WEF Die Weltmacht im Hintergrund Teil 2: WEF-Politik 1971 – 2022

10. Januar 2023von 18 Minuten Lesezeit

Der Autor Ernst Wolff zeigt auf: Das WEF übt rasch zunehmend immer mehr direkten Einfluss auf die wichtigen Entscheidungen der großen Weltpolitik aus. Gekennzeichnet ist diese Phase der Weltpolitik durch rasch wachsende Entmachtung der westlichen Parlamente und eine zunehmend den Weltfrieden bedrohende Zuspitzung. Auf die Spitze getrieben wird diese undemokratische, ja höchst bedrohliche Entwicklung in den letzten drei Jahren durch die Corona-Politik sowie durch den über Jahre hinweg provozierten Angriff Russlands auf die Ukraine und die fortgesetzten massiven Kriegshandlungen durch das Diktat der USA in und durch die NATO.

In 29 Kapiteln zeichnet Ernst Wulff den rasanten Aufstieg des WEF (anfangs „European Management Forum“ (EMF)) von einem 1971 gegründeten Drei-Personen-Büro am Genfer See zu einem Unternehmen, das 2022 einen offiziellen Umsatz von 338 Milliarden Umsatz erzielt. Nachfolgend werden einige Marksteine der Entwicklung des WEF zu einer die Politik des Weltgeschehens massiv beeinflussenden Organisation aufgezeigt.

Ohne die Kenntnis der systematisch gewachsenen WEF – Politik ist niemand wirklich imstande, zu verstehen, was heute weltweit abläuft und was alles noch auf uns zuzukommen droht. Denn von was wir uns einen Begriff machen können, das können wir auch verstehen und daher notfalls auch bekämpfen.

Der Beginn in einem kleinen Dorf am Genfer See – oder in den USA?

Nach dem Erwerb eines Maschinenbau-Ingenieurdiploms in Zürich und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Freiburg absolvierte Schwab 1966/1967 an der Harvard Business School ein akademisches Jahr. Hier lernte er einige für sein Leben entscheidende Persönlichkeiten kennen, darunter den ehemaligen Deutschamerikaner, US-Regierungsberater, Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater der USA Henry Kissinger, der zu den Schlüsselfiguren der Weltpolitik zählte.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz bestand sein erstes großes Projekt als Selbständiger in der Vorbereitung und Organisation einer Konferenz, auf der er europäische Spitzenmanager mit amerikanischen Management-Methoden vertraut machen wollte. Mit 32 Jahren und gerade einmal fünf relativ unbedeutenden Berufsjahren und einem angeblichen Startkapital von 50.000 Franken stampfte er 1971 das European Management Symposium mit dem Titel „Die Herausforderung der Zukunft“ aus dem Boden. Zu dieser Veranstaltung kamen 444 Teilnehmer aus 31 Ländern (!) mit Vorstandsvorsitzenden und leitenden Angestellten führender europäischer Unternehmen. Dazu gesellten sich 50 Dozenten der damals führenden Business Schools in den USA und Europa, Vertreter der EG-Kommission und einige mehr oder weniger prominente Vordenker und Strategen der Zeit.

Hauptredner des Treffens war Otto von Habsburg, der älteste Sohn von Karl I., dem letzten Kaiser von Österreich und König von Ungarn, ein Harvard-Absolvent. Zu den Rednern zählten auch der berühmte Ökonom, Diplomat, Romancier und Sozialkritiker John Kenneth Galbraight, der Futurologe und Nuklearstratege Hermann Kahn sowie weitere hochrangige Persönlichkeiten.

Bedenkt man, welche Top-Speaker der damaligen Zeit auf dem Symposium gesprochen hatten und dass sich mehr als 400 Spitzenmanager zwei Wochen (!) lang aus ihrem Berufsalltag verabschiedet hatten, um der, von einem völlig unbekannten 32-Jährigen vorbereiteten, Veranstaltung beizuwohnen, und dass die von Schwab als Startkapital angegebenen 50.000 Schweizer Franken niemals auch nur annähernd ausgereicht hätten, um ein solches Event zu finanzieren, so kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es mächtige Kräfte im Hintergrund gab, die ein Interesse an der Durchführung des Symposiums hatten und Schwab hilfreich zur Seite standen.

