Nur 10 Prozent der Europäer sehen die USA noch als „Verbündeten“

10. Juni 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

Eine aktuelle Umfrage ein ernüchterndes Bild der Realität. Laut Umfrage des European Council on Foreign Relations (ECFR) betrachten nur noch 10 Prozent der Europäer die Vereinigten Staaten als Verbündeten.

Die Umfrage des ECFR wurde heute veröffentlicht und zeigt die immer tiefer werdende Kluft zwischen der Politik der EU und der meisten Nationen zur Meinung der Bürger. Diese Zahl ist ein deutliches Signal. Sie passt zu einer Reihe ähnlicher Erhebungen der letzten Monate, die einen kontinuierlichen Vertrauensverlust dokumentieren. Ob es die aggressiven Zoll- und Sanktionspolitik unter Trump, die anhaltenden Forderungen nach mehr europäischen Militärausgaben oder die offenen Drohungen gegenüber europäischen Staaten sind – die Bevölkerung in Europa nimmt wahr, was die politische Klasse lange zu ignorieren versucht hat: Die USA handeln primär nach eigenen geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen, nicht als selbstloser Partner. Mehr Europäer sehen die USA als Bedrohung an als China.

Von „wichtigstem Verbündeten“ zur „notwendigen“ Zusammenarbeit

Noch vor wenigen Jahren galt die NATO und die enge Bindung an Washington in weiten Teilen der europäischen Öffentlichkeit als sakrosankt. Heute sehen immer mehr Bürger die USA nicht mehr als natürlichen Verbündeten, sondern bestenfalls als „notwendigen Partner“, mit dem man aus Mangel an Alternativen zusammenarbeiten muss. In manchen Erhebungen wie jener des European Council on Foreign Relations (ECFR) lag der Anteil derer, die die USA klar als Verbündeten sehen, bereits bei rund 16 Prozent – Tendenz weiter fallend.

In Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Spanien nähern sich die Anteile derer, die Washington eher als Rivalen oder sogar Bedrohung empfinden, teilweise der 30-Prozent-Marke. Besonders auffällig ist die Entwicklung in traditionell atlantisch orientierten Staaten. Die Kombination aus wirtschaftlichem Druck (Zölle, Energiemarktmanipulation), politischer Einmischung und dem offenen Vorrang amerikanischer Interessen hat das Vertrauen nachhaltig beschädigt.

Für nicht-westliche Beobachter ist der Zerfall des transatlantischen Narrativs kein Zufall, sondern logische Konsequenz einer Politik, die Europa de facto als Vasallen behandelt – sei es bei der Durchsetzung von Sanktionen gegen Russland, die der europäischen Industrie Milliarden gekostet haben, oder bei der Unterordnung unter US-Strategien im Nahen Osten und gegenüber China.

Die Kernzahlen der ECFR-Umfrage

  • Nur 16 % sehen die USA als „Ally“ (Verbündeten, der gemeinsame Interessen und Werte teilt) – ein Rückgang von früheren 22 %.
  • Ca. 50 % betrachten die USA als notwendigen Partner, mit dem man aus strategischer Notwendigkeit zusammenarbeitet.
  • 20 % sehen die USA bereits als Rivalen oder sogar Gegner. In Ländern wie Deutschland, Frankreich und Spanien nähert sich dieser Anteil der 30-Prozent-Marke. In der Schweiz sogar 39 %.

Besonders bemerkenswert: Selbst in traditionell atlantisch gesinnten Ländern wie Polen und Dänemark überwiegt nun die Sicht als „necessary partner“ statt „ally“. Die Verschiebung hat sich vor allem seit der Wiederwahl Trumps beschleunigt.

Die „Europäische Archipel“-Analyse der ECFR

Die Denker des ECFR beschreiben die europäische Öffentlichkeit treffend als „Archipel“ – eine Ansammlung unterschiedlicher Inseln der Meinung:

  • Euro-Hawks (28 %): Realistisch gegenüber den USA, für höhere Verteidigungsausgaben und grundsätzlich EU-positiv. Diese Gruppe wäre offen für mehr europäische Souveränität.
  • Euro-Doves (21 %): Skeptisch gegenüber den USA und EU-freundlich, aber gegen mehr Militärausgaben.
  • Atlanticists (12 %): Der schrumpfende harte Kern, der die USA weiter als echten Verbündeten sieht – vor allem in Polen, Estland und Großbritannien.
  • Weitere Gruppen wie „Renegades“, die generell systemkritisch sind.

