
Internationale Kritik an EU-Altersverifizierungs-App: Kinderschutz als Vorwand für Zensur und globale Überwachung
Die EU-Kommission hat verkündet: Die „European Age Verification App“ ist „technisch fertig“ und soll in Kürze allen Bürgern zum Download bereitstehen. Ursula von der Leyen und Henna Virkkunen sprechen von einer „einfachen, kostenlosen Lösung“ mit „höchsten Datenschutzstandards der Welt“.
TKP hat bereits gestern darüber hier berichtet. Plattformen sollen damit angeblich endlich keine Ausreden mehr haben, um Kinder vor schädlichen Inhalten zu schützen. Parallel drängen immer mehr EU-Staaten auf Social-Media-Beschränkungen für Jugendliche. Doch die Kritik von Datenschützern, Bürgerrechtlern und Hunderten Wissenschaftlern ist vernichtend: Diese App schafft die technische Infrastruktur für das Ende der Anonymität im Internet – mit gravierenden Folgen für die Meinungsfreiheit und als Teil einer weltweiten Agenda zur Massenüberwachung.
Die App basiert auf dem EU Digital Identity Wallet (EUDI) und erlaubt es Nutzern, per Upload von Pass oder Ausweis ihr Alter nachzuweisen – angeblich „anonym“. Plattformen erhalten nur die Bestätigung „über 16“ oder „über 18“, ohne weitere Daten. Dennoch warnen Experten vor Hacks, Datenlecks, Überidentifizierung und einer beliebigen Erweiterbarkeit des Systems. Epicenter.works aus Österreich kritisiert bereits seit Monaten, dass solche Lösungen das Internet mir einem überwachten „Eingangstor“ versehen und enorme Risiken für Ausgrenzung, Diskriminierung und Meinungsfreiheit bergen.
Folgen für die Meinungsfreiheit: Anonymität stirbt, der Chilling-Effekt beginnt
Die schwerwiegendste Konsequenz ist das Ende der anonymen Internetnutzung. Wer künftig Foren, Social Media, Nachrichtenportale oder andere Plattformen nutzen will, muss sich ausweisen – oft mit biometrischen Merkmalen oder Ausweisdaten. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) warnt klar: Age Verification untergräbt die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Informationszugang für Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen.
Sie schafft unnötige Barrieren und verstößt gegen Grundrechte wie sie in der Europäischen Grundrechte-Charta verankert sind.
Das führt zu einem massiven Chilling-Effekt: Kritische Stimmen, Journalisten, Whistleblower oder Aktivisten werden zögern, sich zu identifizieren. In Ländern mit unterschiedlichen politischen Kulturen könnte das gezielt gegen unliebsame Inhalte eingesetzt werden – etwa LGBTQ-Themen in konservativen Staaten oder regierungskritische Debatten.
EDRi (European Digital Rights) betont: Alterskontorlle ist ein stumpfes Werkzeug, das bestehende Probleme nicht löst, sondern neue Risiken schafft und den Zugang zu legalen Inhalten einschränkt. Es trifft vor allem marginalisierte Gruppen und erhöht die Angriffsfläche für Datenmissbrauch.
Besonders alarmierend ist der offene Brief von 438 Sicherheits- und Datenschutzforschern aus 32 Ländern (März 2026). Sie nennen die Technologie „dangerous and socially unacceptable“. Ohne ausreichende Studien zu Nutzen und Schaden dürfe man keine großflächige Zugangskontrolle einführen. Die Systeme seien unsicher, leicht umgehbar (z. B. via VPN), fehleranfällig und könnten zur Zensur missbraucht werden: „Those deciding which age-based controls need to exist […] gain a tremendous influence on what content is accessible to whom“. (Diejenigen, die entscheiden, welche altersabhängigen Kontrollmechanismen erforderlich sind […], haben einen enormen Einfluss darauf, welche Inhalte für wen zugänglich sind.)
Millionen Menschen ohne Smartphone, ohne gültigen Ausweis oder ohne digitale Kompetenz – vor allem Ältere, Arme oder Migranten – drohen vom digitalen Raum ausgeschlossen zu werden. Die EFF spricht von einer neuen Ära der Überwachung, Zensur und Exklusion.
