Pharmakonzern bestätigt TKP weltweiten Medikamentenmangel

31. August 2022von 2,6 Minuten Lesezeit

Auch der Pharmariese Boehringer kann die gestiegene Nachfrage nach „Thrombolytika“, also Medikamente gegen Herzinfarkt, Schlaganfälle und akute Blutgerinnungsstörungen nicht bedienen. Die deutsche Aktiengesellschaft nennt gegenüber TKP auch Gründe. 

Vergangene Woche hatte TKP darüber berichtet: Ein internes Schreiben in Frankreich bestätigte was schon viele vermutet hatten. Es gibt einen weltweiten Mangel an „Thrombolytika“ – Medikamente, die gegen Thrombosen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte zum Einsatz kommen. Diesen Engpass bestätigt jetzt auch der deutsche Pharmakonzern „Boehringer“ gegenüber TKP.

Akuter Engpass

So wurde uns vergangene Woche ein Dokument von Ende April zugespielt. Darin ist der Pharmakonzern aus dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro (2021) unmissverständlich:

Es herrscht ein akuter Lieferengpass bis hin zu Unterbrechungen.

Betroffen sind folgende Medikamente, wie aus dem Schreiben hervorgeht:

Actilyse wird – laut Informationen von Boehringer – „zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, die durch die Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefäßen ausgelöst werden.“ Das sind etwa Herzinfarkt, akute massive Lungenembolie oder Schlaganfall. Metalyse wird auch noch bei Entzündungen am Herzen verwendet.

Ende des Mangels nicht in Sicht

Seit Ende April hat sich an der Versorgungslage nichts geändert. Das bestätigte die Boehringer AG in einer ausführlichen Antwort auf meine Presseanfrage. Darin heißt es unter anderem:

„Doch angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach thrombolytischen Behandlungen haben wir trotz aller Anstrengungen einen Punkt erreicht, an dem die Produktion dieser Medikamente nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten kann.“ Und dass, obwohl man die Produktionskapazitäten in den letzten zehn Jahren verdoppelt habe.

Man rechnet mit Lieferknappheit, „die voraussichtlich bis ins Jahr 2024 andauern wird. Dies wird sich auf alle Länder auswirken, in denen Boehringer Ingelheim Inhaber der Marktzulassung ist“, heißt von Seiten der Presseabteilung der Aktiengesellschaft. Man habe allerdings Schritte eingeleitet, dass ab Oktober 2022 „mehr Actilyse® zur Verfügung stehen wird, als ursprünglich erwartet wurde.“

Grund? Nicht der Klimawandel

Auch Gründe, weshalb die Nachfrage nun dermaßen gestiegen ist, dass die Produktion nicht mehr Schritt halten kann, lieferte Boehringer ebenfalls. Drei Punkte nennt der Konzern gegenüber TKP:

  • Die alternde Bevölkerung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines akuten ischämischen Vorfalls (bspw. Schlaganfall).
  • Behandlungsleitlinien mit erweiterten Empfehlungen über die zugelassenen Indikationen hinaus. 
  • Länder verbessern weiterhin den Standard der Schlaganfallbehandlung, was zu einem zunehmenden Einsatz von Thrombolytika auf allen Märkten führt.

Die Interpretation dieser Begründung obliegt dem geneigten Leser.

Wie hoch die Nachfrage tatsächlich gestiegen ist, konnte Boehringer nicht sagen. In Österreich sei „die Nachfrage“ sogar „einigermaßen stabil“, hieß es abschließend. Es sei generell nicht Europa, weshalb es zum Engpass komme. „Die verstärkte Nachfrage kommt aus Gesundheitssystemen, die ihre Behandlung von ischämischen Schlaganfällen durch eine Lysetherapie verbessern (z.B. Osteuropa, Asien)“, so Boehringer.

Bild Minette LontsiePharmacy in camerounCC BY-SA 4.0

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9 Kommentare

  1. Dr. med. Veronika Rampold 1. September 2022 at 16:21Antworten

    Die Nachfrage für Medikamente zur Lysetherapie bei Thrombosen, Herzinfarkten und (off label) auch Karditis ist also in die Höhe geschnellt und die Produktion ist überfordert.
    Das liegt nicht an der Nachfrage der Asiaten.
    Und nicht am zunehmenden Anteil von Alten im Westen, den haben wir schon lang, da gibts keine Sprünge.

