Anstieg der Erzeugerpreise in Deutschland um 45,8 Prozent gegenüber Vorjahr

24. Oktober 2022von 2,9 Minuten Lesezeit

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, haben die deutschen Hersteller ihre Preise im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 50 % angehoben. Die Inflationsrate, der Anstieg gegenüber den Erzeugerpreisen verzögert erfolgt, beträgt mittlerweile 10 %.

August und September 2022 waren damit die höchsten Erhöhungen der Erzeugerpreise gegenüber einem Vorjahresmonat, die seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949 gemessen wurden„, schreibt die Statistikbehörde.

Die  internationale Konkurrenzfähigkeit insbesondere ds Mittelstandes und der deutschen Wirtschaft insgesamt, wird damit weiter verschlechtert.

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Inlandsabsatz) in Deutschland stiegen im September 2022 im Vergleich zum September des Vorjahres um 45,8 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt war dies, wie schon im Vormonat, der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Im Vergleich zum Vormonat (August 2022) stiegen die Erzeugerpreise um 2,3 Prozent.

Hauptursache für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise seien die steigenden Energiekosten, so Destatis weiter: Strom koste für Weiterverteiler 259,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Laut Destatis stiegen aber auch die Preise für Vorleistungsgüter, Investitionsgüter sowie für Gebrauchs- und Verbrauchsgüter deutlich an.

Die Energiepreise waren im August 2022 im Durchschnitt 139,0 % höher als im Vorjahresmonat. Allein gegenüber Juli 2022 stiegen diese Preise um 20,4 %. Den höchsten Einfluss auf die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr bei Energie hatten die Preissteigerungen für elektrischen Strom mit einem Plus von 174,9 %.

Strom kostete für Weiterverteiler 278,3 % mehr als ein Jahr zuvor, für Sondervertragskunden 195,6 %. Für gewerbliche Anlagen, die häufig tarifgebundene Verträge abschließen, waren die Preise 12,9 % höher als ein Jahr zuvor. Im Vormonatsvergleich stiegen die Preise für elektrischen Strom über alle Abnehmergruppen betrachtet im August um 26,4 %.

Erdgas in der Verteilung kostete mehr als dreimal so viel wie im August 2021(+209,4 %). Kraftwerke zahlten für Erdgas 269,1 % mehr als ein Jahr zuvor. Für Industrieabnehmer war Erdgas 264,9 % teurer und für Wiederverkäufer 236,8 %. Für die Abnehmer kleinerer Mengen erhöhten sich die Preise etwas weniger stark (Handel und Gewerbe +90,9 %, Haushalte +83,8 %). Gegenüber dem Vormonat Juli 2022 wurde Erdgas über alle Abnehmergruppen hinweg 24,6 % teurer.

Ursachen für die gestiegenen Erdgaspreise

Hier sieht man die Entwicklung der Sportpreise beim niederländischen TTF (Title Transfer Facility), dem dominierenden Handelsplatz für EU-Gas, die so genannte EU-Gas-Benchmark. TTF ist eine virtuelle Plattform für den Handel mit Gas-Terminkontrakten zwischen Banken und anderen Finanzinvestoren, also „Over-The-Counter“.

Die derzeitigen Spotpreise sind also wieder am gleichen Niveau vom Oktober 2021, also vor irgendwelchen Sanktionen gegen russische Gasverdichterturbinen, Sprengungen von Pipelines und der erhöhten Zahl von Sanktionen. Die Preise vom Oktober 2021 sind allerdings bereits um bis zum 10-fachen höher als im Oktober 2020. Die Ursache sind offenbar wilden Spekulationen in den durch die EU deregulierten Spotmärkten.

Wir sehen die massiven Energiepreiserhöhungen sind durch  die neoliberalen Deregulierungen der lebenswichtigen Grundversorgung mit Energie verursacht  und haben mit Ukraine und Russland wenig zu tun.

Galoppierende Inflation als Folge

Die Inflation hat in der Zwischenzeit 10% erreicht. Im September 2022 betrug der Verbraucherpreisindex 121,1 somit sind die Verbraucherpreise im Vergleich zum Indexjahr 2015 um ca. 21,1 Prozent gestiegen. Die Folge ist eine rasche Verarmung der untersten Einkommensschichten.

Bild von Mediamodifier auf Pixabay

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7 Kommentare

  1. Lucas 26. Oktober 2022 at 16:38Antworten

    Europa stirbt und das ist gewollt vom großen Chef aus Übersee. Diskutieren und vor Allem warten auf eine Rettung, die es nicht gibt, ist Selbstbetrug und verlorene Zeit. Die EU ist ein US-Vasall und Deutschland war wohl nie so nazistisch wie jetzt. Wir gehen, drei Familien die noch des selbständigen denkens fähig sind. Und wir haben Hilfe, hier: http://rettungsschirm.mozellosite.com

  2. Dr. med. Veronika Rampold 24. Oktober 2022 at 21:12Antworten

    Hier auf dem Land – Bad Driburg – liegt die Inflation bei den Lebensmitteln gegenüber vor ca. 1 Jahr bei 30% bzgl. einfacher Grundnahrungsmittel wie Milch und Haferflocken, bei anderen Artikeln – v.a. Fleisch – bei ca. 50%.
    Vorräte haben die Bürger hier alle mehr als genug.
    Eine Tafel gibt es auch, die ist aber m. W. nicht überlaufen.
    Die Gärten sind alle noch grün und wer Gemüse anbaut, hat seinen Weisskohl noch draussen!
    Die Leute in meiner Straße ernteten ihr Obst diesmal mit etwas mehr Eifer als in den letzten Jahren, aber weils irre viel war, ein wahrer Segen, landeten trotzdem schubkarrenweise Falläpfel in einem Graben neben einer Wiese hier in der Nähe, wenn ich nicht wüsste, dass die Wildschweine sowas gern mögen, hätte es mir drum leid getan.
    Kurz, hier kennt man keine Angst vor Mangel.

