Mehr Suizide unter Jugendlichen im Zusammenhang mit Lockdown

Wir wissen, dass die behördlichen Maßnahmen verschiedenste gesundheitliche, psychische, soziale und wirtschaftliche Schäden anrichten. Besonders davon betroffen sind sozial und ökonomisch schwache Menschen und Schichten sowie generell Kinder und Jugendliche. Laut einer neuen Studie ist die Suizidgefährdung bei Jugendlichen während der COVID-19-Lockdowns stärker als im Jahr 2019. In der Untersuchung mit 11- bis 21-Jährigen in einem großen Ballungsraum in Texas wurde sowohl suizidales benehmen als auch tatsächliche Selbsttötungen untersucht.

Signifikant höhere Raten von Suizid-bezogenen Verhaltensweisen scheinen mit Zeiten korrespondiert zu haben, in denen COVID-19-Stressoren und behördlich verfügte Maßnahmen z.B. Anordnungen zur Heim-Quarantäne und Schulschließungen in Kraft waren. Das deutet darauf hin, dass Jugendliche in diesen Zeiträumen erhöhten Stress erlebten, laut „Suicide Ideation and Attempts in a Pediatric Emergency Department Before and During COVID-19“ (Hill RM, et al. Pediatrics. Dec. 16, 2020).

Die Forscher analysierten die elektronischen Gesundheitsdaten von 18.247 Jugendlichen, die wegen irgendwelcher Beschwerden in eine große pädiatrische Notaufnahme kamen. Von den 12.827 Jugendlichen, die ein Suizidrisiko-Screening absolvierten, waren 59% weiblich und das Durchschnittsalter betrug 14,5 Jahre. Etwa 48% waren Hispanic/Latino, 26,8% nicht-hispanische Weiße und 19,1% nicht-hispanische Schwarze oder Afroamerikaner. 3,5 % der Patienten gaben als Hauptbeschwerde suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen an.

Die Patienten füllten die sieben Punkte umfassende Screening-Version der Columbia-Suicide Severity Rating Scale aus. Zwei Items bewerteten passive und aktive Suizidgedanken im Vormonat. Bei Vorhandensein aktiver Suizidgedanken wurde mit drei weiteren Items der Schweregrad bewertet. Alle Jugendlichen beantworteten ein Item zum Thema Lebenszeit-Suizidversuch und wurden, falls positiv, gefragt, ob in den letzten drei Monaten ein Versuch stattgefunden hat.

Positive Suizidrisiko-Screens für Januar bis Juli 2020 wurden mit positiven Screens aus denselben Monaten im Jahr 2019 verglichen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die kürzlichen Suizidgedanken im März und Juli 2020 1,60 bzw. 1,45 Mal höher waren als im März und Juli 2019. Die Wahrscheinlichkeiten für einen kürzlichen Suizidversuch waren im Februar, März, April und Juli 2020 jeweils 1,58, 2,34, 1,75 und 1,77-mal höher als in den gleichen Monaten des Jahres 2019.

Das Geschlecht und die rassische/ethnische Gruppe erhöhten nicht die Wahrscheinlichkeit einer kürzlichen suizidalen Absicht von 2019 bis 2020.

Die Autoren sagten, dass der Vergleich der Raten über die Jahre hinweg mit Vorsicht vorgenommen werden sollte, da die Anzahl der Besuche in Hilfseinrichtungen während der Pandemie wesentlich geringer war.


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