Die Politisierung der medizinischen Wissenschaft in der Corona-Krise und ihre Ursachen

11. Januar 2022von 28 Minuten Lesezeit

Es gibt viele Analysen über die Hintergründe der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Seit 2020 sind aber Medizin und ihre verwandten Disziplinen in den Vordergrund getreten. Eine Auseinandersetzung mit ihren Grundlagen fehlt. Dabei wäre das gerade jetzt für ihre Einordnung wichtig. Eine umfangreiche und fundierte Analyse unternimmt unser

Gastautor Prof. Dr. Dr. med. Adorján Kovács

Was ist und wozu dient Wissenschaft heute? Die bekannte Kritik Martin Heideggers beschränkte sich vor allem auf die Technik, während Max Horkheimers und Theodor Adornos Denunziation der aufklärerischen Vernunft als Rückschlag in Mythologie verräterisch nur zu einer Kritik von kapitalistischer Ökonomie und bürgerlicher Gesellschaft des Westens führte. Eine eigentliche Kritik von Wissenschaft als solcher bieten diese Autoren nicht. Der ungarisch-britische Chemiker und Philosoph Michael Polanyi (1891-1976) hat ein Werk hinterlassen, das im angelsächsischen Bereich von großer Wirkung ist. Typischerweise ist sein Werk nur sporadisch auf Deutsch übersetzt, gerade sein Hauptwerk Personal Knowledge: Towards a Post-Critical Philosophy (Chicago, 1958) ist es nicht. Der Grund ist sicherlich, dass Polanyi mit einer naiv „modernen“ positivistischen, mechanistischen Wissensvorstellung bzw. dem aus ihr entspringenden Zweifel an den Grundwerten der westlichen Zivilisation aufräumt und persönliches Urteil, Engagement und Glauben als Quellen des Wissens wiederherstellt. Das passt wenig in den aktuellen öffentlichen westlichen Diskurs, weshalb der Aufruf „Follow the science!“ im Zusammenhang der Corona-Krise hinterfragt werden muss: Which science?.

Der folgende Text besteht aus zwei Teilen: der erste behandelt unterschiedliche Auffassungen von Wissenschaft an sich (Polanyi und Hermann Schmitz versus Nikolai I. Bucharin und die heutige offizielle „Corona-Wissenschaft“), der zweite die Verletzung der methodischen Anforderungen an freie Wissenschaft (nach Robert Merton). Die Philosophien von Polanyi und Schmitz sind in Deutschland leider weitgehend unbekannt und können hier nur angedeutet werden, dürften aber dem Verständnis der heutigen Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit dienlich sein.

A)

I. Humanisierte reine Wissenschaft versus mechanistisch-totalitäre „Wissenschaft“

Polanyi vertritt unter anderem die These, „dass wir mehr wissen als wir zu sagen wissen“ (Polanyi 2016: 14). Dieses „implizite“ Wissen ist nicht mit dem Freudschen „Unbewussten“ identisch, sondern kann gestaltpsychologisch verstanden werden. Die Gestaltpsychologie geht von der primären Ganzheitlichkeit, Strukturiertheit und Dynamik seelischer Gegebenheiten aus; man nimmt mehr Ordnung, Strukturen, Qualitäten wahr als sich aus der Anordnung einzelner Sinneseindrücke ergeben. Reine wissenschaftliche Erkenntnis bleibt für Polanyi von höchster Wichtigkeit. „Implizites“ Wissen, resultierend aus der engagierten Beteiligung des Wissenschaftlers, bildet dazu lediglich eine Ergänzung und macht die Erkenntnis persönlicher, letztlich menschlicher und gibt der Wissenschaft einen Platz in einer integrierten Kultur der menschlichen Auseinandersetzung mit der Realität. Damit entlarvt Polanyi freilich das aufklärerische Ideal eines streng objektiven, restlos transparenten Wissens als Illusion. Wissenschaft beruht neben dem objektiv Gezählten und Gemessenen auf Tradition, Autorität, nicht hinterfragten Vorannahmen, metaphysischen Überzeugungen und persönlichen Entscheidungen. Diese Schicht des Wissens muss berücksichtigt werden, weil sie sich dem gewussten Wissen entzieht, das dann positivistisch und mechanistisch irregeleitet werden kann und so ein totalitäres Potential entwickelt.

Polanyi berichtet in seinem Buch Implizites Wissen von einer entscheidenden Begegnung:

„Philosophischen Fragen begegnete ich erstmals, als ich mit der sowjetischen Ideologie unter Stalin konfrontiert war, die dem Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis jede Legitimation absprach. Ich erinnere mich an eine Unterredung, die ich 1935 mit Bucharin in Moskau hatte. Obwohl er bald darauf gestürzt und drei Jahre später hingerichtet werden sollte, war er zu jenem Zeitpunkt noch einer der führenden Theoretiker der Kommunistischen Partei. Als ich ihn danach fragte, wie es in der Sowjetunion mit dem Streben nach reiner Wissenschaft bestellt sei, sagte er, reine Wissenschaft sei ein morbides Symptom einer Klassengesellschaft; im Sozialismus werde die Idee einer um ihrer selbst willen betriebenen Wissenschaft verschwinden, denn die Interessen der Wissenschaftler würden sich dann spontan auf die anstehenden Probleme des laufenden Fünfjahresplanes richten.

Ich war frappiert von der Tatsache, dass sich die Leugnung schon der bloßen Existenz unabhängigen wissenschaftlichen Denkens von einer sozialistischen Theorie herleitete, die ihre enorme Überzeugungskraft gerade dem Anspruch auf wissenschaftliche Gewissheit verdankte. Die wissenschaftliche Weltanschauung schien eine mechanistische Auffassung des Menschen und der Geschichte hervorgebracht zu haben, in der für die Wissenschaft selbst kein Platz mehr war. Zugleich sprach diese Auffassung dem Denken jedes Eigengewicht ab und entzog damit auch dem Anspruch auf Gedankenfreiheit jede Grundlage“ (Polanyi 2016: 13).

Polanyi beobachtete, dass dieses sacrificium intellectus auf einem „intensiven moralischen Bewusstsein“ beruhte, das mit einer vollkommen mechanistischen, völlig klaren materialistischen Geschichts- und Wissensvorstellung verbunden war: „Der mechanistische Ablauf der Geschichte sollte umfassende Gerechtigkeit mit sich bringen; wissenschaftliche Skepsis brauchte sich nur auf die materielle Notwendigkeit zu verlassen, damit alle Menschen Brüder würden“ (Polanyi 2016: 13f.). Das war genau die utopistische Klarheit, die, wie er erkannte, zu einem gefährlichen Fanatismus führen musste.

