MFG-Aussendung zu PhD-Titel von Ärztekammerpräsident Szekeres

26. Februar 2022von 5 Minuten Lesezeit

In Österreich und auch Deutschland gab es in Politik und Politik-nahen Bereichen immer wieder Vorwürfe von Plagiaten oder nicht ausreichenden Arbeiten zur Erlangung eines bestimmten akademischen Grades. In Österreich hat sich als Aufdecker der Kommunikationswissenschafter und Unilektor Stefan Weber einen Namen gemacht. Er brachte beispielsweise auch Ministerin Christine Aschbacher zu Fall.

Von Dr. phil. Peter F. Mayer

Zuletzt hat er auf Twitter den Ärztekammerpräsidenten Szekeres gefragt, ob er einen PhD oder MD habe. Die Antwort kam von einem Rechtsanwalt, worauf Weber seinen Twitter Account löschte. Das hier ist sein letzter Tweet dazu, wie der Wochenblick berichtete:

Die Antwort darauf gibt es noch:

In einer Presseaussendung legen aber die MFG und ihre Kandidatenliste für die Wiener Ärztekammerwahl am 15.3.2022 nach. Offenbar hat man sich die „Doktorarbeit“ auf der Universität Trnava genauer angesehen und dabei wirklich Erstaunliches gefunden. Bin mir nicht sicher, ob das an einer ordentlichen Universität als Seminararbeit reichen würde. Bei den Physikern eher nicht.

Hier ist der volle Text der heute via OTS ausgesendet wurde. (Angesichts der Reaktion auf Weber erkläre ich hiermit, dass ich mich mit dem Inhalt nicht identifiziere. Und es gilt die Unschuldsvermutung.)


Verdacht: Hat Ärztekammerpräsident Szekeres seinen zweiten Doktortitel (PhD) ohne adäquate Leistung erhalten?

Elf Arbeiten kopiert und zusammengeheftet. Nur vier von Szekeres als Erstautor, davon zwei Reviews. MFG-Ärzte veranlassen Überprüfung durch renommierte Universität.

Wien, Trnava (OTS) – Gerne verweist Ärztekammerpräsident Szekeres auf Experten und „die Wissenschaft“, wenn es um die Diskussion zur Impfpflicht oder zu Impfschäden geht. Viele kritische Arztkollegen wurden so mundtot gemacht oder haben gar ein Disziplinarverfahren aufgebürdet bekommen, da ihr wissenschaftlicher Zugang in Zweifel gestellt wurde. Aber wie wissenschaftlich integer ist die PhD-Dissertation („Doktor phil.“) des Kammerpräsidenten selbst eigentlich?

Ein „Familien phD“?
Fakt ist: Szekeres hat 2003 an der Uni Trnava in der Slowakei promoviert, während er an der MedUni beschäftigt war. Befremdlich ist, dass in der „Dissertation“ kein neues Thema bearbeitet wird, sondern es handelt sich um eine bloße Zusammenheftung von elf Publikationen, die zuvor schon zwischen 1994 und 2002 publiziert wurden. Nur bei vier Arbeiten ist Szekeres überhaupt Erstautor. Zwei davon sind „Reviews“ d.h. sie sind eine Zusammenfassung von Studien anderer Wissenschaftler und sind somit keine eigenständige Studie, wie für ein PhD gefordert. In vier Studien ist seine Ehefrau Erstautorin. Diese Literatursammlung wurde dann unter dem Titel „Enzyme targeted chemotherapy by inhibition of key enzymes of DNA synthesis“ schlampig kopiert und dann einfach zusammengeheftet. Ohne dass es zu diesem Thema eine eigenständige, übergreifende Abhandlung gäbe, wie es für eine Dissertation Standard ist.

Viele Mängel
Die wissenschaftliche Qualität dieser Arbeit ist fragwürdig. Hier eine Auflistung einiger gravierender Defizite:

#keine Einleitung, kein Inhaltsverzeichnis und kein Literaturverzeichnis

#keine übergeordnete wissenschaftliche These (ergo auch nicht bewiesen)

#kein übergreifender Themenbereich mit präziser Forschungsfrage

#keine Angaben zu einem Betreuer oder einer betreuenden Abteilung

#keine Angaben zu einem Rigorosum und zur Veröffentlichung

#keine Durchnummerierung – die Arbeit beginnt mit der Seite 118 (!)

