
China kopiert ja nur?
Im Internet kursieren Diskussionen darüber, dass China nur kopiere, Wissen stehle und Menschen ausbeute. Nur deshalb könnten diese glitzernden Städte entstehen und die technologische Führerschaft in vielen Bereichen behauptet werden. Schauen wir uns das genauer an.
Es ist ein wiederkehrendes Muster der globalen Wirtschaftsgeschichte: Der Aufstieg einer neuen technologischen Supermacht beginnt selten mit einer genialen Neuerfindung, sondern mit einer Phase des rigorosen Lernens – und Ja, auch des Kopierens. Als die USA im 19. Jahrhundert zur Industriemacht heranreiften, bauten sie ihr Fundament auf der ungenierten Adaption britischer Dampf- und Textiltechnologie. Jahrzehnte später startete Japan seinen Siegeszug im Automobilbau, indem es deutsche und amerikanische Modelle akribisch zerlegte, nachbaute und optimierte. Nun ist China dran.
Heute erleben wir diesen Zyklus in seiner bisher gewaltigsten Dimension: China hat die Phase der „Werkbank der Welt“ längst hinter sich gelassen. Das Land kopiert nicht mehr nur; es entwickelt, verfeinert und macht es in vielen Schlüsselbereichen – von der E-Mobilität über die Photovoltaik bis hin zur Telekommunikation und künstlichen Intelligenz – schlichtweg besser als der Westen.
Was steckt dahinter, wie war das möglich?
Hinter diesem rasanten Aufstieg steckt mehr als nur fleißiges Engineering. Der entscheidende, oft übersehene Faktor ist das Gesellschafts- und Staatsmodell. Ein direkter Vergleich mit dem geografischen und demografischen Giganten Indien macht deutlich, warum China heute neben den USA die technologische Führungsmacht der Welt ist – während Indien diesem Status hinterherhinkt.
Das Duell der Giganten: China versus Indien
Um die Dimension zu verstehen, muss man zurückblicken: Mitte des 20. Jahrhunderts starteten beide Nationen unter ähnlich verheerenden Bedingungen. Sowohl die 1949 gegründete Volksrepublik China als auch das 1947 unabhängig gewordene Indien waren von Armut geprägte, tief traumatisierte Agrargesellschaften mit einer riesigen, weitgehend analphabetischen Bevölkerung.
Heute, gut 75 Jahre später, ist die Schere dramatisch auseinandergegangen. Während Indien im klassischen kapitalistischen System verharrte – geprägt von kolonialen Erbstücken, einer starren Klassen- und Kastengesellschaft und einem Fokus auf private Profitmaximierung –, schlug China einen radikal anderen Weg ein. Es war das spezifische, staatlich gelenkte System Chinas (oft als „Sozialismus chinesischer Prägung“ bezeichnet), das die gesellschaftlichen und technologischen Grundlagen für den heutigen Erfolg legte.
Das Fundament: Humankapital statt Profitmaximierung
Bevor ein Land Quantencomputer bauen kann, muss es seine Bevölkerung bilden. Hier liegt der erste fundamentale Unterschied:
- Chinas staatlicher Bildungs- und Gesundheitsfokus: Das quasi-kommunistische System Chinas trieb in den ersten Jahrzehnten unter enormen Anstrengungen die Alphabetisierung, die Frauenemanzipation und die ländliche Gesundheitsversorgung voran. Als sich das Land ab 1978 unter Deng Xiaoping wirtschaftlich öffnete, traf das ausländische Kapital auf eine gesunde, disziplinierte und grundgebildete Erwerbsbevölkerung.
- Indiens kapitalistisches Klassensystem: Indien setzte auf ein demokratisch-kapitalistisches Modell, versäumte es jedoch, die jahrhundertealten sozialen Barrieren des Kastensystems und der extremen Klassenunterschiede effektiv einzureißen. Während eine kleine, englischsprachige Elite exzellente Universitäten (wie die IITs) besuchte und den IT-Sektor boomte, blieb die breite Masse der Bevölkerung im informellen Sektor und ohne Zugang zu qualitativ hochwertiger Basisbildung gefangen.
Der staatliche Hebel: Strategische Lenkung vs kurzfristige Profite
Der entscheidende Vorteil des chinesischen Modells zeigt sich in der Fähigkeit zu langfristiger, strategischer Planung. Im reinen Kapitalismus fließt Kapital dorthin, wo es die schnellste Rendite abwirft. Das führt oft zu kurzfristigem Denken.