Einige Jahre später sieht der deutsche Philosoph Hermann Schmitz die Ursache für diese epistemologische Verengung (vor allem in seinem Hauptwerk System der Philosophie [Bonn, 1964-1980]) im ontologischen Rationalismus, der meint, die Ansprüche der Rationalität an die angewandte Methodik kritiklos auf die Realität ausdehnen zu können. Der rationalistische Komplexitätsbegriff nämlich nimmt Komplexität für jeden Fall hoher Anzahlen für sich in Anspruch. Doch ist nicht alles ohne Weiteres einzeln. Die realistische (und nicht rationalistische!) Betrachtung der Wirklichkeit ist phänomenologisch, das heißt sie macht deren situative Gehebenheit bewusst. Und Situationen sind nach Schmitz „chaotisch-mannigfaltige Ganzheiten“(Schmitz 2014: 47ff.), deren Elemente hinsichtlich Identität und Verschiedenheit unentschieden, also nicht zahlfähig, vorliegen. Darum sind sie „binnendiffus“ (Schmitz 2014: 47), sodass in ihnen nicht alles einzeln ist, das heißt, eine Anzahl um eins vermehrt. Die Realität ist demnach nicht komplett mathematisierbar. (Nicht umsonst hat sich Schmitz auch an der Gestaltpsychologie orientiert.) Situationen wiederum sind das, was das Subjekt in der realen Lebenserfahrung ständig antrifft, aber nicht ernst nehmen durfte, weil alle Tatsachen für die moderne Wissenschaft objektiv sein mussten. Schmitz gibt dem Subjekt aber die für es „subjektiven Tatsachen“ zurück, „die höchstens einer, nämlich der Betroffene, […] aussagen kann“ (Schmitz 2014: 31) – egal wie viel Andere wissen und wie gut sie sprechen können. Objektivität entsteht erst nach Abschälung ursprünglicher Subjektivität.

Die „Rationalitätsillusion“, wie Hintze (2018: 99ff.) den rationalistischen Komplexitätsbegriff nennt, von Nikolai Bucharin bestand in genau diesem simplifizierenden „Rationalismus der Sache“(Schmitz 1980: 202), in der mechanistischen Auffassung von der Wirklichkeit, der Schmitz den phänomenadäquaten Komplexitätsbegriff bei gleichzeitigem „Rationalismus der Methode“ entgegensetzt, ähnlich wie Polanyi zwar ohne Wenn und Aber reine Wissenschaft verfolgte, doch „implizites“ Wissen nicht unberücksichtigt lassen wollte. Ähnlich wie Polanyi nicht beabsichtigte, die reine Wissenschaft abzuschaffen, sondern sie menschlicher zu machen, betonte Schmitz, den Menschen ihr wirkliches Leben begreiflich und ihnen ihre unwillkürliche Lebenserfahrung zugänglich machen zu wollen, ohne auf wissenschaftliche Reinheit zu verzichten. Die klassische Auffassung von der unparteilichen, weltanschaulichen, neutralen, ergebnisoffenen und objektiven Wissenschaft wird damit beibehalten, aber humanisiert. Ihre Objektivität ist zwar bedingt und sie ist nur teilweise transparent, aber das kann durch die Berücksichtigung „impliziten“ Wissens und die Vermeidung eines falschen Rationalismus ausgeglichen werden.

II. Mechanistisch-totalitäre „Wissenschaft“ als politische Waffe

Man könnte meinen, das fatale aufklärerische Ideal des Wissens als Mittel zum Zweck sei schon seit der Renaissance in der utilitaristischen Parole des Barons von Verulam in dessen Meditationes sacrae (1597) ausgedrückt: „Nam et ipsa scientia potestas est.“ Doch dürfte der englische Begründer der quantitativ-mechanistischen Induktion noch nicht an politische Macht gedacht haben, ging es ihm doch in seinem Machtbegriff nur darum, zu verhindern, sich bei Unkenntnis der Ursache über die Wirkung zu täuschen. Aber der Weg war gebahnt. Was Aristoteles und die Scholastik noch als bloßes banausisches „Können“ gewertet hätten, wurde nun zum empiristisch ermittelten „Wissen“ und der Mensch zum Knecht von dessen rein im material Technischen befindlichen Zweck. Der Mensch wurde damit von sich selbst und seiner Freiheit weggeführt. Man musste dann nur noch etwas ruchloser sein, um den nächsten Schritt zu tun: zur seit Karl Marx erfolgten Kaperung der Wissenschaft als politischer Waffe. Damit sollte die Verteidigung des Wissens als Selbstzweck noch schwerer werden.

In der aktuellen Corona-Krise richten sich die Interessen der meisten medizinischen Wissenschaftler auf die anstehenden Probleme („Pandemie“), es handelt sich nurmehr um angewandte Wissenschaft; die Spontaneität ist dabei von ähnlicher Art wie von Bucharin angesprochen, nur kommen zum staatlichen Einfluss heute noch private Drittmittelgeber als Einflussfaktor hinzu. Diese Einseitigkeit wird offiziell fanatisch als moralisch alternativlos begründet; wer Kritik übt oder seinen Interessen eine andere Richtung gibt, wird als moralisch minderwertig eingestuft. Von Ergebnisoffenheit kann nicht gesprochen werden, wenn z. B. nur die Impfung und nicht etwa andere Therapien grundsätzlich auch eine Lösung darstellen können. Die Richtung der „Corona-Wissenschaft“ wird offiziell als eindeutig transparent hingestellt, weil „die“ Wissenschaft der Realität angeblich nur auf eine bestimmte, scheinbar komplett mathematisierbare Weise beikommt. Dies ist aber ein „Rationalismus der Sache“, der notwendig scheitern muss („Rationalitätsillusion“). Freie Wissenschaft ist gerade darum neutral und ergebnisoffen, weil in ihr Tradition, Autorität, nicht hinterfragte Vorannahmen, metaphysische Überzeugungen und persönliche Entscheidungen eine Rolle spielen dürfen.

Die beschriebenen subtilen, humanisierenden Korrekturen des geltenden „modernen“ Wissenschaftsbildes durch Polanyi und Schmitz können von den herrschenden globalen Kräften (BigTech und von ihnen abhängige NGOs samt supranationalen Organisationen wie UNO, WHO, IWF, WEF usw.) nicht akzeptiert werden, die sich theoretisch-ideologisch allesamt von der Aufklärung herleiten und am besten als „Milliardärssozialisten“ beschrieben werden können. Der erste Grund dafür ist, dass Wissenschaft ihnen nach wie vor, ja, sogar in verstärkter Weise Mittel zum Zweck ist als dies bei Francis Bacon und den Aufklärern der Fall war. Mit ihrer Wissenschaftsauffassung lehnen sie, um Polanyi zu wiederholen, diesen Grundwert der westlichen Zivilisation in Wirklichkeit ebenso ab wie das offene und kreative Denken oder die Gedankenfreiheit. Sie halten in einer vulgären Weise am überholten aufklärerischen „Ideal eines streng objektiven, restlos transparenten Wissens“ fest, weil sie nur gewusstes (nicht aber auch „implizites“) Wissen anerkennen und so dem „Rationalismus der Sache“ mit einem verkürzten Objektivitätsbegriff verfallen sind. Dass die von heutigen postmodernen und linken Theoretikern behauptete Verortung und Kontextbedingtheit des Wissens nur das ist, was sie sagen, nicht aber das, woran sie glauben, erkennt man leicht daran, dass sie keineswegs alle Positionen, also auch die „anders verorteten“, anerkennen, sondern an der Chimäre einer streng objektiven Wissenschaft festhalten, deren Ergebnis aber nur sie kennen. Man könnte hierin eine gnostische Komponente des „Milliardärssozialismus“ erkennen mit den globalen Eliten als den Erleuchteten. Sie behaupten deshalb, wie Bucharin, zu wissen, welchen Verlauf die Geschichte nehmen wird (Stichworte sind „Fortschritt“ und „Emanzipation“), weil für sie Wissenschaft nicht ergebnisoffen ist, sondern notwendige Ziele hat und sie Geschichte durch Wissenschaft in ihrem Sinn beeinflussen wollen. Deshalb politisieren sie die Wissenschaft.

