Bei Alltagsmasken kann Übertragungsrisiko steigen statt abzunehmen

In der Maskendiskussion hat sich nun Prof. Dr. Markus Veit, Apotheker und Geschäftsführer der Alphatopics GmbH, einer Beratungsfirma für die pharmazeutische Industrie mit einem Beitrag in der Deutschen Apotheker Zeitung zu Wort gemeldet und ist entsetzt. Alle bisher gültigen und wohlfundierten Normen würden außer Kraft gesetzt und die Qualität der Studien sei miserabel. Viele der Daten aus Studien über die Effizienz des Infektionsschutzes sind ungeeignet Antworten zu liefern, „auch wenn der Titel der Studien oder die Interpretation der erhaltenen Ergebnisse durch die bestenfalls halbgebildeten „Faktenchecker“ der Medien dies suggerieren.“

Plötzlich ist alles anders. Gab es bis vor kurzem für Schutzmasken exakte Normen, die vollumfänglich erfüllt werden mussten, hat die Corona-Pandemie hier deutliche Liberalität geschaffen. Diese Entwicklung begeistert Veit gelinde gesagt nicht. Er findet sie sogar bedenklich: „Seit März ist es nun völlig egal, welche Masken wir (auch in der Apotheke) zum Infektionsschutz verwenden, ob wir die aus der Werkstatt holen, beim Fanclub einkaufen oder selbst nähen – Hauptsache Maske!“, schreibt Veit in seinem Gastkommentar in der Rubrik „Pandemie Spezial“ in der DAZ 33/2020. Hätte das Robert Koch-Institut noch vor einem Jahr zum Tragen von Masken aufgerufen, die kein Zertifizierungsverfahren für Medizinprodukte durchlaufen haben und kein CE-Signum tragen, wäre es ein Skandal gewesen, ist der Apotheker überzeugt.

Aber er geht noch weiter und attestiert den Alltagsmasken sogar, dass sie das Übertragungsrisiko erhöhen können und weiß das sehr einleuchtend zu begründen:

„Ein Risiko der Alltagsmasken, auf das anfangs auch das RKI immer wieder hingewiesen hat, ist, dass damit eine vermeintliche Sicherheit suggeriert wird. Ein anderes (wissenschaftlich bisher unbewiesenes, aber plausibles) Risiko ist, dass das Übertragungsrisiko steigt und nicht abnimmt! Warum ist das so? Wenn wir beispielsweise durch Wolle oder Baumwolle (die häufig bei den selbst gefertigten Masken verwendet und in unzähligen Foren empfohlen wird) ausatmen, kondensiert sich die Feuchtigkeit in der Atemluft an den Fasern. Das hängt mit der Mikrostruktur der Fasern zusammen. Dabei bildet sich auf diesen ein Wasserfilm (das kann jeder mal ausprobieren). In mehr oder weniger großem Ausmaß geschieht das auch bei textilen Geweben. In diesem Habitat können Viren bestens überleben, es ist geradezu optimal für sie. Anders als professionelle Masken werden die selbst gefertigten nach der Benutzung nicht entsorgt, sondern die Menschen legen sie irgendwo ab und tragen so möglicherweise zur Verbreitung der Viren bei. Dieses Ablegen wird ja in Schulen und Gaststätten behördlicherseits auch noch verordnet, indem man beim Kommen und Gehen eine Maske tragen muss und dann nicht mehr – welch ein Unsinn! Die Verwendung von selbst genähten Masken kann deshalb aus meiner Sicht mit einer Gefährdung für Andere verbunden sein. Das alles gilt, wenn man selbst infiziert ist. Einen Schutz vor Ansteckung bieten alle diese Masken ohnehin nur bedingt – wenn überhaupt. Das gilt auch deshalb, weil man sich beim Tragen von Masken häufiger ins Gesicht fasst.“

Er nimmt auch die Apotheker in die Pflicht: „Wieso wird seitens der Experten in diesem Lande zu denen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen gehören, dazu geschwiegen; und nicht nur das; es wird sogar proaktiv mitgemacht: Es soll sogar Apotheken geben, die eigene ‚Alltagsmasken‘ anbieten“, wundert sich Veit.

Veit erklärt auch sehr einfach wie Masken wirken und wo sie versagen. Viren werden nicht einzeln, sondern in Feuchtigkeit in Form Tröpfchen oder Aerosolen befördert. Entscheidend , ob es zur Infektion kommen kann, ist die Partikelgröße und die Viruslast, die zur Übertragung einer Infektion benötigt wird.

Die kleinen Partikel, die lange in der Luft schweben , werden weder von den chirurgischen Masken noch von den selbstgenähten Stoffmasken zurückgehalten. Dafür braucht es die FFP2 oder FFP3 Masken. Je größer die Partikel, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den Fasern einer gewöhnlichen Maske haften bleiben. Je größer und schwerer, desto rascher fallen die Tröpfchen aber zu Boden.

Also schließt der Apotheker:

„Für den Schutz vor solchen Partikeln brauchen wir eigentlich keine Masken, wenn wir ­anderen Menschen nicht zu nahekommen. Das alles gilt vor allem in geschlossenen Räumen. Im Freien persistieren Aerosole in der Regel nicht sehr lange und nach allem was wir wissen, überleben dort die Coronaviren auch nicht lange, weshalb hier Masken eigentlich nicht gebraucht werden, oder nichts nützen, da Aerosole nur dann langlebiger sind, wenn die Partikelgrößen sehr klein sind und dann aber mit „normalen“ Masken kein Schutz besteht.“

Neben der Effizienz der Maske selbst gibt es aber noch eine Reihe anderer Faktoren, die über die Wirksamkeit entscheiden. Sitzt die Maske ordentlich, oder geht der Großteil der Luft ohnehin an den Rändern als Nebenfluss vorbei. Was passiert bei Infizierten mit den in der Masken eingefangenen Partikeln. Art und Häufigkeit der Reinigung haben also großen Einfluss darauf, ob über die Maske selbst andere infiziert werden.

Ein weiteres Problem, das Veit nicht erwähnt, ist die Entsorgung von Masken. Vor allem die aus Kunststoff gefertigten chirurgischen und Einweg-Masken, wachsen sich bereits zu einer veritablen Umweltkatastrophe aus. Selbst das Mittelmeer und Strände sind schon voll damit.

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