Online Kampagnengruppe agitiert im Ausland gegen Schwedens Coronapolitik

Über die Corona Strategie von Schweden gab es immer wieder Streit und negative Berichte in Medien außerhalb des Landes. Meist wurde ein Scheitern, ein Einschwenken auf die Lockdown Maßnahmen anderer Staaten oder enorme Schäden vorhergesagt, wie zum Beispiel durch den berüchtigten Modellierer Neil Ferguson, der glatt um den Faktor 75 zu hohe Todeszahlen prognostiziert hatte.

Auch innerhalb von Schweden gab es immer wieder kritische Stimmen gegen die auf Freiwilligkeit und Verhältnismäßigkeit ausgerichteten Maßnahmen der Epidemiologen und Ärzte des schwedischen Gesundheitsamtes.

Wie sich nun herausstellt, dürften zumindest einige der negativen Medienberichte durch eine Kampagnengruppe innerhalb von Schweden „angezündet“ worden sein. Der schwedische öffentlich-rechtliche Sender Sveriges Radio berichtete über eine Social-Media-Gruppe, die sich aus Personen zusammensetzt, die Schwedens Coronavirus-Strategie kritisch gegenüberstehen, und beschuldigte sie, „zu versuchen, schwedische Interessen im Ausland zu beeinflussen“.

Die fragliche Gruppe, Media Watchdogs of Sweden, beschreibt ihr Ziel auf ihrem Twitter-Account als „Entlarvung der gescheiterten schwedischen COVID-19-Strategie und Befürwortung der Strafverfolgung der Architekten der Strategie vor internationalen Gerichten“.

Gesundheitsbehörde „not amused“

Schwedens Gesundheitsbehörde hat die Gruppe nach dem Bericht kritisiert, wobei der Pressechef der Behörde den Bericht als „unangenehm und schockierend“ bezeichnete.

Sveriges Radio berichtet, dass der Moderator der Facebook-Gruppe über Versuche gepostet hat, „Regierungen in Europa zu beeinflussen, um Quarantäne-Regeln für Schweden zu haben, die ins Ausland reisen, und die Grenzen zu Schweden geschlossen zu halten“, indem sie Botschaften und Behörden in ganz Europa kontaktiert haben.

Mehrere Experten hatten die Strategie von Anfang an kritisiert, insbesondere die Tatsache, dass man sich auf Empfehlungen verließ und nicht auf die Art von rechtlich verbindlichen Regeln, die in anderen Ländern eingeführt wurden. Schweden hat bis Januar 2021 keine Empfehlung für das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ausgesprochen und Geschäfte, Friseure, Fitnessstudios und Schulen für Kinder unter 16 Jahren wurden nie auf nationaler Ebene geschlossen.

Nach dem Bericht von Sveriges Radio deutete der Pressesprecher der Gesundheitsbehörde an, dass der Kontakt der Kampagnengruppe mit ausländischen Medien mit „Fehlern und Halbwahrheiten“ über die schwedische Strategie in internationalen Medien zusammenhängt.

Einer der Gründer der Gruppe verteidigte ihre Haltung und sagte der Zeitung Expressen: „Ich komme aus Irland und dort sind wir viel direkter […] In Schweden scheint es eine Methode zu sein, jemanden in einer Debatte zu entwaffnen, ihn als problematisch und gegen schwedische Werte darzustellen.“

Über die reine Kritik an der schwedischen Strategie hinaus beschuldigt der Artikel von Sveriges Radio die Online-Gruppe, zu versuchen, die Politik anderer Länder gegenüber Schweden zu beeinflussen.

Auf der LinkedIn-Seite des Gründers heißt es, dass er in seiner Rolle in der Gruppe „erfolgreich Lobbyarbeit bei Mitgliedern des Europäischen Parlaments“ betrieben und auch die Presseberichterstattung für Mitglieder der Gruppe sichergestellt habe. Der Gründer von Media Watchdogs of Sweden, Keith Begg, wurde in mehreren internationalen Nachrichtenartikeln erwähnt, unter anderem von Business Insider, dem norwegischen NRK und News in Australien.

Die Wissenschaftlerin Emma Frans bezeichnete die Gruppe Media Watchdogs of Sweden“ als Bedrohung für die Demokratie“ und sagte, dass sie die Kommentare zu ihren Tweets abgeschaltet habe und dass sie von Forschern wisse, die sich aufgrund von Belästigungen nicht mehr in den Medien zum Coronavirus äußerten.