Ulrich Hintze hat in seiner Theoria Politica Generalis, einem noch wenig bekannten zukünftigen Klassiker der Politologie, die prekäre Folge dieser Verbindung gezeigt:

„Alles ist politisierbar, gerade so wie alles wissenschaftsfähig ist. Wissenschaft ist politisierbar und Politik ist wissenschaftsfähig. Aber Wissenschaft von der Politik ist nicht selber Politik, ebenso wie politische Wissenschaft aufhört, Wissenschaft zu sein. In der Wissenschaft findet Politik ihr Gegenbild und man könnte sagen, dass Politik das ist, was nicht Wissenschaft ist“ (Hintze 2018: 231).

Sie schließen sich gleichsam aus, weil sie unter sämtlichen menschlichen Bindungen (außer der ihnen übergeordneten Philosophie) die umfassendste potentielle Anwendungsfähigkeit haben. „Ideal allerdings wäre, wenn der Mensch sich seiner philosophischen Erkenntnisaufgabe ausschließlich mit Hilfe der Wissenschaft ganz ohne politische Rücksichten widmen könnte. Durch den Einbruch des Politischen wird der Mensch aus einem prekären Paradies freier Erkenntnisarbeit verstoßen“ (Hintze 2018: 232).

Der zweite Grund ist, dass es den globalen „milliardärssozialistischen“ Playern gar nicht um Erkenntnis oder Wahrheit geht. Das muss man sich erst einmal klarmachen. Denn zunächst ist man, wie Polanyi, angesichts dieser Tatsache einfach nur „frappiert“. Der deutsche Philosoph Daniel von Wachter schreibt in einem Artikel zu den Motiven:

„Dass das Grundmotiv des Sozialismus nicht eine Theorie ist, darauf wies Marx selbst in einem vielzitierten Satz hin [elfte der Thesen über Feuerbach (1845); AK]: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.« Man muss diesen Satz nur genau lesen und die Sozialisten beobachten, dann versteht man den Sozialismus. Die vorgetragenen Theorien wie der Marxismus-Leninismus dienen gar nicht der Wahrheitssuche, sondern sie dienen dazu, die Welt in einer bestimmten Weise zu verändern“ (von Wachter 2019a: 27).

Überraschend häufig wird das auch heute zugegeben, ebenso wie dies Bucharin 1935 tat, weil offenbar geglaubt wird, dass ein politisierter Wissenschaftsbegriff noch etwas mit echter Wissenschaft zu tun habe. Dieser Glaube hat also auch nichts mit Josef Stalin und dessen angeblicher Abirrung vom wahrhaft sozialistischen Gang der Dinge zu tun, wie Abwiegler behaupten dürften, sondern ist genuin „links“. The issue is never the issue, the issue is always the revolution. Als Beispiel für eine in Zeiten fast unbeschränkter globaler Herrschaft der Neuen Linken politisierte und ideologisierte (Pseudo-)Wissenschaft von heute möge die Medizin im Zeichen der so genannten „Corona-Krise“ seit Ende 2019 dienen.

B)

I. Die politisierte medizinische „Wissenschaft“ in der Corona-Krise

Dafür soll nach Erörterung der unterschiedlichen Wissenschaftsauffassungen nun der „Rationalismus der Methode“ behandelt werden. In einem Essay im Magazin The Tablet reflektierte einer der weltweit führenden Epidemiologen, der Amerikaner John P. A. Ioannidis, über den Schaden, der den Normen der wissenschaftlichen Forschung zugefügt wurde, da die Politik sie während der Pandemie korrumpiert hat. Die spezifischen Normen, die Ioannidis meint, sind „die Mertonschen Normen des Kommunalismus, des Universalismus, der Uneigennützigkeit und des organisierten Skeptizismus“ (Ioannidis 2021).

Damit, fasst der amerikanische Philosoph Edward Feser in seiner Besprechung von Ioannidis‘ Artikel zusammen, „bezieht er sich auf eine einflussreiche Darstellung der wissenschaftlichen Methode, die der Soziologe Robert Merton vorgeschlagen hat (Merton 1942). Wissenschaft sollte in dem Sinne gemeinschaftlich sein, dass die Forschung allen Wissenschaftlern mitgeteilt und mit ihnen geteilt werden sollte. Sie sollte universell sein in dem Sinne, dass sie nach objektiven und unpersönlichen Kriterien beurteilt wird. Sie sollte in dem Sinne uneigennützig sein, dass die Forschung um ihrer selbst willen betrieben werden sollte und nicht, um eine politische Agenda oder persönliche Bereicherung zu fördern. Sie sollte skeptisch sein in dem Sinne, dass Wissenschaftler überprüfbare Behauptungen aufstellen und kritische Bewertungen ihrer Forschung begrüßen sollten“ (Feser 2021).

Es ist evident, dass diese Kriterien der wissenschaftlichen Methode in Summe ebenfalls einer Verabsolutierung der Wissenschaft entgegenstehen.

Merton hatte 1942 als abschreckendes Beispiel die Kaperung der Wissenschaft durch den nicht-marxistischen nationalen Sozialismus vor Augen. Wie konnte es in unseren Tagen wieder dazu kommen?

„Die durch die tödliche COVID-19-Pandemie ausgelöste Krise und die Reaktionen auf diese Krise haben bei Milliarden von Menschen weltweit ein akutes Interesse an der Wissenschaft und eine übermäßige Begeisterung für sie geweckt. Entscheidungen, die im Namen der Wissenschaft verkündet wurden, sind zu Schiedsrichtern über Leben, Tod und Grundfreiheiten geworden. Alles, was von Bedeutung war, wurde von der Wissenschaft beeinflusst, von Wissenschaftlern, die die Wissenschaft interpretieren, und von denjenigen, die auf der Grundlage ihrer eigenen Interpretationen der Wissenschaft Maßnahmen im Rahmen der politischen Kämpfe durchsetzen“ (Ioannidis 2021).

So Ioannidis. Und da es sich um eine vorwiegend medizinische Frage handelt, betrifft der Begriff „Wissenschaft“ hier die Medizin und ihre Unter- und Hilfsfächer der Virologie, der Epidemiologie, der Pharmakologie usw.