China hingegen nutzt die eiserne Hand des Staates, um Ressourcen gezielt in die Zukunft zu lenken:
- Massive R&D-Subventionen: Chinas Führung hat Forschung und Entwicklung (F&E) zur nationalen Überlebensfrage erklärt. Ob Halbleiter, Batterietechnologie oder Quantencomputing – der Staat pumpt astronomische Summen in Institute und Staatskonzerne, völlig unabhängig davon, ob diese Investitionen im nächsten Quartal Profit abwerfen.
- Der Schutz und die Nutzung des Binnenmarktes: China verstand es meisterhaft, ausländischen Konzernen den Zugang zu seinem riesigen Binnenmarkt nur gegen Technologietransfer zu gewähren. Gleichzeitig schuf der Staat durch Infrastrukturprogramme (wie das größte Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz der Welt) die logistische Basis, auf der heimische Tech-Giganten wie Huawei, BYD oder Xiaomi skalieren konnten.
Indien hingegen, gefangen in bürokratischen Hürden („Licence Raj“) und den Interessen mächtiger Wirtschaftsoligarchen, schaffte es lange Zeit nicht, eine vergleichbare industrielle Basis aufzubauen. Dem indischen Markt fehlte es an der staatlich koordinierten Schubkraft, um die Transformation von einer Agrar- und Dienstleistungsökonomie zu einer High-Tech-Industrienation zu vollziehen.
Fazit: Das System macht den Unterschied
Talent und die Fähigkeit zu lernen sind global gleich verteilt. Doch während der Westen oft argumentiert, dass technologischer Fortschritt zwingend an ein westlich-demokratisches, rein kapitalistisches System gekoppelt sein muss, liefert China den empirischen Gegenbeweis.
Ohne die kompromisslose, jahrzehntelange staatliche Förderung, die Beseitigung feudaler Gesellschaftsstrukturen und die strategische Nutzung des gigantischen Binnenmarktes stünde China heute wohl auf einer Stufe mit Indien: Ein Land mit enormem Potenzial, aber gelähmt durch extreme soziale Ungleichheit und technologische Abhängigkeit vom Ausland.
Am Ende zeigt die Geschichte: Wer kopiert, lernt. Wer aber ein System besitzt, das Ressourcen über Jahrzehnte hinweg stetig auf ein nationales Ziel ausrichten kann, der überholt die Lehrmeister von einst.
Kein Modell für alle, aber für viele Schwellenländer
Das chinesische Modell ist kein beliebig kopierbares Erfolgsrezept für alle Länder. Deutschland z.B. hatte nach dem Krieg das Erfolgsrezept der mittelständischen Industrie, welche durch Innovation, Ingenieurswissen und Fleiß im Kleinen tat, was China im großen macht. Da wäre die staatliche Planung als Bevormundung empfunden worden. Aber für viele Schwellenländer ist das Modell höchst attraktiv. Es ersetzt das Konzept, nach dem zunächst Diktatoren ein Land „fit gemacht“ haben müssen, wie in vielen Fällen in Asien beobachtet worden war, damit dann der Erfolg mit demokratischen Strukturen fortgesetzt werden konnte.
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China ist aufgestiegen, weil die USA die Industrieproduktion nach China als Werkstatt der Welt ausgelagert und sich zur Dienstleistungsgesellschaft gewandelt haben. Europa machts gerade nach.
Das war möglich und sinnvoll, weil China extrem billige Kohle hatte, mit der man die Produktion energetisch auch durchführen konnte. Es war sinnvoller, die fertigen Waren zu transportieren und Kredite, Design und Impfungen zurück zu schicken als die Kohle herumzufahren.
Mittlerweise ist Peak Coal überschritten, China muss Erdöl einführen und das Wachstum geht von 10% auf 3% zurück – und mit Hormus auf 1%.
Multipolarität bedeutet nicht, dass sich der Westen vom Affen aufgerichtet und emanzipiert bis zum glorreichen Trump entwickelt hat und nunmehr Mullahs und Chinesen in herem Freiheitskampfe die Krone der Schöpfung vollenden. Ich bin nicht überzeugt, dass der Mensch heute intelligenter ist als der Mensch vor 20.000 Jahren. Ich sehe gute Ingenieure und Denker in China wie in Indien, den USA, Russland, Lateinamerika und Europa und Blender und Betrüger ganz ebenso.
