Kampf um Grönland

8. Januar 2025von 3 Minuten Lesezeit

Schon jetzt führt Donald Trump die Europäische Union vor. Dort scheint man ziemlich hilflos angesichts der Expansionsideen von Trump. 

Einerseits verlangt Donald Trump von den EU/NATO-Staaten, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent zu erhöhen. Mehr als eine Verdoppelung für die meisten Staaten. Andererseits will er einem NATO-Staat, nämlich Dänemark, mit Grönland Territorium abnehmen. Notfalls sogar militärisch, erklärte der kommende Präsident.

Vom „Friedenspräsidenten“, mit dem er im Wahlkampf geworben hat, ist aktuell wenig zu sehen. Trump setzt auf offenen imperialistischen Expansionskurs, will Panama bzw. den Panamakanal und Grönland (notfalls militärisch) annektieren. Auch Kanada soll an die USA angeschlossen werden. Natürlich sind das Trumps große Töne: Auch die Mauer zu Mexiko wurde nie fertiggestellt. Trotzdem zeigt die Debatte um Grönland das Verhältnis zwischen den USA und der EU sehr gut. Trump erklärte, dass die Menschen in Grönland entweder für die Unabhängigkeit oder für einen Beitritt zur USA stimmen würden, aber nicht bei Dänemark bleiben wollen. Sollte Dänemark jedoch dagegen sein, werde man das Land mit Zöllen belegen.

Aus der EU-Kommission, etwa von der „Außenbeauftragten“ Kaja Kallas, kommt kein Wort. Es ist wieder mal Macrons Frankreich und natürlich nicht Annalena Baerbock, das versucht, eine EU-Position zu formulieren. Demnach, so Frankreichs Außenminister, werde die EU die Übernahme Grönlands durch die USA „nicht tolerieren“. Und man warnte Trump davor, „die souveränen Grenzen“ der EU zu bedrohen.

Dänische Bürger gehen einen anderen Weg und werben offen dafür, Grönland an die USA zu verkaufen. Warum? Um mehr für die NATO tun zu können. Der dänische Statistiker Jonatan Pallesen sagte: „Wir können nicht viel zur NATO beitragen, also sollten wir Grönland verkaufen.“ Stockholm-Syndrom am Limit. Viele NATO-Fans in ganz Europa dürften das ähnlich sehen.

Die größte Insel der Welt gehört trotz umfassender Autonomie politisch zu Dänemark – und damit zur EU und zur NATO. Seitdem 2009 die Autonomierechte ausgeweitet worden waren, herrscht eine Debatte über die vollständige Unabhängigkeit der Insel. Dieser Plan hat durchaus Unterstützung. Die Insel ist nicht nur militärisch-strategisch wertvoll, sondern auch reich an Rohstoffen.

Das dürfte Trumps Hauptgrund sein, warum er so scharf auf Grönland ist. Militärisch macht es wenig Sinn. Die USA und Dänemark haben bereits 1951 ein Abkommen über Militärbasen und die strategische Nutzung des grönländischen Hoheitsgebiets durch die Vereinigten Staaten geschlossen. Darin ist quasi die umfassende Nutzung Grönlands für die US-Armee festgehalten.

Warum also das Manöver? Manche glauben, dass Trump Druck macht, erhöht, um sich dann zurückzuziehen, aber zum Beispiel mit der Bedingung, dass Dänemark für den Bau neuer Stützpunkte oder die Renovierung alter (militärischer) Infrastrukturen zahlt. Wenn es dazu kommt, wird auch Frankreich wieder nicken. Gemeinsam mit der EU wird Dänemark das zu stemmen haben, immerhin will der neue Herr in Washington ohnehin, dass sich die EU schneller militarisiert.

Update: Mittlerweile hat sich die EU-Kommission zu Wort gemeldet. „Die Souveränität der Mitgliedsstaaten muss immer respektiert werden. Dies ist einer der zentralen diplomatischen Werte und Grundprinzipien, die wir bei unserer Arbeit immer aufrechterhalten, und das gilt in diesem Fall für Dänemark“, sagte Anitta Hipper, die offizielle Sprecherin der EU-Diplomatiechefin Kaja Kallas, bei einem Briefing am Mittwoch in Brüssel.

