NATO Mitglied Türkei schert aus und wendet sich der multipolaren Ordnung zu

23. Oktober 2022von 5,5 Minuten Lesezeit

Die Türkei ist für Europäer ein seit Jahrzehnten beliebtes Urlaubsland, egal ob zum Shoppen in Istanbul oder anderen Großstädten, zum Golfen im Winter, zum Baden und Bewundern der historischen Sehenswürdigkeiten in Kleinasien. Die Türkei gewinnt immer mehr an geopolitischer Bedeutung, sehr zum Missfallen der USA, da sie mit anderen Staaten der Region sich immer mehr der Kontrolle des Hegemons entzieht und sich der stärker werdenden multipolaren Ordnung anschließt.

Die Äußerungen prominenter türkischer Politiker werden von Woche zu Woche deutlicher. So forderte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu am 21. Oktober die westlichen Staaten auf, die gegen Länder wie den Iran und Venezuela verhängten einseitigen Wirtschaftssanktionen aufzuheben, und sagte, die USA müssten aufhören, Saudi-Arabien wegen der steigenden Ölpreise zu „schikanieren„, so Medienberichte

„Die ganze Welt braucht Venezuelas Öl und Erdgas … Auf der anderen Seite gibt es ein Embargo gegen iranisches Öl“, sagte Cavusoglu am Freitag auf einer Pressekonferenz.

„Wenn Sie wollen, dass die Preise sinken, müssen Sie die Embargos gegen die Länder aufheben, die ihre Produkte auf dem Markt anbieten“, sagte er weiter.

Man kann das Problem nicht lösen, indem man ein Land bedroht“, betonte der türkische Spitzendiplomat. „Wenn Sie wollen, dass die Preise sinken, müssen Sie die Embargos für die Länder aufheben, die ihre Produkte auf dem Markt anbieten“, fügte Cavusoglu hinzu.

Der Außenminister wandte sich auch gegen die Drohungen der USA gegen Saudi-Arabien wegen der Entscheidung der OPEC+, die Ölproduktion deutlich zu senken. „Die Schikanen gegen Saudi-Arabien sind unangebracht“, sagte Cavusoglu. „Wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei den Energiepreisen, aber wir drohen niemandem“.

Das Weiße Haus hat bei mehreren Gelegenheiten wiederholt, dass man an einer „Antwort“ gegenüber seinem historischen Partner auf der arabischen Halbinsel arbeite, und wirft Riad alles Mögliche vor, von der „Annäherung an Russland“ bis hin zur „Nötigung“ der OPEC+-Mitglieder, einer Kürzung von zwei Millionen Barrel pro Tag zuzustimmen.

Die Äußerungen des türkischen Außenministers vom Freitag fallen in eine Zeit, in der Ankara versucht, einen Spagat zwischen seinen NATO-Verpflichtungen und seinen guten Beziehungen zum Kreml zu schaffen. Die Türkei hat sich bisher davor gescheut, westliche Sanktionen gegen Moskau durchzusetzen und stattdessen die Handelsbeziehungen zu ihrem Nachbarn am Schwarzen Meer ausgebaut.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und der Türkei hat in diesem Jahr zugenommen. Das Handelsvolumen für das gesamte Jahr soll 60 Milliarden Dollar, wobei es angesichts der Dynamik der ersten neun Monate noch höher ausfallen könnte. Alleine der Frachtumschlag im Asow-Schwarzmeer-Becken soll nach Schätzungen 250 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen.

Der Hauptzuwachs bei den Ausfuhren in die Türkei betraf Energieerzeugnisse, aber auch die Ausfuhren von Nicht-Primärgütern, einschließlich bestimmter Arten von Metallerzeugnissen, nahmen zu.

Vor zwei Monaten unterzeichneten die Türkei und Russland einen Fahrplan für die wirtschaftliche Zusammenarbeit, der vorsieht, den bilateralen Handelsumsatz auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr zu steigern. Die beiden Länder haben außerdem vereinbart, den russischen Rubel als Währung für den bilateralen Handel einzuführen, auch für russische Erdgaslieferungen.

Auch Präsident Recep Tayip Erdogan äußert sich immer offener gegen Bevormundung durch die USA. „Die ausgewogene Politik der Türkei gegenüber der Krise in der Ukraine ist weltweit begrüßt worden. Würden wir den Kritikern folgen, müssten wir als Europäer heute darüber nachdenken, wie wir den kommenden Winter überstehen können. Ankara hat sich jedoch für einen anderen Weg entschieden, und wir haben keine Probleme mit Gas“, sagte Erdogan in einer Sendung des Fernsehsenders TRT.

Der geplante Gas-Hub in der Türkei, der von Russland beliefert wird, unterstreicht, den Mangel an Problemen mit Gas.

