Infektion mit SARS-Cov-2 schafft langfristige Immunität

Eine der Befürchtungen vieler Menschen in Bezug auf Covid ist, dass die Immunität, die sich nach der Infektion entwickelt, so kurzlebig ist, dass die Infektion einfach immer weiter geht und alle neu infiziert. Noch größere Unklarheit herrscht darüber, ob die Immunität von einer Infektion durch eine Impfung ergänzt und verbessert werden muss. Das ist unnötig, wird aber in Mainstream Medien unverzagt verbreitet. Da ein fundamentales Unverständnis über das Immunsystem herrscht, hole ich diesmal etwas weiter aus.

Es werden zwei Vermutungen kolportiert, die die Annahme der Kurzlebigkeit der natürlichen Immunantwort stützen soll. Die erste betrifft einige wenige Fälle von „Re-Infektion“, die in den Medien breit getreten wurden, obwohl praktisch alle diese Fälle beim zweiten Mal entweder völlig asymptomatisch oder nur sehr leicht symptomatisch waren – ein sicheres Zeichen dafür, dass sich das Immunsystem noch an Covid erinnert und sein Ding tut, um es zu stoppen.

Bekannt geworden sind 5 Fälle von derzeit rund 68 Millionen „bestätigten Fällen“. Das wäre also eine Chance von 1 zu 14 Millionen, schlechter als im Lotto den Haupttreffer zu landen. Die Chance auf Erkrankung nach der Impfung war in den klinischen Versuchen wesentlich höher. Bei 18.000 Geimpften erkrankten 8.

Die zweite Vermutung betrifft die Tatsache, dass Antikörper nach einer Infektion verschwinden. Dies beruht auf einem grundlegenden Unverständnis über die Funktionsweise des Immunsystems. Obwohl die aktiv Antikörper produzierenden Zellen nach einer Infektion abnehmen, sind diese Zellen (so genannte „Plasmazellen“) nicht für das Immungedächtnis verantwortlich. Diese Rolle wird von speziellen „Gedächtnis-B-Zellen“ übernommen, die im Körper schlummern und darauf warten, dass die Infektion wieder auftritt. Wenn die Infektion wieder auftritt, werden sie schnell aktiv und produzieren massenhaft neue Antikörper.

Falsche Behauptungen in den Medien

In einem Artikel, der heute in der „Die Presse“ erschienen ist, wird behauptet:

„Die Immunantwort nach einer Infektion hängt in hohem Maß vom Krankheitsverlauf ab und kann unterschiedlich ausfallen. Anders als bei einer Impfung, deren Dosisfindung auf eine starke Reaktion des Immunsystems abzielt.

Gleich vorweg: Auch von Covid-19 genesene Personen können (und sollen) sich ohne zusätzliches Risiko impfen lassen – unabhängig davon, ob sie Antikörper gebildet haben oder nicht. Eine Impfung schadet also in keinem Fall, darüber herrscht Einigkeit.“

Als potenziell Betroffener muss ich heftigst widersprechen: von Einigkeit kann keine Rede sein, Schäden sind sehr wohl zu erwarten. Ich bin zweifach labormedizinisch bestätigt immun, habe auch 10 Monate nach der Infektion noch eine starke T-Zellen Immunität und denke daher nicht daran mich den Gefahren einer Impfung auszusetzen.

Eine Impfung kann sogar ganz massiv schaden, die Nebenwirkungen entsprechen einer leichten bis mittleren Infektion. Und vor allem wissen wir nicht, ob es nicht wie bei Tieren durch die Impfung zur Antikörper-abhängigen-Verstärkung (ADE) kommt, die einen schwereren Verlauf bis hin zu Todesfällen verursacht. Vielfach nachgewiesen bei Corona-Impfungen an Katzen. Es ist falsch und unethisch gesunde Menschen einem unklaren und unüberschaubarem Risiko auszusetzen.

So funktioniert das Immunsystem

Covid gibt es nun schon länger als ein Jahr und wir erhalten allmählich recht gute Daten darüber, wie lange die Immunität nach der Infektion anhält. Auf MedRxiv liegt ein Vorabdruck über eine Studie vor, die versucht hat, ein tieferes Verständnis darüber zu erlangen, welche Art von Immungedächtnis nach einer Covid-Infektion produziert wird. Ich habe darüber bereits berichtet, vertiefe das jetzt aber nochmals. Zu der Studie gibt es eine Reihe positiver Stellungnahmen von Experten – mehr dazu ganz unten.