Die wahren Gründe für den weltweiten Push: Überwachungsinfrastruktur statt echter Kinderschutz
Warum dieser koordinierte globale Ansturm – von Australien über die USA, Großbritannien bis zur EU? Offiziell geht es um „Protect the children“. Die Realität ist eine andere. EDRi und EFF sehen darin den Versuch, systemische Probleme der Plattformen (süchtigmachende Algorithmen, mangelnde DSA-Durchsetzung) zu ignorieren und stattdessen ein neues Kontrollinstrument zu schaffen.
Epicenter.works formuliert es deutlich: Statt bestehende Gesetze wie DSGVO oder DSA konsequent durchzusetzen, wollen Gesetzgeber das gesamte Internet mit Altersgittern versehen. Einmal installiert, lässt sich das System per Update auf beliebige weitere Kontrollen ausweiten – von politischer Zensur bis hin zur vollständigen Identifizierung jedes Nutzers.
Der offene Brief der 438 Experten unterstreicht: Solche „global trust infrastructures“ sind technisch kaum sicher zu betreiben und konzentrieren Macht bei Regierungen und wenigen Tech-Konzernen. Sie ermöglichen Massendatensammlung (IDs, Biometrie, Verhaltensdaten) und machen Oppositionelle, kritische Recherche oder unzensierte Debatten leichter kontrollierbar. „This influence could be used to censor information and prevent users from accessing services.“ (Dieser Einfluss könnte dazu genutzt werden, Informationen zu zensieren und Nutzer am Zugriff auf Dienste zu hindern.) Genau das sehen wir bereits bei „Disinformation“-Regulierungen unter dem DSA.
Die Koordination ist kein Zufall: Während die EU die App vorantreibt, ziehen andere Länder mit ähnlichen Gesetzen nach. Die Wissenschaftler fordern daher einen Moratorium, bis Nutzen und Schäden wissenschaftlich geklärt sind. Stattdessen wird mit dem Kinderschutz-Argument eine Überwachungsinfrastruktur aufgebaut, die weit über Minderjährige hinausgeht.
Fazit
Die EU-Altersverifizierungs-App ist kein harmloses Kinderschutz-Tool. Sie ist der Einstieg in die Abschaffung der anonymen Internetnutzung und die Schaffung einer globalen Kontrollinfrastruktur. Die Kritik von EDRi, EFF, Epicenter.works und 438 führenden Forschern ist erdrückend: Sie schadet der Meinungsfreiheit, schafft neue Sicherheitsrisiken, schließt Menschen aus und löst die eigentlichen Probleme nicht.
Statt teurer, fehleranfälliger Altersgates brauchen wir konsequente Durchsetzung bestehender Regeln, Medienkompetenz und echte Alternativen wie gerätebasierte Lösungen ohne Identitätszwang. Solange das nicht geschieht, wird das digitale Gefängnis gebaut.
Widerstand ist möglich: Dezentrale Plattformen nutzen, VPNs einsetzen, Politiker mit den Fakten konfrontieren und die Originalquellen selbst lesen. Die Evidenz ist überwältigend – unsere Freiheit im Netz darf nicht unter dem Vorwand des Kinderschutzes geopfert werden.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Die App ist genauso wenig „kostenlos“, wie etwa die Nutzung von Fakebook „kostenlos“ ist. Der Endverbrauchte bezahlt, indem er die Hosen in vielerlei Hinsicht hinunterlässt. Und das hat gar nicht mal so viel mit dem ohnehin hohlen TamTam um den „Datenschutz“ zu tun. Man kann die Konzerne mit Fug und Recht kritisieren. Der Staat hat aber in diesem Bereich gar nichts verloren. Erstens weil das Anbieten technischer Werkzeuge keine staatliche Aufgabe ist. Und zweites, weil dort die „Zensur“ und die „Überwachung“ der US-Konzerne zur potentiell echt staatlichen wird. „Zensur“ der Konzerne, weil sie sowohl im technischen als auch im grundrechtlichen Sinn keine ist, sondern die nicht immer nur harmlose Verwaltung ihres angeeigneten Meta-Eigentums mittels „Nutzungsbedingungen“. „Überwachung“ ist es ebenso keine, zumal dafür jemand notwendig wäre, der persönlich überwacht. Massenhaft geht’s um automatisierte Verhaltensbeeinflussung und Mustererkennung. Ein technisches Eingangstor unmittelbar in staatlicher Hand ist jedoch ein Dammbruch. In Verbindung mit digitalem Zentralbankgeld der feuchte Traum aller totalen Träumer der Geschichte. Man braucht nicht auf das Beispiel von Jacques Baud und Co zu schauen, um zu erkennen, wohin das führt. Es reicht auch nicht, den Wahnsinn auf etwas unterbelichtete oder einfach naive HerrscherInnen zurückzuführen. Denn wenn diese Tools bald in die Hände des jeweils starken Mannes (von überzuckerten Pseudophilosophen in T-Shirt und Turnschuhen versus den „Anti-Christ“ gepusht, mit freundlicher Unterstützung von Tim und Struppi) kommen, wird’s richtig ernst zappenduster und es ist dann sehr schnell Schluss mit „gut gelaunt“.
