Trump in China: Getrennte Welten

15. Mai 2026von 3,6 Minuten Lesezeit

Der zweitägige Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump in Peking endete ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung. Beide Seiten veröffentlichten eigene Erklärungen. Diese sind unterschiedlich, haben aber auch klare Gemeinsamkeiten.

Donald Trump wurde mit großer Zeremonie empfangen. Vizepräsident Han Zheng holte ihn am Flughafen ab. Das ist ein deutliches Upgrade zu seinem Besuch 2017, als ihn lediglich ein Staatsrat in Empfang genommen hatte. Es war ein pompöser Empfang. Der US-Präsident sparte nicht mit den für ihn typischen Superlativen, Xi Jinping gab sich wie gewohnt souverän und diplomatisch.

Eine gemeinsame Erklärung gab es nicht. Beide Seiten veröffentlichten am Freitag zum Abschluss des Staatsbesuchs eigene „Readouts“. Man findet darin Gemeinsamkeiten, aber auch klare und deutliche Unterschiede. Die US-Version (White House / US-Botschaft Peking) liest sich kurz und pragmatisch, die des chinesischen Außenministeriums ist länger, strategisch und enthält klare rote Linien. Während es Überschneidungen gibt, könnten Ton und Prioritäten unterschiedlicher kaum sein. Kein Wunder: Die USA und China als die beiden großen Supermächte der Welt verfolgen unterschiedliche Interessen. Immerhin scheinen die diplomatischen Beziehungen derzeit gut zu sein – das reduziert die große Kriegsgefahr für die Welt erheblich.

Das US-Readout beschreibt das Treffen schlicht als „good meeting“. Im Mittelpunkt stehen konkrete wirtschaftliche Vorteile für Amerika: besserer Marktzugang für US-Unternehmen in China, mehr chinesische Investitionen in US-Industrien, Fortschritte beim Stopp von Fentanyl-Vorläufern sowie höhere chinesische Agrarimporte aus den USA. Ausdrücklich erwähnt wird, dass CEOs großer US-Konzerne (darunter Vertreter von Apple, Tesla und Nvidia) an Teilen des Gesprächs teilnahmen. Besonders detailliert wird die Einigung zur Straße von Hormus herausgestellt: Sie muss offenbleiben, China lehnt jede Militarisierung und Mautgebühren ab und zeigt Interesse an mehr US-Öl-Käufen. Beide Seiten seien sich einig, dass Iran niemals Atomwaffen besitzen dürfe. Der Text bleibt sachlich – man erkennt klar die Handschrift der Trump-Administration: Alles ist geschäftsorientiert und ohne große geopolitische Rahmung. Taiwan oder eine neue strategische Formel werden mit keinem Wort erwähnt.

Ganz anders die chinesische Version. Hier wird Taiwan ausführlich thematisiert, die Straße von Hormus oder der Iran hingegen nicht. Für Xi Jinping gilt das Primat der Politik über der Wirtschaft. Er rückt das Treffen in einen historischen Kontext: „Transformation nicht gesehen in einem Jahrhundert“.

Er verkündet eine neue Leitlinie für die Beziehungen: die „constructive China-U.S. relationship of strategic stability“. Diese „konstruktive strategische Stabilität“ soll die nächsten drei Jahre und darüber hinaus prägen – mit Kooperation als Kern, maßvollem Wettbewerb, handhabbaren Differenzen und dauerhaftem Frieden. Die Wahl des Zeitraums „drei Jahre“ dürfte bewusst erfolgt sein, da dann die Amtszeit Trumps voraussichtlich endet.

Xi betont, dass es sich nicht um einen bloßen Slogan, sondern um konkrete Handlung handele. Die Wirtschaftsbeziehungen seien „win-win“, die jüngsten Handelsgespräche hätten „ausgeglichene positive Ergebnisse“ gebracht. China wolle die Tür weiter öffnen und US-Firmen einladen.

Während die USA die Taiwan-Frage komplett ignorieren, gibt es im chinesischen Papier eine unmissverständliche Ansage: Die Taiwan-Frage sei „das wichtigste Thema“ in den Beziehungen. Falsche Handhabung führe zu „Auseinandersetzungen und sogar Konflikten“ und gefährde die gesamte Partnerschaft. „Taiwan-Unabhängigkeit“ und Frieden seien „unvereinbar wie Feuer und Wasser“. Die USA müssten „extra Vorsicht“ walten lassen.