Bevor wir zu den Einzelheiten des Artikels kommen, müssen wir uns kurz dem Immungedächtnis widmen. Das Immungedächtnis ist die Fähigkeit des Immunsystems, sich nach einer Erstinfektion (oder Impfung) an einen Erreger zu erinnern und dadurch bei einer erneuten Infektion viel schneller und effektiver zu reagieren. Es wird durch drei Haupttypen von Zellen vermittelt. Die erste ist die bereits erwähnte Gedächtnis-B-Zelle, die im Grunde eine ruhende Version der Antikörper produzierenden Plasmazellen ist. Die zweite ist die „Gedächtnis-Killer-T-Zelle“, die eine ruhende Version der regulären Killer-T-Zelle (auch bekannt als CD8+ T-Zelle) ist. Killer-T-Zellen sind darauf spezialisiert, virusinfizierte Zellen zu finden und sie zu vernichten und damit eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die dritte ist die „Gedächtnis-Helfer-T-Zelle“, die neben vielen anderen Funktionen die Funktion der anderen Arten von Immunzellen reguliert. Sowohl Killer-T-Zellen als auch B-Zellen können erst dann vollständig aktiviert werden, wenn die T-Helferzellen aktiviert sind. Die zentrale Funktion der T-Helferzellen zeigt sich bei AIDS (Aquired Immune Deficiency Syndrome), einer Krankheit, die durch die Zerstörung der T-Helferzellen durch das Human Immunodeficiency Virus (HIV) verursacht wird – ohne die T-Helferzellen können andere Teile des Immunsystems nicht vollständig aktiviert werden, und das Immunsystem ist nicht in der Lage, effektiv zu funktionieren. Existieren bindende Antikörper, wie sie nach einer Impfung entstehen können, so ist es möglich, dass sie Viren in Zellen des Immunsystems einschleusen und dieses damit lahmlegen. Das ist genau das Problem bei Aids und warum das HIV so schwer zu besiegen ist.

B-Zellen werden deshalb B-Zellen genannt, weil sie im Knochenmark reifen, das B steht also für Knochenmark (Englisch: bone marrow). T-Zellen reifen in der Thymusdrüse, das T steht also für Thymus.

Auf der Seite der US-Behörde CDC liest sich das so:

„Wenn eine Person zum ersten Mal mit dem Virus infiziert wird, das COVID-19 verursacht, kann es mehrere Tage oder Wochen dauern, bis ihr Körper alle Instrumente zur Keimbekämpfung hergestellt und eingesetzt hat, die zur Überwindung der Infektion erforderlich sind.

Der Körper behält einige wenige T-Lymphozyten, so genannte Gedächtniszellen, die schnell in Aktion treten, wenn der Körper erneut mit dem gleichen Virus konfrontiert wird. Wenn die bekannten Antigene erkannt werden, produzieren B-Lymphozyten Antikörper, um sie anzugreifen.“

Zu ergänzen ist, dass es in den Schleimhäuten des Mund- und Rachenraumes noch eigene Abwehrmechanismen gibt, wie zum Beispiel native T-Zellen, sowie IgA, IgG und IgM Antikörper, die ohne weiteres mit einer geringeren Virenlast fertig werden können, ohne dass eine spezifische Abwehr aufgebaut werden muss.

So wurde die Studie aufgesetzt

Mit dieser Grundlage können wir uns den Ergebnissen der Studie zuwenden. 185 Personen mit bestätigtem Covid-19 wurden rekrutiert und Blutproben entnommen. 92% hatten keinen Krankenhausaufenthalt benötigt, so dass nur eine Minderheit eine schwere Erkrankung hatte. Das Alter der Teilnehmer variierte von 19 bis 81 Jahren. Die Blutproben wurden an mehreren verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten entnommen.

Die Ergebnisse der Studie basierten auf der Analyse des Blutes der Teilnehmer. 79% der Teilnehmer spendeten Blut nur zu einem einzigen Zeitpunkt, der von sechs Tagen bis zu mehr als sechs Monaten nach der Infektion reichte, während der Rest (21%) Blut zu mehreren Zeitpunkten abgab.

Mit anderen Worten, es handelte sich nicht wirklich um eine Längsschnittstudie, da die meisten Teilnehmer ihr Blut nur zu einem einzigen Zeitpunkt analysieren ließen, obwohl es einige Längsschnittdaten gab. 41 Teilnehmer stellten sechs Monate oder länger nach der Infektion Blutproben zur Verfügung, und dies ist wirklich die Gruppe, an der wir am meisten interessiert sind, da dies die Gruppe ist, die uns sagen kann, ob sechs Monate nach der Infektion noch ein gutes Immungedächtnis vorhanden ist.