#Es findet sich kein Datum außer der Jahreszahl 2003 – unklar ist wann wurden die Unterlagen eingereicht, wann geprüft, wann genehmigt, wann publiziert?

#Keine einzige wissenschaftliche Arbeit in der „Dissertation“ beruht auf Forschung an der Universität Trnava oder wurde mit einem Kooperationspartner aus dieser Universität erstellt. Alle Arbeiten sind an der Universität bzw. MedUni Wien entstanden.

MFG-Ärztegruppe verlangt Aufklärung

Die MFG Ärzteliste rund um Univ. Prof. a.D. Andreas Sönnichsen und DDr. Christian Fiala hätte jetzt gerne vom Kammerpräsidenten gewusst:

#Warum hat der Kammerpräsident im Jahr 2003 seine PhD-Arbeit ausgerechnet an der Universität Trnava erstellt und eingereicht und nicht an der MedUni-Wien, an der er damals beschäftigt war und an der auch die wissenschaftlichen Publikationen entstanden sind? An der MedUni-Wien bestand damals ebenfalls die Möglichkeit eines PhD Studiums.

#Hat Szekeres überhaupt in der Slowakei studiert? Wenn ja: wie war das mit seinem Fulltime-Job an der MedUni Wien kompatibel?

#Gab es eine kommissionelle Prüfung an der slowakischen Uni? Wenn ja: wer war beteiligt? Wer war der Doktorvater? Welche Expertise hatte dieser?

#Und schließlich, wie vereinbar ist ein derartiges Unterlaufen wissenschaftlicher Standards eines Doktortitels, mit seiner Vorbildfunktion als Präsident der Ärztekammer?

Ein slowakischer Arzt hat sich über diese Arbeit empört und dann an die MFG gewandt. „Wir haben die „Arbeit“ geprüft und waren entsetzt über die offensichtlichen Unzulänglichkeiten“, so Christian Fiala von der MFG Ärzteliste. Eine PhD-Arbeit sei ein enormer wissenschaftlicher Aufwand – in Österreich wäre ein akademischer Titel für eine solche Arbeit wohl nicht möglich. „Der Kammerpräsident hat die Wissenschaft in der Corona Krise wie eine Monstranz vor sich hergetragen und alle Ärzte, die eine andere wissenschaftliche Meinung vertraten, mit Disziplinarverfahren verfolgt. Jetzt sehen wir eine PhD-Arbeit, die den Ruf der Ärzteschaft und der Ärztekammer ramponiert“, so Fiala. Andreas Sönnichsen bekräftigt: „Wir werden die Disziplinarkommission der Ärztekammer einschalten und Rektor Müller von der MedUni Wien – wo Szekeres unterrichtet – zum Handeln auffordern. Darüber hinaus werden wir ein Gutachten von einer renommierten Universität über diese Arbeit einholen.“

Die „Dissertation“ von Kammerpräsident Szekeres (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) ist im Archiv der Bibliothek der Uni Trnava unter „C-Sklad, 615/Sze 038071“ in gedruckter Version zu finden und kann nur nach Vorbestellung im Lesesaal der Bibliothek eingesehen werden. (http://ezp.truni.sk/opac/openURL?sid=B062938)

Die gesicherte Arbeit ist hier zum Downloaden:

Szekeres_Doktorarbeit_Trnava_2003

 

Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

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15 Kommentare

  1. Pete 27. Februar 2022 at 10:56Antworten

    bis auf die Unterhose scheint der König nackt

  2. H.Mild 27. Februar 2022 at 9:12Antworten

    Nicht zu vergessen die „Professur“ des besten Gesundheitsministers mit dem schönsten Läccheln im besten Deutschland dass es bisher gab, nach 16 „guten“ #´s ReGIERungssjahren.

  3. Helmut Brandl 26. Februar 2022 at 21:35Antworten

    Dass ausgerechnet dieser sympathische Kerl ein Hochstapler wäre, das kann ich gar nicht glauben😉

  4. wiewardas? 26. Februar 2022 at 19:53Antworten

    Ja, aber war das nicht damals so geregelt? Entweder eine Doktorarbeit ODER mind. 3 Publikationen als Erstautor, wenn ich mich richtig entsinne??? (ohne jemand verteidigen zu wollen, aber…)

  5. Mo 26. Februar 2022 at 18:42Antworten

    Ich habe zwar meine Dezember-Wette, dass Szekers noch im Jänner den Hut nehmen muss, zwar verloren, aber wenigstens die Entwicklungen geben mir Recht. ;)) Ich habe wohl die Verschlafenheit von uns Österreichern falsch modelliert.
    Also egal wann er zurücktritt, Hauptsache er wird dazu gezwungen!
    Ich habe keine Ahnung von Medizin, aber sehr viel Ahnung vom Menschen, und diese „Ausgabe“ ist ein klassisches Montagsprodukt.