Die EU ist kein Staat. Ganz abgesehen davon, dass ich die Konzentration meiner privaten Daten ablehne, nicht nur wegen dem gigantischen Missbrauchspontential (siehe „Grüner Pass“), kann ich garantieren: Nichts ist absolut sicher. PS: Wo sind eigentlich die Nutzungsbedingungen der Digitalen Brechstange eID einsehbar?
@,
sicherheit? die titanic hat es ja bewiesen :-))
hab ich vor vielen jahren meinem °°bankbetreuer°° gesagt,
als er mir auf biegen und brechen internetbanking aufschwatzen wollte.
wieso heisst das eigentlich betreuer? ich bin, glaube ich, nicht besachwaltet …..
„Ursula von der Leyen und Henna Virkkunen sprechen von einer „einfachen, kostenlosen Lösung“ mit „höchsten Datenschutzstandards der Welt“.“
Wenn ich nur den Namen von diesem ******* Stück ****** höre, könnte ich voll abkotzen.
Ich kapiere auch nicht, dass die Unternehmen nicht auf die Barrikaden gehen, denn wenn eine monströs kriminelle Instanz den Schlüssel zu allem hat und alles mitlauschen kann, sollte doch jedem mit einem Rest funkitionierenden Hirns klar sein, wo das endet.
Einer hat es perfekt auf den Punkt gebracht:
*** Ursula-in-the-middle-Attacke ***
Genau! Und wenn man weiß, für wen diese Kreatur tätig ist, dann weiß man hoffentlich auch, dass die Hütte bereits lichterloh brennt.
Danisch.de » Die Ursula-in-the-middle-Attacke? – https://www.danisch.de/blog/2026/04/16/die-ursula-in-the-middle-attacke/
@Redaktion
Dieser Kommentarbereich lässt sich mit aktiviertem VPN nur extrem schlecht, praktisch gar nicht nutzen – egal was eure Autoren sagen.
Die Ursache ist worldpress, dass von tkp genutzt wird.
Also bei tkp ist nichts anonym und die Aussage im Artikel „Widerstand ist möglich: Dezentrale Plattformen nutzen, VPNs einsetzen“ ist schlicht nicht möglich mit TKP/Kommentarbereich.
Ich füge hinzu, dass der Autor dieses Artikels mir das Problem in einem anderen, früheren Kommentar bestätigt hat und durch die wenigen Resourcen begründet sei, die es nicht erlaubten, Worldpress zu ersetzen.
Solange die Epstein Clique nicht
verhaftet wird, würde ich dem
nicht vertrauen.
Der Geheimdienst eines jeden Landes kümmert sich eigentlich um schädliche Internetseiten.
Dazu braucht eines keine App.
Wobei mich das Ganze wieder an den Film Der Herr der Ringe erinnert, Saurons Auge.
Die Nutzer werden ausweichen und sind dort noch höheren Risiken ausgesetzt. Nord-Korea wird Rechenzentren bauen. Die Möglichkeit zu Fake-IDs könnte Kinder erst Recht Vergewaltigern und Schadsoftware ausliefern.
In Zukunft sind solche Experten-Briefe Spionage, da sie geeignet sind, dem Ansehen Mekkas zu schaden. Wenn demnächst die FPÖ die Regierung stellt, ist auch jede Kritik an ihr untersagt, liebe SPÖ, habt ihr das bedacht?
Und eine Zugangsbeschränkung für alle Fake-News-Verbreiter könnte nach einem Wechsel auch die SPÖ treffen!
die spö verbreitet schon mindestens seit 1914 fake news –
die, die uns jetzt betreffen waren z.b.
der ederer tausender, der fachkraftimport, die schmutzimpfung,
die verteidigung der westlichen werte durch die ukraine usw. usf.