    Diese Situation erfordert einen ärztlichen Tipp. Bitte weiterleiten, weitersagen, kopieren! Wie folgt:

    Lieber Leser,

    falls Sie eines Tages akute Beschwerden bekommen sollten, die Sie denken lassen, ein Herzinfarkt drohe, nehmen Sie umgehend (SOFORT!) ASS (z. B. Aspirin) als Brause, 1000 mg bei normalem Körpergewicht (70 kg oder darüber), 500 mg bei geringerem Gewicht. Viel nachtrinken, um die Reizwirkung auf den Magen zu vermindern. Dem Not- oder Hausarzt mitteilen, dass man diese Medizin genommen hat. Bei geringgradigen Ischämien (Durchblutungsstörungen) des Herzmuskels kann diese Maßnahme ausreichen, um einen Gefäßverschluß, der eine Lyse erfordern würde, zu verhüten!

    Bei Anzeichen eines geringgradigen Schlaganfalls, sog. TIA, oder einem akut auftretenden Ohrgeräusch mit Schwindel, sog. Hörsturz, gehe man genauso vor.

    Mögliche Nebenwirkungen von ASS ausser Magensäurebeschwerden sind Schwindel oder ein Ohrgeräusch, beides träte bei obiger Dosierung aber nur bei empfindlichen Menschen auf, v.a. solchen, die kaum an Arzneien oder „Genussmittel“ gewöhnt sind und die Wirkung jeder Arznei voll spüren.

    Wer bereits einen anderen Blutverdünner als ASS einnimmt, etwa Marcumar oder Eliquis, kann diese Notfallmaßnahme meines Wissens nicht durchführen, wegen Blutungsgefahr.

    Wer aber lediglich ASS 100 als Gefäßschutz nimmt, darf sie durchführen.

  2. Jan 31. August 2022 at 22:15Antworten

    Erst krank gespritzt und dann keine Behandlungsmöglichkeiten, schrecklich!

    • Elisabeth 1. September 2022 at 6:33Antworten

      Ja, aber es ist ein Bombengeschäft für die Impfärzte. Sie kriegen viele neue Patienten. Und auch die Pharmaindustrie freut sich auf den zusätzlichen Bedarf ….

  3. Pro Dotto Diddi Otto 31. August 2022 at 20:39Antworten

    Warum liefert ein deutscher Großkonzern (der hier im Land garantiert auch massive Vorteile erhalten hat) nicht zuerst patriotisch (oder symbiotisch zumindest) ins eigene, selbsterklärte Mangelgebiet Deutschland, statt auf dem osteuropäischen und asiatischen Zielmarkt mutmaßlich geringere Preise zu erzielen und sicherlich auch höhere Marktrisiken einzugehen als im bewährten und (noch scheinbar) gut situierten Pharma-Deutschland? – Ist das politisch gewollt? Oder gibt’s eine bessere Erklärung?

  4. Nordlicht 31. August 2022 at 20:10Antworten

    Eine Win-Win-Strategie: Die Einen verdienen an den mRN-Spritzen und erzeugen die Nachfrage für Mittel zur Behandlung.
    Wundert sich etwa jemand über die Meldung zu Thrombolytika?

  5. Gabriele 31. August 2022 at 18:24Antworten

    „Zufällig“ sind Blutverdünner massiv gefragt seit der Impfung – ich denke, wir wissen warum.
    Auch hier: Es gibt in der Naturheilkunde einige Mittel und Stoffe, die dafür sorgen, dass die Fließfähigkeit des Blutes bzw. die Durchblutung der Mikrogefäße verbessert wird. Man muss sie nur kennen…
    Und was ebenfalls hilfreich wäre: KEINE Mikrowelle – dieser Fraß sorgt umgehend dafür, dass die Blutplättchen verklumpen. Ebenfalls sehr hilfreich für „dickes Blut“: Mobilfunkstrahlung….aber das darf man nicht laut sagen…

    • Think positiv 31. August 2022 at 20:39Antworten

      Ich schwöre (obwohl ich den Geschmack tiefgrund seit meiner Kindheit hasse) auf rote Rübensaft. Probater Ansatz, diese Plörre auch zu schlucken ist, den Saft mit Wasser verdünnen und etwas Limetten oder Zitronensaft, gut gekühlt, über den Tag verteilt zu trinken. Nur so als kleiner Beitrag von meiner Seite. Also einfach probieren, wer möchte. Ist auf jeden Fall hilfreicher als Medikamente.

  6. federkiel 31. August 2022 at 17:23Antworten

    Na, Hauptsache, die Länder sitzten auf Millionen Impfstoffen.

    Es gibt auf folgender Seite nationale register medicine shortages:

    https://www.ema.europa.eu/en/human-regulatory/post-authorisation/availability-medicines/shortages-catalogue#national-registers-section

  7. Pierre 31. August 2022 at 16:50Antworten

    Jaja, plötzlich sind soviele alte Menschen da… als ob so ein Konzern keine Marktforschung betreiben würde und nicht wissen würde, wie sich der Absatz mittel- bis langfristig entwickeln könnte…

    Hier gehts doch wohl eher um kurzfristige Engpässe durch deutlich erhöhte Nachfrage.

    Wo kommt das bloß her…?

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