Die führende Rolle dürfte dabei die Harvard Universität gespielt haben. Es war damals kein Geheimnis, dass John Kenneth Galbraight und Henry Kissinger, beide eng mit der Harvard Universität verbunden und bestens mit der finanziellen Elite der USA vernetzt, bereits seit einiger Zeit Pläne hegten, den Einfluss der USA auf Europa zu verstärken.

Es ist zwar nicht bewiesen, aber doch höchst wahrscheinlich, dass Kissinger, Galbraight und einige andere zusammen mit dem von Schwab beeindruckten Harvard-Dekan Baker auf die Idee kamen, den ehrgeizigen, gut ausgebildeten und offensichtlich überaus zielstrebigen jungen Mann für sich einzusetzen, um so den Einfluss der amerikanischen Finanzelite auf Europa nicht etwa in Eigenregie, sondern über einen Mittelsmann zu vertiefen und zu erweitern. Es war ein Plan, der aufging, wie die weitere Entwicklung des WEF zeigen sollte.

Wirft man einen Blick auf die gesamte Politik des WEF seit den Anfängen, kann man nicht ausschließen, dass dieser transatlantische Einfluss bis heute beibehalten wurde.

Stakeholder Capitalismus (Kapitalismus der Anspruchsberechtigten)

Stakeholder sind grundsätzlich die Gesamtheit aller in irgendeiner Form Beteiligten oder Betroffenen, auf die sich die unternehmerischen Aktivitäten eines Unternehmens auswirken. Stakeholder sind Kunden ebenso, wie Zulieferer, Angestellte genauso wie Aktionäre, das lokale Gemeinwesen ebenso wie das globale; auch die Umwelt, das Klima, ja sogar der ganze Planet können dazu gezählt werden.

Klaus Schwabs politische und wissenschaftliche Philosophie besteht bei näherer Betrachtung in einem rückhaltlosen Bekenntnis zur Marktwirtschaft sowie zu den bestehenden politischen Strukturen, verbunden mit einem Appell an das Gewissen von Unternehmern und Politikern. Dieses Stakeholder Capitalismus-Konzept ist nichts anderes als ein Feigenblatt, hinter dem man sich gut verstecken kann, ohne seine Strategie grundlegend verändern zu müssen.

Schwabs Feigenblatt-Politik

Von Beginn an wurden jährlich in Davos Veranstaltungen durchgeführt, zu der „Gott und die Welt“ eingeladen wurden. Bei der 1973 abgehaltenen Davoser Veranstaltung wurde das damals vom Club of Rome, einem von D. Rockefeller finanzierten Thinktank, veröffentlichte Buch Die Grenzen des Wachstums besprochen und dabei erstmals im WEF die Notwendigkeit der Reduktion der Weltbevölkerung thematisiert.

In der Folge des im September 1973 in Chile des vom CIA unterstützten Militärputschs gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Allende, kam ein Team bekennender Neoliberalen von der Chicago School of Economics ins Land, die die soziale Ungleichheit im Land drastisch verschärften. Im Zusammenhang mit der daran weltweit geübten Kritik reagierte Schwab mit einem geschickten Schachzug, indem er Dom Hélder Câmara, den kritischen Erzbischof aus Brasilien, zum Symposium 1974 einlud. Mit dieser Einladung begründete Schwab eine Tradition, die er bis heute beibehalten hat – soziale Proteste nicht etwa zu ignorieren, sondern sie aufzugreifen, zu thematisieren und in Form von moralischen Appellen in die eigene Agenda zu integrieren.

Diese Vorgehensweise wiederholte Schwab immer wieder mit kritischen Persönlichkeiten, wie etwa mit dem weltberühmten, kritischen Meeresforscher Jean-Jacques Cousteau oder dem populären US-amerikanischen Umweltschützer und Verbraucheranwalt Ralph Nader. Damit gab er dem Symposium nach außen den Anschein einer Organisation, die die Probleme der Zeit ernst nahm, sie offen ansprach und lösungsorientiert diskutierte. Dass danach absolut nichts im Sinne der geübten Kritik passierte, thematisieren die Medien ja nicht.

Spätestens 1976 war klar: Klaus Schwab und sein WEF (EMF) waren auf dem Weg, zu einer einflussreichen und immer mächtigeren transnationalen Organisation zu werden. Das Erfolgsrezept war dabei recht simpel: Gute Beziehungen zu den Mächtigen pflegen, ihre Vormachtstellung und ihre Vergangenheit nicht infrage stellen und ihnen durch die Zulassung von Kritik ein Feigenblatt zur besseren Selbstdarstellung liefern.