Völlig korrekt stellte Ioannidis fest, dass die Wissenschaft von der Politik vereinnahmt wurde für Zwecke, die sie gar nicht erfüllen kann. Wie unter Stalin soll sich die Wissenschaft wieder an politischen Vorgaben orientieren, damals einem Fünfjahresplan, der nicht funktioniert, heute der Impfausweis-basierten Überwachung aller Bewegungen der Menschen zum Zwecke einer autoritären öffentlichen Gesundheit bzw. „Volksgesundheit“, die nie erreichbar ist; zum Beispiel vernachlässigt eine allein an einer Pandemie ausgerichtete Politik alle anderen Erkrankungen, auch die, die weit schlimmere Folgen für die „Volksgesundheit“ haben. (Daher auch der neue Gruß „Bleiben Sie gesund!“, der alle anderen Krankheiten außer Covid-19 ausblendet, so als seien alle schon gesund, wenn man nur diese eine Krankheit nicht hat.) Ebensowenig kann ein sich ständig wandelndes Virus ausgerottet werden (Zero-Covid). Ein Machbarkeitswahn der Naturbeherrschung hat sich wieder durchgesetzt, wie er für alle Sozialismen typisch ist. Ganz offensichtlich herrscht derzeit wieder der oben beschriebene „Rationalismus der Sache“, der die eigentlich zu beachtenden Prinzipien der „Rationalität der Methode“ verdrängt und damit zu einem „Irrationalismus der Methode“ kommt, „der zu bauen vorgibt, wo der Boden aus Wolken besteht“ (Schmitz 1980: 202). Auffällig ist ferner die erneut aufgestellte Dichotomie von „gut“ (Lockdown, Impfen mit experimentellen Wirkweisen) und „böse“ (Bestehen auf Grundrechten, Impfen mit klassischen Wirkweisen, ambulante medikamentöse Behandlung), die zu einer moralisierenden und damit völlig unwissenschaftlichen Sichtweise des Problems mit der absoluten Ablehnung der „bösen“ Positionen geführt hat.

Die wissenschaftlichen Ideale der Unparteilichkeit, weltanschaulichen Neutralität, Ergebnisoffenheit und Objektivität werden damit unter anderem aus moralischen Gründen abgelehnt. Polanyis Erstaunen über ein „intensives moralisches Bewusstsein“, das „umfassende Gerechtigkeit“ erreichen wollte, ist heute wieder angebracht. Dass die Impfung als alleinige Lösung für die Corona-Krise aufgrund einer Lösungssuche unter Einsatz „wissenschaftlicher Skepsis“ angestrebt werde, ist ebenso vorgetäuscht: Von der Aufklärung herkommende Theoretiker wie Bucharin oder heutige Praktiker wie die regierungsamtlichen „Corona-Wissenschaftler“ geben „die Vernunft als das einzig Wirkliche (Hegel) oder das immer Beste (Platon) aus“ (Schmitz 1980: 202), woraus der sie kennzeichnende totalitäre Optimismus des Vertrauens auf die „materielle Notwendigkeit“ (Alternativlosigkeit) der angestrebten Ziele resultiert, der mit echter wissenschaftlicher Skepsis gerade nicht zusammengeht. Im Fall der Corona-Pandemie ist es die offensichtliche Tatsache, dass alle Maßnahmen von Anfang an auf die Impfung möglichst aller Menschen hinausliefen, wie das Angehörige der globalen BigTech-Elite schon vor, spätestens am Beginn der Pandemie gefordert hatten (Gates 2020), ohne alternative Lösungsansätze wie eine ambulante Therapie oder den „schwedischen Weg“ überhaupt in Erwägung zu ziehen. Sie allein wissen, was gut ist; sie wissen insbesondere, was für alle Anderen gut ist; sie setzen das, was gut ist, auch unter Einsatz von Gewalt durch. Diese destruktive, im schlechtesten Sinne humanistische Haltung offenbart, welcher politischen Richtung die Befürworter unabhängig von ihrem persönlichen Reichtum dienen, nämlich der Linken. Leider haben auch nominell liberale und konservative Parteien diese Haltung übernommen.

Das Prinzip des Kommunalismus wurde laut Ioannidis verletzt:

„Der Rückzug einer viel beachteten Hydroxychloroquin-Studie aus der Zeitschrift The Lancet war ein erschreckendes Beispiel: Ein Mangel an Austausch und Offenheit ermöglichte es einer führenden medizinischen Fachzeitschrift, einen Artikel zu veröffentlichen, zu dem 671 Krankenhäuser angeblich Daten beisteuerten, die nicht existierten, und niemand bemerkte diese völlige Fälschung vor der Veröffentlichung. […] Die derzeit heißeste wissenschaftliche Debatte in der Öffentlichkeit – ob das COVID-19-Virus das Produkt der natürlichen Evolution oder ein Laborunfall war – hätte […] durch China leicht beigelegt werden können: Die Öffnung der Laborbücher des Wuhan Institute of Virology hätte die Bedenken sofort zerstreut“ (Ioannidis 2021).

Zu den fragwürdigen Methoden, die durch unterbliebenen Austausch als Grundlagen politischer Entscheidungen etabliert werden konnten, zählen der als Kriterium für einen Corona-„Fall“ ungeeignete, da auch eine klinisch irrelevante Viruslast messende und völlig gesunde Personen einbeziehende, PCR-Test und die vollkommen unbrauchbaren Inzidenzen, die nur bei einem repräsentativen Testkollektiv sinnvoll wären.

Der Universalismus wurde verletzt:

„Die Pandemie führte scheinbar über Nacht zu einer erschreckenden neuen Form des wissenschaftlichen Universalismus. Jeder machte COVID-19-Wissenschaft oder kommentierte sie. […] Auf den ersten Blick war dies eine beispiellose Mobilisierung von interdisziplinären Talenten. Die meisten dieser Arbeiten waren jedoch von geringer Qualität, oft falsch und manchmal höchst irreführend. Viele Menschen ohne technisches Fachwissen wurden über Nacht zu Experten, die mit Nachdruck die Welt retten. Als sich diese falschen Experten vermehrten, wurden evidenzbasierte Ansätze – wie randomisierte Studien und die Erhebung genauerer, unvoreingenommener Daten – häufig als unangemessen, zu langsam und schädlich abgetan. Die Geringschätzung zuverlässiger Studiendesigns wurde sogar gefeiert. […] Neben tausenden von soliden Wissenschaftlern erschienen auch frischgebackene Experten mit fragwürdigen, irrelevanten oder nicht vorhandenen Referenzen und fragwürdigen, irrelevanten oder nicht vorhandenen Daten. Soziale Medien und Mainstream-Medien haben dazu beigetragen, diese neue Art von Experten hervorzubringen. Jeder, der kein Epidemiologe oder Spezialist für Gesundheitspolitik war, konnte plötzlich als Epidemiologe oder Spezialist für Gesundheitspolitik von Reportern zitiert werden, die oft wenig über diese Bereiche wussten, aber sofort wussten, welche Meinungen wahr waren. Umgekehrt wurden einige der besten Epidemiologen und Gesundheitspolitiker Amerikas von Leuten als ahnungslos und gefährlich verleumdet, die sich für geeignet hielten, wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten pauschal zu bewerten, ohne die fraglichen Methoden oder Daten zu verstehen“ (Ioannidis 2021).