In einem interessanten Artikel in Strategic Culture wird beschrieben wer die Kontrolle über die NATO ausübt. Es seien nicht die Präsidenten der USA, was bei Biden ja ziemlich offensichtlich ist. Es seien auch nicht die Politiker der europäischen NATO-Staaten: „Die Länder der Europäischen Union und die anderen NATO-Mitglieder werden – mit wenigen Ausnahmen – von Politikerteams regiert, die nichts anderes sind als gewöhnliche amerikanische Einflussagenten.“

Viele davon finden sich in der Liste der Young Global Leaders des WEF, das ja selbst eine Gründung der CIA aus 1961 ist, als der WEF-CEO Klaus Schwab ein Studium in Harvard absolvierte und in von der CIA finanzierte Ausbildungen aufgenommen wurde.

Die Folgerungen des Autors sind daher naheliegend:

„Sie können diese hohlköpfigen Marionetten leicht kontrollieren, gerade weil sie deren Machtübernahme finanzieren und sie so lange wie nötig in diesen Positionen halten. Trotz all der Pedanterie und der gründlichen Arbeit und trotz so furchteinflößender Apparate wie der CIA und dem MI6 ist es immer wieder vorgekommen, dass sich einige Menschen mit festen Überzeugungen, die entschlossen sind, die nationalen Interessen um jeden Preis zu schützen, von ihnen losgesagt haben. Aus diesem Grund widersetzen sich Erdogan in der Türkei und Orban in Ungarn weiterhin den Interessen des tiefen Staates in Übersee, obwohl ihre Heimatländer nach wie vor Mitglieder der NATO sind. Erinnern wir uns daran, wie 2016 ein Militärputsch gegen Erdogan und seine legale Regierung versucht wurde, mit dem Einsatz von Teilen der Bodenarmee, der Gendarmerie, der Panzer, der Marine und der Luftfahrt, die von einem korrupten Teil der türkischen Armeeoffiziere organisiert, kontrolliert und geleitet wurden. Es ist sehr gut möglich, dass in naher Zukunft ähnliche Szenarien in Ungarn für Viktor Orban vorbereitet werden, und wir können davon ausgehen, dass er bereit sein wird, mit ihnen umzugehen.“

Viktor Orban ist sich der Gefahren wahrscheinlich bewusst, kann ihm doch kaum entgangen sein für wie viele erfolgreiche und erfolglose Umsturzversuche und Kriege die USA seit 1945 verantwortlich sind. Erdogan konnte jedenfalls den Putschversuch von 2016 abwehren, nicht zuletzt auch deshalb, da er von russischen Militärs in Syrien rechtzeitig vor dem Angriff auf das Hotel gewarnt wurde, in dem er sich eine halbe Stunde vorher noch aufgehalten hatte.

Der Nahe und Mittlere Osten und Westasien mit Türkei, den -stans, Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Irak und Iran wird jedenfalls zu einem immer stärkeren Eckpfeiler der neuen multipolaren Welt.

Bild von www_slon_pics auf Pixabay

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Ergebnisse des Treffens der Präsidenten von Russland, Türkei und Iran wegen Syrien

Russland entwickelt seine Beziehungen zu Iran und Türkei

So machte und macht die EU Erdgas und Energie teuer

11 Kommentare

  1. P. Kiehl 24. Oktober 2022 at 11:20Antworten

    Wenn das die Eckpfeiler der neuen multipolaren Welt werden sollte, dann gute Nacht. Auch bei Marionetten reißen die Fäden. Der wirtschaftliche Aspekte steht zu sehr im Fokus mit dem Preis immer weniger Lebensqualität. Wie spüren es bereits. Und Putschversuche werden nicht ausbleiben.
    Die Türkei wird für mich nie ein beliebtes Urlaubsland werden. Ich war noch nie da und will auch nicht dorthin. Es gibt viele Länder die mich einfach nicht ansprechen.

  2. Karl Aal 24. Oktober 2022 at 0:46Antworten

    @andreas
    Es ist einfach so das die Türkei nur wenige Punkte erfüllt hat um EU Mitglied zu werden.

    Habe heute eine Übersetzung von Putin gesehen(weiss aber nicht ob die stimmt oder Fake ist).Da sagte Putin das er Gas nur noch an die Türkei weoterleiten wird,wenn Europa Gas will müssen sie mit der Türkei sprechen.Ausserdem soll in Rubel bezahlt werden und das Gas nach China wird in Yen bezahlt.

  3. Andreas I. 23. Oktober 2022 at 21:34Antworten

    Hallo,
    eine Ironie ist jetzt, dass die Türkei mal in die EU wollte, aber die EU-Spitzenbeamten zwar auch sagten „ja“ … und dann „aber … vielleicht irgendwann mal“.
    Und nun ist die Türkei zwar nach wie vor in der Nato, aber eben nicht in der EU – und dadurch zwar in den Nato-Bündnisverpflichtungen und wenn die Türken aus USA-Sicht zu weit gehen, folgt auch mal eine Attacke auf die türkische Währung … aber die Türkei ist nicht unter Brüssler Diktat.
    Also von der EU abgewiesen worden zu sein erweist sich jetzt zumindest taktisch als Vorteil. (Und ob auch strategisch wird sich zeigen, aber bei der internationalen Gesamtsituation … )

  4. Charly1 23. Oktober 2022 at 20:51Antworten

    Die Menschen „Christen“ begreifen nicht das man mit Mosels nichts vereinbaren kann!
    Allah hat durch Mohamed den Mosels die Welt versprochen, es geschieht zur Zeit und geht Schritt für Schritt voran, zumindest Europa ist am „Point of no Return“ angekommen.
    Frankreich wird zuerst Islamisiert werden gefolgt von Schweden, Deutschland und Österreich.