Daneben werden breitere Kooperationsfelder genannt: Gesundheit, Landwirtschaft, Tourismus, Menschen-zu-Menschen-Kontakte, Strafverfolgung sowie politische und militärische Kanäle. Auch zu internationalen Themen wird nur knapp Stellung genommen: „Die beiden Präsidenten tauschten sich über wichtige internationale und regionale Themen aus, darunter die Lage im Nahen Osten, die Ukraine-Krise und die Lage auf der koreanischen Halbinsel.“ Trump wird mit positiven Zitaten gewürdigt.

Wo gibt es Gemeinsamkeiten? Beide Seiten betonen die Notwendigkeit von Kommunikation, Kooperation und dem Umgang mit Differenzen. Wirtschaft und Handel werden positiv hervorgehoben. Beide Readouts enden mit optimistischem Ton: Die Beziehungen sollen stabiler und besser werden. Der Gipfel hat zwar nicht viel an der grundsätzlichen Beziehung geändert, die aktuelle Situation aber spürbar stabilisiert.


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2 Kommentare

  1. VerarmterAdel 15. Mai 2026 um 20:44 Uhr - Antworten

    Patrick Wood:

    „Pax Silica: Wem gehören die Schienen der KI-Zivilisation?

    Der Pekinger Gipfel, Mai 2026. Präsident Trump traf diese Woche mit einer Delegation von achtzehn der mächtigsten amerikanischen Unternehmenschefs ein – darunter Elon Musk und Jensen Huang von Nvidia an Bord der Air Force One –, um mit der Regierung von Xi Jinping über die Zukunft der KI-Lieferkette zu verhandeln.

    Pax Silica ist das neue Pax Americana, übersetzt in Silizium.

    Die Weltordnung des 20. Jahrhunderts basierte auf Öl, Stahl, Seewegen, Zentralbanken und Militärbündnissen. Die Weltordnung des 21. Jahrhunderts wird um Computertechnologie, Halbleiter, kritische Rohstoffe, Energie, Rechenzentren, Logistikkorridore, Zahlungssysteme und vertrauenswürdiges Kapital neu organisiert.

    Das ist keine Rhetorik. Das ist jetzt Politikgestaltung.

    Das US-Außenministerium nennt es Pax Silica: ein von den USA angeführtes Rahmenwerk für KI und Lieferketten, das auf sicheren Technologie-Lieferketten, wirtschaftlicher Sicherheit, künstlicher Intelligenz, kritischen Mineralien, Halbleitern, Energie, Fertigung, Infrastruktur und „vertrauenswürdigen Systemen“ basiert. Die am 12. Dezember 2025 in Washington unterzeichnete Erklärung beschreibt das Ziel als den Aufbau sicherer, prosperierender und innovativer globaler Technologie-Lieferketten. Zu den Gründungsunterzeichnern gehören die Vereinigten Staaten, Australien, Japan, Südkorea, das Vereinigte Königreich, Singapur und Israel. Die Formulierungen sind aufschlussreich: Zuverlässige Lieferketten sind für die wirtschaftliche Sicherheit „unverzichtbar“; künstliche Intelligenz ist eine „transformative Kraft“; und die KI-Revolution reorganisiert die Weltwirtschaft und die globalen Lieferketten.

    Diese Woche verlagerte sich der Fokus dieser Architektur von der Deklaration zur Diplomatie.…

    https://www.technocracy.news/de/pax-silica-who-owns-the-rails-of-the-ai-civilization/

  2. Jakob 15. Mai 2026 um 16:02 Uhr - Antworten

    Kein vernünftig denkender Mensch wird etwas dagegen haben wenn China und die USA ordentliche diplomatische und wirtschaftliche Kontakte pflegen.
    Die größenwahnsinnigen, arroganten USler müssen nur lernen die anderen zu respektieren und auf Augenhöhe als gleichwertige Partner zu sehen.
    Ob das zu schaffen ist?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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