Der letzte Satz des Zitats spielt auf die unrühmlichen so genannten Faktenchecker an, die meist fachlich inkompetente Journalisten sind. Die Rolle der Medien ist überhaupt eine beschämende: Sie vereinfachen die Aussagen der Wissenschaft. Was die Menschen wissen, ist daher nicht das, was die Wissenschaftler tatsächlich gesagt haben, vielmehr das, was Politiker und Journalisten über die Aussagen der „Wissenschaft“ behauptet haben. Ständig wird uns gesagt, wir sollen „der Wissenschaft folgen“, aber was wir zu hören bekommen, ist nicht die Wissenschaft selbst, sondern die Wissenschaft, wie sie sich im Zerrspiegel der modernen Medien widerspiegelt. Manche Inhalte widerstreben eben einer simplifizierenden Popularisierung, die, wenn auch noch eine wissenschaftliche Meinung bevorzugt wird, eine propagandistische Note bekommt.

„Die Uneigennützigkeit hat schwer gelitten“, schreibt Ioannidis.

„In der Vergangenheit versuchten Einrichtungen mit Interessenkonflikten meist, ihre Ziele zu verbergen. Während der Pandemie wurden dieselben mit Interessenkonflikten behafteten Einrichtungen zu Helden erklärt. So produzierten beispielsweise die großen Pharmaunternehmen nützliche Medikamente, Impfstoffe und andere Dinge, die Leben retteten, obwohl bekannt war, dass ihr Hauptmotiv der Profit war und ist“ (Ioannidis 2021).

So wurde und wird ausgerechnet der Vorstandsvorsitzende, der für die Herstellung von Impfstoffen verantwortlichen Firma BioNTech als „Experte“ befragt, wieviele Impfungen für eine ausreichende Immunisierung notwendig seien. Wenn es einen Interessenkonflikt gibt, dann bei ihm. Mittlerweile ist er schon bei vier Impfungen angelangt, ohne die man gegen Covid-19 nicht „geschützt“ sei, was nicht das Ende seiner Empfehlungen sein dürfte.

„Während der Pandemie wurden vorher gängige Forderungen nach besserer medizinischer Evidenz für die Wirksamkeit oder Fragen nach unerwünschten Nebenwirkungen plötzlich mit Bannfluch belegt […] Andere potenziell mit Interessenskonflikten belastete Unternehmen wurden zu den neuen gesellschaftlichen Regulierern und nicht zu denjenigen, die man regulierte. Große Technologieunternehmen, die durch die Veränderung des menschlichen Lebens während des Lockdowns einen kumulierten Marktwert von Billionen von Dollar erzielten, entwickelten mächtige Zensurmechanismen, die die Informationen, die den Nutzern ihrer Plattformen zur Verfügung standen, verzerrten. Berater, die Millionen von Dollar mit der Beratung von Unternehmen und Regierungen verdienten, erhielten prestigeträchtige Positionen, Macht und öffentliches Lob, während unbefangene Wissenschaftler, die pro bono arbeiteten, es aber wagten, die herrschenden Narrative infrage zu stellen, als mit Interessenskonflikten behaftete Leute verleumdet wurden“ (Ioannidis 2021).

Es handelt sich also um die Unterdrückung oder das Verschweigen von wissenschaftlichen Ergebnissen, die nicht der amtlichen Regierungspolitik entsprechen. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, die originalen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu finden, zu lesen und richtig zu interpretieren. Worauf sie ihre Meinungen gründen, ist leider nur das, was die modernen Medien ihnen vorsetzen oder vorsetzen dürfen. Das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das Zensurmaßnahmen auch bei Informationen zu Covid-19 an private Unternehmen abtritt, ist ein schlagendes Beispiel. Dass eine führende deutsche Zeitung einen renommierten Wissenschaftsphilosophen, Mitglied der Leopoldina, argumentelos als „instinktlosen Nestbeschmutzer“ beschimpfen durfte (Müller-Jung 2021), weil er im Gegensatz zu seinen Kolleginnen und Kollegen bei den Lockdowns an die Unverhandelbarkeit von Grundrechten und die Verhältnismäßigkeit als Voraussetzung von staatlichen Zwangsmaßnahmen erinnert hat, ist ein weiteres.

„Der organisierte Skeptizismus wurde als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit angesehen. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Denkschulen, der autoritären öffentlichen Gesundheit und der Wissenschaft – und die Wissenschaft verlor“, stellt Ioannidis (2021) fest.

„Ehrliches, kontinuierliches Hinterfragen und die Erkundung alternativer Wege sind für eine gute Wissenschaft unerlässlich. In der autoritären (im Gegensatz zur partizipatorischen) Version der öffentlichen Gesundheit wurden diese Aktivitäten als Verrat und Fahnenflucht angesehen. Das vorherrschende Narrativ war, dass »wir uns im Krieg befinden«. Im Krieg hat jeder Befehle zu befolgen. Wenn ein Zug den Befehl erhält, nach rechts zu gehen, und einige Soldaten das Manöver nach links erkunden, werden sie als Deserteure erschossen. Wissenschaftliche Skepsis musste erschossen werden, ohne Fragen zu stellen. Die Befehle waren klar“ (Ioannidis 2021).

Und Ioannidis fasst zusammen:

„Die Politik hatte einen schädlichen Einfluss auf die Pandemiewissenschaft. Alles, was ein unpolitischer Wissenschaftler sagte oder schrieb, konnte als Waffe für politische Ziele eingesetzt werden. Wenn man Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit wie Masken und Impfstoffe mit einer Partei verbindet, eine politische oder andersgeartete Partei, dann befriedigt das die Anhänger dieser Gruppierung, verärgert aber die gegnerische Gruppierung. Dieser Prozess untergräbt die breite Akzeptanz, die für die Wirksamkeit solcher Maßnahmen erforderlich ist. Politik im Gewand der öffentlichen Gesundheit hat nicht nur der Wissenschaft geschadet. Sie hat auch die partizipatorische öffentliche Gesundheit, bei der die Menschen befähigt und nicht verpflichtet und gedemütigt werden, zunichte gemacht. Ein Wissenschaftler kann und sollte nicht versuchen, seine Daten und Schlussfolgerungen auf der Grundlage der aktuellen Doktrin politischer Parteien oder der aktuellen Temperaturanzeige der Stimmung in den sozialen Medien zu ändern. […] Daten, Sätze und Interpretationen [werden] aus dem Kontext gerissen und als Waffe eingesetzt. Ein und derselbe unpolitische Wissenschaftler kann an einem Ort von linken Kommentatoren und an einem anderen von Alt-Right-Kommentatoren angegriffen werden. Viele exzellente Wissenschaftler waren in diesem Chaos zum Schweigen genötigt. Ihre Selbstzensur war ein großer Verlust für die wissenschaftliche Forschung und die Bemühungen um die öffentliche Gesundheit“ (Ioannidis 2021).

