, berichtet eine neue Umfrage. Der Anteil derer, die mehrmals pro Woche in die Moschee gehen, sank von 15,6 % auf 9 %.
Auch eine KONDA-Studie aus dem Jahr 2025 bestätigt diesen Trend. Mehrere Tausend Türken wurden repräsentativ befragt; die Daten wurden mit denen von 2008 verglichen. Der Anteil derer, die sich als „religiös/fromm“ (dindar) bezeichnen, fiel von 55 % auf 46 %. Atheisten oder Glaubenslose stiegen von 2 % auf 8 %. Die Gruppe der „sehr Frommen“ (sofu) blieb bei 12 % stabil, während „Gläubige, aber nicht religiös“ von 31 % auf 34 % zunahm.
Der Rückgang ist bei Jugendlichen (15–29 Jahre) besonders stark ausgeprägt – religiöse Praktiken wie Gebet oder Moscheebesuch nehmen ab. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, weil sie trotz massiver AKP-Politik eintritt: Der Etat der Religionsbehörde Diyanet steigt quasi jährlich und erreicht Rekordsummen, religiöse Imam-Hatip-Schulen wurden massiv ausgebaut und religiöse Bildung gestärkt. Die Religionsbehörde greift in Bildung, Soziales, Gesundheit und teilweise sogar in Ehen ein und hat sich vom reinen Moscheeverwalter zu einem gesellschaftlichen Gestalter entwickelt. 2025 erhielt sie per Gesetz sogar die Deutungshoheit über Koran-Ausgaben und Kommentare. Traditionelle Freitagspredigten verzahnen sich mit AKP-Politik, loben und legitimieren sie und bekämpfen rhetorisch die „westlichen Eliten“. Doch der populistische Islam stößt in der Bevölkerung nur auf verhaltene Resonanz.
Vielmehr löst er das Gegenteil aus: Die starke staatliche Instrumentalisierung der Religion führt vor allem bei Jungen zur Abkehr vom Islam und zu individueller Säkularisierung. Zugleich sinkt das Vertrauen in religiöse Institutionen.
Während die öffentliche und politische Rolle der Religion in der Türkei stetig zunimmt, nimmt die individuelle Frömmigkeit ab – eine Entwicklung, die langfristig erhebliches gesellschaftliches Konfliktpotenzial birgt. Zwar weiß Erdoğan weiterhin die islamisch-konservativen Teile der Bevölkerung hinter sich, doch die erhoffte Vertiefung des Islam in der gesamten Gesellschaft wurde nicht erreicht.
dafür gratuliert der asylant aus der hofburg unterwürfig zum rammeldan ……..
weit san ma kumman
Das ist eine gute Entwicklung. Denn radikale Spinner sind das Hauptproblem mit dem Isl. Es wäscht sich aber lange nicht raus. Das ist wie im Christentum. Man ist durch das Umfeld (Schule, TV, Hollywood, geschichtlich etc.) dennoch christlich geprägt, auch wenn das heuchlerische scheinheilige Getue ablehnt. Die Bräuche werden auf jeden Fall übernommen, was ich auch mache, denn sie sind ja heidnischen Ursprungs…in diesem Sinne freue ich mich schon auf Ostern…
Kein Bier und keine Weiber! Wer will das schon?
Warum war das Christentum erfolgreicher als das Judentum?
Weil es liberaler war. Das Gleiche gilt für den Islam.
Die gute Nachricht ist die beste. Es wäre wirklich gut, wenn die „Taufschein“-Muslime eine Mehrheit gegenüber den Strenggläubigen stellen würden. Nur so ist ja eine liberale Gesellschaft möglich. Und das trifft auf jede Religion zu…
Religiöse Pflichtübungen, noch dazu wenn man dazu gedrängt wird, nicht zu praktizieren heißt nicht atheistisch zu sein.
Man kann an einen Gott glauben ohne den kirchlichen Äußerlichkeiten.
Wenn einem Gott nicht so ist, wie die Autoritäten behaupten, ist man dann Atheist?
Aus Sicht dieser Autoritäten ganz sicher.
das wurde in der KONDA-Studie erhoben:
„Atheisten oder Glaubenslose stiegen von 2 % auf 8 %. […], während „Gläubige, aber nicht religiös“ von 31 % auf 34 % zunahm.“
Tja…. so ist das wenn man Religion und dann auch noch mit „Pflichten“ aufzwingen will. Sowas führt früher oder später immer zu Ablehnung. Ich bin nur oberflächlich im Thema Iran, aber hat das religiöse Regime dort nicht den gleichen Effekt? Die Menschen wenden sich eher ab als die Religion anzunehmen, wenn sie dazu genötigt werden.
Ich kann mir gut vorstellen, daß vor allem jüngere Menschen eine Religion ablehnen, wenn sie mit „Pflichten“ daher kommt und sich nicht mit dem eigenen Lebensstil oder Wünschen vereinen lässt.