    • Andreas I. 23. Oktober 2022 at 21:42Antworten

      Hallo,
      wie gut ist es dann, dass ich kein „Menschen „Christen“ “ bin, sondern nur Mensch. Denn von daher kann ich „mit Mosels“ genauso gut/schlecht Sachen vereinbaren, wie mit allen anderen.

  5. jan van ruth 23. Oktober 2022 at 18:37Antworten

    wer glaubt dass es in der turkei in 2016 einen militaerputsch gegeben hat glaubt wohl auch an den weihnachtsmann….

  6. Walter 23. Oktober 2022 at 15:07Antworten

    „Ankara hat sich jedoch für einen anderen Weg entschieden, und wir haben keine Probleme mit Gas“, sagte Erdogan in einer Sendung des Fernsehsenders TRT. “

    Aber wir haben in der Türkei aktuell einen Inflation von 83% und befinden uns auf dem bestem Weg zu einer Hyperinflation. Hurra !

    • Reinhard 23. Oktober 2022 at 18:17Antworten

      Wahrscheinlich eine Art, um Druck auf Ankara aufzubauen. Unsere Währungen (Euro und insbesonders der Dollar) müssten ja eigentlich auch ultra inflationär sein. Bei den Mengen, die wir in den letzten Jahren „gedruckt“ haben. Dem stehen ja überhaupt keine Waren und Dienstleistungen mehr entgegen. Es muss irgendeinen Mechanismus oder eine Manipulation geben, die diesen Wertverfall bisher aufgehalten hat. Es gibt aber auch Experten, die die Geldmenge für die Inflation überhaupt nicht verantwortlich machen. Aber das alles ist sehr komplex. Ich glaube aber an eine Möglichkeit, einzelne Währungen in Schwierigkeiten zu bringen. Möglicherweise ist es bei der Türkei so.

  7. Fritz Madersbacher 23. Oktober 2022 at 14:27Antworten

    „… wer die Kontrolle über die NATO ausübt“
    Die NATO, in der die US-Army bestimmt, ist das wichtigste militärische Instrument des westlichen (US-)Imperialismus. Sie ist dazu da, die politischen Interessen der wirtschaftlichen Hauptnutzniesser dieses Imperialismus, vornehmlich also der großen US-Monopole, auch militärisch durchzusetzen. Diese Monopole sind die diversen Konglomerate aus (Groß-)Banken und Konzernen der verschiedenen Industriebereiche. Sie bilden die herrschende Klasse, sie haben die poitische Macht in den USA (und letztlich auch in den ihr hörigen Vasallenstaaten), die (wie auch immer „gewählten“) Politiker/-innen haben ihre Interessen durchzusetzen – oder sie werden ersetzt durch andere, willfährigere Leute. Es ist also recht einfach und klar, „wer die Kontrolle über die NATO ausübt“, vor allem auch, dass darin die Interessen der US-„Schlüsselindustrie“ – nämlich der Rüstungsindustrie samt ihren Besitzerbanken, eine zentrale Rolle spielen. Wie diese „Kontrolle über die NATO“ im Detail aussieht und erfolgt, unterliegt einem ständigen Wandel – die Ziele und die Interessen dahinter bleiben dieselben …
    Die NATO-Quislinge im neutralen Österreich, die unser Land zu einem de facto Hi(lfs)Wi(lligen) dieser Aggressionsstreitmacht gemacht haben und sich ihr sogar integrieren wollen, müssen auf das Schärfste zurückgepfiffen und in die Schranken verwiesen werden! Ihre EU-Unterordnung hat schon genug Unheil angerichtet!

  8. A-w-n 23. Oktober 2022 at 13:30Antworten

    Das ist wahrscheinlich ein Tippfehler: 1971 wurde der WEF Vorläufer gegründet, nicht 1961. 1961 soll das CIA Programm gestartet sein und gelaufen sein an Harvard bis 1967. Klaus Schwab studierte an Harvard 1966/67.

    • rudi & Maria fluegl 24. Oktober 2022 at 3:47Antworten

      Da gibt es mehrere Beschreibungen dazu im Archiv.
      Geschichte halte ich wie Wirtschaft etc. für Pseudowissenschaften und traue Ihnen nicht, aber lieber wie Kriminalromane und Geheimdienstthriller lese ich das allemal!
      Hier ist eine von 3!
      Rudi Fluegl
      Das Programm des „Great Reset“ für die weltweite Landwirtschaft in den USA der 1960er
      25. Juli 2022
      von Dr. Peter F. Mayer
      5,6 Minuten Lesezeit
      Viele haben den Eindruck, dass der „Great Reset“ eine Idee und Erfindung des Weltwirtschaftsforums WEF und seines Vorsitzenden Klaus Schwab sei. Dem ist nicht so, es ist nur der Name neu, das Programm ist uralt und geht auf die Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg zurück.

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