Nun zu den Ergebnissen

Von den 54 Personen, die einen Monat nach der Infektion gemessen wurden, hatten 98% Antikörper. Von den 41 Personen, die sechs bis acht Monate nach der Infektion gemessen wurden, wiesen 90% Antikörper auf. Wie bereits erwähnt, werden Antikörper von Plasmazellen produziert, und obwohl die Antikörper im Blutstrom mit der Zeit abnehmen, wenn die Plasmazellen zu verschwinden beginnen, sollten noch viel länger Gedächtnis-B-Zellen vorhanden sein, die bei einer erneuten Infektion schnell aktiviert werden können.

Deshalb ist es wichtiger, sich anzusehen, was mit den Gedächtnis-B-Zellen geschieht als mit den Antikörpern, wenn man wissen will, wie lange der Körper die Fähigkeit behält, eine Antikörperreaktion auf eine Infektion einzuleiten. Was ist also mit den Gedächtnis-B-Zellen geschehen?

Die Prävalenz der Gedächtnis-B-Zellen nahm zu jedem Zeitpunkt, gemessen bis zu fünf Monate nach der Infektion, zu und erreichte dann ein stabiles Niveau. Es gab keine Anzeichen für einen Rückgang der Gedächtnis-B-Zellen nach der Fünf-Monats-Marke.

Als nächstes haben wir die Killer-T-Zellen. Einen Monat nach der Infektion wiesen 61% der Patienten nachweisbare Gedächtnis-Killer-T-Zellen auf. Nach sechs bis acht Monaten hatten 50 % messbare Killer-T-Zellen. Es war jedoch nur möglich, diese Zellen bei 18 Personen nach der Sechsmonatsmarke zu testen, so dass das Konfidenzintervall groß ist und es daher nicht möglich ist, genau zu sagen, wie der Verlauf zwischen der Einmonats- und der Sechsmonatsmarke war. Was sich jedoch sagen lässt, ist, dass ein großer Teil der Teilnehmer nach sechs Monaten noch messbare Killer-T-Zellen hatte.

Schließlich haben wir noch die Gedächtnis-Helfer-T-Zellen der 94% der nach einem Monat gemessenen Teilnehmer hatten messbare Helfer-T-Zellen. Bei denjenigen, die nach sechs bis acht Monaten gemessen wurden, lag diese Zahl bei 89% (auch hier basieren diese Daten auf nur 18 Personen).

Die Schlussfolgerungen

Seitens der Autoren gibt es dazu einige erklärende Statements von zwei Ko-Leitern der Studie:

„Diese Menge an Memory-Zellen würde wahrscheinlich verhindern, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen über viele Jahre hinweg mit einer schweren Erkrankung im Krankenhaus landet“ sagte Shane Crotty, Virologe am La Jolla Institute of Immunology.

Eine Infektion kann schnell genug beendet werden, so dass man nicht nur keine Symptome hat, sondern auch nicht infektiös ist“ so Alessandro Sette, Immunologe am gleichen Institut.

Aus dieser Studie ist klar ersichtlich, dass zum Zeitpunkt sechs bis acht Monate nach der Infektion ein signifikantes Immungedächtnis vorhanden ist. Sechs bis acht Monate nach der Infektion wiesen 90% der gemessenen Proben noch Antikörper und T-Helferzellen auf, die spezifisch für Covid-19 waren, und 50% hatten noch messbare T-Killerzellen. Wenn sich der Rückgang gegenüber den Ergebnissen dieser Studie linear über die Zeit fortsetzt, kann man davon ausgehen, dass die meisten Menschen nach der Infektion noch mindestens einige Jahre lang immun gegen Covid-19 sind.

Das hat auch die Studie aus Singapur gezeigt, die 17 Jahre nach einer SARS-1 Infektion noch gegen SARS-2 wirksame T-Zellen vorgefunden hat.