  6. federkiel 26. Februar 2022 at 17:06Antworten

    Zu „plagiatsgutachten.com (@antiplag) January 27, 2022“

    Dieser Tweet stammt von einem Account, der nicht mehr existiert!🤢

  7. Jens Tiefschneider 26. Februar 2022 at 17:02Antworten

    Das ist ja noch weniger, als bei der Leyen-Darstellerin Ursula Vonder. Die hatte sich immerhin die Mühe gemacht, das geistige Eigentum anderer noch mal abtippen zu lassen, bevor sie es dann zur Doktorarbeit zusammengeheftet hat.

  8. Andreas I. 26. Februar 2022 at 17:01Antworten

    Haha, in Österreich ein Ärzterkammerpräsident, in Deutschland ein gewisser Droktor Osten vom RKI, wie sich die Muster doch ähneln.

    • avstriavsky 26. Februar 2022 at 17:29Antworten

      Jaajaaah, es ist ein großes Amüsement zur Zeit. Zeuge zu sein, wie es sich gemütlich durchplagiiert dieser Tage. Es gibt also viel Arbeit für die Plagiatsjäger und es scheint auch ein ergiebiges Tagewerk zu sein. Dem fruchtbaren Boden so mancher Auslandsuni sei Dank.

    • S.Dörte Beker 26. Februar 2022 at 17:35Antworten

      Unser hoch verehrter Widerspruch in Person unser VollDrosten arbeitet aber an der Charite nicht im RKI.

    • Andreas I. 26. Februar 2022 at 18:48Antworten

      @S. Dörte Beker Hallo,
      ahh ja stimmt Charite, liegt es nur an mir oder tanzt der auf so vielen Hochzeiten, dass man durchaus mal den Überblick verlieren kann? ;-)
      Sein Lehrstuhl an der Charite soll von der Quandt-Stiftung finanziert sein (sagte ein Gast der Stiftung Corona-Ausschuss).
      Jedenfalls Zufälle über Zufälle.

    • Andreas I. 26. Februar 2022 at 18:59Antworten

      @ avstriavsky Hallo,
      in Deutschland bieten auch Inlandsunis diesen Service an.
      Guttenberg (ehemals Bundesminister, falls sich jemand erinnert) und Droktor Osten „promovierten“ an deutschen Unis.
      Bei Schavan weiß ich es jetzt nicht mehr, aber wenigstens war sie Ministerin für _Bildung_ und was könnte bezeichnender für eine Bananenrepublik sein, als wenn eine Schwindlerin Bildungsministerin ist und ein Schwarzgeld-Deliquent Finanzminister (Schäuble) ?!
      Also wenn man es vom Unterhaltungswert her betrachtet, kriegt man schon was geboten fürs Steuergeld.^^

    • Stunning Greenhorn 28. Februar 2022 at 21:29Antworten

      Ach ja, ich erinnere mich wieder. Drosten hatte doch auch ein paar Publikationen zwischen zwei Pappdeckeln zusammengenagelt und nachgereicht, als der Druck der Frankfurter Universität zu deutlich wurde. Walter van Rossum hat die Geschichte in seinem Buch „Meine Pandemie mit Professor Drosten“ aufgeschrieben.

  9. Alfons Zitterbacke 26. Februar 2022 at 16:36Antworten

    Och, die wird sicher genau so gewissenhaft untersucht wie die 73 Plagiate einer bekannten Dame deren Name ich mich hier nicht zu nennen getraue weil das in Österreich mittlerweile höchst gefährlich ist und und im Übrigen sicher ein reines Hassposting darstellt.

    • Markus 26. Februar 2022 at 16:45Antworten

      Zwischenzeitlich scheint es wichtig zu sein, jene Personen zu überprüfen , die sich mit ihren Äusserungen und maßnahmen gegenüber Dritten besonders hervor tun. Da gibt es vermutlich noch ein recht grosses reservoir möglicher Schwurbler.
      Es ist wichtig wenn solche Dinge ans Licht kommen.
      Corona scheint da geradezu geeignet zu sein.

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