Ist ein „Klimaziel“ nicht erreichbar verschiebt man es um 15 Jahre

19. Dezember 2024von 3,1 Minuten Lesezeit

Kanada ist eines der Länder, die glauben, dass die Reduzierung der CO2-Konzentration in der Luft das Klima verändern würde. Statt 2035 will man aber erst 2050 eine „Netto-Null-Stromerzeugung“ realisieren. Die Investitionen in diese Art von „sauberer“ Energie fallen weltweit.

Kanada hat am Dienstag nach einem Bericht von Reuters die endgültigen Vorschriften für sauberen Strom (Clean Electricity Regulations, CER) vorgestellt, die darauf abzielen, bis 2050 ein Netto-Null-Stromnetz zu schaffen, und damit das bisherige Ziel eines emissionsneutralen Netzes bis 2035 aufgeben.

Ottawa nahm sein ursprüngliches Ziel nach Rückmeldungen einiger Provinzen und Teilnehmern der Energiebranche zurück, die angaben, dass der Entwurf der CER-Vorschriften die Stromversorgung in Kanada weniger zuverlässig und teurer machen und das Risiko von Stranded Assets bergen würde, wie Regierungsbeamte in einer Pressekonferenz mitteilten.

Kanada erzeugt bereits 85 % seines Stroms aus Quellen wie Wasserkraft, Wind- und Solarenergie, aber die weniger ehrgeizigen Vorschriften bedeuten, dass es für das Land schwieriger sein wird, sein Klimaziel zu erreichen, die CO2-Emissionen bis 2035 45–50 % unter das Niveau von 2005 zu senken.

Die endgültigen Vorschriften werden die kumulierten Kohlenstoffemissionen des Netzes zwischen 2024 und 2050 um fast 181 Megatonnen senken, während die Entwürfe der Vorschriften darauf abzielten, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts 342 Megatonnen zu reduzieren. Eine weitere Flexibilität besteht darin, dass von den Anlagen erwartet wird, dass sie sich an ein jährliches Emissionslimit halten, anstatt einen strengen Leistungsstandard einzuhalten, der jederzeit erfüllt werden muss.

Die wichtigste Öl- und Gasförderprovinz Kanadas, Alberta, lehnte den CER-Entwurf entschieden ab, wie TKP früher berichtete, und erklärte, die endgültigen Vorschriften seien immer noch unangemessen und beeinträchtigten die Zuständigkeit der Provinz. Alberta plant, die Vorschriften vor Gericht anzufechten.

ESG und Investitionen unter Druck

In den USA hat die Börsenaufsichtsbehörde (SEC) laut Bloomberg ihre Anforderungen an Unternehmen zur Offenlegung von ESG-Statistiken verwässert – und das gesamte Konzept ist nahezu undurchführbar, es sei denn, jeder muss standardisierte Statistiken offenlegen. Im September löste sie stillschweigend ihre Task Force zur Durchsetzung von ESG-Standards auf. Nun wird die Trump-Regierung wahrscheinlich die Abschaffung solcher Regeln zu einer ihrer ersten Amtshandlungen machen. ESG steht für Evironment, Social und Governance, also woke Netto-Null-Politik.

Damit wäre ein Rückzug abgeschlossen, der größtenteils bereits stattgefunden hat. Ein Blick auf die Gesamtmarktkapitalisierung der Flaggschiff-Indexfonds von BlackRock, die die globalen Sektoren Energie und saubere Energie abdecken, zeigt, dass der Fonds für „saubere“ Energie nach einem Boom im Jahr 2021 stetig geschrumpft ist und nun etwas weniger wert ist als der Hauptenergiefonds:

In den letzten zwei Jahren gab es einen Exodus aus Aktien für saubere Energie:

Ein Großteil davon ist auf die sinkenden Aktienkurse von Aktien aus dem Bereich saubere Energie zurückzuführen. Wenn wir uns jedoch die Anzahl der Anteile am Indexfonds ansehen, wird deutlich, dass es während der Pandemie enorme Zuflüsse gab und ein Großteil dieses Geldes nun abgezogen wurde.

Investoren verlieren das Interesse an dem Konzept, und Behauptungen, dass ESG die globale Erwärmung verringern oder fossilen Brennstoffkonzernen das Kapital entziehen würde, sind offenbar falsch.

In den USA wird die Abkehr von der Netto-Null-Fantasterei rasch vollzogen sein. Bis das auch in die Köpfe europäischer Politiker geht, wird noch viel Wasser die Donau hinab fließen und dabei günstigen Strom erzeugen.

