Sanktionen, Kriege, EU-Green-Deal haben die Gas-Speicher in den EU-Ländern geleert. Statt zum Beispiel die nach dem Terroranschlag auf Nord Stream noch intakte Röhre wieder in Betrieb zu nehmen, wird zum Sparen aufgerufen.
Die europäischen Gasfernleitungsnetzbetreiber haben vor erheblichen Versorgungsengpässen im kommenden Winter gewarnt. Laut dem am 8. Oktober 2026 veröffentlichten Winter Supply Outlook von ENTSOG (European Network of Transmission System Operators for Gas) könnte die EU bei einem strengen Kälteeinbruch in Kombination mit dem Ausfall einer wichtigen Importroute 12 bis 15 Prozent der Nachfrage nicht decken. Beide modellierten Szenarien gehen davon aus, dass kein russisches Pipeline-Gas mehr in die EU fließt.
Niedrige Speicherstände als Ausgangslage
Zum 1. Oktober 2026 lagen die europäischen Gasspeicher bei nur 72 Prozent Füllstand – gegenüber 83 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die EU-Kommission hat den Mitgliedstaaten bereits erlaubt, das Ziel bis zum 1. November auf 75 bis 80 Prozent statt der sonst vorgeschriebenen 90 Prozent abzusenken. Selbst in einem durchschnittlichen Winter könnte ein enger globaler LNG-Markt die Speicher bis März 2027 auf etwa 13 Prozent absinken lassen – nahe der technischen Untergrenze, ab der einige Speicher nicht mehr mit ausreichendem Druck liefern können.
Ursachen: Iran-Krieg, LNG-Markt und auslaufende Russland-Verträge
Die angespannte Lage hängt eng mit den Folgen des Iran-Kriegs zusammen. Die effektive Schließung der Straße von Hormus und Schäden an katarischen Verflüssigungsanlagen haben den globalen LNG-Markt verknappt. Asiatische Käufer konkurrieren verstärkt um US-Lieferungen, die mittlerweile die wichtigste LNG-Quelle der EU darstellen. Ab dem 1. Januar 2027 enden zudem die langfristigen Verträge für russisches LNG; Spotkäufe sind bereits verboten. Russland hatte 2025 noch etwa 14 Prozent der EU-LNG-Importe geliefert. Die EU nimmt mit ihrer Sanktionspolitik steigende Lebenshaltungskosten durch steigende Energiepreise in Kauf und frierende Bürger.
Ein härteres Szenario von ENTSOG kombiniert einen Ausfall der Europipe 2 (wichtigste Offshore-Pipeline aus Norwegen) mit einem vollständigen Stopp algerischer Importe. Besonders betroffen wären dann Zentral-, Ost- und Südosteuropa, wo lokalisierte Engpässe von bis zu 12 Prozent an Spitzentagen möglich sind. Die Infrastruktur für den Ost-West-Transport ist nicht überall ausreichend dimensioniert.
Kommission: System sei flexibel – aber Nachfrage senken
Die Europäische Kommission betonte nach einer Sitzung der Gas Coordination Group, das EU-Gassystem sei trotz niedriger Speicherstände ausreichend flexibel, um die Nachfrage im Winter zu decken. Gleichzeitig forderte Energiekommissar Dan Jørgensen die Mitgliedstaaten auf, Speicher weiter zu befüllen und den Gas- und Stromverbrauch zu drosseln. Vorgeschlagen werden unter anderem niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, Einschränkungen bei Außenheizungen und verbrauchssteuernde Tarife – bislang auf freiwilliger Basis. Europäische Kommission
Unabhängige Analysen, etwa des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA), kommen zu ähnlichen Schlüssen: Bei den aktuellen Speicherständen könnte die EU gezwungen sein, den Winterverbrauch um rund 7 Prozent (etwa 14 Milliarden Kubikmeter) zu senken. Energieintensive Industrieunternehmen, die zu Spotpreisen von rund 80 Euro pro Megawattstunde einkaufen, dürften erneut die ersten sein, die Produktion drosseln. (Euronews / IEEFA, OilPrice)
Der ENTSOG-Bericht ist die bisher düsterste saisonale Einschätzung seit dem Wegfall der russischen Pipeline-Lieferungen. Er zeigt, dass die europäische Gasversorgung weiterhin stark von Wetter, globalen LNG-Märkten und intakten Importrouten abhängt – und dass niedrige Speicherstände die Spielräume für den kommenden und den darauffolgenden Winter erheblich einengen.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
1 Kommentar
Ach ne! Wenn der Winter richtig kalt wird, haben die USA ein großes Problem nach dem Völkerrecht, dem ehemals besatzten Volk einen Neuanfang zu ermöglichen! Das wird richtig teuer werden! Diesem Volk auch noch die letzte Röhre abzunehmen zur weiteren Ausbeutung, ist…
Ich mag das garnicht formulieren… aber der gedankliche Stiefelabsatz zerquetscht das Insekt Ramstein.
Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.
Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu posten. Noch kein Konto? Jetzt registrieren.