Der gemeinsame Feind der Menschheit ist der Mensch (Club of Rome)

Eine das WEF beeinflussende Entwicklung zeigte sich im Zusammenhang mit einer weiteren Club of Rome – Publikation. Im 1991 veröffentlichten Buch „The First Global Revolution“ ging man mit Bezug auf die Forderung nach einer Reduktion der Bevölkerung einen Schritt weiter und argumentierte, dass man sie sogar mit Unterstützung der Bevölkerung durchsetzen könne. Man müsse die Mehrheit zu diesem Zweck nur dafür gewinnen, in einem existenziellen Kampf gegen einen gemeinsamen Feind anzutreten. Unter der Überschrift „Der gemeinsame Feind der Menschheit ist der Mensch“ findet man folgende Passage: „Auf der Suche nach einem gemeinsamen Feind, gegen den wir uns vereinigen können, kamen wir auf die Idee, dass Umweltverschmutzung, die drohende globale Erwärmung, Wasserknappheit, Hungersnöte und Ähnliches dazu passen würden. In ihrer Gesamtheit und ihren Wechselwirkungen stellen diese Phänomene tatsächlich eine gemeinsame Bedrohung dar, der wir uns alle gemeinsam stellen müssen.“ Ersetzt man das Wort „Ähnliches“ durch „Pandemien“, so scheint es fast, als hätte das Buch auf hellseherische Weise bereits damals die Grundlagen für die Agenda der Corona-Politik und zur Bekämpfung des Klimawandels vorweggenommen.

Nachträglich betrachtet, kann man konstatieren: Wohin die Reise des WEF führen würde, war schon früh erkennbar; Nichteingeweihte konnten dies damals allerdings nicht erkennen.

WEF: Abfuhr für den Mittelstand

1993 kam es unter der Leitung von Schwabs Tochter Nicole zur Gründung der „Global Leaders for Tomorrow“, Jahre später in „Young Global Leaders“ umgetauft. Im ersten Jahrgang wurden 200 Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kunst und Medien, die unter 43 Jahre alt sein mussten, zusammengefasst. Dies war ein weltweit einmaliges Projekt: Zum ersten Mal begann die Elite, ihren eigenen Nachwuchs gezielt auszuwählen, ihn systematisch heranzuziehen, auf seine Aufgaben vorzubereiten und miteinander zu vernetzen. Wie sensationell erfolgreich das Projekt war, zeigen einige Namen aus dem ersten Jahrgang: Angela Merkel, Nicolas Sarkozy, Tony Blair, Gordon Brown, José Maria Aznar, Richard Branson und Bill Gates. Die folgenden 30 Jahre haben gezeigt, dass damit die Grundlagen für ein eng verknüpftes Netzwerk von Politikern, Wirtschaftsführern und Medienprofis gelegt wurde, das den Lauf der Welt entscheidend beeinflussen sollte.

Zu Beginn des 1994er-Treffens nahm das WEF die Aufnahme des 1000. zahlenden Mitgliedsunternehmens zum Anlass für eine klare und deutliche Botschaft: Die Obergrenze war erreicht, diese Zahl sollte nicht mehr überschritten werden. Man wolle die Exklusivität wahren und in den kommenden Jahren die Qualität der Mitgliederleistungen und -dienste verbessern. Die Entscheidung war nicht nur ein eindeutiges Bekenntnis zur globalen Elite, sondern auch die endgültige Abfuhr für den Mittelstand, von dem einige – zumeist größere – Unternehmen sicherlich auch gern von den Serviceleistungen einer Mitgliedschaft profitiert hätten.

Die wundersame Wandlung des Bill Gates zum Philanthropen

Zu einem für die Zukunft des WEF bedeutenden Ereignis kam es 1994 in den USA: Bill Gates übernahm überraschenderweise die William-H.-Gates-Stiftung seines Vaters. Dass er plötzlich ein philanthropisches Bedürfnis verspürte, ist angesichts seiner Vita kaum anzunehmen. Viel wahrscheinlicher ist, dass ihm seine Anwälte damals rieten, etwas für sein in der Öffentlichkeit schwer angeschlagenes Image zu tun. Gates war nämlich Anfang der 1990er-Jahre ins Visier der amerikanischen Justiz geraten, die ihm unter anderem Urheberrechtsverletzungen, geistigen Diebstahl und Betrug vorwarfen. Viele der Vorwürfe wurden von ehemaligen Wegbegleitern bestätigt und führten dazu, dass das Bild vom genialen Computer-Nerd, der in der Garage seines Vaters begonnen hatte, und aufgrund seiner eigenen Leistung zum Milliardär aufgestiegen war, immer stärkere Risse erhielt und es dringend erforderlich machte, ihn in ein besseres Licht zu rücken. Auf jeden Fall sollte Gates Übernahme der Stiftung für das WEF in den Jahren nach der Jahrtausendwende gewaltige Folgen haben.

Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung

Da sich das Image für Bill Gates trotz der Übernahme der Stiftung seines Vaters bis 1998 kaum gebessert hatte, änderte er den Namen seiner Stiftung in „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“ und überließ die Außendarstellung der Organisation fortan weitgehend seiner Frau. Der Schachzug erwies sich als überaus erfolgreich. In den kommenden drei Jahren wurden fast alle gegen Gates anhängigen Verfahren gegen Zahlungen in Milliardenhöhe außergerichtlich beigelegt, sodass er sich fortan PR-wirksam als geläuterter Philanthrop und Menschenfreund präsentieren konnte, dessen Hauptanliegen die Gesundheitsförderung vor allem der ärmsten Teile der Weltbevölkerung war. Und wie wir heute wissen, bezieht sich dieses sein Interesse mittlerweile auf die gesamte Menschheit – Gesundheitsförderung ist es allerdings nicht.

Während 1996 Bill Gates bereits im zweiten Jahr an seiner Stiftung arbeitete, hatte Michael Bloomberg, der Gründer des IT-Giganten Bloomberg, schon erste Spendenzahlungen an die „Johns-Hopkins-Universität“ geleistet. Deren 2016 nach Bloomberg benannte „Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health“ sollte die Welt in der Coronakrise mit Daten versorgen und konnte 2021 auf Spendeneingänge in Weltrekord-Höhe von 3,55 Milliarden US-Dollar aus Bloombergs Tasche zurückblicken.

1997 schuf Schwab den Status des „Strategischen Partners“. Zu den Konzernen, die sich diesen Titel und den Zugang zu nicht für die Öffentlichkeit gedachten Informationen für einen sechsstelligen Jahresbetrag sicherten, zählten bis zur Jahresmitte unter anderen die weltweit führenden Wirtschaftsprüfer Arthur Anderson, Deloitte und PricewaterhouseCoopers sowie DHL, Volkswagen und Swiss Telecom.

FED: Verhinderung der Rücknahme der Deregulierung des Finanzsystems

In einem im Januar 1997 in der International Herald Tribune veröffentlichten Artikel mit der Überschrift „Mit vereinten Kräften die Gleichung zwischen Aktionär und Stakeholder lösen“ sprachen Schwab und sein Co-Autor auch die wichtigsten Entwicklungen der 1990er-Jahre an – die endgültige Ablösung des Produktionskapitalismus durch den Finanzkapitalismus als Folge der seit 20 Jahren anhaltenden Deregulierung.

Der Artikel war einmal mehr symptomatisch für den Feigenblattcharakter der Öffentlichkeitsarbeit des Forums. Während die Probleme wie die Schere zwischen Reich und Arm und das zunehmende Diktat der Finanzmärkte klar und deutlich benannt wurden, verloren die Autoren kein Wort über die Verursacher der Krise, sondern endeten mit einigen nebulösen Empfehlungen, sich doch der auf die Menschheit zukommenden Gefahren bewusst zu werden. Die Botschaft dahinter war dieselbe wie seit einem Vierteljahrhundert: Wir kennen die Probleme, die uns in Zukunft erwarten, und wir sind es, die sie für die Welt lösen werden.

Wie diese Lösung aussah, zeigte sich 1998, als der New Yorker Hedgefonds Long Term Capital Management in eine bedrohliche Schieflage geriet. Seine Insolvenz hätte die Großbanken der Wall Street insgesamt 1 Billion US-Dollar gekostet, was viele von ihnen in existenzielle Schwierigkeiten gebracht und möglicherweise den gefürchteten Dominoeffekt im Finanzsystem ausgelöst hätte. Unter der Führung des FED (Das Federal Reserve System – das keineswegs verstaatlichte, sondern private Zentralbank-System und Notenbank der USA) taten sich die betroffenen Banken zusammen hielten den Hedgefonds am Leben und entgingen um einen Preis von ca. 4 Millionen US-Dollar der Katastrophe. Alle Beteiligten sorgten dafür, dass die Weltöffentlichkeit so gut wie nichts von den Vorgängen erfuhr, und das aus gutem Grund: Man wollte auf jeden Fall verhindern, dass Regierungen eingreifen und die fortschreitende und äußerst profitable Deregulierung zurückschrauben würden.