II. Entlarvende Widersprüche in der herrschenden Wissenschaftsauffassung

Besonders erhellend ist der eklatante Widerspruch, der zwischen dem aktuellen Beharren auf einer abstrakten Rationalität beziehungsweise einer angeblich wissenschaftlich fundierten absoluten Wahrheit und jenen Verlautbarungen besteht, die von der heutigen postmodernen Wissenschaftstheorie bei jeder anderen Gelegenheit (außer noch auf dem Feld des Klimawandels) geäußert werden und die folgendermaßen zusammengefasst werden können – hier zitiert nach dem vielfach neuaufgelegten Band Methoden der empirischen Sozialforschung:

„Jeder Aspekt der Unternehmung ,Wissenschaft’ kann nur durch seinen lokalen und kulturellen Kontext verstanden werden; auch Naturgesetze sind soziale Konstruktionen; wissenschaftliche Theorien sind gleichberechtigte ‚Texte’ oder ,Geschichten’ neben anderen; da vermeintliche Tatsachen keine eindeutigen Aussagen über wissenschaftliche Ergebnisse ermöglichen, kann über die Wahrheit von Sätzen nicht innerhalb von ‚Wissenschaft’ entschieden werden; da es keine objektive Wissenschaft geben kann, ist es umso wichtiger, explizite Ziele ‚emanzipatorischer Wissenschaft’ in den Prozess wissenschaftlicher Forschung aufzunehmen“ (Schnell/Hill/Esser 2011: 108).

Hinter den so genannten „postmodernen Ansätzen“ verbirgt sich kaum verhüllt die oben beschriebene mechanistisch-totalitäre Wissenschaftsauffassung. Denker wie Jean-François Lyotard, Jacques Derrida, Michel Foucault hatten die Falsifizierung der marxistischen teleologischen Ideologie durch den Untergang der Sowjetunion mit einer taktischen 180-Grad-Wende beantwortet: statt offener Teleologie nun behaupteter Relativismus. Die alte mechanistische Wissenschaftlichkeit wurde damit scheinbar flexibilisiert, aber nicht im Sinne Polanyis oder Schmitzens, die die geltenden Wissenschaftsnormen beibehielten und eben nicht zum postmodernen Relativismus gelangten: Der Rationalismus der Methode muss in der Wissenschaft natürlich beibehalten werden.

Nichts könnte falscher sein als in den durchaus kritischen Korrekturen des „modernen“ Wissenschaftsbilds durch Polanyi und Schmitz Relativismus zu sehen. Denn der Anspruch auf Wahrheit wird aufrechterhalten. Nicht so beim Postmodernismus, „der ruft: »Es gibt keine Wahrheit!« oder »Wahrheit ist ein Herrschaftsinstrument!« Die Äußerungen der Postmodernisten dienen nicht der Wahrheitssuche, sondern der sozialistischen Veränderung der Welt“ (von Wachter 2019: 27). Der Widerspruch, Wahrheit als Herrschaftsinstrument zu denunzieren, selbst aber „die Wahrheit“ für sich in Anspruch zu nehmen, um eigene politische Positionen durchzusetzen, ist typisch für Sozialisten. Es handelt sich um ein rein funktionales Verständnis wissenschaftlicher Wahrheit, das der Erlangung und dem Erhalt von Macht dient.

Die postmoderne Leugnung wirklich objektiver, also freier und reiner Wissenschaft ist nichts Anderes als die Wiederkehr des Marxschen „Klassenstandpunkts“ („das Sein bestimmt das Bewusstsein“), nur dass diesmal vom „lokalen und kulturellen Kontext“ die Rede ist; über die „Wahrheit von Sätzen“ entscheidet heute nicht die Übereinstimmung mit den „Problemen des laufenden Fünfjahresplans“, sondern das Ausmaß der Förderung der menschheitlichen „Verbrüderung“, erkennbar am angestrebten „egalitaristischen“ Gehalt einer allgemeinen „Volksgesundheit“, im Fall der Corona-Krise also die politische Durchsetzung einer Impfung von 100% der Menschen, die nur noch als Geimpfte und Überwachte rechtlich gleich und im vollen Besitz der Menschen- und Bürgerrechte sein können, was wie alle Ziele der Sozialisten als „fortschrittlich“ angepriesen wird, aber in Wahrheit natürlich eine autoritäre Zumutung ist. Doch ist politisierte Wissenschaft ohnehin keine Wissenschaft mehr. Im Grunde hat sich bei den Sozialisten also hinsichtlich der positivistischen und mechanistischen Wissenschaftsauffassung nichts geändert. Auch ist die materialistische nur durch eine moralische Teleologie ersetzt worden und der erkenntnistheoretische Relativismus endet bei jeder Kritik an den politischen Maßnahmen, die mittlerweile zum Machtmittel des Staats und totalitär geworden sind.

Interessant ist ein weiterer Widerspruch bei den Sozialisten im Zusammenhang ihres „wissenschaftlichen“ Konzepts der so genannten Diversität, bei dem Minderheiten, die angeblich genauso benachteiligt, diskriminiert und marginalisiert sind wie Frauen, politisch gefördert, das heißt aber konkret: gesetzlich positiv diskriminiert werden sollen, also Lesben, Gay, Bisexuelle, Transgender, Queer, „people of color“, Migranten, Indigene und Kolonialisierte; dazu kommen noch „Postmigranten“, gemeint sind die Nachkommen von Migranten. Auch hier ist das (angeblich moralische) Prinzip gleichgeblieben: die „Berufung auf das Gute, auf Gerechtigkeit und auf Missstände, insbesondere mit der Behauptung, dass eine Gruppe von einer anderen unterdrückt werde“ (von Wachter 2019b: 1). Doch die hemmungslose mediale Hetze gegen die Minderheit der Ungeimpften und ihre Kriminalisierung war problemlos möglich und zeigte den eigentlichen Grund für die Diversitätspolitik: den reinen Machttrieb, dem die Minderheiten nur die nützlichen Idioten stellen. Um Minderheitenschutz als solchen geht es den Sozialisten überhaupt nicht. Wenn eine Minderheit nicht instrumentalisiert werden kann, darf sie offensichtlich unterdrückt werden. Bezeichnend war die Aussage eines sozialistischen deutschen Gesundheitsministers, wegen einer Weigerung, sich mit bestimmten Impfstoffen behandeln zu lassen, käme niemand ins Gefängnis. Darüber muss man also schon froh sein. Betreffende Menschen werden nur finanziell und sozial ruiniert.

III. Ziele des auch mittels politisierter „Wissenschaft“ angestrebten Sozialismus

Die wahren Ziele des auch von den Neuen Linken und ihren Helfern angestrebten Sozialismus sind ausweislich der regelmäßig erfolgten Handlungen bei allen bisher über 60 sozialistischen Machtübernahmen, also empirisch nachgewiesen, folgende: „die politische Machtergreifung und die Aufrichtung einer Parteidiktatur; die Unterdrückung oder Tötung der Gegner; Enteignung, ganz oder teilweise durch progressive Steuern, Abgaben und Erbschaftsteuer; Planwirtschaft oder Regulierung der Wirtschaft; Aufhebung oder Einschränkung der Vertragsfreiheit; weitgehende Eingriffe ins Privatleben; staatliche Erziehung und Einschränkung privater Bildungswege“ (von Wachter 2019b: 1). Die Politisierung der medizinischen Wissenschaft im Rahmen der Corona-Krise (und auch der Wissenschaften insgesamt, was aber nicht unser Thema war) ist ein weiterer Baustein in der Errichtung eines sozialistischen Systems, das aufgrund der Digitalisierung noch effektivere Überwachung und Unterdrückung ermöglichen wird, in Form eines „kybernetischen Sozialismus“ (Kunkel 2021: 9-86).