China hatte Kohle und Indien hatte es nicht. Deshalb ist China aufgestiegen. Intelligenz und Bildung ist eine Frage von Erdöl und Kohle und Dünger und Proteinen und Sicherheit und Ruhe, um zu lernen.
Multipolarität heisst, dass sich jeder Großraum auf seinen Kontinent zurück zieht, und nurmehr die Ressourcen verbraucht die er hat – weil nicht mehr ausreichend billige Ressourcen vorhanden sind, um Krieg zu führen, um Ressourcen billigst auf „freien Märkten“ verfügbar zu machen. Es gibt seit dem Vietnamkrieg die Forderung nach der Friedensdividende, denn in den USA leben viele Menschen im Auto – trotz Petrodollar! Friedensdividende bedeutet, die USA können kein Weltpolizist mehr sein. Die Europäer haben bis heute nicht begreifen können, dass eine freie Seefahrt nicht selbstverständlich ist. Sie überbewerten das Psychologische, war ich auch brav oder RRÄÄCHTSS, und übersehen das Strategische.
Die Europäer haben weder Ressourcen noch Geist, beides haben sie in kollektivem Wahn kastriert. Sie fallen in der Entwicklung wieder knapp hinter den Affen zurück, vor die Steinzeit – aber das ist selbst gewählt, das passiert, wenn man zwanghaft das Kreuz bei Cruella in Be macht. Ach, das hat ja niemand getan! Aber indirekt eben schon.
Der Autor übersieht in seinem Vergleich mit Nachkriegsdeutschland, daß die Bildungsinitiative hier Jahrzehnte (Schulpflicht) bis Jahrhunderte (Handwerksgilden mit Lehrzeit, Gesellen- und Meisterbrief) vorher bereits stattgefunden hatte.
Bitte mal informieren über Gao Kao
Und gerade bei der vorindustriellen Produktion (Handwerk) schneiden die europäischen Kolonialmächte schlecht ab.
Chinas Aufstieg wurde massiv vom westlichem Kapital und Know-How unterstützt und Deutschland hat im Rahmen seiner Möglichkeiten massiv daran mitgewirkt.
Behauptet wird ja gerne, die USA hätten auf diese Weise China als Gegengewicht zur Sowjetunion etablieren wollen.
Vielleicht wurde aber auch einfach nur ein neues Rollenmodell entwickelt.
Wird tkp jetzt zur China-Werbeplattform? Oder verstehe ich alles falsch?
All die Menschenopfer (nennen wir die chinesische Historie ruhig so), all die perfiden Menschenrechtsverletzungen… alles ok? Weil man ein Land ja „fit“ machen muss für die Demokratie?
Ich fasse diese Lobeshymne hier nicht ganz, aber vielleicht bin ich ja die Einzige. Oder nur die Einzige, die es sich zu sagen traut…
In Indien wie China wurde – mit unterschiedlich starkem Erfolg – Bildung die Schlüsselfunktion.
Vom Analfabetismus weg.
In D (besser: „die westliche Welt“) ist der umgekehrte Weg sichtbar:
Es genügt Werbung durch Bilder – max durch Schlagworte – zu inhalieren und sich durch Sinnbilder und Abkürzungen auf Facebook zu äußern. LOL ;-(
Man braucht nur STEM (bzw MINT) Absolventen zu googeln, z. B.
https://cset.georgetown.edu/article/the-global-distribution-of-stem-graduates-which-countries-lead-the-way/
Und die USA haben jeweils nach dem Weltkrieg die deutschen Patente geplündert, nach dem WWII mußten sie noch die D Ingenieure weißwaschen und aus den weiterbetriebenen KZ’s per Operation Paperclip nachholen, weil sie die Patente nicht verstanden. Im WWII fielen ihnen viele europäische Ingenieure & deren know how zu, z.B. Radar & nukes.
Man kann in China als Unternehmer reich werden, aber das ist kein Weg zu politischer Macht. Es ist der Staat, die KP, die vorgibt, wie, womit man reich werden kann, sie steht noch über dem Markt. Im Westen stehen die Oligarchen über dem Markt.