Nur eine Minderheit vereint alle „gewünschten“ Positionen: Realismus gegenüber den USA + Bereitschaft zu mehr Verteidigung + positive EU-Haltung. Die europäische Öffentlichkeit ist also fragmentiert – genau das, was eine souveräne Politik erschwert, aber auch Chancen für neue

Die Kosten der Abhängigkeit

Die Umfrageergebnisse kommen nicht von ungefähr. Europäische Bürger spüren die realen Konsequenzen:

  • Wirtschaftlich: Hohe Energiepreise nach der Sprengung von Nord Stream (bis heute ohne ernsthafte westliche Aufklärung), deindustrialisierung und Wettbewerbsnachteile durch US-Zölle und Subventionen (Inflation Reduction Act).
  • Militärisch: Ständige Forderungen nach höheren Ausgaben für die NATO, während die USA selbst selektiv agieren und Europa in Konflikte hineinziehen, die primär amerikanischen Interessen dienen.
  • Politisch: Die offene Unterstützung für Regime-Change-ähnliche Entwicklungen in europäischen Ländern und die Behandlung souveräner Entscheidungen als Hindernis.

Viele Menschen in den Nationen Europas erkennen zunehmend, dass „der Westen“ kein monolithischer Block mit identischen Interessen ist, sondern dass Washington seine eigene Agenda verfolgt – meist auf Kosten anderer Länder. Solange die Brüsseler und nationalen Eliten diese Realität leugnen, wird der Graben zwischen Bevölkerung und politischer Klasse weiter wachsen.

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7 Kommentare

  1. Varus 11. Juni 2026 um 5:17 Uhr - Antworten

    Weitere Gruppen wie „Renegades“, die generell systemkritisch sind.

    Das wäre ich dann wohl, da mich weder die korrupte EUdSSR noch Trump-Tribute von 5% BIP (Rüstung) begeistern. Auf gar keinen Fall gehöre ich zu den „… Atlanticists (12 %): Der schrumpfende harte Kern, der die USA weiter als echten Verbündeten sieht – vor allem in Polen, Estland und Großbritannien. …“ Peinlich, diese US-Hörigkeit in Polen, welche viele andere frühere Ostblock-Länder vermeiden.

    • 1150 11. Juni 2026 um 8:00 Uhr - Antworten

      wie nannte der kriegsverbrecher churchill die polen zu recht: sie seien die hyänen europa’s

      • 1150 11. Juni 2026 um 8:03 Uhr

        allerdings muss man einem polen auch die rettung europa’s zugute halten ….

      • Varus 11. Juni 2026 um 9:59 Uhr

        Wie Sie selbst schreiben – Kriegsverbrecher, also nur bedingt zitierfähig. Andererseits nervt mich viel aktueller polnischen Politik wie das Verlangen nach 1,3 Billionen an „Reparationen“ aus Schland, inzwischen neben PiS auch von PO übernommen.
        Als es darum ging, im US-Interesse gegen Öl und Gas aus Russland zu hetzen, stand Polen (damals PiS) in allererster Reihe – jetzt geht Westeuropas Industrie unter. Ein AfD-MdB sagte mal, dafür müsste eigentlich Polen Reparationen zahlen.

  2. Der Zivilist 10. Juni 2026 um 14:28 Uhr - Antworten

    Die vielen Rechtschreibfehler sind schade.

  3. VerarmterAdel 10. Juni 2026 um 12:31 Uhr - Antworten

    Solange EUropa zu 100 Prozent hinter dem armen, kleinen ewigen Opfer steht, ist der Untergang auch so garantiert.

  4. Daisy 10. Juni 2026 um 12:05 Uhr - Antworten

    OH, eine EU-Umfrage…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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