Teile dieses Artikels sind unter dem Titel „Die Linken sind die Feinde reiner Wissenschaft“ im Blog der Zeitschrift TUMULT erschienen.

Literatur

Francis Bacon (1597), Meditationes sacrae, Londini: Excusum impensis Humfredi Hooper.

Edward Feser (2021), Ioannidis on the politicization of science”. Erreichbar unter: http://edwardfeser.blogspot.com/2021/09/ioannidis-on-politicization-of-science.html. Auf Deutsch: „Ioannidis über die Politisierung der Wissenschaft“. Erreichbar unter: http://scholastiker.blogspot.com/2021/10/ioannidis-uber-die-politisierung-der.html?m=1; jeweils abgerufen am 13.12.2021.

Bill Gates (2020), „Bill Gates warned of a deadly pandemic for years — and said we wouldn’t be ready to handle it. CBS News. 19.3.2020“. Erreichbar unter: https://www.cbsnews.com/news/coronavirus-bill-gates-epidemic-warning-readiness/; abgerufen am 13.12.2021.

Ulrich Hintze (2018), Theoria Politica Generalis, Bad Schussenried: Gerhard Hess-Verlag.

John P. A. Ioannidis (2021), „How the Pandemic Is Changing the Norms of Science“. Erreichbar unter: https://www.tabletmag.com/sections/science/articles/pandemic-science. Auf Deutsch: „Wie die Pandemie die Normen der Wissenschaft verändert“. Erreichbar unter: https://www.achgut.com/artikel/wie_die_pandemie_die_normen_der_wissenschaft_veraendert; jeweils abgerufen am 13.12.2021.

Thor Kunkel (2021), „Der Weg der Maschine: Annäherungen an den kybernetischen Sozialismus“, Der Weg der Maschine: Annäherungen an den kybernetischen Sozialismus. Riskante Essays, Dresden: Edition Buchhaus Loschwitz, 9-86.

Robert K. Merton (1942), „The Normative Structure of Science”. Erreichbar unter: Robert K. Merton, The Normative Structure of Science (1942) (panarchy.org); abgerufen am 13.12.2021.

Joachim Müller-Jung (2021), „Nestbeschmutzer in der Natuonalakademie“, FAZ, 11.5.2021. Erreichbar unter: https://www.google.de/amp/s/m.faz.net/aktuell/wissen/der-querdenker-und-nestbeschmutzer-in-der-nationalakademie-17335955.amp.html; abgerufen am 13.12.2021.

Michael Polanyi (2016), Implizites Wissen, Frankfurt: Suhrkamp.

Hermann Schmitz (1980), System der Philosophie, Fünfter Band: Die Aufhebung der Gegenwart, Bonn: Bouvier.

Hermann Schmitz (2014), Kurze Einführung in die Neue Phänomenologie, 4. Aufl., Freiburg und München: Alber.

Rainer Schnell, Paul Hill, Elke Esser (Hrsg.) (2011), Methoden der empirischen Sozialforschung, 9. Aufl., München: Oldenbourg.

Daniel von Wachter (2019a), „Zerstörung des Wahren, Guten und Schönen: Analyse eines destruktiven Modells“, eigentümlich frei Nr. 191 (April), 26-29.

Daniel von Wachter (2019b), „Was ist das Grundmotiv der Achtundsechziger?“, Vortrag in Komorn am 10. Mai 2019, vierzehnseitiges Redemanuskript.

Bild von Mediamodifier auf Pixabay

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12 Kommentare

  1. Adorján Kovács 12. Januar 2022 at 12:01Antworten

    @Albrecht Stor
    12. Januar 2022 um 11:14 Uhr
    Im Grunde wiederholen Sie das, was ich im ersten Teil meines Beitrags ausführe. Also wo ist das Problem? Drücken Sie sich bitte nicht so allgemein aus („DIE Wahrheit“), denn dann muss ich annehmen, dass Sie von irgend einer höheren Wahrheit reden. (Diese wäre m. E. nicht esoterisch, sondern religiös, aber das ist nicht das Thema.) Ich stelle also fest, dass Sie nochmals bekräftigen, was ich oben mit „humanisierter“ Wissenschaft à la Polanyi und Schmitz gemeint habe.
    Übrigens: Ohne Worte, und manchmal auch viele Worte, geht es leider nicht.
    Vielen Dank für den Gedankenaustausch.

  2. Adorján Kovács 12. Januar 2022 at 11:51Antworten

    @Fritz Madersbacher
    11. Januar 2022 um 23:45 Uhr
    Sie sollten nicht einen bestimmten Begriff von „Sozialismus“ „retten“ wollen oder Anderen vorwerfen, sie würden „überkommene und erlernte Vorurteile“ haben. DAS führt nicht weiter. Gehen Sie bitte auf meinen Beitrag ein, denn um den geht es ja, und für den ist entscheidend, dass die Auffassungen der so genannten „Aufklärung“ und aller von ihr abgeleiteten Bewegungen (und das sind alles linke Bewegungen) zur Politisierung der Wissenschaft geführt haben, wie ich glaube, zeigen zu können. Vergessen Sie nicht, dass schon Diderot & Co. mit ihrer Enzyklopädie das Patent auf „objektive Wissenschaft“ hatten, d. h. ihr politisches Programm in ihrer „Wissenschaft“ versteckt haben. Seitdem gilt, wie ich oben schrieb, der irreführende Ruf: „Follow the science“! Auf Kant, der mit dem von Ihnen zitierten Spruch Leute wie Descartes und Leibniz als solche abqualifizieren wollte, die nicht selber denken, würde ich mich nicht berufen.

    • Fritz Madersbacher 12. Januar 2022 at 14:30Antworten

      @Adorján Kovács
      12. Januar 2022 um 11:51 Uhr
      Es wäre sicher sehr interessant, mit Ihnen über viele Dinge zu diskutieren, aber hier ist vielleicht nicht der geeignete Ort dafür. Interessant, Ihr Beziehen des Satzes von Kant auf Descartes und Leibniz, das höre ich so zum ersten Mal …

  3. Adorján Kovács 12. Januar 2022 at 11:03Antworten

    @Albrecht Stor
    12. Januar 2022 um 10:54 Uhr
    Ich weiß schon, worauf bzw. auf welche Wahrheit Sie hinauswollen (es gibt ja nur eine), aber die Wahrheit kann nicht im Widerspruch zur Vernunft sein. Dem sollten Sie sich nicht von vorneherein verweigern.

    • Albrecht Stor 12. Januar 2022 at 11:14Antworten

      zu Adorján Kovács
      12. Januar 2022 um 11:03 Uhr

      ??? Jetzt wird es auch noch esoterisch? Sie reden in Rätseln (die ich gar nicht entschlüsseln will).

      Ich meine mit „Wahrheit“ zB den Sachverhalt, dass die mechanistischen Wissenschaften einfach nicht die ganze Welt erklären können – weder heute noch jemals.

      Wenn man entsprechende Bücher liest oder Sendungen sieht, wird es aber so dargestellt wie wenn man ja schon 99% von allem wüsste und nur noch ein paar wenige Mosaiksteinchen etwas hin und her gerückt werden müssten, bis man das „ganze, korrekte Bild“ hätte.