Genau diesem Wunsch entsprach auch das WEF, dessen Antwort darin bestand, eine neue supranationale Instanz ins Leben zu rufen – die G20 statt der G8, was 1998 umgesetzt wurde.

Die wichtigsten Prominenten, mit denen sich das WEF immer wieder schmückte, waren im Jahre 1998 der US-Musikproduzent Quincy Jones sowie der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho, die in den Vorstand von Schwabs Stiftung für soziales Unternehmertum berufen wurden. Auf dem südafrikanischen Wirtschaftsgipfel des WEF in Windhoek in Namibia trat niemand Geringerer als Michael Jackson auf, der in diesem Jahr zusammen mit Amazon-Gründer Jeff Bezos seine einjährige Ausbildung zum „Global Leader for Tomorrow“ beendete.

Der Pakt von Davos der russischen Oligarchen

Wie mächtig des WEF inzwischen geworden war und wie weit sein politischer Einfluss reichte, zeigte das Jahr 1996. Boris Jelzin, war 1991 zum ersten Präsidenten der Russischen Föderation gewählt worden. Seine anfängliche Beliebtheit hatte in den folgenden fünf Jahren jedoch wegen der schlechten Wirtschaftslage dramatisch abgenommen. Bei den Wahlen zur Duma (dem russischen Parlament) musste er 1995 herbe Verluste hinnehmen, während die Kommunisten erheblich zulegen konnten.

Nach einer missglückten Befreiungsaktion im Zuge einer Geiselnahme mit 150 Toten Anfang 1996, sanken seine Chancen auf eine Wiederwahl weiter. Umfragen deuteten darauf hin, dass er nicht mehr als 5 % der Stimmen erhalten und dass Gennady Sjuganow, der Kandidat der Kommunisten, die Wahl gewinnen würde. Die Oligarchen befürchteten, dass man ihnen den Staatsbesitz, den sie sich nach 1990 teils durch Betrug angeeignet hatten, wieder wegnehmen würde. Um das zu vermeiden, verbündeten sich sieben der mächtigsten unter ihnen, die etwa die Hälfte des Oligarchen-Reichtums repräsentierten. Unter ihnen befanden sich Michail Chodorkowski, der spätere Chef des Ölkonzernes Jukos, der Medienmogul Wladimir Gussinski und der zwielichtige Hauptaktionär des größten russischen Fernsehsenders, Boris Beresowski. Sie und die übrigen vier taten sich im Rahmen des WEF zusammen und formten den Pakt von Davos.

Wie Jelzin in seinen Memoiren schrieb, suchten sie ihn Anfang Februar in Moskau auf, machten ihm unmissverständlich klar, dass er ohne ihre Rückendeckung keine Chance auf eine Wiederwahl haben würde und dass er Anatoli Tschubais, den Architekten des Privatisierungsprogrammes, das den Oligarchen zu ihrem Reichtum verholfen hatte, unbedingt zu seinem Kampagnen-Manager machen sollte. Obwohl Jelzin Tschubais zuvor wegen der Unzufriedenheit der Bevölkerung als Finanzminister entlassen hatte, erklärte er sich mit ihren Plänen einverstanden und verkündete am 15. Februar seine erneute Kandidatur für das Amt des Präsidenten.

Was folgte, war eine in der Geschichte Russlands einmalige Medienkampagne, in der Jelzins Gegenkandidat Sjuganow nach allen Regeln der Kunst demontiert, Ängste vor einer Rückkehr zu sowjetischen Verhältnissen systematisch geschürt und Jelzin als Retter der Demokratie dargestellt wurden.

Diese mit dem Geld der Oligarchen erfolgte massive Manipulation der Öffentlichkeit führte schlussendlich zum Erfolg. Im Juni 1996 wurde Jelzin wiedergewählt. Damit wurden die Weichen für die Zukunft Russlands gestellt, allerdings nicht aufgrund des Willens der russischen Bevölkerung, sondern aufgrund der Manipulation durch eine Gruppe von Oligarchen, die ihr Bündnis am WEF in Davos geschmiedet hatten.

