Studie: Entwicklung der Corona Übertragungsrate R unabhängig von Maßnahmen

In einem Arbeitspapier des US National Bureau of Economic Research werden vier Fakten über die COVID-19-Pandemie dokumentiert, die ein Licht auf die Auswirkungen von nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPIs) auf die Übertragung von COVID-19 werfen. Als Ergebnis kommt heraus, dass „die Bedeutung von politisch motivierten NPIs für die Gestaltung des Fortschreitens dieser tödlichen Pandemie überbewertet“ wird. Die effektive Übertragungsrate R(t) für das Virus ist überall in der Welt unabhängig von den verfügten Maßnahmen binnen 20 bis 30 Tagen auf 1 oder sogar darunter abgefallen.

Und das sind die in der Studie angeführten Fakten:

Erstens: In allen Ländern und US-Bundesstaaten, die untersucht wurden, fielen die Wachstumsraten der täglichen Todesfälle durch COVID-19 innerhalb von 20-30 Tagen, nachdem in jeder Region 25 kumulative Todesfälle zu verzeichnen waren, von einem breiten Spektrum anfänglich hoher Werte auf Werte nahe Null.

Zweitens: Nach dieser Anfangsperiode haben sich die Wachstumsraten der täglichen Todesfälle überall auf der Welt um Null oder darunter bewegt.

Drittens: Die Standardabweichung der Wachstumsraten der täglichen Todesfälle über alle Regionen hinweg ist in den ersten 10 Tagen der Epidemie sehr schnell zurückgegangen und ist seither auf einem relativ niedrigen Niveau geblieben.

Viertens: Die Auswertung der ersten drei Fakten über die Wachstumsrate der COVID-Todesfälle mit Hilfe einer Reihe von epidemiologischen Modellen  zeigt, dass sowohl die effektive Reproduktionszahl als auch die Übertragungsraten von COVID-19 von den weit verstreuten Ausgangswerten zurückgingen und die effektive Reproduktionszahl nach den ersten 30 Tagen der Epidemie praktisch überall auf der Welt um eins schwankte.

Schneller Rückgang der Wachstumsraten

Im Monat März 2020 nahm die Zahl der täglichen Todesfälle durch COVID-19 in vielen der weltweiten Hotspots für COVID-19 sehr schnell zu – alle 2-3 Tage verdoppelte sie sich an den am stärksten betroffenen Orten. An anderen Orten hingegen nahm die Zahl der täglichen Todesfälle durch die Krankheit zu Beginn dieser Pandemie viel langsamer zu.

Dieses Muster hoher und stark unterschiedlicher Wachstumsraten der täglichen Todesfälle durch COVID-19 endete sehr schnell. Ein relativ langsames Wachstum oder sogar eine Schrumpfung der täglichen Todesfälle durch die Krankheit wurde an jedem untersuchten Ort 20 bis 30 Tage nach dem ersten Auftreten von 25 kumulativen Todesfällen beobachtet.

Die Unterschiede der Wachstumsraten der täglichen Todesfälle zwischen den Orten ging sogar noch schneller zurück. Seit Ende Juli 2020 ist weltweit weiterhin ein relativ langsames Wachstum oder sogar ein Schrumpfen der täglichen Todesfälle durch die Krankheit zu beobachten, und die Unterschiede bei den Änderungen der täglichen Todesfälle zwischen den Regionen bleibt auf einem niedrigen Niveau.

Der Einfluss der politischen Maßnahmen ist gering bis nicht vorhanden

In einigen Studien wurden die Rückgänge der Todesfälle auf die politischen Maßnahmen zurückgeführt. Die Studie kommt aber zum Schluss, dass der Einfluss der NPIs für die Reduzierung der Übertragungsraten stark überschätzt wird. Diese Raten sind auch dann gering geblieben, wie die Einschränkungen schrittweise gelockert worden sind.

COVID-19 ist nicht die erste Epidemie, bei der die Übertragungsraten schneller gesunken sind, als von einfachen epidemiologischen Modellen vorhergesagt werden kann. Viele Studien weisen nach, dass dieser rasche Rückgang der Übertragungsraten ein allgegenwärtiges Merkmal menschlicher Epidemien ist. Es gibt dazu zwei Hypothesen, warum die Übertragungsraten bei Epidemien beim Menschen rasch sinken.

Die erste dieser Hypothesen besagt, dass der Mensch nach Ausbruch einer Epidemie spontan Maßnahmen ergreift, um eine Krankheitsübertragung zu vermeiden. Für COVID-19 deuten zahlreiche Echtzeit-Mobilitäts- und Wirtschaftsdaten darauf hin, dass die sozialen und wirtschaftlichen Interaktionen des Menschen an einer großen Zahl von Orten erheblich zurückgegangen sind. Es sind jedoch weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um festzustellen, ob dieser Rückgang der menschlichen Interaktionen entsprechend groß und weit verbreitet ist, um den offensichtlichen Rückgang der Übertragungsraten für COVID-19 weltweit zu erklären.

Die zweite Hypothese besagt, dass die Netzwerkstruktur menschlicher Interaktionen naturgemäß schneller zu einer Verlangsamung der Krankheitsübertragung führt, als es ein einfaches epidemiologisches Modell voraussagen würde, bei dem die Bevölkerung gleichmäßig mit allen anderen interagiert.

Diese zweite Hypothese haben auch die führenden Epidemiologinnen Sunetra Gupta und Maria M. Gomes in ihren Arbeiten weiter entwickelt. Die Folge sei Herdenimmunität, erreicht bei Infektion von 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung.

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