Bild „Grönland IV“ by stefanhaubold is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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11 Kommentare

  1. Jurgen 9. Januar 2025 um 22:47 Uhr - Antworten

    Es geht hierbei nur um den Abbau von seltenen Erden Elementen für Magnete, die Grönland kurzfristig dem chinesisch dominierten Explorationsunternehmen Transition Metals vorenthalten hat, welches eine Mine aufmachen wollte, indem vom Parlament kurzfristig ein Moratorium gegen Uranabbau beschlossen wurde. Also ich sehe das so, dass die USA dort bzgl. Grönland schon lange aktiv sind und sowohl die seltenen Erden, als auch das Uran selbst haben wollen. Aber das Uran wurde von den Grönländern gebannt. Da bleiben dann nur 2 Lösungen, besetzen oder kaufen. Transition Metals ist noch im Klageverfahren gegen Grönland und Dänemark beschäftigt. Das wird viel Geld kosten, das Unternehmen ausgebootet zu haben.

  2. 1150 8. Januar 2025 um 19:58 Uhr - Antworten

    ich hoffe, dass die usa die inuit vor den repressalien des terroristischen dänemarks befreien und ihnen endlich die werte von demokratie, freiheit und menschenrechten bringen, auf die sie schon so lange in knechtschaft warten. als nächstes die versklavten kanadier, panamesen und endlich auch kuba…….

    • Varus 9. Januar 2025 um 8:33 Uhr - Antworten

      Sollte Grönland von Trump befreit werden, muss Dänemark selbstredend das König:in zur feierlichen Huldigung hinschicken, um dem Imperator zeremoniell die Stiefel abzulecken: https://uncutnews.ch/europa-auf-dem-weg-ins-jahrhundert-der-erniedrigung-eine-kritische-analyse/ Dazu die EUdSSR-Popanze auf den Knien – der Artikel argumentiert, dass Westeuropa half, das Recht des Stärkeren einzuführen, indem es keine Reaktion auf die Ereignisse in Gaza gab.

      Der Rest könnte dann auch noch aufgeteilt werden – zwischen Trump, Putin und das Neue Osmanische Imperium, welches gerade Syrien zurück holen will. Zahlreiche der griechischen Inseln gehörten aber auch mal dazu? Vielleicht klappt es diesmal sogar mit Wien, über 300 Jahre später. Einzige Hoffnung für Österreich – unterwegs ist Serbien, traditionell mit Russland befreundet; fast genauso aber auch Bulgarien.

  3. Antermoya 8. Januar 2025 um 19:46 Uhr - Antworten

    Was Trump heute sagt, ist morgen Makulatur.

  4. Varus 8. Januar 2025 um 18:38 Uhr - Antworten

    Demnach, so Frankreichs Außenminister, werde die EU die Übernahme Grönlands durch die USA „nicht tolerieren“. Und man warnte Trump davor, „die souveränen Grenzen“ der EU zu bedrohen.

    Meine Lesebrille muss schwach sein – man warnt Putin, „die souveränen Grenzen“ des Eurostans zu tangieren? Die USA sind doch der Große Verteidiger der „Freiheit“ der EUdSSR, während im Osten Millionen Russen mit mongolischen Gesichtszügen und Messern in den Zähnen diese „Freiheit“ bedrohen? Derartiges Bild hätte ich, würde ich wie der übliche Michel am ÖRR kleben.

