
Wissenschaft und Glückseligkeit
Die Wissenschaft wurde teilweise zur neuen Religion und auch zum exekutierenden Werkzeug der Politik. Star-Philosoph und Kulturkritiker Giorgio Agamben mit Überlegungen, warum die Wissenschaft niemals Glück bringen kann.
Trotz ihres vermeintlichen Nutzens können uns die Wissenschaften nicht glücklich machen, denn der Mensch ist ein sprechendes Wesen, das Freude und Schmerz, Vergnügen und Leid in Worte fassen muss, während die Wissenschaft letztlich auf ein stummes Wesen abzielt, das man numero et mensura (Nummern und Messungen) nennen kann und alle Gegenstände der Welt gerichtet ist. Die natürlichen Sprachen, die die Menschen sprechen, sind bestenfalls ein Hindernis für die Erkenntnis und müssen als solche formalisiert und korrigiert werden, wobei die Redundanzen, die wir in erster Linie beachten, wenn wir unsere Wünsche und Gedanken, unsere Neigungen und Abneigungen ausdrücken, als „poetisch“ eliminiert werden.
Gerade weil sie sich an einen stummen Menschen wendet, kann die Wissenschaft niemals eine Ethik hervorbringen. Dass angesehene Wissenschaftler skrupellos Experimente an den Körpern von Deportierten in den Lagern oder Sträflingen in amerikanischen Gefängnissen durchgeführt haben, sollte uns in diesem Sinne nicht überraschen. Denn die Wissenschaft beruht auf der Möglichkeit, auf allen Ebenen das biologische Leben eines Lebewesens von seinem Beziehungsleben zu trennen, das stumme vegetative Leben, das der Mensch mit den Pflanzen gemeinsam hat, von seiner geistigen Existenz als sprechendes Wesen. Es ist gut, sich daran zu erinnern, heute, wo die Menschen alles, woran sie geglaubt haben, beiseite gelegt zu haben scheinen, um der Wissenschaft eine Glückserwartung anzuvertrauen, die nur enttäuscht und verraten werden kann. Wie die letzten Jahre zweifelsfrei gezeigt haben, sind Menschen, die ihr Leben mit den Augen ihres Arztes betrachten, aus diesem Grund bereit, auf ihre grundlegendsten politischen Freiheiten zu verzichten und sich uneingeschränkt den Mächten zu unterwerfen, die sie regieren. Das Glück ist untrennbar mit den einfachen, banalen Worten verbunden, die wir austauschen, mit dem Jubel und dem Lachen der Freude, aber auch mit der Aufregung, die uns zum Weinen bringt, ohne dass wir wissen, ob vor Kummer oder vor Freude. Überlassen wir die Wissenschaftler der Stille und der Einsamkeit der Zahlen, sorgen wir dafür, dass sie nicht in den Bereich der Ethik und der Politik eindringen, der als einziger uns wirklich zufrieden stellen kann.
Bild „Painting, Carhart Science building, WSC“ by ali eminov is licensed under CC BY-NC 2.0.
Giorgio Agamben, Jahrgang 1942, lehrt heute als Professor für Ästhetik an der Facoltà di Design e Arti der Universität Iuav in Venedig, an der European Graduate School in Saas-Fee sowie am Collège International de Philosophie in Paris. Sein Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er war der einzige lebende Weltphilosoph, der von Februar 2020 gegen das Covid-Regime angeschrieben hatte. Deshalb wurde er auch weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs gecancelt. Der Text Scienza e felicità erschien Mitte Jänner am Blog von Agamben auf Italienisch.
Das Grundproblem liegt immer schon darin, dass der Mensch nicht zur Selbstbegrenzung fähig oder willens ist. Sonst hätten wir uns die Atombombe erspart und auch die Gentechnik. Aber da alles, was getan werden kann, auch sicher getan wird, kommt das dicke Ende immer – vorher hören sie nicht auf.
Der Mensch ist das einzige Säugetier, dass nach Selbstvernichtung lechzt, er wäre daher für die „Natur“ so entbehrlich gewesen wie ein Kropf. Das ist einfach die traurige Wahrheit.
Wer Diktaturen begreift, weiß, daß alles und jeder dem Bösen verpflichtet werden k a n n.
Das Böse, der unethische Mißbrauch forschenden Geistes, der Erkenntnisgewinn, alle potentiellen Möglichkeiten oder der Gebrauch eines einfachen Messers unterliegen i m m e r dem Regime der Verantwortlichen, die sich dieser Werkzeuge bedienen.
Es sind weder die „Zeiten“, noch die „Wissenschaften“, die schlecht oder schlechter werden, die amoralisch oder kriminell sind.
ES SIND IMMER DIE MENSCHEN DAHINTER. Es gibt immer VERANTWORTLICHE.
Wer das Böse zuläßt, trägt dazu bei. So einfach ist das.
Allerdings nicht für den bequemen Mitläufer oder den feigen Egoisten. 🤮
Mich machen Wissenschaften glücklich, denn intelligent verwertet bedeuten sie Fortschritt, Verbesserung und eine Vervielfachung von Möglichkeiten. Sie trainieren das Gehirn und bilden das unerschöpfliche Potential jedes Menschen, damit er seine Umwelt, seine Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit immer besser zu begreifen vermag. Wunderbar.