      Das ist es, was ich mit „Wahrheit“ meine – und nichts irgendwie esoterisches, nur für Eingeweihte, „es gibt ja nur eine“, „Augenzwinker“, und so.

  4. Albrecht Storz 11. Januar 2022 at 14:37Antworten

    Technikbezogene, angeblich objektive Wissenschaft, also insbesondere die Naturwissenschaften, können nur messbares ins Kalkül ziehen. In einem mechanistisch-materiellen Weltbild gibt es nichts anderes als messbares Sein. Dass dabei mehr als die Hälfte dessen verloren geht, was wir ständig um uns herum erleben und wahrnehmen, ist zwangsläufig.
    Liebe, Solidarität, Sympathie, Empathie, Vertrauen, Kooperation, Gemeinschaft, Freundschaft, Gefühle, … – aber auch Bewusstsein, organisches Wachstum, Leben überhaupt, sind Existenztatsachen die Wissenschaft höchstens unzureichend erklären können – wenn überhaupt.

    Im Gegensatz zu vollmundigen Behauptungen in Zeitschriften, Wissenschaftssendungen und Büchern wissen wir nicht, wie Existenz, der Kosmos, Leben entstehen konnte, wie neugeborenes Leben lebendig wird, wie wir ein Bewusstsein, ja, Selbstbewusstsein besitzen können, fühlen und denken können, willensgesteuert Handeln können.

    Das uns per Schule und Medien immer mehr aufgezwungene, heute dominante Weltbild ist flach, traurig, arm, da es uns als denkende und fühlende Wesen auf pure Automaten reduzieren will. Leute wie Lesch, Yogeshwar Mai-Thi sind dessen Propheten.

    Jeder mit einem hauch Selbstachtung, Empathie für Mitmenschen und Mitlebewesen, mit einem Gespür für die Großartigkeit und in weiten Teilen auch Schönheit der Schöpfung wird sich nicht auf eine Reiz-Reaktions-Automaten reduzieren lassen – und muss dann zwangsläufig wissenschaftliche Erkenntnis als vielleicht partiell nützlich, aber letztlich immer defizitär ansehen.

    • Adorján Kovács 11. Januar 2022 at 20:26Antworten

      Vielen Dank für den Kommentar. Besonders der erste Absatz Ihres Kommentars bringt mich dazu, Ihnen Hermann Schmitz und dessen oben genannte „Einführung“ zur Lektüre zu empfehlen. Er will uns unser eigentliches Leben in seiner Subjektivität, unsere eigentliche Lebenserfahrung wieder philosophisch näher bringen. Das könnte Sie näher interessieren.

    • Albrecht Stor 12. Januar 2022 at 10:54Antworten

      zu Adorján Kovács
      11. Januar 2022 um 20:26 Uhr

      Danke für den Hinweis. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass zu viele Worte oft die Wahrheit eher verbergen als enthüllen. Leider verstehen sich Philosophen und Anverwandte („Intellektuelle“) oft dazu berufen, genau das zu machen: die Wahrheit unter Textungetümen zu verschütten.

      Nachher kann dann jeder bei der Textexerges herauslesen was er will.

      Tausend mal um den heißen Brei herumzureden macht nirgendwo irgend etwas besser.

  5. Fritz Madersbacher 11. Januar 2022 at 10:40Antworten

    Mit dem Thema „Sozialismus“ befindet sich der Autor dieser Ausführungen leider auf Kriegsfuß, sodass keine brauchbaren praktischen Schlussfolgerungen herauskommen. Die Voreingenommenheit ähnelt jener dem „Denk“-Käfig der „Pandemie“-Gläubigen, bei denen die Realität in das vorgegebene „Denk“-Schema eingezwängt wird. Dabei hätten es die Überlegungen von Ionannidis in sich, Nachdenken über die Funktionsweise kapitalistischer Gesellschaften anzuregen. Gerade im Widerstand gegen die laufende Pandemie-Diktatur sind wir gezwungen, gründlicher über unsere Stellung in dieser Gesellschaft und die daraus folgende Interessenslage nachzudenken, mit überkommenen und erlernten Vorurteilen kommen wir da nicht mehr weiter …

    • Rudolph 11. Januar 2022 at 14:32Antworten

      Der Einwand von Fritz Madersbacher ist zutreffend. Es hilft nicht weiter, alles in einen Topf zu werfen und das Kind mit dem Bade auszulöffeln: Stalin, Neue Linke, Milliardärssozialismus, SPD usw., usf.

    • Adorján Kovács 11. Januar 2022 at 20:10Antworten

      Vielen Dank für den Kommentar. Allerdings ist Kommentator Madersbacher ebenso wie Kommentator Rudolph den Sozialisten auf den Leim gegangen, die theoretisch viele Spektren zu haben behaupten, also bestimmte divergierende Aussagen machen, aber in ihren praktischen Handlungen und Ergebnissen erstaunlich übereinstimmen. Deshalb habe ich den letzten Absatz gebracht. Wenn Sie „Stalin, Neue Linke, Milliardärssozialismus, SPD“ nach ihren Handlungen und Ergebnissen untersuchen, werden Sie feststellen, dass alle ähnliche oder gar dieselben Ziele haben. Deshalb ist es gerechtfertigt, einen weiten Begriff von „Sozialismus“ zu verwenden, der Sozialdemokratie, Sozialismus, Kommunismus usw. umfasst, da das Phänomen recht besehen doch relativ homogen ist.

    • Fritz Madersbacher 11. Januar 2022 at 23:45Antworten

      @Adorján Kovács
      11. Januar 2022 um 20:10 Uhr
      „Deshalb ist es gerechtfertigt, einen weiten Begriff von „Sozialismus“ zu verwenden, der Sozialdemokratie, Sozialismus, Kommunismus usw. umfasst, da das Phänomen recht besehen doch relativ homogen ist“
      Kaum ein Begriff ist so zur Phrase verkommen und von seinen Gegnern und falschen „Anhängern“ missbraucht und verfälscht worden wie der Begriff „Sozialismus“. Karl Marx hat ihn nicht erfunden, aber sehr präzise definiert und nur in diesem Sinne verwendet, nämlich als Übergangsperiode der Umwandlung der kapitalistischen in eine klassenlose Gesellschaft. Das hat mit dem späteren „weiten Begriff“ von „Sozialismus“ wenig zu tun, den wir heute verwenden, aus Unwissen über Entstehung und Etymologie dieses Begriffs, dafür indoktriniert mit seiner Ablehnung, da wir uns ohnehin schon in der besten aller möglichen Welten befänden.
      Diese Illusion ist mittlerweile wieder einmal ziemlich brüchig, und wir sind aufgrund unserer mißlichen Lage gezwungen, darüber nachzudenken, wie es denn nun weitergehen soll und wie wir uns dabei verhalten sollen. Wir befinden uns mitten im Widerstand gegen Entwicklungen und Einrichtungen, die wir bisher hingenommen bzw. nicht als so problematisch angenommen haben, wie sie sich plötzlich entpuppt haben. Damit aber stellen sich gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, kulturelle, bildungsmäßige etc.etc.etc. Fragen neu, bei denen wir recht brav und konventionell die vorgefertigten Antworten dazu hingenommen haben. Jetzt gilt: „Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

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