
EU „cancelt“ Russen-Gas, Norwegens Produktion sinkt um 12,5 %
Beiden Entwicklungen führen dazu, dass die Gasversorgung der EU und Großbritanniens im Jahr 2026 praktisch über Nacht um 11–16 % sinken, was auf einen schweren wirtschaftlichen Abschwung hindeutet. Wer in den nächsten Wochen und Monaten behauptet, diese Probleme seien gleichsam „vom Himmel gefallen“, der will Sie zum Besten halten.
Norwegen ist bekanntlich ein bedeutender Produzent fossiler Energieträger, dessen Abnehmer größtenteils im benachbarten Europa liegen (alle Übersetzungen und Hervorhebungen stammen von mir):
Norwegen spielt auf dem globalen Rohölmarkt eine untergeordnete Rolle und deckt mit seiner Produktion etwa 2 % des weltweiten Bedarfs ab. Die norwegische Erdgasproduktion deckt hingegen rund 3 % des weltweiten Bedarfs ab. Als Exporteur ist Norwegen jedoch ein wichtiger Akteur. Norwegen ist der viertgrößte Erdgasexporteur der Welt, nach den USA, Russland und Katar. Im Jahr 2024 exportierte Norwegen ein Gasvolumen, das mehr als 30 % des gesamten Gasverbrauchs der EU und Großbritanniens entsprach. Nahezu das gesamte auf dem norwegischen Festlandsockel geförderte Öl und Gas wird exportiert. Öl und Gas machen zusammen mehr als die Hälfte des Gesamtwerts der norwegischen Warenexporte aus. Öl und Gas sind die wichtigsten Exportgüter der norwegischen Wirtschaft.
Kurz gesagt: Betrachten Sie Norwegen nicht als kleines Land in Nordeuropa, sondern eher im Kontext der arabischen Emirate und anderer kleiner Ölstaaten am Persischen Golf.
Das obige Zitat stammt von der interessanten Website Norsk Petroleum.

Die norwegische Gasförderung hat ihren Höhepunkt überschritten
Auf dieser Webseite gibt es auch Produktionszahlen, allerdings (vorerst „nur“) für 2024. Wollen Sie raten, wie sie 2025 aussehen?
Nun, laut derselben Website heißt es Folgendes (Quelle):
2025 produzierte Norwegen 238 Millionen Standardkubikmeter Öläquivalent (Sm³ o.e.) marktfähiger Erdöl[-produkte]. Zum Vergleich: Die Gesamtproduktion lag 2025 etwa zehn Prozent unter dem Rekordjahr 2004.
Lassen Sie sich nicht täuschen: Die gesamte produzierte Menge fossiler Energieträger wird in eine große, wichtig klingende Kategorie verpackt – und solange Sie nicht genauer hinschauen, merken Sie nichts von den Teufelchen, die wie immer in den Details stecken (klickbarer Quelllink).

Die Zusammensetzung des Produktionsmaximums von 2004 („Peak Oil“, oder Ölfördermaximum) unterschied sich deutlich von der Produktion von 2024 oder 2025 hinsichtlich der geförderten Kohlenwasserstoffe (und deren Förderpreise).
Die oben genannte Website ist hervorragend – vor allem, weil die Grafik interaktiv ist (d. h., sie zeigt Produktionszahlen an, wenn man den Cursor darüber bewegt) und zudem herunterladbare Daten bietet, aus denen wir Folgendes erfahren:
Die norwegische Ölproduktion erreichte 2001 mit 181,18 Standardkubikmetern Öläquivalent (Sm³ o.e.) ihren Höhepunkt; bis 2004 sank sie auf 165,48 Sm³ o.e., ein Rückgang um etwa 9 %.
Was Erdgas betrifft, so produzierte Norwegen vor Mitte der 1990er-Jahre vergleichsweise wenig. Und genau hier liegt meiner Meinung nach der Kern der Sache: Die Gasproduktion bewegte sich zwischen 1984 und 1995 im Bereich von etwa 25 bis 28 Sm³ Öläquivalent (Sm³ o.e.). Danach stieg sie sprunghaft an und verdoppelte sich von 1995 (27,81 Sm³ o.e.) bis 2001 (54 Sm³ o.e.) und verdoppelte sich von 2001 bis 2014 erneut (108,3 Sm³ o.e.). Seitdem stagniert die Gasproduktion auf einem relativ unebenen Plateau und lag zwischen 112,32 Sm³ o.e. (2020) und 126,32 Sm³ o.e. (2024).
Im Jahr 2025 ging die norwegische Gasproduktion um etwa 12,5 % (im Vergleich zu 2024) auf 110,39 Sm³ o.e zurück.
EU-Gas-Zukunft vs. Gasversorgungsrückgang von 12–16 %
Und hier ist der Grund, warum dies relevant ist, insbesondere für die Zukunft der EUroklatura:

Dies sind Daten aus dem Jahr 2024 (die Daten für 2025 werden voraussichtlich Ende März 2026 veröffentlicht, aber wer weiß schon, wie die Lage in zwei Monaten aussehen wird); und hier ist der Grund, warum dies wichtig ist:
Im Jahr 2024 lieferte Norwegen etwa 30 % der gesamten Erdgasversorgung der EU und Großbritanniens, während russisches Pipelinegas weitere 7 % beisteuerte.
Am 26. Januar 2026 gab der EU-Rat, in schier unendlichen Weisheit, grünes Licht für ein schrittweises Verbot russischer Gasimporte. So berichtet etwa Reuters wie folgt (Quelle):
Das Verbot war so konzipiert, dass es von einer größeren Mehrheit der Länder gebilligt werden konnte, um den Widerstand Ungarns und der Slowakei zu überwinden, die weiterhin stark von russischen Energieimporten abhängig sind und enge Beziehungen zu Moskau pflegen wollen.
Gemäß dem Abkommen wird die EU die Importe von russischem Flüssigerdgas bis Ende 2026 und von Pipelinegas bis zum 30. September 2027 einstellen.
Das Gesetz sieht vor, dass diese Frist spätestens auf den 1. November 2027 verschoben werden kann, falls ein Land Schwierigkeiten hat, seine Gasspeicher vor dem Winter mit nicht-russischem Gas zu füllen.
Russland lieferte vor 2022 mehr als 40 % des EU-Gasbedarfs. Dieser Anteil sank laut den aktuellsten verfügbaren EU-Daten bis 2025 auf rund 13 %.
Einige EU-Länder zahlen jedoch weiterhin an Moskau für Öl, Pipelinegas und Flüssigerdgas, was ihren Bemühungen, die Ukraine zu unterstützen und die Finanzierung der russischen Kriegswirtschaft einzuschränken, widerspricht.
Sollten die Zahlen im Reuters-Artikel stimmen – und das ist durchaus wahrscheinlich –, sieht die Lage hinsichtlich der oben genannten norwegischen Daten noch düsterer aus.
Der Rückgang der norwegischen Erdgasproduktion um 12,5 % im Jahr 2025 bedeutet, dass etwa 3,5–4 % der Erdgaslieferungen aus Norwegen an die EU und das Vereinigte Königreich fehlen. Zieht man von den norwegischen Daten die 7 % Erdgaslieferungen aus Russland ab, ergibt sich für 2026 ein Versorgungsrückgang von etwa 11–12 %.
Sollten die von Reuters veröffentlichten Zahlen für die russische Gasversorgung im Jahr 2025 stimmen (was durchaus wahrscheinlich ist), würde die Gasversorgung der EU und des Vereinigten Königreichs in diesem Jahr um bis zu 16–17 % sinken. Und zwar im Vergleich zum Vorjahr.
Sind diese Zahlen einigermaßen realistisch, wird ein Versorgungsrückgang von 12 bis 16 % unweigerlich zu
- massiven Preissprüngen quasi über Nacht (da dies von den Terminhändlern bereits eingepreist wird) und
- einer (höchstwahrscheinlich massiv deflationären) Wirtschaftskrise führen.
Mit anderen Worten: Viel Glück, Brüssel (und Frankfurt, Sitz der EZB), bei dem Versuch, dieses Chaos zu beheben, dass die EUroklatura sich selbst, vor allem aber allen EU-Bürgerinnen und Bürgern eingebrockt haben.
Fazit und Ausblick
Wir stehen zumindest vor einem schweren Wirtschaftsschock, dessen Auswirkungen sich 2026 auf die gesamte Wirtschaft der EU und Großbritanniens auswirken werden.
Die meisten Regierungen sind bereits jetzt äußerst unbeliebt, und die verantwortlichen (sic) Politiker™, Experten™ und Journalisten™ werden wohl alle so tun, als sei alles auf das böse, böse Russland zurückzuführen – denn jeder davon abweichende Gedanke verweist recht eindeutig auf die Führungsriege der EU (und die massiv von dieser verschlechterte Versorgungslage).
Werden wir erleben, wie wütende Bürger die Tuilerien (1789) oder den Winterpalast (1917) – ich meine den Sitz der EU-Kommission in Brüssel – stürmen?
Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass 2026, um es mit einem chinesischen Sprichwort zu sagen, ein sehr, sehr interessantes Jahr wird, am ehesten jedoch möglicherweise für die EUroklatura.
Bild User:Jarvin Jarle Vines – no:wikipedia, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=897168
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Man muß sich das einmal vorstellen:
Die selben Leute, die sich die sicherste, kostengünstige und umweltfreundlichste Art der Erdgasversorgung, nämlich die über Pipelines, OHNE NOT selbst abgedreht haben und dann auch noch wegsprengen ließen (einschließlich der landeseigenen fossilen und nuklearen Grundlastkraftwerke, um praktisch unumkehrbare Tatsachen zu schaffen), haben jetzt in einem kurzen Lichtblick der Erkenntnis wohl doch erkannt, dass es ohne Grundlastkraftwerke nicht geht.
Diese wollen sie aber nun ausgerechnet (wieder) mit Erdgas betreiben, genau der Energieform, die in der EU dank ihrer EIGENEN Strategie wohl immer mehr zur teuren Mangelware werden wird (Wasserstoff wird ja vermutlich noch über einen längeren Zeitraum nur ein feuchter Traum bleiben).
Damit wird aber auch immer mehr zur Gewißheit, dass Europa zu einer Irrenanstalt verkommen ist, in der die Irren auch noch die Anstaltsleitung stellen.