Bild von Oto Zapletal auf Pixabay

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8 Kommentare

  1. bekir 21. Dezember 2024 um 11:03 Uhr - Antworten

    „Leider nicht mehr möglich“: Jetzt begräbt Habeck sein letztes großes Energie-Vorhaben

    Die Umstellung des Stromsystems auf erneuerbare Energien erfordere den Zubau von flexiblen Kapazitäten. Das hierfür nötige Gesetz – das Kraftwerkssicherheitsgesetz – liege fertig auf dem Tisch, könne wegen des Bruchs der Ampel-Koalition aber nicht mehr umgesetzt werden.
    Die ersten der neuen (Gas-!)Kraftwerke sollten eigentlich 2030 in Betrieb genommen werden und dann die Kohlekraftwerke ersetzen, was sich nun zeitlich auch nicht mehr halten lasse.
    https://www.focus.de/earth/analyse/ende-der-kraftwerksstrategie-habeck-begraebt-sein-letztes-grosses-energie-vorhaben_id_260555381.html

    Traumtänzer Habeck wäre wohl gerne bis zum regulären Ende der Legislatur-Periode im Amt geblieben und glaubt wohl, er hätte in den sechs nun entfallenden Monaten die Welt retten können.
    Vielleicht irrt er sich da und sein vorzeitiger Abgang ist ein kleiner Beitrag zur Rettung Deutschlands?
    Als Mann ohne Ahnung (Insolvenzleugner) und ohne (Langfrist-)Plan symbolisierte er das Gegenteil von Investitions-Sicherheit, so dass alles, was er anfasste, schief ging – WEIL er es anfasste (oder genauer: weil ER es anfasste: Seiner Regierungs-Werbung für die Wärmepumpe misstrauten die Deutschen so sehr, dass der Wärmepumpen-Absatz sich prompt halbierte – ein Glanzpunkt grüner Regierungspolitik!

  2. Jurgen 20. Dezember 2024 um 20:14 Uhr - Antworten

    Fakten werden genau dann wieder wichtig, wenn der (Abzock-)Hype vorbei ist ;-)

  3. bekir 20. Dezember 2024 um 15:51 Uhr - Antworten

    Verschieben Angelsachsen das große Ziel, weil sie nicht an die eigenen Kräfte glauben?
    Oder weil sie (insgeheim) gar nicht ans große Ziel glauben, aber die anderen drängen wollen, sich weiterhin von dem Lügen-Narrativ beherrschen zu lassen, dass man ihnen erfolgreich eingeredet hat, um sie zu manipulieren und zu bremsen?

    Letzteres ist eine Sichtweise, die sich in der Hegemon-geschädigten BRICS-Welt mehr und mehr durchsetzt:
    „Wie der Westen das Thema Klimawandel zum Erhalt seiner Vorherrschaft benutzt“,
    https://anti-spiegel.ru/2024/wie-der-westen-das-thema-klimawandel-zum-erhalt-seiner-vorherrschaft-benutzt/

    Der russischee Rosneft-Chef Setschin prangert an:
    Nach einer Untersuchung der internationalen Organisation Oxfam hat die Weltbank es versäumt, Rechenschaft über fast 41 Milliarden Dollar abzulegen, die für Projekte im Zusammenhang mit dem Klimawandel ausgegeben wurden. Hegemon USA nutze seinen Status als globaler Hegemon und schaffe Sonderbedingungen für die eigene Wirtschaft auf Kosten anderer Marktteilnehmer, einschließlich der Verbündeten.

    Er sieht die USA in der „Thukydides-Falle“ – ein Hegemon möchte aufsteigende Konkurrenten wegbeißen und führt Krieg auf allen Ebenen, auch eben mittels des Klima-Narrativs als geopolitische Waffe.
    Eine Waffe, die sich aber als Rohrkrepierer erweise, denn die USA seien bei den wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der „sauberen“ Energie 15 Jahre im Rückstand, über 70 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten für Ausrüstungen in diesem Bereich seinen in China.

    • bekir 20. Dezember 2024 um 16:31 Uhr - Antworten

      Früher wurde sorgfältig zwischen Wetter und Klima unterschieden. Wetter ändert sich ständig (täglich) – fürs Klima betrachten wir Zeitraum von 30 Jahren und mehr.
      Doch in der Zeitenwende herrscht Krieg an allen Fronten, die eigene Vormacht bröckelt und das Panikmangement erfordert schärfere Begriffe (die Erde erwärmt sich nicht mehr – sie glüht schon) und kühnere Thesen, die nicht mehr auf alte Traditionen Rücksicht nehmen können.