    Die Städter sollten JETZT mal zu uns rausfahren, um zu kucken und zu fragen!
    Ich bin sicher, keiner käme mit leerer Tragtasche oder leerem Kofferraum wieder.

    Falläpfel darf man aufsammeln, so viel man tragen kann, bitte bitte macht das doch endlich, Leute, ihr wisst ja gar nicht was euch entgeht wenn ihr nur den faden GEschmack der 0815 Supermarktäppel kennt. Über den Gartenzaun nach Birnen, die man am Baum gesehn hat, oder nach etwas Gemüse zu fragen, kostet nichts und ist keine Schande, nein, meine Wenigkeit würde sich drüber freuen und ich bin sicher, damit bilde ich keine Ausnahme. Da und dort werden ab Hof Kartoffeln verkauft, auch da freut man sich über Kunden. Und dann gibts auch noch allerhand Wildwachsendes, das man beim Fußgang durch die Fluren mitnehmen darf. Hagebutten etwa, als Spielzeug zum Basteln, als Blumenstrauß, zum Trocknen als Teezusatz oder um draus Marmelade, das sog. Hiffenmark, zu machen.

  3. Fritz Madersbacher 24. Oktober 2022 at 14:24Antworten

    „Die Ursache sind offenbar wilden Spekulationen in den durch die EU deregulierten Spotmärkten. Wir sehen die massiven Energiepreiserhöhungen sind durch die neoliberalen Deregulierungen der lebenswichtigen Grundversorgung mit Energie verursacht und haben mit Ukraine und Russland wenig zu tun“
    Die „wilden Spekulationen“ haben natürlich mit der (eingetroffenen) Erwartung einer Verknappung des Angebots an günstigem Gas aus Rußland aufgrund der westlichen, insbesondere der EU-Sanktionen gegen Rußland zu tun …

  4. P. Kiehl 24. Oktober 2022 at 11:06Antworten

    Die letzte Zeile von Ihnen: Die Folge ist eine rasche Verarmung der untersten Einkommensschichten. Glaube nicht nur der untersten Schicht, was schon „untersten“ das Wort sehr unschön finde. Es werden auch die oberen Schicht betreffen, denn das Geld bleibt ja nie endlos in den Händen, Banken und Statusobjekte. Es braucht nur ein winziger Riss mehr, und schon sind wir eine Gemeinschaft. Niemand ist davon befreit. Nur Narren glauben noch wach zu sein.
    Es wird oft unterschätzt, zu weit geplant und nicht zuende gedacht. Das ist die Falle aller Möchtegern Reichen. Und die untersten Einkommensschichten sind Menschen die har arbeiten für ihr Geld. Während die Blutsauger sie beraubt. Auch hier wird sich das Blatt wenden.

    • Charly1 24. Oktober 2022 at 12:48Antworten

      Am Ende werden die Menschen den Herrschern zu Füßen liegen und sagen:
      „Macht uns zu euren Sklaven, aber füttert uns“
      Die Sklaven werden ihre Knechtschaft lieben.

  5. Frühling 24. Oktober 2022 at 11:06Antworten

    Die unteren Einkommensschichten waren bereits vor der galopierenden Inflation verarmt. Während der Coronahysteriezeit haben viele ihre kleinen zusätzlichen Jobs verloren, die sie gerade noch so über Wasser hielten. Diese Mini-Jobs brachen von heute auf morgen weg. Menschen mussten sich bei Banken zusätzlich verschulden oder Freunde und Verwandte um Geld anbetteln, um ihre Kosten notdürftig zu decken. Den letzten beißen die Hunde bekanntlich zuerst. Diese immer wieder erwähnte Plattitüde „von Armut bedroht“ gehört auf den Müll. Die Armut ist bei uns längst zur Realität geworden. Suppenküchen, Tafeln die aus allen Nähten platzen, 750 000 Obdachlose, stockarme Rentner etc. zeichnen ein tägliches Bild davon. Tendenz rasant steigend.

  6. Germann 24. Oktober 2022 at 10:49Antworten

    Mir fällt auf, dass Schlagzeilen wie Anstieg, Inflation und weitere Panikmache die Herstellen sofort reagieren und schon wird es einige Tage später teurer. Medien befeuern die Inflation weiter nach oben. Dominoeffekt. Wenn jetzt weiter dieser Irsinn befeuert wird, dann werden danach die Preise nicht mehr ins Niveau 2021 zurückkehren. Weil die Masse weiter diesen irrsinnigen Preis zahlen. Ich unterstütze das nicht! Schraubstellen sind besonders in dieser Situation wichtig, dass sie an der richtigen Stelle gedreht werden.

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