Viele Antikörper Studien liefern im Gegensatz zu der in Ischgl zu niedrige Werte

Die Bestimmung von SARS-spezifischen Antikörpern wurde längere Zeit als Möglichkeit angesehen um den Anteil an vergangenen Infektionen in der Bevölkerung zu bestimmen. Mittlerweile gibt es immer mehr Nachweise dafür, dass viele Ergebnisse massiv zu niedrig waren. Einen Hinweis darauf liefert auch die sorgfältige Studie der Universität Innsbruck in Ischgl.

In einem Editorial im British Medical Journal bewerten drei Wissenschaftler die Testmethoden und einige Ergebnisse von breiter angelegten Antikörper Studien und kommen zu dem Schluss, dass die Tests frühere milde Infektionen nicht erkennen. Die Studien haben recht unterschiedliche und teils wenig glaubwürdige Ergebnisse erbracht. So zum Beispiel die groß angelegte Studie in Spanien, die nur einen geringen Anteil zeigte, obwohl Spanien besonders breit betroffen war.

Dagegen hat eine Studie der schwedischen Karolinska Universität gezeigt, dass der Prozentsatz von Personen mit SARS-spezifischen T-Zellen um ein Vielfaches der mit Antikörpern übertraf. Das Immunsystem benötigt bei Personen ohne oder mit milden Symptomen offenbar keine Antikörper, zumindest nicht die IgG-Art im Blut.

Das Problem der Tests

Die Studien unterschätzen den Anteil an Antikörpern aus mehreren Gründen. Die Anforderungen an die Genauigkeit von Testmethoden, um Antikörperreaktionen auf leichte Infektionen zuverlässig nachzuweisen, werden keineswegs von allen am Markt befindlichen erfüllt. Von den 24 Diagnosetests, die in den USA ursprünglich für den Notfalleinsatz zugelassen wurden, berücksichtigen sechs der weitest verbreiteten Hochdurchsatztests nur ein weniger akkurates Merkmal.

Dazu kommt, dass die Tests zumeist an Menschen mit schweren Covid-19-Symptomen evaluiert wurden. Neuere Erkenntnisse beschreiben einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Antikörper Reaktionen und der Schwere der Krankheit. Dies bedeutet, dass die Schwelle für ein positives Ergebnis zu hoch sein kann, wenn die Testleistung nicht auch bei milden und symptomlosen Fällen bewertet wird, was dazu führt, dass Fälle in der Bevölkerung nicht erkannt werden.

Kritisch ist auch die verstrichene Zeit seit der Infektion. Ist diese zu kurz oder zu lange her, dann haben sich die Antikörper entweder nicht gebildet oder sind bereits wieder verschwunden.

Die Suche nach IgA Antikörpern

Einen sehr hohen Einfluss haben die getesteten Antikörper. Meist wird nur nach IgG und IgM Antikörpern im Blut gesucht. SARS-CoV-2 dringt in Zellen ein, die im Atmungstrakt, in der Hornhaut und im Magen-Darm-Trakt vorhanden sind. Dort ist aber IgA das vorherrschende Immunglobulin, das an diesen Schleimhautoberflächen aktiv wird und eine Reihe verschiedener Viren unschädlich machen kann. Für SARS-CoV-2 spezifische IgA-Antikörper wurden mittlerweile in verschiedenen biologischen Proben einschließlich Blut, Speichel und Muttermilch, nachgewiesen.

IgA Antikörper können früher als IgG und IgM nachgewiesen werden und bleiben für mindestens 38 Tagen bestehen. Das Editorial erwähnt dabei die Studie von Ischgl, bei der durch Forscher der Universität Innsbruck 1473 Personen, oder 79 Prozent der Einwohner, untersucht wurden. Es wurde sowohl nach IgA als auch nach IgG Antikörpern gesucht und 42,4 Prozent gefunden. Das war deutlich höher als bei bisherigen Studien gefunden wurde.

Bei einer repräsentativen Untersuchung in Luxemburg mit 1862 Probanden wurden bei 11 Prozent IgA-Antikörper aber nur bei 1,9 Prozent IgG nachgewiesen. Bei Spitalsbediensteten im UK wurden bei kombinierten IgA, IgG und IgM Untersuchungen bei 15 Prozent nur IgA gefunden.

Ein ähnliches Ergebnis wie in Luxemburg hat eine in dem Editorial nicht erwähnte Studie der Universität Zürich ergeben. Es wurde geschätzt, dass IgA Antikörper in den Schleimhäuten 5-mal so häufig sind wie die IgG Antikörper im Blut. Und damit auch eine 5-mal so hohe Durchseuchung stattgefunden haben muss.

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