Das sagen Experten über die Studie

Im Science Media Centre finden solch folgende Einschätzungen:

Prof. Deborah Dunn-Walters, Professorin für Immunologie an der University of Surrey und Vorsitzende der Expertenberatungsgruppe der British Society for Immunology zu COVID-19 Immunologie, sagte:

„Dieser Preprint muss noch von Experten begutachtet werden, bringt aber aufregende Neuigkeiten. Das Immunsystem ist mehr als nur Antikörper im Blut und diese Autoren haben sorgfältig verschiedene Arten von Antikörpern und verschiedene Arten von Immun-Gedächtniszellen gemessen, um zu sehen, wie lange die Immunität anhält. Sie identifizieren bestimmte Arten von Gedächtnis-B-Zellen und Gedächtnis-T-Zellen, die sechs bis acht Monate nach der Infektion noch in guten Mengen vorhanden sind. Tatsächlich nahmen diese Zellen noch zwei oder drei Monate nach Auftreten der Symptome zu. Selbst wenn also die Antikörperspiegel im Blut sinken, stehen Zellen bereit, um bei Bedarf neue zu bilden.

Die Arbeit bestätigt, wie wichtig es ist, Gedächtnis-B-Zellen und Gedächtnis-T-Zellen zu untersuchen, um die Immunität zu beurteilen, und zeigt, nach welchen Arten von Gedächtniszellen man am besten sucht und wann man sie am besten findet. Sie gibt uns die Hoffnung, dass die Immunität gegen SARS-CoV-2 mehrere Jahre lang anhalten könnte.“

Prof. Stephen Evans, Professor für Pharmakoepidemiologie an der London School of Hygiene & Tropenmedizin, sagte:

„Diese Arbeit macht deutlich, dass es verschiedene Komponenten im Immunsystem gibt, die für die Bereitstellung der körpereigenen Antwort auf SARS-CoV-2 relevant sind. Sie zeigen, dass einige Komponenten in ihren Spiegeln über die bisher untersuchten Zeiträume relativ wenig abzunehmen scheinen. Einige Pessimisten haben sich auf den Rückgang der Antikörperspiegel konzentriert, aber es wurde oft darauf hingewiesen, dass sie nicht die einzige wichtige Komponente der Immunantwort sind.

Es gibt zwei wichtige Konsequenzen, wenn die Ergebnisse so sind, wie sie sagen. Erstens: Obwohl die meisten der hier beschriebenen Fälle eine milde Erkrankung hatten, sieht es so aus, als ob ihre Immunität gegen eine zweite Infektion recht hoch ist. Die meisten Infektionen führen zu einer leichten Erkrankung, vor allem bei Menschen mittleren Alters und jüngeren Menschen.

Zweitens ist es wahrscheinlich eine sehr gute Nachricht, dass Impfstoffe auch in der Lage sind, eine mehr als nur sehr kurzfristige Immunität zu verleihen. Das wissen wir noch nicht mit Sicherheit, aber es ist ermutigend“.

Dr. Alison Whitelegg sagte im Namen des Immunologie-Ausschusses der Association for Clinical Biochemistry and Laboratory Medicine (ACB):

„Im Gegensatz zu einigen Berichten über schwindende Antikörper erkennen die Autoren die tatsächlich Antikörper-produzierenden Zellen erst Monate nach der Infektion und stellen anhand der allgemeinen Immunantwort auf SARS-Cov-2 die Hypothese auf, wie eine erneute Infektion und die daraus resultierende Immunantwort aussehen würde – eine milde oder asymptomatische Infektion in der Allgemeinbevölkerung.“

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Anmerkung: In den Kommentaren unter vielen Artikeln finden sich interessante Informationen – lesen lohnt sich.

T-Zellen Immunität durch Infektion – Impfung überflüssig

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4 Kommentare zu „Infektion mit SARS-Cov-2 schafft langfristige Immunität

  1. Danke für diese anschauliche und gut verständliche Erklärung einiger Aspekte des Immunsystem. Wiederum ein Ansporn und Argument für das Führen einer differenzierten und übersichtlichen Diskussion zu Immunität und Impfung. Streng genommen könnten nachgewiesen Immune jetzt auf Masken und Abstandhalten verzichten.
    P.S.

  2. Geht es da um die selbe Studie. Gibt es in dem Artikel vielleicht noch Zusatzinformationen?

    https://www.corodok.de/unterschied-immunitaet-antikoerpern/

    Veröffentlicht am 11. Dezember 2020 von aa
    „Unterschied zwischen Immunität und Antikörpern wichtig“

    „In einem Artikel „Antikörperstudie belegt: Konstante, stabile Immunität“ erklärte Studienleiter Florian Deisenhammer in den OÖNachrichten am 8.12.:…“

    Falls nichts Neues bitte einfach ignorieren.

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