Oh, ein selten gewordenes Plädoyer für den Fortschritt! An den habe ich auch einst geglaubt, aber nachdem solche Plädoyers so selten geworden sind und niemand mehr fragt, wo wir eigentlich hin schreiten, hege ich den Verdacht, daß wir nirgends hin schreiten, sondern im Gegentum auf der Flucht sind !
Was die Wissenschaft betrifft, verabscheue ich die cold science, wie ich sie nenne. Ich weiß z.B. Dinge über den Vogelflug, bzw umfassender über das flightmanagement der Vögel, die nie veröffentlicht wurden. Ich habe aber nie einen Vogel eingesperrt oder seziert (höchstens mal ein Hähnchen gegessen). Wenn man seine Sinne, das tradierte Wissen und seinen Grips benutzt, kann man viel herausfinden, wenn halt das Wissen schafft.
Hallo Zivilist, Sie müssen genauer lesen. 😁👍
WIE Erkenntnisgewinn betrieben wird, entscheidet der Forscher. Neben den Tieren werden auch schon immer Menschen gequält, -aus Profitsucht und Machtgelüsten.
Wissenschaft ist nie per se schlecht. Ganz im Gegenteil. Wissenschaft = menschliche Entwicklungsgeschichte.
Zu dieser Entwicklung gehören leider auch unsere dunklen Seiten; Egoismus, Dummheit, Gier, Verrat, Überheblichkeit, Lüge……🤮
Es la vida.
Man darf nicht echte Wissenschaft mit dem verwechseln, was heute in Universitäten und auf Zuruf der Regierung betrieben wird. Im Prinzip wissen viele Wissenschaftler noch, was echte Wissenschaft ist, handeln aber im akademischen Alltag nicht danach, weil Karriere oder auch einfach nur planke wirtschaftliche Existenz wichtiger sind. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hat den Leitfaden zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis herausgebracht. Da stehen im Prinzip richtige und wichtige Sachen drin, nur ist die DFG mit ihrer Fördermittelvergabe selbst Treiber des Niedergangs echter Wissenschaft. Klar führen Drosten und Lauterbach und Konsorten stets die Wissenschaft im Munde, aber wenn sie fordern, bestimmte Kollegen aus dem wissenschaftlichen Diskurs auszuschließen, zeigen sie, dass sie in Wahrheit Wissenschaftsfeinde sind.
Rainer Mausfeld brachte schon 2015 in seiner legendären Lämmervorlesung den charakterlosen (Adjektiv von meiner Seite) Unterwerfungshabitus der Wissenschaftler gegenüber den jeweils Herrschenden (Adel, Monarchie, Diktatur, Sonntagsredendemokratie, Pharmakonzerndiktatur, alles völlig wurscht) zum Ausdruck.
Völlig wurscht waren den wohlhochlöblichen Damen & Herren Wissenschaftler in der Coronapharma/politkriminalepoche der Nürnberger Kodex, eine Nazi-Erfahrungs-Kriegsverbrechen-Notbremse !
Schande über sie!
Für mich wiegt weit mehr, dass sich welche dem Klima-Betrug verkaufen. Ich hoffe, Schweden kappt bald die „Klimasteuern“ und andere Länder Europas folgen bald.
Kein Wunder, wenn oft von der korrupten „die Wissenschaft (TM)“ die Rede ist.
Ja!
Einzuwenden ist, dass Wissenschaften sich zum spielerischen, zum Spuren aufzeichnenden, diese aufzuspürenden, zum ideologischen, zum experimentellen, zum geistigen oder streng naturwissenschaftlichen, theologischen, esoterischen neigen!
Spielerisches, oft nicht anwendbares in der Hilfswissenschaft Mathematik und sondierendes in der Pseudowissenschaft Literatur, Recht, Politik oder Wirtschaft gehen schwer mit Physik, Hand in Hand!
Hochspezialisiertes erweitern von Fundamentalwissen zu angewandter Wissenschaft, bei der Pharma oder Waffentechnik – die geben sich sowieso schon die Hand- haben auch Ihre speziellen „Meriten“!
Dann fehlt nur mehr die Wissenschaft vom Glück und gutem Leben!
Und vergessen habe ich, auch das Weisheit suchen, die Philosophie benennt sich als Wissenschaft.
Oder Wissenssucht. Oder Wissen-sucht. Oder die Wissenschaft die durch Wissen schaffen das Wissen schafft, dass der Mensch das „Wissen“ niemals schafft!
Homo ludens! Auch die graue Masse spielt nicht nur mit den Fingern oder anderem angehängten!
Anregungen: Alten Philosophien auf den Grund gehen als Ideenquelle (tetraktys.de) für neue Betrachtungen, gilt gleichfalls für brachliegende Patente u. Erfindungen (rexresearch.com), so ein wacher Geist wie Einstein hatte einst daraus gelernt, geistig flexibel zu bleiben …
Das immer noch bestehende finanz-wirtschafts-politische System einer zunehmend vollständigen Kontrolle praktiziert(e) eine maximal mögliche Einschränkung (tinyurl.com/48rw2xkf) von wirklich zukunftsweisenden Ideen u. Erfindungen, denn genau betrachtet gibt es in nahezu allen Bereichen bereits praktisch einsatzfähige Lösungen!
Aus der östlichen (ind.) Perspektive gibt es sogar so etwas wie die Wissenschaft vom (inneren) Glück (i4joy.com), was noch individuell zu testen wäre …