In der Tat: die Chinesen kopieren nicht nur, sondern verbessern die westlichen Originale. Sie übernehmen nicht nur die fragwürdige Theorie vom menschengemachten Klimawandel, sondern benutzen sie als Geschäftsmodell, damit chinesische Kapitalisten Photovoltaik-Panele, Akkus, Windräder, E-Autos etc. billiger und besser machen sowie verkaufen können. Aber vielleicht sind sie doch schlauer, da sie wenigstens ihre Stromproduktion auf der Basis Kohle immer noch ausweiten. Da gibt es wenigstens genug Strom in China, mit dem die energieintensiven Akkus erzeugt und die Autos dann auch fahren können. Aber mit Nachhaltigkeit hat das – wie im Westen – nichts zu tun.
„Der entscheidende Vorteil des chinesischen Modells zeigt sich in der Fähigkeit zu langfristiger, strategischer Planung“. Das sieht man ganz besonders gut bei der chaotischen Förderung der E-Autos, wo nun mehr als 100 Produzenten nicht mehr wissen, wie sie ihre Überschussproduktion an den Mann oder die Frau bringen können. Bei der Teilnahme am Impfgeschäft klappt es wahrscheinlich besser. Schließlich sitzt man ja mit Gates und der WHO im selben Boot. Heute werden schon die Weichen für die nächsten Plandemien gelegt. Da wird China sicher ganz vorne mit dabei sein – und wahrscheinlich mehr Impfstoffe verkaufen als bein Corona-Zirkus. Schließlich hat China auch eine Vorreiterrolle bei den Lockdowns eingenommen. Die haben die Leute einfach in ihren Wohnungen eingesperrt. Einfach vorbildlich. Da hat der Westen noch was lernen können.
Sie machen eben auch Kapitalismus besser als ihre westlichen Gegenstücke. Sogar die Ungleichheit ist dort größer als in vielen westlichen Ländern – wenn auch hunderte Millionen Menschen aus der absoluten Armut befreit wurden. Aber vielleicht wird das durch das Programm „schrittweise Verwirklichung des gemeinsamen Wohlstands für alle Menschen“ besser. Noch könnten die chinesischen „Kommunisten“ die Kurve kratzen – aber ein weiter auf dem kapitalistischen Weg würde ihre Herrschaft vermutlich bald beenden – es sei denn, es gibt einen parteiinternen Aufstand und die Ablösung der derzeitigen Führung.
Der entscheidende Unterschied des Chinesischen Systems ist nicht die Marktwirtschaft, die notwendig ein bestimmtes Maß an Konkurrenz und damit unterschiedlichem Erfolg beinhaltet, sondern die Verfügungsgewalt über Finanzströme. Chinas Regierung hat es bisher verstanden, Zweckentfremdung des Renminbi für internationales Glücksspiel zu verhindern.
Die Frage ist, ob zumindest das so bleiben wird. Wenn alle Weichen in Richtung Freiheit und Schutz des Kapitals gestellt werden, sich die politische Führung der Profitlogik des Kapitals (weitgehend) unterwirft, sich sogar in mehr als fragwürdigen Geschäftsbereichen – wie Klima- oder Impfwahn – engagiert, dann wird aus den Resten des Staatskapitalismus eben früher oder später der reine, uneingeschränkte Marktkapitalismus, was staatsdirigistischen Maßnahmen im Interesse von bestimmten Kapitalgruppen nicht ausschließt. Damit sind gewaltige soziale Verwerfungen vorprogrammiert. Das in einem Land, in dem ca. 50% der Bevölkerung weniger als 10$ pro Tag zur Verfügung haben. Eine Schubumkehr zeichnet sich bisher nicht wirklich ab.
Diese Diskussion ist leicht zu beenden:
Im 19. Jhdt waren die Briten die Nr 1 und mit ihren Dampfmaschinen allen voraus. Den deutschen Kaiser ärgerte das und er schickte Industriespione aus, um Knowhow zu stehlen. Damit produzierte man dann eigene Güter und auch Dampfmaschinen, die ersten Modelle flogen aber gern in die Luft… Die Briten reagierten mit dem „Brandmal“ „Made in Germany“, um die Konsumenten vor billigen Nachahmeprodukten zu warnen. Die Deutschen machten weiter und lernten – bis „Made in Germany“ zum Gütesiegel wurde.
Dasselbe wird auch mit „Made in China“ geschehen.
Ja, Wilkinson hat ein Verfahren erfunden, wie man billige Eisenkanonen präzise bohren konnte, das hat die Überlegenheit der Royal Navy begründet. Und es hat dann die Herstellung der Zylinder der Dampfmaschinen ermöglicht.