      „In diesem Jahr wird die Erderwärmung von 1,5 Grad erstmals praktisch sicher übertroffen.“
      unken die Gazetten gerade, um in die vorweihnachtliche Freude etwas Angst hineinzuträufeln.
      Letztes Jahr soll ja das wärmste seit 125.000 Jahren gewesen sein, also bedarf es 2024 eines etwas anderen Panik-Wordings, sonst merken am Ende sogar die flüchtigen Leser noch, wie manipuliert wird.

      Die etwas kritischeren fängt man weiter hinten im Artikel auf:
      „Forscher und der Weltklimarat betrachten dazu die durchschnittliche Temperatur von 20 Jahren im Vergleich zum Zeitraum 1850 bis 1900. Wenn die Temperatur im Durchschnitt dieser Jahre um 1,5 Grad erhöht war, bestimmen sie das mittlere Jahr als Grenzjahr. Das geht daher erst zehn Jahre rückwirkend.“
      (Merke: die 30 wurden schon zu 20 Jahren gestutzt)

      Aber auch das reicht nicht – so lange haben richtige Paniker halt keine Zeit, daher:
      Ansätze, die Messzeit von 20 auf zehn Jahre zu verkürzen, seien nicht sehr hilfreich, weil dann immer noch fünf Jahre gewartet werden müsse. „Das ist immer noch eine lange Zeit, in der dringend gehandelt werden muss.“

      Etwas versteckt, aber ganz ehrlich wird das Dilemma zugegeben:
      „Eine weitere Verkürzung des durchschnittlichen Zeitraums sei allerdings ebenfalls nicht sinnvoll, weil dann die natürliche Variabilität der Temperatur dominiere.“

      Die Weltwetterorganisation sucht Abhilfe und prüft derzeit alternative Berechnungsansätze:
      „Letztendlich ist es wichtig zu erkennen, dass (…) jeder Bruchteil eines Grades der Erwärmung bedeutend ist. Egal, ob die Erwärmung unter oder über 1,5 Grad Celsius liegt, jede zusätzliche Erwärmung führt zu Veränderungen bei Extremen und Risiken, die rasch zunehmen.“

      Der Artikel schwelgt dann in allgemeinen Klima-Zielen und der „hohen Symbolkraft“ der 2015 vereinbarten Werte von 1,5 bzw. 2 Grad.

      Letztendlich bleibt daher auch bei den nicht ganz so flüchtigen Lesern hängen:
      Wir können keine 30 Jahr warten und auch keine fünf. Die diesjährige 1,5-Grad-Überschreitung war daher kein warmes Wetter, sondern gefährlicher Klimawandel, basta.

      https://www.rnd.de/wissen/1-5-grad-erderwaermung-uebertroffen-ziele-von-klimakonferenz-verfehlt-RE5224LQSRK3XDIVSRISJTNZNY.html

      Mein vereistes Außenthermometer zeigt Minus-Temperaturen. Aber keine Sorge: Schon morgen hat der Wetterbericht wieder Klimawandel.

      • Jurgen 20. Dezember 2024 um 20:18 Uhr

        Ich sage nur: der massivste Klimawandel ist der zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter…

  4. Sabine Schoenfelder 19. Dezember 2024 um 18:24 Uhr - Antworten

    Mit Trump findet ein Globalisten-Wechsel statt. 😁👍 Pharma, Rüstung und Klima-Gedöns werden zugunsten von starlink, „Fossil-Industrie“, und „Sicherheitstechnik“ aus dem Hause Thiel und Musk „libertär“ 🤓 hinten angestellt.
    Es wird nicht „alles“ anders werden, aber manches hoffentlich besser. Nicht etwa, weil jetzt nur noch Menschenfreunde regieren…nein….weil deren finanzielle Interessen „menschenkompatibler“ sind.
    Wir müssen nicht mehr in Kriegen oder durch Pharmaversuche sterben und leiden, weil Waffenproduktion bzw. Krieg nicht mehr als alternativlos- übergriffig verkauft werden….oder der Weltuntergang durch CO2😂🤣und inszenierte Seuchen.
    Hoffen wir das Beste, lieber Leser.

    • Jurgen 20. Dezember 2024 um 20:15 Uhr - Antworten

      Selten so gelacht, Zynismus in Reinform…

  5. Varus 19. Dezember 2024 um 14:33 Uhr - Antworten

    Statt 2035 will man aber erst 2050 eine „Netto-Null-Stromerzeugung“ realisieren.

    Hoffentlich sind 2050 das Woke Imperium wie der Klima-Schwindel längst gefallen. Bis dahin strebt die Ökosozialismus-Nomenklatur den Öko-Kommunismus an – wie die erste UdSSR auch schon den Kommunismus (ohne „Öko“) anstrebte: https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20242/habecks-plaene-fuehren-zum-kommunismus/

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