Interessant ist übrigens der Untertitel im MEWAS Logo: „Separating Fact from Fiction“. Damit reiht sich die Gruppe offenbar in die der „Faktenfinder“ und „Faktenchecker“ ein. Wer auf Fakten beharrt, statt sich um Erkenntnis zu bemühen hat offenbar ein ziemliches Problem mit  der Unterscheidung von Glauben und Wissenschaft.

Es gibt international durchaus starke Unterstützung für Schweden. Nicht zuletzt durch die Studie der 4 Stanford Wissenschaftler unter Führung von John Ioannidis, die nachweisen, dass die über die Vergleichsländer Schweden und Südkorea hinausgehenden Maßnahmen in 8 anderen Staaten keinen Vorteil gebracht haben aber sehr viele Schäden, zusätzliche Todesfälle und Probleme.

In einem Tweet weist Chemie-Nobelpreisträger Michael Levitt auf FFS hin:

Anfangs verwundert darüber, was ihr beide mit „FFS“ meint, sehe ich, dass es am Beispiel des Offenhaltens von Schulen während Covid19 „Forever Follow Sweden“ bedeutet.

Der verhängnisvolle Fehler, Schulen zu schließen, ist binär („offen oder ‚geschlossen'“) & wird die „Lockdowners“ dauerhaft beflecken!


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6 Kommentare zu „Online Kampagnengruppe agitiert im Ausland gegen Schwedens Coronapolitik

  1. Schwedens Weg wurde von Anfang an in D und Ö von einer extrem vorverurteilenden Presse in den Dreck gezogen. Ich habe mich eh gewundert, dass die dortigen Gesundheitsbehörden und die Politik dem Druck so lange standhielten. So läuft das leider: Desinformation & Propaganda wie im Kalten Krieg. Man muss wirklich immer die Augen und Ohren gut offenhalten, auch (gerade) hochgebildete und wohlerzogene Menschen gehen dem dutzendweise auf den Leim. Man konnte das Wort „Schweden“ kaum in den Mund nehmen, schon war man als Zyniker der über Leichen gehen würde, verschrien.
    Wenigstens gibt es jetzt Konsequenzen für diese Lobby-Gruppe und die Behörde wehrt sich gegen Einflußnahmen. Das ist heutzutage schon viel wert.
    P.S.

    1. Das müsste auch gegen die ganzen öffentl. rechtl. Sender mal gehen denn da wurde/wird gelogen dass sich die Balken biegen.
      Ich bin auch der meinung Schweden hat das sehr gut gemacht wie auch noch ander Länder wo es keine Einschränkungen gab.
      Nur wir gehen wieder den Weg der Merkel und haben die selben Maßnahmen die vorhersehbar immer mit Deutschland parallel laufen.

      1. Zu den öffentlich.-rechtlichen Medien: Der ORF übertreibt vermutlich schon seit Monaten in der regelmäßigen Online-Berichterstattung zu Covid-19 sowohl die Todeszahlen als auch die Krankenhausproblematik. Statt „an oder mit“ Covid-19 verstorben heißt es stets nur „an den Folgen … verstorben“, und die von Ages gemeldete Zahl der von Covid-19-PatientInnen belegten Normal- und Intensivbetten (das inkludiert alle, die bloß einen positiven PCR-Test haben, auch wenn sie aus ganz anderen Gründen ins Krankenhaus kamen) wird fälschlich als Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen einer Covid-19-Erkrankung berichtet.

        Beispiel heute: https://orf.at/stories/3201828/

        “Bisher gab es in Österreich 437.874 positive Testergebnisse. 8.290 Personen verstarben bisher an den Folgen des Coronavirus. Derzeit befinden sich 1.352 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 264 auf Intensivstationen.”

        Ich habe den ORF per 5.2.2021 auf diese Fehler hingewiesen, bisher ohne Reaktion. Es ist nur die Spitze des Eisbergs, aber ich denke, ich werde mich jedenfalls an den Publikumsbeirat wenden.

  2. Wer die Geschichte liest wird an die Vörgänge in Schweden zum Tod von Olof Palme erinnert.Hier spielten auch ausländische Interessen rein, die in Schweden seine gut bezahlten Unterstützer fand.

  3. Größerer Kontext als Missinformation über Schweden: Die Otto-Brenner-Stiftung hat im Oktober eine 144-seitige Studie herausgebracht, die nachzeichnet, wie Google mit vielen Millionen den Journalismus umgarnt. Recherchestand bis Sommer 20. Ein kleines Details aus vielem: Correctiv z.B. ist mit 500.000 Euros gelistet. https://www.otto-brenner-stiftung.de/wissenschaftsportal/informationsseiten-zu-studien/studien-2020/medienmaezen-google/

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