  5. Sabine Schoenfelder 8. Januar 2025 um 18:04 Uhr - Antworten

    Es gibt viele Gründe für Trump, Grönland zu „erobern“.
    A. Es rundet den „amerikanischen Kontinent“ auf der Landkarte ab. 😁👍🏼
    B. Es liegen dort viele leckere Rohstoffe unterm Eis.
    C. Wer Milliarden in „schmutzige Geschäfte“ investiert, scheut sich nicht vor einer Eisdecke, besonders, wenn es sich um seltene Erden handelt.
    D. ….ist Mette ein WEF-Liebchen und was will Gates in Grönland ?
    Viren ausbuddeln ? 😂
    E. Grönland gehört „funktional“ sowieso bereits den Amis. Dänemark ist zu arm, um dagegenzuhalten.
    F. Mit dem Argument des Schutzes vor rrrrussischer Bedrohung läuft doch heutzutage jedes Geschäft.😂
    G. ….und dann denke man an die Tiere Grönlands ! Frederiksen ließ Millionen NERZE TÖTEN, aufgrund von Corona. Danach entsorgte man diesen riesigen Kadaver-Haufen so dilettantisch, daß ein qua Fäulnisbakterien verursachtes Umweltdesaster entstand. Sehr CO2-trächtig. 😂 Mette, die WEF-Klette. 😖👎🏽

  6. triple-delta 8. Januar 2025 um 17:49 Uhr - Antworten

    Trump hält nichts von der NATO, kann aber als USA nicht einfach austreten.
    Also versucht er, für die anderen Länder die Trauben so sauer wie möglich zu machen, damit diese den Stecker ziehen. Damit wäre Trump auch innenpolitisch auf der sicheren Seite. Es kann ihm ja kaum ein Falke den Vorwurf machen, dass er von den Europäern zu viel Geld für den Kauf US-amerikanischer Waffen verlangt hat.

    • therMOnukular 9. Januar 2025 um 9:12 Uhr - Antworten

      OK, ziehen wir diese Option in Betracht: was wäre dann aber, sollte sich Trump verschätzen und die EU nicht „überfordern“….und die EU macht alles mit? Bei solchen Gestalten in der Politik nicht auszuschließen.
      Ich hoffe jedenfalls, dass Sie recht haben und der Plan aufgeht, so wie Sie ihn beschrieben haben.

  7. Jan 8. Januar 2025 um 14:10 Uhr - Antworten

    Grönland ist nicht Teil der EU, es gab ein Referendum, aber es ist NATO-Mitglied. Die Ausbeutung der Ressourcen wird kaum rentabel sein, da das Eis einen enormen Aufpreis erfordert. Sie beuten die Ressourcen deshalb kaum aus, weil sie es nicht rentabel machen können!

    Trump will also einem Zwergstaat in Europa eine erhebliche Summe zahlen. Wofür könnte das gut sein?

    Trump hat noch weitere merkwürdige Ideen: den Panama-Kanal zurück unter US-Einfluss bringen und Kanada integrieren.

    Letztere Ideen streben klar nach mehr Souveränität, die USA importieren viel Öl aus Kanada und wollen sich den Kanal nicht durch China verwalten lassen. Strategisch nachvollziehbar!

    Ein Kauf Grönlands würde das kleine Dänemark reich machen und US-Einfluss in der EU sichern. Ist es das?

    Wissen die USA von baldigen mysteriösen klimatischen Veränderungen auf Grönland und wollen sich die Ressourcen sichern?

    Geht es um eine Stabilisierung der Finanzmärkte durch eine Vision für erhebliche, künftige Ressourcen?

    • Jan 8. Januar 2025 um 17:04 Uhr - Antworten

      Trump hat offenbar auf einer PK am Dienstag gesagt:

      “We need Greenland for national security purposes.”

      Das klingt jetzt nicht unbedingt nach Ressourcenabbau oder Finanzmarktfantasie.

    • Jurgen 9. Januar 2025 um 22:54 Uhr - Antworten

      Was er den Russen vorwirft, macht er selbst. Die USA und ihre Projektionen kennt man ja. Wenn es innen im Lande klemmt, kommt außen neuer Krieg irgendwo auf der Welt. Bald gibt es aber keine Länder mehr, die noch nicht gezündelt wurden. Wenn die USA so weiter machen, werden sie von China befriedet, das locker 200 Millionen Mann unter Waffen bringen könnte…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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