Die Zukunftsvision des WEF: Autoritäre Regimes und digitale Zentralbankwährungen mit transhumanistischen Auswüchsen

Über weitere das Weltgeschehen beeinflussende Aktivitäten des WEF, insbesondere zur Corona-Politik und -krise und deren Vorbereitung, der im Jahre 2000 erfolgten Gründung der „Global Alliance for Vaccination and Immunization“ (Globale Allianz für Impfung und Immunisierung), kurz GAVI, der 2001 erfolgten Gründung der „Global Health Initiative“ GHI), der massiven Unterstützung der 2013 gegründeten Better Than Cash Alliance (Besser-als-Bargeld-Allianz) zur Abschaffung des Bargeldes, der 2017 gegründeten internationalem Non-Profit-Organisation CEPI (Koalition für Innovationen bei der Epidemievorsorge) lesen Sie bitte selbst im sehr aufschlussreichen Buch des Erfolgsautors Ernst Wolff.

Oder auch über ein von Gates in Davos geleitetes Planspiel, das zur Gründung des „Epidemics Readiness Accelerators“ (Epidemie-Bereitschaftsbeschleunigers) führte. Dabei handelt es sich um eine öffentlich-private Plattform, die sich mit der Bereitschaft in Bereichen wie Reise und Tourismus, Lieferketten und Logistik, Recht und Regulierung, Kommunikation und Dateninnovationen befasst.

Hier erwähnt werden soll auch noch die 2017 für die Zukunft des WEF getroffene, vermutlich wichtigste Entscheidung, als die „Globale Plattform für geostrategische Zusammenarbeit“ ins Leben gerufen wurde. Dabei handelt es sich um eine Informationsplattform, die Inhalte zu einem breiten Spektrum globaler Themen sammelt und analysiert und sich dabei auf die Beiträge von Experten und Institutionen aus dem Umfeld des WEF stützt. Zu diesen zählen unter anderen der Atlantic Council, die International Crisis Group, die RAND Corporation oder das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut, aber auch Thinktanks aus China, Japan, Korea oder Russland.

Alle diese hier nur überschriftmäßig genannten Initiativen, die vom WEF ausgingen oder an denen es maßgeblich beteiligt ist, stehen in der systematischen Vorbereitung dessen, was die Zukunftsvision des WEF darstellt: Autoritäre Regimes und digitale Zentralbankwährungen mit erschreckenden Ambitionen zu transhumanistischen Auswüchsen.

Zum Abschluss seines Buches schreibt E. Wolff:

Die alles entscheidende Frage unserer Zeit lautet daher: Ist eine solch düstere Zukunft – gemeint ist eine drohende moderne Form der Sklaverei – vermeidbar oder sind wir ihr aufgrund der Macht, die das WEF im vergangenen halben Jahrhundert an sich gerissen hat, hilflos ausgeliefert?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zunächst eine andere Frage stellen: Wie konnte das WEF überhaupt so mächtig werden? Die Antwort lautet: Weil die Mehrheit der Menschen seinem Aufstieg keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat und das aus zwei Gründen: Entweder weil sie nicht wusste, dass es sich hier um die größte und mächtigste Lobby-Organisation handelt, oder weil sie seiner eigenen Selbstdarstellung einer um die Zukunft der Menschheit besorgten und aus ethischen Motiven handelnden Stiftung geglaubt hat.

Damit aber ist spätestens seit 2020 Schluss. Klaus Schwab hat sich und dem WEF mit seinem Buch COVID-19: The Great Reset einen Bärendienst erwiesen. Es hat die Organisation in nie da gewesener Weise ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, vielen Menschen rund um den Globus die Augen geöffnet und zu einer gewaltigen Welle der Kritik geführt. Die eisenharte Haltung vieler „Young Global Leaders“ in der Coronakrise, die Verweigerung von Friedensbemühungen in der Ukraine und die Unterstützung des korrupten Selenskyj-Regimes haben ein Übriges dazu beigetragen.

Das Zurückfahren seiner öffentlichen Aktivitäten und die Löschung oder Manipulation zahlreicher Webseiten zeigen, dass sich das WEF in der Defensive befindet. Da es aber auf Gedeih und Verderb mit dem bestehenden System verbandelt ist, gibt es für Schwab und seine Organisation keinen anderen Weg, als den Great Reset weiter voranzutreiben. Dieser Druck aber wird beide zwangsläufig in einen immer größeren Konflikt mit der Mehrheit der Menschen führen. Das wiederum schafft den Nährboden für eine Aufklärungskampagne, mit der dem WEF sein wichtigster Trumpf aus der Hand genommen wird: die Ignoranz der Massen.

Die Chance ist da, es kommt nur darauf an, sie zu ergreifen.

Titelbild: Screenshot Ernst Wolff auf Twitter.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Dr. Erich Lendorfer hat Psychologie, sowie Sozial- und Kulturanthropologie studiert, war viele Jahre lang, davon 10 Jahre mit einem eigenen Unternehmen, in der Wirtschaft als Personalberater tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bewusstseins- und Meditationsforschung.


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Die Ursprünge des Great Reset liegen in den USA in den 1950er Jahren

WEF Gründung und Aktivitäten mit Unterstützung und Leitung aus den USA

5 Kommentare

  1. Dr. No 12. Januar 2023 at 12:12Antworten

    Die amerikanischen Finanzverwalter, Oligarchen und Staatsapparate, das sogenannte Deep State, stehen unter starken Einfluss der KP-Chinas, diese hat viele Spitzenpolitiker bis hin ins Oval Office kompromittiert, wie demnächst im Rahmen der Untersuchungen des neuen Kongresses zu Tage gefördert wird.

  2. Fritz Madersbacher 10. Januar 2023 at 20:03Antworten

    Wie meine „Mitkommentatoren“ unten gut dargestellt haben, ist das WEF ein Werkzeug von vielen zur Aufrechterhaltung der US-amerikanischen Vorherrschaft über die Welt. Seine Pläne sind zum Scheitern verurteilt, wenn die Welt nicht mitspielt – und das ist offensichtlich in zunehmendem Maße der Fall …

  3. Heiko 10. Januar 2023 at 16:53Antworten

    Ernst Wolff stellt zwar meist die richtigen Fragen, aber liefert immer die falschen Antworten. Denn er will den Kapitalismus schön finden und behalten. Deshalb müssen immer bestimmte Personen oder Organisationen Schuld sein. Das ist demagogischer Personenkult. Alle Macht der Oligarchen und damit des WEF und Club of Rome generiert sich aus dem Privateigentum an Produktionsmitteln und dem damit verbundenen Profit. In dem Herr Wolff das nicht in Frage stellt, stellt er keine Gefahr für das Kapital dar und darf weiter publizieren. Auch das Buch „The Great Reset“ von Klaus Schwab war kein Fehler, denn die meisten Bundesbürger haben den Namen Klaus Schwab und WEF noch nie gehört und auch weder Lust noch Zeit, das zu ändern. Deshalb können diese Menschenfeinde auch so ehrlich sein. Es liest niemand. Wenn ein Buch von Max Otte mit 80 Tausend verkauften Exemplaren die Spiegel-Bestsellerliste anführt, dann ist das weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein.

  4. Peter Ruzsicska 10. Januar 2023 at 13:02Antworten

    Alle Bücher von Ernst Wolff kan man bestens weiterempfehlen – klar, deutlich, wahrhaftig tragen sie zum erhellenden Überblick des gegenwärtigen Geschehens bei, sowie beleuchten Herrschaftsverhältnisse wesentlich!

  5. Michael R 10. Januar 2023 at 10:52Antworten

    „Gekennzeichnet ist diese Phase der Weltpolitik durch rasch wachsende Entmachtung der westlichen Parlamente … “ – Gehe ich recht in der Annahme, dass das US-amerikanische Parlament dabei nicht zu den entmachteten zählt? – Das WEF ist eine von mehreren und uns allen bekannten Institutionen, die nur einem Zweck dienen, nämlich der Aufrechterhaltung und Stärkung der Macht der USA, oder umgekehrt, der Kontrolle und Unterdrückung der hörigen Vasallenstaaten. Beim WEF erhalten die Teilnehmer jährlich in angenehmer Umgebung die neuen Anweisungen, wie sie ihre Politik US-konform zu gestalten haben. Und um diesen Einfluss noch zu verstärken, werden zusätzlich noch „Influencer“ im Young Global Leaders Programm trainiert und dann in die Regierungen implantiert. Alle stecken unter einer Decke, über die Jahrzehnte hat man sich ganze Parteien und sonstige Organisationen, gerade solche aus dem pazifistischen und umweltschützenden Lager gekauft und sie für eigene Ziele umgedreht.

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